PCs sind zu teuer

@ctmagazin | Editorial

Meine Damen und Herren,

PCs sind zu teuer. Viel zu teuer. Oh, ich weiß sehr wohl, wie winzig Ihre Gewinnmargen bei PC-Hardware sind. Und ich verstehe auch die erregten Gemüter, die im Foyer den Konkurs von Schadt-Computer als "Mord" durch die Lebensmitteldiscounter wie Aldi anprangerten.

Doch auch Aldi-PCs sind noch viel zu teuer, und das simple Konzept "alles über die Stückzahl" ist nicht mal im Ansatz richtung-weisend. Denn, werte Anwesende, um in Zukunft mit PC-Hardware Geld verdienen zu können, muß man neue Wege beschreiten.

Die Software-Industrie macht es Ihnen seit Jahren vor: Der Kunde erwirbt ein weitgehend unbrauchbares Produkt, das er erst nach teurem Hotline-Support benutzen kann. Das Konzept ermöglicht nicht nur attraktive Einstandspreise, es macht überdies jeden Kopierschutz überflüssig. Interessant auch die Methode, Software im Bundle mit Hardware zu verschenken, um dann das Geld über "vergünstigte" Updates auf die nächsten Versionen hereinzu- holen. Und nicht zu vergessen, wie überaus elegant diese Branche die gesetzliche Gewähr- leistung ausgehebelt hat.

Nun, erfolgversprechende Ansätze zu letzterem kann man bereits beim Hardware-Verkauf beobachten. Über die Handling-Pauschale etwa lassen sich Gewährleistungsfälle gewinnbringend abwickeln. Originell, aber auf längere Sicht wohl nicht tragfähig, ist die Idee, defekte Hardware zu verkaufen, um für deren "Rücknahme und Entsorgung" eine pauschale Handling-Gebühr zu erheben. Discounter, die glauben, im Null-Support liege das Potential für niedrige Preise, werden bald auf der Nase liegen. Der clevere PC-Händler bezieht sein Einkommen bereits heute maßgeblich aus dem Telefonsupport über die 190er Nummern der Telekom zu 3,60 DM pro Minute. Sollte es unserer Lobby gar gelingen, zusammen mit den Telekom-Mitbewerbern neue Service-Tarife durchzusetzen, kann der Hotline-Erlös pro PC auf bis zu 500 DM je Hotline-Stunde steigen.

Die Zukunft jedoch gehört dem PC als "kostenlose Beigabe" zu langfristigen Vertragsbindungen an einen Internet-Provider. Von der Telekom subventionierte Modems oder ISDN-Tk-Anlagen weisen den Weg. Doch das Ziel kann nur sein, neben dem Handy für eine Mark den 1-DM-PC zu etablieren. Im Moment fehlen nur noch zwei Mosaiksteinchen, um das Bild zu vervollständigen: Der PC als Internet-Zugangsgerät muß so simpel und zuverlässig wie ein Handy werden - und damit ist auch klar, warum das Support-Geschäft nicht endlos funktionieren wird. Und der PC darf in der Herstellung nicht signifikant mehr kosten als ein Handy. Die Kröte wird vor allem Intel schlucken müssen, denn mit 500-Mark-Prozessoren kann man keinen PC zu Handy-Kosten bauen.

Ich fasse zusammen: PCs sind zu teuer, denn die Zukunft liegt im 0-$-PC. Auch wenn ich vielleicht noch nicht jeden hier im Raum überzeugen konnte, die Handy-Käufer sind bereits überzeugt. Ihre Kunden werden bald genauso von sensationellen Preisen schwärmen - und Sie auch: Denn wo der Streitwert gering ist, müht sich kein Rechtsanwalt. Ich sage daher: Wer auf dem PC-Markt untergeht, hat nur die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Es gibt noch viel zu verdienen!

Danke für Ihre Aufmerksamkeit,

Detlef Grell

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