Patt im 3D-Mainstream

ATIs Mittelklasse-Chip Radeon X700 XT im Test

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Nachdem Nvidia den GeForce 6600 GT vorgelegt hat, zieht ATI nun ebenfalls mit einem leistungsstarken Grafikchip für den 200-Euro-Bereich nach. Der Radeon X700 XT beherbergt acht Pixel-Pipelines und ist wie sein Gegenstück zunächst nur für PCI-Express gedacht.

Aufmacher

Während Nvidia sich beim GeForce 6600 auf zwei Varianten beschränkt, tritt ATI mit drei Abstufungen in der gehobenen 3D-Mittelklasse an. Der Radeon X700 XT stellt mit 475 MHz Chiptakt und 525 MHz Speichertakt die leistungsstärkste Variante dar. Die langsamere Pro-Ausführung sieht ATI für 425/430 MHz Chip-/Speichertakt vor und die Standardausführung X700 arbeitet mit 400/350 MHz.

Die innere Struktur ist bei allen Varianten identisch. Als Abkömmlinge des Highend-Chips Radeon X800 erben sie dessen Eigenschaften wie das Normal-Map-Kompressionsverfahren 3Dc, Centroid Sampling oder die Fähigkeit, Pixel-Shader-Programme mit bis zu 1536 Instruktionen ausführen zu können. ATI hat zudem auch die sechs Vertex Shader des X800-Chips in den X700 übernommen - Nvidias GeForce 6600 muss mit nur drei Vertex Shadern auskommen. Am auf 128 Bit halbierten Speicher-Interface des X700 können ATIs Partner sowohl 128 als 256 MByte Speicher anbinden.

Mit der X700-Familie führt ATI zum ersten Mal einen Treiber (Catalyst 4.10) ein, der für eine Reihe von Spielen spezifische Optimierungen (A.I.) enthält. Anders als Nvidia will ATI daraus aber kein Geheimnis machen. Der Treiber erkennt bestimmte Spiele einfach am Dateinamen, sodass sich die Optimierungen bereits durch dessen Umbenennung außer Kraft setzen lassen. Manipulationen am Spiel selbst nimmt ATI nach eigenen Aussagen zurzeit nur bei Doom 3 vor, wo der Treiber im Haupt-Pixel-Shader bestimmte Werte statt durch einen Tabellenaufruf über mathematische Operationen ermittelt. Die Radeon-Chips könnten die als Textur gespeicherte Tabelle nur deutlich langsamer auswerten. Die Doom-3-Leistung der Radeon-Karten soll dadurch um bis zu 40 Prozent steigen. In Unreal Tournament 2003 und 2004 sowie im Grafik-Stress-Test von Counter Strike Source passt der Treiber die Cache-Strategie bei der Speicherung von Texturen an. Ferner blockt der A.I.-Mechanismus Antialiasing in Spielen, die das Kantenglätten selbst nicht unterstützen.

Über das neue Catalyst Control Center (CCC) sind diese Eingriffe abschaltbar, und in der Grundeinstellung verzichtet ATI jetzt auf die Optimierungen beim trilinearen Filter. Neuerdings kann man die 3D-Einstellungen auch in Profilen zusammenfassen, die das Control Center automatisch beim Start des zugeordneten Spiels übernimmt. Das CCC reagierte allerdings oft erst nach einigen Sekunden auf Änderungen an den Settings.

In den Spieletests liegen ATIs Spitzenmodell XT und die vergleichbare GT-Version von Nvidia dicht beieinander. Bei Unreal Tournament 2004 kann Nvidia einen Vorsprung von zehn Prozent für sich verbuchen. ATIs A.I. erhöht die UT-Ergebnisse des X700 XT lediglich um ein bis drei fps, in Far Cry liegen die Kanadier deutlich vorne. ATIs Doom-3-Optimierung arbeitet tatsächlich sehr wirkungsvoll und steigert das Ergebnis im Demo1-Benchmark um bis zu 21 Prozent. Der Rückstand gegenüber Nvidia schmilzt dadurch auf ein oder zwei fps zusammen. Damit sind sich die beiden Mittelklasse-Chips auch bei diesem beliebten Shooter praktisch ebenbürtig, zumal wir die Nvidia-Resultate auf einem geringfügig schnelleren System (3,6 statt 3,4 GHz) ermittelt hatten.

Beim Kühlsystem hat sich ATI allerdings völlig vergriffen. Der nur vier Zentimeter große Mini-Lüfter unseres Referenzexemplars beschleunigte kurze Zeit nach Start eines Spiels auf eine höhere Drehzahl und verbreitete dann ein hochfrequent unterlegtes kräftiges Rauschen. Mitunter pendelte er auch zwischen zwei Geschwindigkeiten. Bleibt zu hoffen, dass ATIs Partner ihre voraussichtlich im Oktober in den Handel kommenden X700-Karten mit leiseren Lüftern bestücken.

Connect3D nennt für das XT-Modell Preise von 199 und 219 Euro für die 128- beziehungsweise die 256-MByte-Version. Die Pro-Ausführungen sollen 179/199 Euro und Standardmodelle 149/169 Euro kosten. Die Preise entsprechen damit ziemlich genau denen vergleichbarer GeForce-6600-Karten. ATIs Pro- und Standardmodelle dürften aber das günstigere Preis/Leistungsverhältnis bieten, da Nvidias Standardmodell GeForce 6600 nur mit 300/250 MHz arbeitet. Eine AGP-Variante plant ATI derzeit nicht; die neuen Mittelklasse-Karten sind vor allem für System-Integratoren interessant, die in aktuellen Systemen bereits überwiegend auf PCI-Express setzen und das Preis/Leistungsverhältnis optimieren müssen. PCI-Express bringt Fans aktueller Spiele aber noch keine Vorteile. ATI verweist AGP-User auf den ebenfalls mit acht Pipelines ausgestatteten und vermutlich noch in großen Stückzahlen vorrätigen Radeon 9800. Außerdem soll es demnächst einen auf acht Pipelines abgespeckten Radeon X800 SE geben, der wie fast alle Chips seiner Namensfamilie vorerst nur als AGP-Version erhältlich sein wird; mit den teuren, aber prestigeträchtigen Highend-Chips zielen sowohl ATI als auch Nvidia vor allem auf die vorhandenen AGP-Systeme kompromissloser Spielefans. (law)

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