Pixelkünstler

Photo Line 32 für Windows Version 2.22

Test & Kaufberatung | Kurztest

Paint Shop Pro galt lange als das Shareware-Programm zur Bildbearbeitung. Jetzt hat es Konkurrenz bekommen. Worauf die Entwickler von Photo Line 32 jedoch abzielen, spiegelt sich bereits im Programm-Icon wider. Farblich ist es dem von Photoshop zum verwechseln ähnlich geraten. Ob es wohl noch mehr Parallelen zum Bildbearbeitungsprofi gibt?

Im Vergleich zu kommerziellen Produkten reiht sich Photo Line in die Klasse bis 150 Mark ein. Das Bildbearbeitungsprogramm wartet mit einem breiten Spektrum an Ein-/Ausgabe-Funktionen auf; neben Gängigem gibt es ein eigenes Bildformat (*.pld), eine TWAIN-Schnittstelle, eine kalibrierbare Druckerausgabe, Vier- farbseparation und eine HPGL-Ausgabe von Vektorgrafiken. Eine Stapelkonvertierung fehlt jedoch.

In dieser Leistungsklasse eher selten anzutreffen ist eine Gradationskurve. Mit dieser Funktion läßt sich genau einstellen, welcher Tonwertbereich wie stark aufgehellt oder abgedunkelt werden soll. In Photo Line ist die Gradationskurve sowohl für RGB zusammen als auch für jeden Farbkanal getrennt manipulierbar. Besonders komfortabel sind hier die Kurvenmanipulationen Manuell, Linie, Bézier, Lagrange und Tabelle. Bei Extremeinstellungen sind leicht Effekte wie Solarisation möglich.

Ebenso wichtig wie eine gute Tonwertkorrektur sind die Auswahlfunktionen. Sie ermöglichen es, Teile eines Bildes anders zusammenzumontieren oder separat zu bearbeiten. Hier bietet Photo Line Freihand- und geometrisches Lasso sowie Zauberstab. Als Parameter lassen sich Einfügerand und beim Zauberstab zudem die Empfindlichkeit einstellen. Leider klappt das Erweitern und vor allem das Verkleinern einer Auswahl nur unbefriedigend. Meist nimmt Photo Line die gesamte Auswahl statt nur den zuletzt markierten Teilbereich zurück. Auch die mehrstufige Undo-Funktion hilft hier nicht weiter.

Weitere Werkzeuge zur Bildmanipulation sind Stempel, Farbverläufe, Kopier- und Malpinsel. Zahlreiche Filter - darunter eine ganze Reihe von Spezialeffekten wie Verwackeln, Glühen und Strudeln - runden die Manipulationsmöglichkeiten ab. Bei der 'Rote-Augen-Funktion' wäre es wünschenswert, wenn man die neue Augenfarbe per Pipette dem Bild entnehmen könnte. Gut ist jedoch, daß die Lichtreflexe und damit eine gewisse Natürlichkeit erhalten bleiben.

Wer viel montiert, wird die Ebenentechnik von Photo Line zu schätzen wissen. Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Ebenen ist lediglich durch den Speicher begrenzt. Im Ebenenmanager lassen sich Ebenen aktivieren, gruppieren und löschen.

Sehr praktisch, um vor allem bei großen Dateien oder in hoher Zoom-Einstellung den Überblick zu behalten, ist die 'Kartenansicht'. Sie zeigt in einem kleinen Fenster das gesamte Bild, wobei der Bereich des Arbeitsfensters invertiert dargestellt ist und sich per Maus frei bewegen und skalieren läßt.

Der üppigen Funktionalität stehen allerdings noch kleine Bugs gegenüber. So aktualisiert zum Beispiel die Lupenfunktion den Bildschirminhalt nicht immer. Im Zusammenspiel mit der Online-Hilfe kann es sogar zum Absturz kommen. Insgesamt jedoch ein Programm, daß man sich anschauen sollte, wenn man sich - egal ob als Neuling oder ambitionierter Hobbyist - mit Bildbearbeitung befaßt. Die Shareware bietet alle Funktionen der Vollversion. Lediglich ein Infofenster erinnert nach 30 Tagen daran, daß die Frist für die freie Nutzung abgelaufen ist. (pen)


Photo Line 32 (Photolin.exe, Shareware: 99 DM) ist im Internet unter der Adresse http://ciebv.com/ oder in der c't-Mailbox erhältlich.

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