Persönliches Destillat

Den Nachrichtenstrom aus dem Netz bändigen

Praxis & Tipps | Praxis

In der Internet-Kollektion finden Surfer Werkzeuge, um die Flut von News, Feeds und Tweets zu beherrschen, und Webmaster alles für die Entwicklung eines eigenen Auftritts. Außerdem auf der DVD: die aktuelle Office-Kollektion.

So vielseitig und bunt das Mitmach-Web die Online-Landschaft gemacht hat, so anstrengend kann es für den Surfer sein, in der Informationsfülle nicht unterzugehen. Zu den Mainstream-Medien sind ungezählte interessante Angebote hinzugekommen, oft wesentlich fokussierter als ein universelles News-Angebot wie Spiegel online: Wer will schon die Perlen aus solchen oft mit viel Herzblut betriebenen Blogs verpassen?

Dazu kommen die Meldungen, die Kollegen, Geschäftspartner und Freunde in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook hinterlassen. Auch wenn es sich dabei nicht im-mer um wichtige, geschäftsrelevante Nachrichten handelt, so will man dennoch auf dem Laufenden bleiben. Und der tägliche E-Mail-Stapel muss auch noch abgearbeitet werden. Für den zeitlich angeordneten Strom elektronischer Dokumente, die man von anderen empfängt und die man selbst anfertigt, wurde schon in den 90er-Jahren der Begriff Lifestream geprägt, der sich auch im Web 2.0 durchsetzt.

127 Twitter-, 65 Buzz-Abos, 87 Facebook-Freunde, 250 RSS-Feeds, 17 Waves, dazu noch ein halbes Dutzend Seiten, die keinen Feed anbieten – der Surfer 2.0 bedient sich nicht selten aus Hunderten von Quellen. Das kann nur funktionieren, wenn er sie sinnvoll zusammenfasst, aggregiert, und zwar auf möglichst wenige Kanäle. Allerdings werden nicht alle Werkzeuge allen Quellen gleich gerecht.

Zum Beispiel RSS-Reader: Das Format RSS – und der jüngere Bruder Atom – stellt universelle Container bereit, in denen Websites ihre Inhalte zur Weiterverarbeitung anbieten können. Egal ob News-Site, Blog oder Web-2.0-Dienst: Überall stehen Inhalte in Form permanent aktualisierter RSS-Feeds auf Abruf. Viele News-Sites offerieren sogar mehrere maßgeschneiderte RSS-Kanäle; bei Google News etwa kann man sich auch für eine Suchanfrage einen Feed erzeugen lassen.

Mit RSS-Readern oder -Aggregatoren lassen sich diese Informationsströme schnell und komfortabel zusammenfassen und abarbeiten. Die auf der DVD enthaltenen Programme Feedreader, GreatNews und RSS Bandit übernehmen dazu das Layout von E-Mailern. Links stellen sie eine Liste der abonnierten RSS-Feeds dar, rechts die Überschriften der Postings eines Feeds oder einer Feedgruppe sowie einen ausgewählten Beitrag. Alternativ bauen sie aus den Beiträgen eines Feeds oder einer Feed-Gruppe magazinartig aufgebaute Übersichtsseiten zusammen. Mit den Beiträgen mehrerer zusammengefasster Feeds lassen sich so virtuelle Themenkanäle anlegen, die alle Beiträge zu einem Thema enthalten. (jo)

Den vollständigen Artikel finden Sie in c't 11/2010.

Schwimmstile

Es gibt wohl keine zwei Nutzer sozialer Medien, die ihre Lifestreams auf identische Weise organisieren. Exemplarisch beschreiben hier drei c’t-Redakteure, wie sie ihre Lebensströme handhaben.

News-Zentrale Feedreader

Mein RSS-Reader, Feedreader, versorgt mich mit frischen Nachrichten zu allen Themen, die mich dauerhaft interessieren. Zu den Quellen gehören Allround-Sammeldienste wie Google News über die Online-Ableger von deutschen Tages- und Wochenzeitungen wie der Süddeutschen oder der Zeit bis hin zu Blogs, die sich auf ein Thema konzentrieren, wie fingerpainted.it, hackaday.com und tinkerlog.com. Auch einen Teil des öffentlichen Twitter-Stroms holt Feedreader herein, nämlich alle Tweets mit dem Hashtag #processing. Twitter bietet zu jeder Suchergebnisseite einen „Feed for this query“ an. So kann ich mich immer über interessante Projekte mit der Programmiersprache Processing auf dem Laufenden halten.

Summa summarum strömen pro Tag gute tausend Nachrichten in den Reader – zu viel, um von allen auch nur die Überschrift zu sichten. Deshalb lasse ich Feedreader die Überschriften der einströmenden Postings nach Stichwörtern durchkämmen und alle Beiträge zu einem Thema als Liste anzeigen. Für spezielle Filteraufgaben benutze ich zusätzlich vorgeschaltet den Webdienst Yahoo Pipes.

Hinweis-Pop-ups und akustische Alerts sind Gift für meine Konzentration und ich schalte sie ab, wo immer möglich. Lieber entscheide ich selbst, wann ich den Kopf frei habe, einen Blick in Twitter, Feedreader oder die Mail zu werfen. Über die kommt übrigens oft der entscheidende Tipp zu einem Thema – von Kollegen und Freunden, die immer noch besser als jeder Smartfeed und jeder Stichwortfilter wissen, was mich ganz persönlich interessiert. Peter König

Mehrgleisig

Für einen ultrakompakten News-Überblick am Morgen besuche ich heise online, Techmeme und twittersphere. Immer mal zwischendurch arbeite ich dann den Tag über die Feeds ab. Als RSS-Reader nutze ich RSS Bandit auf dem Desktop, mit dem ich etwa 60 Feeds abonniert habe. Damit kann ich mir einen schnellen Überblick über die Nachrichtenlage zu meinen Themen verschaffen – die Titelzeilen zu überfliegen, genügt dazu meistens. Da RSS Bandit sich mit dem Google Reader synchronisiert, kann ich auch unterwegs auf denselben Nachrichtenstamm zugreifen.

Twitter-, Facebook- und LinkedIn-Statusmeldungen (ich folge 120 Twitterern, habe 60 Facebook-„Freunde“ und 40 LinkedIn-Verbindungen) verfolge ich mit Yoono. Xing und StayFriends informieren mich mindestens einmal pro Woche mit Status-Mails über Neuigkeiten, andere soziale Netzwerke besuche ich sporadisch über ihre Homepages. Synchrone Kommunikation, wie sie etwa Chat erfordert, versuche ich, wann immer es geht, zu vermeiden. Unterwegs verschaffe ich mir auf meinem Nokia E51 mit Skyfire einen Überblick über die Updates in Twitter und Facebook. Jo Bager

Lifestream 1.0

Zum wichtigsten Instrument, all die Tweets, Facebook-Nachrichten, RSS-Feeds, Mails, Chats und Instant Messages so zu verwalten, dass daraus tatsächlich ein Lifestream entsteht, hat sich keine Software, sondern erst einmal das Smartphone entwickelt. Immer zum Rechner rennen zu müssen, um im Lifestream zu schwimmen – das geht in der Redaktion, aber nicht zu Hause, nicht unterwegs. So ist das Android-Handy G1 eigentlich erst der Durchbruch für meinen Lifestream (derzeit immer noch eine Art Version 1.0) geworden. Darauf laufen der Twitter-Client Touiteur, die Facebook-App für Android, Google Reader und Google Talk sowie der E-Mail-Client K-9.

Die Anwendungen sind natürlich so eingestellt, dass sich derselbe Lifestream auf dem Computer ergibt – deshalb Google Reader für die RSS-Feeds, der dann auch auf dem PC unter Windows zum Einsatz kommt. Mulberry als immer noch bestem IMAP-Client ist meine Entsprechung zum K-9 auf dem Android-Handy, mit Pidgin kommt ein Chat- und Instant-Messaging-Client dazu. Als Twitter-Client läuft TweetDeck – damit ließe sich eigentlich auch die Facebook-Timeline verwalten. Komfortabler ist es aber immer noch, das über die Facebook-Webseite zu machen: Man bekommt einen besseren Überblick über das Umfeld, das den sozialen Filter, der durch meinen Facebook-Freundeskreis entsteht, dann wieder etwas durchlässig für neue Eindrücke macht.

Der nächste Schritt, mein Lifestream 2.0, ist eine bessere Integration von Twitter- und Facebook-Timelines mit den RSS-Feeds. Womit das zu erledigen wäre, darüber bin ich mir allerdings noch nicht schlüssig. Ganz zu schweigen davon, darin noch die Mail-Accounts aufzunehmen. Ob Google Wave dafür die Lösung ist? Ich zweifle noch daran. Jürgen Kuri

Software-Kollektion

Artikel zum Thema "Software-Kollektion" finden Sie in der c't 11/2010:

  • Rund ums Office: Teamwork, Text-Tools, Wissensmanagement - Seite 116
  • Internet-Software: Browser, E-Mail, Shopping, Web-Publishing - Seite 124
  • News, Feeds, Tweets: Die Nachrichtenflut bändigen - Seite 178

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