Pleitewelle bei CHS

Vier Töchter des US-Distributors stellen Insolvenzantrag

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Die deutsche Tochter des US-Computergroßhändlers CHS ist zahlungsunfähig. Die Pleite forderte bereits weitere Opfer. Nach CHS Österreich beantragte auch der Braunschweiger Distributor Frank & Walter Gläubigerschutz.

Bis zum Schluss hatte Peter Bundgard, Geschäftsführer der deutschen CHS-Niederlassung in Fürstenfeldbruck, auf eine Finanzspritze des US-Mutterkonzerns CHS Electronics gewartet. Am Ende zerschlug sich auch diese Hoffnung. Ende Oktober blieb Bundgard nur noch der Gang zum Konkursrichter - damit wurden weitere Firmen in den Strudel gezogen.

Am gleichen Tag stellte der Braunschweiger Distributor Frank & Walter, der seit 1997 als 100-prozentige CHS-Tochter firmiert, seine Geschäftstätigkeit ein. Zuvor hatten die Banken die von der Mutter hinterlegten Garantien neu bewertet und dem Unternehmen einige Kreditlinien gekürzt. Da wollten auch die Kreditversicherer nicht mehr mitspielen.

Rettung für die rund 450 Beschäftigten von Frank & Walter soll nun von Insolvenzverwalter Joachim C. Hausherr kommen. ‘Zwei Investoren haben bereits ihr Interesse an einer Übernahme signalisiert’, so Geschäftsführer Roland Rakebrand gegenüber c't. ‘Die Gespräche verlaufen so gut, dass wir vielleicht schon in der kommenden Woche eine Lösung finden.’

Auch bei der österreichischen CHS-Niederlassung in Wien gingen in den letzten Oktobertagen die Lichter aus. Die Dependance wickelte Lagerhaltung, Logistik und Einkauf über Deutschland ab. Wie es in Österreich weitergeht, soll sich in den nächsten Wochen entscheiden. Die Geschäftsführung jedenfalls ist optimistisch, schon bald ‘die Geschäftstätigkeit wieder aufnehmen zu können’, hieß es in einem Rundschreiben an die Geschäftspartner. Es sei daran gedacht, für die CHS-Niederlassungen in Deutschland und Österreich ein ‘geeignetes Fortführungskonzept’ zu verabschieden.

Potenzielle Geldgeber könnte jedoch die Höhe der Verluste abschrecken. Aus der CHS-Zentrale mit Sitz in Miami verlautete, dass die insolventen Töchter in der ersten Jahreshälfte ein Minus von 13,9 Millionen US-Dollar angehäuft hätten. Am Konzernumsatz des nach eigenen Angaben weltweit drittgrößten Computerhändlers waren sie mit rund 15 Prozent beteiligt.

Auch beim Mutterkonzern in Übersee kriselt es unübersehbar. Seit Januar befindet sich die CHS-Aktie im freien Fall und sackte von 19 Dollar auf den derzeitigen Stand von einem Dollar ab.

Die Vorboten kündigten sich bereits vor einem Jahr an, als der geplante Aufkauf der Vobis-Gruppe scheiterte. Nach Angaben des damaligen Vobis-Hauptaktionärs Metro war es dem Großhändler trotz einer Fristverlängerung nicht gelungen, die Kaufsumme von rund 1,2 Milliarden Mark aufzubringen.

Angesichts des Kurssturzes und unzufriedener Anleger verordnete sich die CHS-Konzernführung im Mai dieses Jahres einen strengen Konsolidierungskurs. Zunächst mit geringem Erfolg. Erst im Oktober berichtete das Management, es wolle sich jetzt definitiv von Mehrheitsanteilen seiner Töchter in Latein-Amerika trennen.

Für eine der drei englischen CHS-Zweigstellen kam die Erfolgsmeldung allerdings zu spät. Bei Eröffnung des Konkursverfahrens am 26. Oktober soll die Niederlassung bei Banken mit etwa 20 Millionen US-Dollar in der Kreide gestanden haben. (em)

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