PostScript-Multi

Ghostscript 5.01 für MacOS

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Die erst vor wenigen Wochen freigegebene Version 5.01 des PostScript-Interpreters Ghostscript liegt nun auch in einer Mac-Version vor. Der Software-RIP zeigt PS-, EPS- und PDF-Dateien am Bildschirm an, konvertiert sie in viele Druckersprachen und beherrscht nebenbei noch etliche Dateiformatkonvertierungen.

Der kostenlos verfügbare PostScript-RIP stammt aus der Unix-Ecke und fand in den letzten Jahren auch unter Windows große Verbreitung. Für den Mac sah es lange Zeit ziemlich mau aus: Die vom Hersteller Aladdin Enterprises gesponserte Portierung von Ghostscript 3.33 auf den Mac wurde jahrelang nicht aktualisiert; ein 'inoffizieller' Port von GS 4.01 ist zwar seit einigen Monaten verfügbar, wurde aber nicht mit dem Entwickler der Hauptversion abgestimmt und hechelt daher den aktuellen Versionen hinterher. Daher entschloß sich L. Peter Deutsch, der seit 1988 an Ghostscript werkelt, wieder eine offizielle Portierung in Auftrag zu geben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: MacGS-5.01, so die Bezeichnung des Pakets, führt nicht nur die Anpassungen der alten Mac-Fassung mit den neuen Features der Fünfer-Version zusammen, sondern bietet auch ein paar Neuigkeiten.

Wie es sich für einen PostScript- und PDF-Interpreter gehört, verarbeitet Ghostscript Seitenbeschreibungsdaten und stellt deren Inhalt am Bildschirm dar oder erzeugt eine Ausgabedatei in einem Grafikformat. Im Gegensatz zur alten Version bietet MacGS-5.01 auch eine Druckoption. Um die Startzeit zu reduzieren, wurden die vielen Initialisierungsdateien von Ghostscript gleich in das Programm einkompiliert. Die wichtigsten Konvertierungsskripte zur Umwandlung zwischen PDF und PS, Konvertierung von PS nach Text oder in das Illustrator-Format sind nun über eigene Menüeinträge zugänglich. Am interessantesten ist sicher die stark erweiterte Liste der unterstützten Drucker- und Dateiformattreiber. Sie enthält neben den verbreiteten Modellen von Epson, Hewlett-Packard, Canon, NEC und anderen auch die Dateiformate JPEG, PCX, BMP, TIFF, PBM und PNG. Damit lassen sich PostScript-Dateien in die bekannten Rasterformate umwandeln. Die Konvertierung in einige objektorientierte Grafikformate verläuft bisher noch nicht optimal. So werden Textelemente zum Beispiel bei der Konvertierung von PS nach PDF (abhängig von Font und Zeichensatz) oft aufgerastert, statt als echter Text in der Ausgabedatei zu landen - aufgeblähte Dateien und langsame Verarbeitung sind die Folge, außerdem sind die Dateien nicht mehr durchsuchbar.

Das Ghostscript-Paket enthält einen Satz hochwertiger PostScript-Schriften, die auch auf dem Mac zum Einsatz kommen. MacGS-5.01 kann mit den installierten System-Schriften (mit oder ohne ATM) noch nichts anfangen, sondern besteht auf einer separaten Installation der zu nutzenden Fonts. Im Ghostscript-Manual, das im PDF-Format auf Deutsch und Englisch vorliegt, kann man jedoch nachlesen, wie sich vorhandene PostScript-Fonts für den Einsatz mit Ghostscript einbinden lassen.

Laut Aussage von Jeff Schindall, der die Macintosh-Portierung besorgt hat, soll demnächst auch eine Mac-Version des Frontends GSview verfügbar sein. Damit lassen sich gezielt einzelne Seiten einer PS-Datei anzeigen und viele Zusatzfunktionen, etwa Textsuche, durchführen.

Wer sich selbst eine maßgeschneiderte GS-Version bauen will, benötigt dazu MPW und CodeWarrior 10 oder 11. Die Quell- und Projektdateien stehen neben vorkompilierten Versionen (PPC, 68K, Fat) auf den FTP-Servern zur Verfügung.

Der einzige Wermutstropfen ist derzeit noch das Fehlen eines echten PICT-Treibers mit objektorientierter Ausgabe, der jedoch bereits geplant ist. Dieser Treiber dürfte die Bildschirmausgabe erheblich beschleunigen, da Teile der Rasterungsarbeit in das Betriebssystem verlagert werden. (se)


MacGS-5.01 (Freeware) findet sich unter anderem auf der Ghostscript-Homepage (http://www.cs.wisc.edu/~ghost) sowie auf diversen Spiegeln (z. B. ftp://ftp.uni-augsburg.de:/pub/tex/ctan/support/ghostscript/aladdin). Ein Ghostscript-Manual steht unter http://www.muc.de/~tm bereit.

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