Preiswerte Beamer-Leinwand-Kombi für Fußballfans

Preiswerte Beamer-Leinwand-Kombi für Fußballfans

Test & Kaufberatung | Test

Kurz vor der Fußball-EM hat Media Markt einen Beamer nebst Kinoleinwand ins Schnäppchenlager geholt: Der Optoma-Projektor HD26 und die Leinwand des Herstellers mussten für einen Kurztest ins c't-Labor

Einen 3200 Lumen hellen Full-HD-Projektor kombiniert Media Markt mit einer zwei Meter breiten Rollo-Leinwand und bietet die Kombi aktuell für 700 Euro an. Beide Zutaten stammen von Optoma. Media Markt legt noch einen 50 Euro Geschenkgutschein drauf, den man aber erst für den nächsten Einkauf nutzen kann.

Wir haben uns das Angebot nicht entgehen lassen und Projektor nebst Leinwand einem Kurztest unterzogen. Außerdem stellen wir einige bereits von c't getestete Beamer als Alternativen vor und ordnen das Angebot von Media Markt für Sie ein.

Optoma HD26 (6 Bilder)

Der HD26 kostet ohne Leinwand ab 630 Euro, eine Ersatzlampe 130 Euro.

Als wir die Leinwand auspackten, schlug uns ein bestialischer Geruch entgegen – das "Tuch" ist aus Plastik. Die Ausdünstungen verursachten bei einem Tester Übelkeit, ich bekam Kopfschmerzen – im Wohnzimmer käme die Leinwand für mich deshalb nicht in Frage, für draußen wärs wahrscheinlich okay. Ob sich die Ausdünstungen mit der Zeit legen, prüfen wir derzeit im Labor ...

Die Projektionsfläche ist rundherum schwarz kaschiert: über dem weißen 16:9-Feld knapp 30 Zentimeter breit, an den Rändern und unten etwa fünf Zentimeter. Die Leinwand zieht man an einem Bügel aus der Metallrolle, ihre Zugmechanik scheint auf den ersten Eindruck ordentlich zu sein, die Seiten hingen schön glatt nach unten. Ob sich das Rollo nach zigmaligem Raus- und Reinziehen noch komplett einrollt, konnten wir auf die Schnelle nicht testen. Die Leinwand ist mit 10 Kilogramm recht schwer, hier brauchts stabile Wände und ordentliche Dübel, denn man zieht ja zusätzlich zum Eigengewicht der Leinwand noch regelmäßig daran.

Der DLP-Projektor von Optoma ist schon etwas länger auf dem Markt. Er projiziert 1920 × 1080 Bildpunkte und kommt mit einer beleuchteten Fernbedienung, deren Tastenbelegung sich nicht sofort erschließt. Der HD26 hat zwei HDMI-Eingänge und einen Audio-Ausgang, an den man draußen Aktivboxen anschließen könnte. Der eingebaute Lautsprecher ist sehr quäkig – Kinofilme wird man damit nicht schauen wollen. Einer der HDMI-Ports unterstützt MHL für den Anschluss von MHL-fähigen Mobilgeräten.

Am weiß glänzenden Gehäuse unseres Testgeräts schloss die Klappe, hinter der sich die Lampe verbirgt, nicht sauber mit dem Gerätedeckel ab. Es fehlt eine Objektivkappe, was beim häufigen Transport stören kann. Der Zoom ist mit 1,1 arg knapp bemessen. Man muss das Bild deshalb weitgehend über die Beamer-Position in die Projektionsfläche einpassen. Für die zwei Meter breite Projektionsfläche muss man den Projektor etwa drei Meter weit von der Leinwand wegrücken. Einen Lensshift hat der Projektor nicht, der mechanische Schärferegler funktioniert gut.

Die Wärmeentwicklung in der Nähe der Lüftungsschlitze hält sich in Grenzen – direkt daneben sollte man aber nicht sitzen. Zumal die Lampe beim Beamen nicht nur nach vorn strahlt: Es dringt auch etwas Licht an der rechten Seite aus dem Gehäuse. Für draußen ist das natürlich egal, im stockdunklen Wohnzimmer ersetzt das aber quasi die indirekte Raumbeleuchtung. Für Cineasten wäre das Gift.

Optoma verspricht für den HD26 eine maximale Helligkeit von 3200 Lumen – das sollte für ein schattiges Plätzchen im Garten und erst recht fürs leicht abgedunkelte Wohnzimmer zum Mitfiebern bei der kommende Woche startenden Europameisterschaft genügen. Achtung: Schatten muss sein, denn draußen ist es viel heller, als gemeinhin gedacht. Da werden locker 10.000 Lumen und mehr erreicht – dagegen kommen nur extrem teure Beamer an. Das Problem: Projektoren können nur zusätzlich Licht auf die Leinwand bringen, "dunkler projizieren" klappt nicht. Die Helligkeit auf der Leinwand bestimmt deshalb den minimalen Schwarzwert der Projektion und Umrisse in Bildern erkennt man erst, wenn die maximale Helligkeit deutlich höher liegt als dieser Schwarzwert.

In unseren Messungen erreichte der HD26 im hellsten Bildpreset (Bildmodus "hell", Lampenmodus "hell") 2350 Lumen und damit deutlich weniger als vom Hersteller versprochen. Allerdings ist das nicht unüblich: Die Angaben der Hersteller zum Lichtstrom sind fast immer um einiges optimistischer als die Geräte in der Realität liefern. Beim HD26 kann man noch ein klein wenig mehr rausholen, wenn man in den Gamma-Einstellungen "Grafik" auswählt.

Schwarz hellt der HD26 auf der Leinwand im hell-Modus ziemlich stark auf – bei 19,5 Lumen kann man eigentlich nicht mehr von Schwarz reden. Doch zum Glück ist der minimale Schwarzwert für die Projektion in heller Umgebung wie oben erklärt relativ unerheblich.

Seinen minimalen Schwarzwert erreicht der HD26 im Bildpreset "Kino" mit reduzierter Lampenhelligkeit (Lampenbetrieb "Eco") und aktiviertem dynamischen Kontrast (Dynamikmodus ein). Im stockdunklen Raum haben wir 0,73 Lumen gemessen, was für einen Projektor dieser Preisklasse gut ist. Allerdings erzielt der Beamer in dieser Einstellung auch nur eine maximale Helligkeit von 421 Lumen. Das ist für die späte Videosession im dunklen Wohnzimmer okay, wird tagsüber im nur leicht abgedunkelten Raum aber schon grenzwertig dunkel. Da muss man dann einen helleren Bildpreset wählen oder die hellere Lampenstufe aktivieren.

Letzteres geht dann allerdings mit mehr Krach einher: Der DLP-Chip im Beamer will stärker gekühlt werden, wenn die Lampe mit voller Helligkeit strahlt. Dass der Lüfter dann schneller dreht, hört man deutlich. Für die private Fanmeile ist das egal, im ruhigen Wohnzimmer kann der Lüfterlärm dagegen ziemlich stören. Die Geräuschkulisse des Projektors im lampenreduzierten Eco-Modus wird viele Nutzer kaum stören. Für Heim-Cineasten empfiehlt sich der HD26 aber auch dann nicht.

Die Bildwiedergabe war schon im Kino-Modus erstaunlich ausgewogen, die Farben nicht besonders knallig, dafür aber natürlich: Blondgrüne Haare oder fiebrigrote Gesichter produzierte der HD26 anders als viele Billig-Beamer nicht. Insgesamt fehlte der Projektion aber etwas Pepp. In der hellsten Betriebsart wirkt das Bild deutlich unnatürlicher, die Farben bleichen aus und Gesichter wirken fahl. Das stört beim Fußballschauen aber nicht wirklich, denn hier gehts vor allem darum, den Ball und die Spieler beim Sprint zu erkennen. Wenn nach dem Spiel die Interviews losgehen, ist es ab dem Viertelfinale schon dunkel und man kann einen andere Bildpreset wählen.

Eine Zwischenbildberechnung beherrscht der Optoma-Projektor nicht, schnelle Kameraschwenks produzieren deshalb ähnlich wie im echten Kino Mikro-Ruckler.

Besonders in der hellsten Einstellung störten Farbblitzer, die durch das schnell drehende Farbrad des DLP-Beamers entstehen: Von allein kann das eingebaute DLP-Panel nur ein Schwarzweiß-Bild erzeugen. Für Rot, Grün und Blau kommt im Beamer ein sich schnell drehendes Farbrad zum Einsatz, das aus dem weißen Licht der Lampe nacheinander die Grundfarben erzeugt. Wenn der Blick schnell über das Bild schwenkt, sieht man diese drei farbigen Anteile nacheinander und es entsteht der sogenannte Regenbogeneffekt. Auf den reagieren einige Nutzer extrem allergisch, andere stören sich nicht daran oder sehen ihn gar nicht.

Der HD26 kann auch 3D-Inhalte anzeigen, man braucht dafür eine aktive 3D-Shutter-Brille. Wir haben die 3D-Funktion in unserem Kurztest nicht berücksichtigt, da sie für die private Fanmeile nicht relevant ist.

Für draußen sind die 2350 Lumen des HD26 noch okay; es empfiehlt sich allerdings, die Leinwand seitlich mit dunklen Tüchern abzuhängen. Der Projektor ist angenehm kompakt und unkompliziert in der Handhabung – zumindest, wenn man sich ein bisschen ins Menü eingearbeitet hat. Als Zuspieler kommen nur Geräte mit HDMI-Anschluss in Frage, den Ton gibt man über angeschlossene Aktivboxen aus. Wer in einem Ballungsgebiet wohnt, kann für die EM einen kleinen DVB-T2-HD-Receiver nebst Stabantenne nutzen, um die Spiele in guter Auflösung und mit geringem Zeitverzug zu empfangen. Dann braucht man nur ein kurzes HDMI-Kabel und Strom, schon ist die eigene Fanmeile empfangsbereit. Alternativ geht auch das herkömliche DVB-T, das ähnlich wie DVB-T2 HD kaum hinter dem Geschehen im Stadium hinterher hinkt. Per DVB-T wird das TV-Signal allerdings nur in Standardauflösung ausgestrahlt, was angesichts der Full-HD-Auflösung des Optoma-Projektors ein bisschen Perlen vor die Säue ist.

Das Angebot von Media Markt ist nicht ganz so außergewöhnlich günstig, wie es auf den ersten Blick erscheint. So kann man Beamer und Leinwand auch einzeln kaufen: Den HD 26 bekommt man im Versandhandel schon für 630 Euro – versandkostenfrei. Die Leinwand gibt es bei Media Markt für 130 Euro, woanders bekommt man sie für 108 Euro, muss dann aber noch Versandkosten einkalkulieren. Deutlich günstiger wird der 700-Euro-Schnäppchenkauf deshalb vor allem über den 50-Euro-Gutschein – der einen allerdings wieder in den Media Markt zwingt …

Wenn die Leinwand nicht sein muss – oder angesichts des Gestanks nicht sein soll –, kommen auch andere lichtstarke Beamer in Betracht. So ist Acers H6517BD im online-Handel für 570 Euro zu haben, eine Ersatzlampe kostet 90 Euro. Der Full-HD-Beamer erzielte im c't-Test eine maximale Helligkeit von 2650 Lumen und brachte wie der HD26 im Kino-Modus einen niedrigen Schwarzwert zustande. Sein Bild war allerdings in sich sehr ungleichmäßig ausgeleuchtet, die Farben unnatürlich kräftig. Dafür besitzt er neben zwei digitalen HDMI-Eingängen noch einen analogen VGA-Anschluss für ältere Geräte. Es fehlt ihm allerdings Audio-Ausgang und sein Lautsprecher verdient den Namen nicht. Der Vorgänger Acer H6510BD aus dem Jahr 2013 leuchtet im c't-Test ähnlich hell (2622 Lumen) und kostet ebenfalls 570 Euro, hatte aber unter anderem Probleme mit der Wärmeentwicklung.

BenQ hat mit dem TH681 ebenfalls ein vermeintlich helles und preiswertes Gerät im Programm. Der 3000-Lumen-Beamer erreichte im c't-Test allerdings nur magere 1900 Lumen und bot im Kino-Modus mit 3 Lumen einen zu hellen minimalen Schwarzwert. Der DLP-Beamer war wie die Acer-Beamer miserabel ausgeleuchtet. Er bringt außer HDMI, VGA und Composite-Video eine S-Video-Schnittstelle mit sowie Klinkenbuchsen für Audio-Ein/Aus mit. Der TH681 kostet im online-Handel 630 Euro, eine Ersatzlampe schlägt mit knapp 140 Euro zu Buche.

Der etwas preiswertere, ähnlich wie der Angebots-Beamer HD26 ausgestattete HD141X von Optoma war im c't-Test mit knapp 2100 Lumen ebenfalls etwas lichtschwach für die draußen-Projektion. Optoma nennt als Lichtstrom übrigens 3000 Lumen, was wie beim BenQ-Gerät zeigt, dass man sich auf die Herstellerangaben hier kaum verlassen kann. (uk)

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