PCs von der Stange

Komplettsysteme durchleuchtet - und auf Vordermann gebracht

Test & Kaufberatung | Test

Komplett-PCs sind für Einsteiger wie erfahrene PC-Nutzer eine feine Sache: Sie bieten meist ein gutes Preis/Leistungsverhältnis, überdies erspart der Komplettkauf viel Ärger mit der Suche nach passenden Treibern - schließlich ist das System ja schon vorkonfiguriert. Wir machten die Probe aufs Exempel und kauften verdeckt 14 Komplettsysteme im Fachhandel, übers Internet und beim Versandhandel.

Aufmacher

Echte PC-Profis stellen sich den Rechner selbst zusammen, das ist schon klar. Erst wählen sie sorgsam die Komponenten aus, suchen dann die günstigsten Angebote und bauen nach Lieferung alles fachmännisch zusammen. Sodann schließt man sich in sein Kämmerlein ein und probiert so lange mit Treibern und BIOS-Updates aus dem Internet herum, bis das System perfekt läuft. Das Ganze kann einige Tage dauern und ist auch für Hartgesottene durchaus aufreibend - aber das ist nun mal der Preis fürs Maßgeschneiderte.

PC-Einsteiger und Zeitgenossen mit geringerer Leidenswilligkeit indes scheuen sich nicht, auch zu Konfektionsware von der Stange zu greifen - zu Komplettsystemen. Hier ist, so verspricht die Werbung, alles optimal aufeinander abgestimmt. Ärger mit fehlenden oder nicht miteinander harmonierenden Treibern gibt es nicht - schließlich hat der Systemhersteller bereits alles vorinstalliert und gründlich getestet. Sollte es doch einmal zu Problemen kommen, so hilft der Fachhändler oder die Hotline des Herstellers weiter. Oft gibt es auch noch einen Vor-Ort-Service, der den PC innerhalb kürzester Zeit wieder flott macht.

Wie überall im Handel stehen auch bei Komplettsystemen Schnäppchen und Ladenhüter friedlich nebeneinander. Beide werben mit den gleichen Attributen, die zumeist aus hohen Zahlen garniert mit MHz, MByte oder GByte bestehen. Doch nur selten reichen die Angaben aus, um daraus auf die Qualität des Rechners zu schließen. Wichtige Zusatzinformationen, etwa über die verwendeten Grafik-Chips, den genauen Festplattentyp und so weiter, fehlen in der Regel.

Besonders deutlich wird das Problem beim Monitor: Die technischen Daten lassen lediglich Rückschlüsse auf die Funktion unter bestimmten Bedingungen zu, die Bildqualität hängt aber zum größten Teil von der Endkontrolle beim Monitorfabrikanten ab. Auch ‘Qualität hat ihren Preis’ ist auf Monitore der 400-DM-Klasse, wie sie üblicherweise zu Komplettsystemen verkauft werden, nicht anwendbar, kommt man hier doch bestenfalls auf Preisunterschiede von 50 bis 100 Mark; erst ab 800 Mark kann man von einem 17"-Monitor verlässliche Qualität erwarten.

Ein wackliges PC-Gehäuse, eine klapprige Tastatur, brummende Lautsprecher, lärmende Lüfter, CD-ROM-Laufwerke oder Festplatten - es gibt vieles, was sich an der Papierform eines PC in einer Anzeige nicht ablesen lässt. Und leider auch noch etliches, was man nicht mal vor Ort, sondern erst nach dem Kauf bemerkt.

Zum Reinfall kann sich aber auch schon der gewählte Handelsweg entwickeln. PCs gibt es im Fachhandel, im Supermarkt und beim Versender beziehungsweise im Internet-Shop. Jeder Vertriebsweg hat so seine Tücken: Im Supermarkt à la Aldi gibt es zwar keine Beratung im Vorfeld, aber meist ein reizvolles Gebinde hinsichtlich Preis/Leistung.

Mehr Beratung lässt sich bereits im Technik-Fachmarkt finden, auch bei manchen Versendern; bei letzteren allerdings - und bei den Internet-Shops - können die Versandkosten aus einem Schnäppchen schnell ein teures Vergnügen machen. Mitunter entwickelt sich aber auch schon der Empfang der Ware zum Abenteuer, wie unser Testkäufer leidvoll erfahren musste (siehe Kasten [#kasten1 ‘Ausgeliefert’]).

Der klassische Computer-Fachhandel wirbt dagegen mit kompetenter Beratung und komplettem Service, der naturgemäß seinen Preis hat. In der Praxis kann man aber auch hier auf die Nase fallen und an einen überforderten oder lustlosen Verkäufer geraten. Andererseits gibt es natürlich auch bei den Versandhändlern gut geschulte Telefonverkäufer, die kompetent beraten.

Wo kauft man also am günstigsten ein Komplettsystem, wo wird man kompetent beraten und welches System hält wirklich, was der Hersteller verspricht? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen schickten wir unser Kauftest-Team auf die Pirsch.

Anders als beim letzten großen Kauftest wollten wir diesmal nicht ‘unseren ersten PC’ erwerben, sondern suchten als halbwegs erfahrene Anwender - jedoch ohne allzu tiefe Hardware-Kenntnisse - nach einem neuen Rechner nebst Monitor und Zubehör. Das System sollte für aktuelle Büroanwendungen ebenso geeignet sein wie für moderne Ballerspiele. Natürlich wollten wir mit dem PC auch im Internet surfen. Ein Modem benötigten wir aber nicht, berichteten wir den Verkäufern, da bereits eine ISDN-Karte vorhanden sei. Besonderen Wert auf zusätzliche Software legten wir nicht - schließlich hatten wir alle Programme, die wir benötigten, bereits auf unserem alten PC. Einzig eine neue Windows-98-Version - wenn möglich die aktuelle zweite Ausgabe - wollten wir erstehen.

Für den Kauf standen uns pro System etwa 2500 DM zur Verfügung. Konnte uns ein Verkäufer eine Mehrinvestition plausibel machen, gaben wir auch etwas mehr aus. Im Gespräch ließen wir stets anklingen, dass uns ein guter Monitor allemal lieber wäre als der aktuell schnellste Prozessor - doch kein Verkäufer nahm das zum Anlass, uns daraufhin einen besseren Monitor und einen Rechner mit einer langsameren CPU zu empfehlen.

Alle Testkäufe fanden in der zweiten Septemberwoche statt und lagen damit in der Anfangsphase des aktuellen Speicherpreisanstiegs. Einige der gekauften Systeme dürften also bei Erscheinen dieser c't nicht mehr zu den genannten Preisen zu haben sein.

Erstaunlicherweise entdeckten wir im Einkaufszeitraum kein ‘Supermarkt-Schnäppchen’ mit ansprechenden Leistungsdaten. Hier und da dümpelten zwar noch einige sehr günstige, aber letztlich doch nicht mehr zeitgemäße Restposten in den Regalen. So besuchten wir für die Ladeneinkäufe die Technik-Kaufhäuser H.O.T, Saturn-Hansa und Schauland und Filialen der Fachhandelsketten Atelco, Comtech und Vobis.

Telefonisch bestellten wir nach entsprechender Beratung Rechner bei Computer Discount 2000 (Lion), Computer Profis, Gateway 2000, Publix und Mix. Für die Anschaffung eines Komplett-PC von Compaq, IBM, Snogard und Dell suchten wir deren Internet-Shops auf. In Dells Internetseitengestrüpp haben wir uns allerdings derartig verheddert, dass wir frustriert den Dell-PC dann doch per Telefon bestellten.

Obwohl wir uns bei dieser Einkaufstour nicht völlig unwissend gaben, erlebten wir Beratungen in sehr unterschiedlicher Qualität. Einige Verkäufer scheuten sich nicht, uns das Blaue vom Himmel herunterzulügen. So drehte man uns bei den Computer Profis einen Yakumo-Rechner mit On-Board-Grafik auf Basis des ATI Rage Pro Turbo an. Für Spiele, so erfuhren wir staunend, sei der durchaus geeignet.

Ähnlich Hanebüchenes tischte man uns bei Snogard auf, als wir uns über die lahme Grafik und das instabile Systemverhalten des frisch eingetroffenen Mach-7-PCs beschwerten. Bei Komplett-PCs sei das nun mal so. Wenn wir spielen wollten, sollten wir uns halt eine neue AGP-Grafikkarte kaufen. Nette Idee, nur sollte der Rechner dann auch einen AGP-Steckplatz haben. Davon abgesehen: Wir wollten ein Komplettsystem nach unseren Maßgaben kaufen, nicht schrauben.

Der Verkäufer bei H.O.T. gab sich kaum mit uns ab: Der frisch eingetroffene Fujitsu-PC sei der Renner, und der Monitor ‘von der Palette’ sei mit 399 DM auch noch sehr günstig. Unseren Hinweis, dass es ruhig ein guter Monitor sein dürfe, wischte er vom Tisch - das passt schon. Um es vorwegzunehmen: die Rechner-Hardware war wirklich nicht schlecht, der Monitor taugte aber nicht viel.

Bei Gateway 2000 indes nahm sich unsere Beraterin viel Zeit und wies uns zu guter Letzt noch auf die Möglichkeit hin, per Internet zu bestellen, weil wir dadurch die Versandkosten sparen könnten.

Ebenfalls gut aufgehoben fühlten wir uns bei dem Berater von Dell, der sich viel Zeit für uns nahm und uns sogar noch seine persönliche Durchwahl für spätere Nachfragen gab. Leider verhagelte das Lieferverhalten von Dell den positiven ersten Eindruck gründlich: Trotz Vorkasse erreichte uns der Rechner auch 20 Tage nach der Bestellung nicht, doch dazu später mehr.

Lobenswertes und Gruseliges erlebten wir aber auch im Fachhandel. Bei Atelco etwa knallte man uns einen Komplettrechner ohne großartige Beratung auf den Einkaufswagen. Es gebe nur dieses Modell; wenn wir ein Komplettsystem wollten, müssten wir halt das nehmen. Hinzu kamen noch ein Monitor, Mauspad, Tastatur und Maus aus dem Regal und eine Windows-Packung aus dem ‘Giftschrank’ hinterm Tresen. Im Labor angekommen mussten wir dann feststellen, dass das Betriebssystem nicht installiert war und obendrein die Boot-Diskette fehlte.

Viel besser gefiel uns da der Service bei Comtech: Den empfohlenen Athlon-Rechner konnten wir zwar nicht gleich mitnehmen, sondern erst einige Tage später abholen, dafür war das System dann aber komplett konfiguriert. Sogar das lästige Eingeben der Windows-Seriennummer hatte uns der Comtech-Service schon abgenommen.

Nach Beratung, Kauf und Anlieferung der Komplettsysteme prüften wir zunächst, ob sich die Rechner auch von einem Laien in Betrieb nehmen lassen. Ein lediglich beiliegendes, aber noch nicht vorinstalliertes Betriebssystem fanden wir außer wie erwähnt bei Atelco nur noch beim PC von Computer Discount 2000 (Lion).

Die anderen Systeme waren durchweg auch von Laien in Funktion zu setzen. Allerdings erschwerten hier und da schlecht beschriftete Anschlüsse und missverständliche Handbücher das Zusammenstöpseln des Rechners. Völlig unverständlicherweise tauchten bei der Prüfung der Windows-Vorinstallation immer wieder zwei Fehler auf, die eigentlich der Vergangenheit angehören sollten: Einige PCs arbeiteten in der MS-DOS-Box von Windows mit amerikanischer Tastaturbelegung; andere bedienten die Festplatte im trödeligen PIO-Modus, obschon sowohl Windows als auch Board und Festplatte mit dem schnelleren und zuverlässigeren UDMA-Modus arbeiten könnten. Hersteller, die sich solche Fehler leisteten, mussten mit einer schlechten Wertung für die Windows-Installation leben.

Auf die Inbetriebnahme folgte die Geräuschmessung, bei der sich wieder einmal zeigte, dass Lärmvermeidung für viele Hersteller nach wie vor ein Fremdwort ist. Die anschließende EMV-Prüfung förderte nachgerade Beunruhigendes zu Tage: Hersteller wie Atelco und Lion scheinen den einschlägigen Bestimmungen keine besonders hohe Bedeutung beizumessen, denn ihre Geräte versagten gleich bei mehreren Prüfungen.

Ein Wechselbad der Gefühle erlebten wir beim Aufschrauben der Rechner. Neben vorbildlich aufgebauten Systemen (IBM, Compaq, Gateway 2000) erblickten wir manch Deprimierendes: So blockiert etwa im PC von Snogard die Adapterkarte für die USB-Ports den einzigen vorhandenen ISA-/PCI-Slot.

Natürlich gehörten auch Performance-Messungen zum Testparcours. Hier mussten die Systeme zeigen, wie schnell sie typische Büroanwendungen absolvieren und wie gut sie mit modernen Spielen zurechtkommen. Eine detaillierte Beschreibung der Einzeltests und der daraus resultierenden Wertung finden Sie im Kasten ‘Die Kauftest-Wertung’. Die kompletten Resultate unserer Tests sind am Ende des Artikels in drei Tabellen zusammengefasst (siehe gedrucktes Heft).

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Man mag es kaum glauben, aber beim PC-Kauf auf dem Versandwege - insbesondere per Nachnahme - kann sich die simple Anlieferung des Rechners zu einem Problem auswachsen. Bereits bei der ersten Lieferung erlitt unser Testkäufer Schiffbruch: Den per Post Express angelieferten Rechner nebst Monitor durfte er nicht behalten - weil der Fahrer kein Wechselgeld dabei hatte. Immerhin erklärte er sich bereit, in einer Stunde wiederzukommen, damit wir bei der Bank Geld wechseln konnten.

Auch der UPS-Fahrer hatte kein Wechselgeld dabei. In einer Stunde wiederkommen mochte der aber nicht. Er bringe das Gerät morgen noch einmal vorbei, verkündete er und entschwand. Erst vier Tage später lieferte ein anderer Fahrer das Paket. Auch der hatte natürlich kein Wechselgeld dabei, aber wir hatten ja inzwischen gelernt.

Um den Reigen komplett zu machen, tauchte auch noch der System Plus LogisticService ohne einen Pfennig Wechselgeld auf, womit er uns ein Trinkgeld von 39 Pfennig abtrotzte.

Liebe Zustelldienste, wie stellt ihr euch denn die Auslieferung einer Nachnahme vor, wenn ihr auf Barzahlung nicht eingerichtet seid? War der Vorschlag eines Kuriers, mal eben eine Handvoll Euroschecks über 400 Mark auszustellen, womöglich ernst gemeint?

Ein anderes Ärgernis sind die inzwischen so beliebten elektronischen Quittiersysteme. Da tippt der Kutscher von UPS oder vom Post Expressdienst irgendwelche magischen Zeichen ein, die man dann per Unterschrift auf das Display beglaubigen darf. Einen Beleg darüber, was man da unterschrieben hat, erhält man natürlich nicht. Waren es also ein, zwei oder drei Pakete, deren Annahme man gerade zugegeben hat?

Regelungsbedarf zeigte sich auch bei beschädigten Paketen - wie macht man eine solche Beschädigung verbindlich aktenkundig? Kein Standardverfahren, ja anscheinend nicht mal ein Standardformular scheint es zu geben. Unser Lieferant vom Post Expressdienst reagierte jedenfalls sehr verstört, als wir die Beschädigung eines Rechnerkartons offiziell zu Protokoll nehmen wollten. Wir sollten den Schaden auf dem Lieferschein handschriftlich vermerken, er würde das dann per Unterschrift bestätigen. Zum Glück mussten wir nicht ausprobieren, was passiert, wenn man aufgrund eines solchen ‘Belegs’ einen Transportschaden von 2000 DM geltend machen will.

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