Premieren, Partys und Pixelschlachten

Gamescom: 245.000 Besucher auf der neuen Kölner Spielemesse

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Die Leipziger Games Convention hatte über Jahre hinweg die Fundamente gelegt. In Köln sah es jetzt keineswegs, wie von vielen zuvor befürchtet, nach dem Anfang vom Ende deutscher Computer- und Videospielemessen aus.

R2D2 wurde von einer gestrengen Eskorte bewacht.

Als die Gamescom am 23. August nach fünf Messetagen ihre Tore schloss, stand fest, dass rund 245 000 Menschen die neue Kölner Spielemesse besucht hatten. Die Veranstalter hatten in ihrer Planung auf „Leipzig + X“ gesetzt – die Games Convention 2008 verzeichnete 203 000 Besucher. Diese von etlichen Insidern des Spielezirkus als sehr optimistisch eingeschätzte Erwartung wurde damit kräftig übertroffen. 458 Aussteller aus insgesamt 31 Ländern zeigten Spiele für PCs und Konsolen sowie zahlreiche Produkte darum herum, von der Gamer-Maus bis zum PSP-Etui.

Als positive Neuerung gegenüber den Leipziger Games Conventions empfanden viele Messebesucher vor allem die erheblich größeren Hallen. Die traditionellen Massenstau-Szenarien in den Gängen blieben weitgehend aus – einmal abgesehen vom Messesamstag, an dem die Zugänge wegen des großen Andrangs zeitweise geschlossen werden mussten. Hätte man zudem die Lenkung der Publikumsströme und die Planung der Business- und Pressebereiche besser gelöst, wäre leicht noch einiges an ärgerlichen Umwegen, Hindernisläufen und Schlangenbildung zu vermeiden gewesen.

Dirk Manderbach zeigte auf seiner Triumph Street Triple 675 R aufsehenerregende Stunts.

Auch die Orientierung auf dem Gelände und darum herum fiel wegen verbesserungswürdiger Ausschilderung und kurioser Zugangsregelungen nicht immer leicht – selbst altgediente Kölner Taxifahrer hatten Mühe, manche Schikane zu überwinden. Aber gewisse Anfangspannen gibt es wohl bei jeder Messe. Die Gamescom 2009 kann insgesamt als erfolgreiche Premiere gelten; sie macht Lust auf die Fortsetzung in den kommenden Jahren.

Neu war unter anderem die Anreicherung des Publikumsbereichs durch bestimmte thematische „Gaming Zones“, die passend zu den Präsentationsständen und Ausprobierplätzen der Publisher spezielle Aktionen für die Fans boten. So lud in der „Action & Adventure Zone“ ein Kletterfelsen zum Bezwingen ein, während in der „Sports Zone“ Skateboard-Akrobatik und Hallenfußball angesagt waren.

In der „Lifestyle Zone“ lief neben einem Bühnenprogramm eine Foto-Aktion des zuständigen Industrieverbands, die den Spaß am Aufnehmen, Bearbeiten und Verwenden von Bildern zum Thema hatte. Auch auf dem Freigelände vor und zwischen den Hallen lief vom Parcours-Workshop über Beach-Volleyball bis hin zur Motorrad-Stuntshow so einiges.

Beim Live-Modding ließen PC-Gehäusekünstler die Flex glühen.

Zu den zahlreichen Wettkämpfen, die auf der Gamescom ausgetragen wurden, gehörte die achte deutsche Casemod-Meisterschaft (DCMM). Am Stand in Halle 9 gab es diesmal nicht nur fertige Casemods (modifizierte PC-Gehäuse) und Casecons (selbstgebaute Kreationen) zu bewundern; erstmals fand ein 24-Stunden-Live-Modding-Wettbewerb statt. Die Zuschauer konnten den vier teilnehmenden Zweierteams dabei über die Schultern schauen, wie diese innerhalb von drei Tagen ein vorgegebenes Gehäuse mit Holz, Plexiglas oder Metall und viel Arbeitsschweiß in eine neue individuelle Computerbehausung verwandelten. Den ersten Platz in dieser Kategorie belegte das Team „ChaosModder“, bestehend aus Matthias Streser und Thomas Kleffmann.

Green IT einmal anders: Vor wenigen Wochen stand der Baum nach Aussage des Gehäuseschöpfers noch an einem Straßenrand.

In den klassischen Wettbewerben Casemod, Casecon und „Umgebaute Unterhaltungselektronik“ (CE-Mods) brachten etwa 50 Bastler ihre Schöpfungen an den Start. Die Palette reichte von Rechnern in Autoreifen und (nachgebildeten) Käselaiben bis hin zu Film- und TV-Figuren wie Spongebob oder Wall-E. Den Siegerpokal für das beste modifizierte Gehäuse konnte Michael Mürmann für „Destiny“ mit nach Hause nehmen. Das mehrteilige Gehäuse besitzt unter anderem eine ein- und ausfahrbare Blende für die Steuerung von Licht und Wasserkühlung. Bei den Eigenbauten siegte Christian Engel mit seiner Schöpfung „Orange V1.0“, in der unzählige LEDs der namensgebenden Farbe stecken. In der Wettbewerbsklasse CE-Mods bezwang Georg Rotaru die Konkurrenz mit einem Röhrenverstärker namens GorgTech E.T.H.A. Den Publikumspreis für die spektakulärste Kreation aus allen Bereichen erhielt Florian Speet für „Gothpiration“ – einen High-Tech-Sarg.

Im Vorfeld hatten die Messemacher rund 100 Spiele-Premieren angekündigt. Auch wenn viele der dazu zählenden Trailer, Demos und spielbaren Frühversionen bereits zuvor auf der E3 in Los Angeles gezeigt worden waren, so konnte man nun zumindest in Deutschland erstmals einen Blick darauf werfen.

Die Welt des Schwarzen Auges wird erneut lebendig in „Drakensang – Am Fluss der Zeit“.

Alle Genres vom Musikspiel bis hin zum knallharten First-Person-Shooter waren bei den Neuerungen vertreten. Für Fantasy-Freunde zeigte etwa dtp Entertainment eine spielbare Version des für 2010 angekündigten Rollenspiels Drakensang – Am Fluss der Zeit, das wie sein Vorgänger auf dem DSA-System (Das Schwarze Auge) beruht. Die Handlung ist in der Zeit vor den Ereignissen des ersten Drakensang angesiedelt. Wer dieses kennt, darf sich auf ein Wiedersehen mit bekannten (jetzt allerdings etwas jüngeren) Gesichtern freuen: Dies betrifft etwa den Zwerg Forgrimm und dessen Arbeitgeber und Freund Ardo von Eberstamm. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines noch unerfahrenen Abenteurers, der sich von den beiden Freunden in eine spannende Verschwörungsgeschichte einspannen lässt. Völlig neu ist die grafische Gestaltung, die mit ungewohnter Detailtiefe begeistert. Jedes Objekt ist liebevoll ausmodelliert. Dazu kommt ein interessantes Gesprächssystem, das es dem Spieler erlaubt, sein Gegenüber gegebenenfalls wirkungsvoll zu beeinflussen.

Manche Kreaturen wie diese Schlange in „Risen“ machen selbst gestandenen Helden Angst.

Ein weiteres Rollenspiel aus Deutschland, das für Aufmerksamkeit sorgte, ist Risen, erschaffen von Piranha Bytes, den Vätern der „Gothic“-Saga. Das neue Werk des Teams erinnert zwar gelegentlich an die „Gothic“-Spiele, zeigte aber zumindest in Köln nicht deren katastrophale Crash-Neigung. Als einsamer Held erforscht man nach einem Schiffbruch eine Vulkaninsel. Auf dieser braut sich offenbar etwas zusammen, bei dem Magie im Spiel ist – eine drohende Katastrophe kann nur der Spieler verhindern. Er bekommt es mit gegensätzlichen Fraktionen zu tun, denen er sich je nach Neigung anschließen darf. Dabei geht er allerdings das Risiko ein, das Vertrauen jeweils anderer Gruppen zu verlieren. Vor allem die lebendig wirkenden Figuren sorgen bei Risen für Atmosphäre. Banditen fluchen und drohen, Inquisitoren sehen die Welt stets streng polarisiert und Magiere agieren so, als hätten sie die Weisheit für sich gepachtet. Bereits im Oktober dieses Jahres soll Risen in den Handel kommen.

Für lange Schlangen vor dem Präsentationsstand sorgte ein anderes, wesentlich actionlastigeres Rollenspiel: Diablo III von Blizzard. Immerhin bot die Gamescom die erste Gelegenheit, das Spiel in Europa zu testen. Die Begeisterung ließ die Besucher bis zu drei Stunden ausharren, um für 20 Minuten Monster verdreschen zu dürfen. Was zu sehen war, entsprach dem auf der diesjährigen E3 gezeigten Stand. Neues wollte Blizzard lieber auf der hauseigenen Messe Blizzcon im kalifornischen Anaheim zeigen, die man ausgerechnet für den 21. bis 22. August angesetzt hatte, also parallel zum dritten und vierten Gamescom-Tag. Um die deutschen Journalisten in Köln nicht leer ausgehen zu lassen, gab es in der Nacht von Freitag zu Samstag eine Live-Videostream-Übertragung aus Anaheim am Gamescom-Stand von Blizzard. Dummerweise fiel der Videostream dabei zeitweise aus.

Interessierte Privatleute konnten sich für 30 Euro am heimischen PC in dieselbe Übertragung einklinken. Wer diese verfolgte, bekam in Sachen Diablo III vor allem eine wichtige Neuerung präsentiert: die Charakterklasse des Mönchs, eines Nahkämpfers, der sich vor allem darauf versteht, Schaden auszuteilen. Einstecken kann er hingegen nicht so gut.

Weitere Neuigkeiten von der Blizzcon betrafen die ersten konkreten Details zum nächsten Add-on für das Onlinerollenspiel Word of Warcraft. Es wird Cataclysm heißen und die Spielwelt von Azeroth grundlegend verändern. Sturmfluten, Vulkanausbrüche und Erdbeben verursachen Risse in den Kontinenten, ganze Landstriche werden überflutet, neue Inseln tauchen aus den Tiefen auf. Zwei neue Rassen warten auf die Spieler: Die Worgen schlagen sich auf die Seite der Allianz, die Goblins verbünden sich mit der Horde. Die Veränderungen treffen übrigens auch Spieler, die sich das Add-on nicht zulegen wollen. Man sollte sich also schon mal daran gewöhnen, dass die Tage der alten Welt gezählt sind.

Auch anderswo sind die Entwickler nicht untätig gewesen: Das betrifft etwa das Online-Rollenspiel Aion von NCsoft, das bereits in Leipzig 2008 durch seine imposante Grafik auffiel. Ende September soll es nun starten. Aion spielt auf einem Planeten, der in der Mitte auseinandergebrochen ist. Im Inneren der oberen Halbkugel wohnen die Asmodier in stetigem Zwielicht. Sie sind loyal und kampflustig; als Feinde betrachten sie die auf der unteren Halbkugel lebenden Elyos. Die Charaktere bei Aion können Flügel ausbilden, die nicht nur zur Dekoration dienen, sondern sich tatsächlich zum Fliegen eignen. Heftige Luftkämpfe sind also Bestandteil der Auseinandersetzungen.

Wesentlich friedlicher soll es bei Die Gilde 1400 zugehen. Gameforge setzt damit den zweiten Teil der Aufbaustrategie-Serie „Die Gilde“ als Browserspiel nach dem „Free to Play“-Konzept um. Wie bei der Einzelspieler-Vorlage gibt es keine direkte physische Auseinandersetzung – man agiert verdeckt gegen die Mitspieler, indem man Intrigen spinnt, immer neue Ämter an sich rafft und dadurch Macht gewinnt. Diese lässt sich vorzüglich missbrauchen, um unliebsame Konkurrenten loszuwerden. Der Start des Spiels soll noch vor Weihnachten erfolgen.

Wenn auch mittelalterlich geprägte Fantasy-Welten das Bild zahlreicher Gamescom-Stände prägten, kamen doch Science-Fiction-Fans nicht minder zu ihrem Recht. Wer derzeit neue Serienware des „Star Trek“-Universums im Fernsehen sehnlich vermisst, der kann die Durststrecke gemeinsam mit Gleichgesinnten beim Spielen von Star Trek Online überbrücken, das im Frühjahr 2010 erscheinen soll. Spieler schlüpfen dabei wahlweise in die Rolle eines Captains auf einem Föderationsschiff oder in die eines klingonischen Kommandanten. Die Handlung ist 20 Jahre nach dem Kinofilm „Nemesis“ angesiedelt; Föderation und Klingonenimperium stehen einander nach dem Bruch der Khitomer-Übereinkunft wieder feindlich gegenüber.

Anstatt sich mühsam vom Jungoffizier zum Raumschiffkommandanten hochzudienen, beginnt jeder Spieler gleich als Befehlshaber eines Schiffs. Allerdings hängt sowohl dessen Ausstattung als auch das Können seiner Brückencrew von den Erfolgen und der Reputation des Kapitäns ab. Neben den Kämpfen im All prägen Außenmissionen das Spiel, die in 3D-Planetenumgebungen aus Third-Person-Perpektive dargestellt werden. Die „Away Teams“ müssen passend zusammengestellt und ausgerüstet werden. Was fehlt, ist die sicher von vielen Star-Trek-Fans ersehnte Möglichkeit, das eigene Schiff zu durchstreifen, durch Jeffries-Röhren zu kriechen und die vertrauten Schauplätze wie Krankenstation, Transporterraum oder Freizeitdeck zu besuchen. Diese Option soll aber im Rahmen eines Add-ons nachgeliefert werden.

Bei Borderlands von 2K darf der Spieler frei zwischen Off- und Online-Spiel wechseln. Der Science-Fiction-Shooter mit Rollenspielelementen wurde seit dem letzten Jahr vor allem in puncto Optik kräftig überholt. Figuren und Umgebung präsentieren sich jetzt in Cel-Shading-Grafik und erinnern so an gediegene Comics. Als Glücksritter muss sich der Spieler auf einem gefährlichen Planeten behaupten. Wenn er Unterstützung braucht, kann er jederzeit andere Spieler in seine Partie einladen. Deren Helden nehmen gefundene Ausrüstung und gewonnene Erfahrung nach absolvierter Mission einfach mit zurück in ihr eigenes Spiel.

id Software demonstrierte mit den Megatexturen in „Rage“ den nächsten Techniksprung bei den First-Person-Shootern.

Erstmals in Europa demonstrierte id Software seinen nächsten First-Person-Shooter. Rage entführt den Spieler in ein postapokalyptisches Szenario à la Mad Max. Die Texaner erweitern ihr von Doom und Quake hinlänglich bekanntes Shooter-Konzept um Rollenspielelemente, die an Fallout 3 erinnern, gemischt mit (noch nicht völlig überzeugenden) Autokämpfen im Stil von Twisted Metal. Die Technik der neuen Engine namens „Id Tech 5“ leistet Beeindruckendes. Mittels sogenannter Megatexturen können die Designer riesige Landstriche, Gebäude und Objekte mit sehr detaillierten, individuellen Texturen ohne Wiederholungen überziehen. Sie nutzen diese Freiheit für atemberaubend realistisch wirkende Landschaften. Keine unscharfen oder flirrenden Texturen trübten den Bildeindruck. Selbst Schatten hatten gestochen scharfe Ränder. Anders als noch bei Doom 3 kann die Engine aber nicht die komplette Szenerie mit dynamischen Lichtquellen ausleuchten. Stimmungsvolle Sonnenauf- und Untergänge sind daher nicht möglich.

Die vorgeführte PC-Version zeigte butterweiche Animationen und lief völlig stotterfrei. Wenn das Spiel voraussichtlich im nächsten Jahr für PC, Mac, Xbox 360 und PS3 auf den Markt kommt, sollen laut Tim Willits alle Versionen gleich aussehen und sich allenfalls in den Kompressionsmethoden der Megatexturen unterscheiden. Derzeit strebt man eine Veröffentlichung auf vier DVDs oder einer Blu-ray Disc an.

Während Musikspiele mit Plastikgitarren ihren kreativen Zenit überschritten haben, zeigte Activision mit DJ Hero, wie man das Genre neu beleben kann. Der kabellose Plattenspieler-Controller ist sehr aufwendig verarbeitet und kann für Rechts- und Linkshänder umgesteckt werden. Mit den drei Tasten auf dem Plattenteller kontrolliert man zwei Tonspuren und triggert Samples. Eine 360-Grad-Drehung des Tellers wiederholt ganze Passagen, die zuvor vielleicht misslungen waren. Mit der anderen Hand bedient man einen Crossfader und einen Drehknopf für Effekte. Im Spiel erfordert dieses Setup deutlich mehr Koordination als bei einer Plastikgitarre. Activision will das Spiel mit 80 exklusiven Mixes im Oktober für PS2, PS3, Xbox 360 und Wii auf den Markt bringen. Der Preis soll zwischen 100 und 120 Euro liegen.

Während DJ Hero nur vorgefertigte Musik nachspielt, erlaubt der Beaterator von Rockstar Games und Timbaland eigene Kompositionen. 4000 Loops und Samples lassen sich mit eigenem Material erweitern und mit zahlreichen Effekten aufpeppen. Mit Pattern-Generator und Acht-Spur-Sequenzer kann man so unterwegs auf der PSP eigene Stücke komponieren und als MP3-Song exportieren.

David Cage, Chef des Entwickler-Studios Quantic Dream, wünscht sich mehr erwachsene Themen und Emotionen in Videospielen. Sein im Frühjahr auf der PS3 erscheinendes Spiel Heavy Rain soll denn auch mehr Drama und Thriller als Action-Blockbuster sein. Die beiden spielbaren Demosequenzen erinnerten atmosphärisch stark an den Vorgänger „Fahrenheit“ und erlaubten dem Spieler, immer wieder in die Handlung einzugreifen und diese dynamisch zu beeinflussen. Die exzellente Grafik und die cinematische Kameraführung zogen den Spieler in die düstere Atmosphäre hinein. Allerdings erwies sich die Steuerung der Figuren als gewöhnungsbedürftig. Nur mit Mühe ließ sich ein Agent in alle Winkel einer Werkstatt steuern, um diese nach einem Mord zu untersuchen.

Deutlich konventioneller gehen die Finnen von Remedy in ihrem Thriller Alan Wake zu Werke. Als Horror-Autor verschlägt es den Protagonisten in ein verschlafenes Dorf in die Berge, wo seine Freundin entführt und er selbst von schwarzen Schattenwesen verfolgt wird. Spielerisch ruft das Action-Adventure Erinnerungen an japanische Klassiker wie „Silent Hill“ oder „Resident Evil“ wach. Aber auch filmische Anleihen aus Kubricks „Shining“ oder David Lynchs „Twin Peaks“ sind zu finden. Der Spieler muss die Gespenster mit seiner Taschenlampe verscheuchen, Schusswaffen spielen nur eine untergeordnete Rolle. Nachdem Remedy Alan Wake in den ersten Entwicklungsjahren noch auf Intel-Multicore-Prozessoren zeigte, soll das Spiel nun im Frühjahr auf der Xbox 360 erscheinen. Eine PC-Version sei nicht geplant, sagte Remedy-Chef Matias Myllyrinne.

Dass Verbrechen sich nicht lohnt, mag stimmen – aber Spiele, die das Gangstermilieu als Hintergrund ihrer Handlung nutzen, sind beliebt und bieten den Entwicklern viel Potenzial, um grafische Leckerbissen und spannende Action zu liefern. Bei Mafia 2 von 2K dürfte mancher Lust haben, einfach nur den Anblick der wunderschön umgesetzten Automodelle der 1940er- und 1950er-Jahre zu genießen, mit denen der Spieler seinen Wirkungskreis durchstreift. Aber für beschauliches Sightseeing ist keine Zeit – immerhin gilt es, sich von einem kleinen Licht in der großen „Familia“ nach oben zu arbeiten. Zu diesem Zweck erledigt man schmutzige Aufträge, treibt Schutzgeld ein und schaltet Rivalen aus.

Wer lieber originelle Rätsel löst als virtuelle Verbrechen begeht, dem bietet der Adventure-Bereich lohnende Aussichten. Mit Runaway – A Twist of Fate vom Hamburger Publisher Crimson Cow findet die Saga um das ungleiche Paar Brian und Gina ein Ende. Brian landet im Irrenhaus, weil er eines Verbrechens beschuldigt wird, an das er sich nicht erinnern kann. Bei einem Fluchtversuch kommt er ums Leben. Gina versucht aufzuklären, was wirklich geschehen ist – und der Spieler hilft ihr dabei.

Richtig unheimlich wird es bei Black Mirror 2 von dtp Entertainment. Der erste Teil konfrontierte den Spieler mit einem uralten Fluch und dem merkwürdigen Protagonisten Samuel, der versuchte, eine Mordserie aufzuklären. Diese Ereignisse sind im zweiten Teil Geschichte. Doch natürlich geht es auch diesmal wieder um merkwürdige Morde, eine geheimnisvolle Frau und das unheimliche Black Mirror Castle, in dem die Fäden zusammenzulaufen scheinen. Das stimmungsvolle Adventure soll noch in diesem Jahr erscheinen.

Wer Gruselkomödien liebt, ist bei Haunted an der richtigen Adresse, das demnächst bei HMH erscheinen soll. Das Spiel stammt aus der Feder von Deck 13, den Machern der Ankh-Adventures. Heldin ist das Straßenmädchen Mary, das aufgrund eines tragischen Erlebnisses mit Gespenstern reden kann. Da diese sonst eher selten Gesprächspartner finden, schließen sie sich Mary gern an und helfen ihr dabei, eine bösartige Wissenschaftlerin aufzuhalten.

Auf hübsch gestalteten Duell-Terrains entscheiden Echtzeit-Kämpfe bei Shahmat darüber, wer wen schlägt.

Nicht weniger professionell, aber bislang noch ohne Publisher präsentierte sich am Rande der Messe ein Studentenprojekt, das Action-Schachspiel Shahmat. Bei der Entwicklung stand unter anderem das Konzept des legendären „Archon“ Pate. Wenn zwei Schachfiguren einander auf einem Feld des Brettes begegnen, findet ein Echtzeit-Kampf statt; es öffnet sich eine Kampfarena. Hier treten die beiden Streiter dann in einem Action-Gefecht gegeneinander an. Die Stärken und Schwächen dabei werden von der Art der Figuren, ihrer Stellung auf dem Schachbrett, aber auch ihrer Ausrüstung und Erfahrung bestimmt. Ein Punktsystem dient dazu, die Figuren zwischen den Partien aufzuwerten. Das erste Figurenset lässt griechische und römische Streiter der Antike gegeneinander antreten. Das Spiel macht solo oder mit zwei Spielern enormen Spaß, obgleich es sich nur schwer in die gewöhnlichen Genre-Schubladen stopfen lässt.

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