Profis im Visier

CeBIT'96 konzentriert sich auf Fachbesucher

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In diesem Jahr soll sich die Hektik vermindern: Die Messe AG Hannover versucht, sich vornehmlich auf die professionelle Klientel einzustellen; auf Entscheidungsträger, Ein- und Wiederverkäufer aus Wirtschaft und Verwaltung.

In der Vergangenheit war zunehmend beklagt worden, daß die CeBIT aus allen Nähten zu platzen droht, und selbst die Organisatoren sahen bei einer Dreiviertel Million Besuchern und über 6000 Ausstellern die Kapazitätsgrenze erreicht. Eine gute halbe Million Fachbesucher will die Messe AG während des letztjährigen Spektakels gezählt haben, die weiteren, 218 000, seien `Privatbesucher' gewesen. In diese schließen die Veranstalter auch Schüler und Studenten ein, wie sonst ist es zu erklären, daß entsprechende Eintrittspreisermäßigungen lediglich am Messesonntag und dem Abschlußtag gewährt werden. Jugendliche unter 15 bleiben - auch in Begleitung Erwachsener - vom Messetrubel ausgeschlossen. Als Ventil soll die `CeBIT Home Electronics' vom 28. 8 bis 1. 9 dienen und dem Endverbraucher die Segnungen der Informations- und Kommunikationsindustrie ans Herz legen - dorthin, wo die Brieftasche sitzt. Im gleichen Zuge wurde die Messedauer um einen Tag verkürzt. Mit dem Neubau der Halle 4 (der größten stützenfreien Halle Europas) und der Hinzunahme der Halle 26 (nach Angaben der Messe AG `eine der größten Hallen der Welt') schaffen die Organisatoren mit insgesamt 333 567 m2 Nettoausstellungsfläche (im Vorjahr waren es 317 675) etwas mehr Luft. Das Mehr kommt im wesentlichen dem Bereich `Telekommunikation' zugute. Ein stolzer Blick gilt auch der weiteren Zunahme der Ausstellerzahl auf nunmehr 6307 (Vorjahr 6111).

Der Trend geht zur verteilten Datenverarbeitung mit offenen Systemen und Netzen. Ein großer Teil der Präsentationen gilt der Einbindung von PC-Hardware und -Software in Client-Server- und Workgroup-Systeme. Gespannt darf man darauf sein, wieweit die `PC-Terminals' Akzeptanz finden werden. Weil sie einfacher zu bedienen und erheblich billiger als herkömmliche PCs sind, hofft die Industrie, sie in der Internet-Gemeinde losschlagen zu können. Die Terminals beziehen ihren Softwarebedarf aus dem Netz. Alles, was Rang und Namen besitzt, gibt sich die Ehre, darunter Microsoft, die mit ihrem 1600 m2 großen Hauptstand in Halle 2, D02 residiert. Die Produktbereiche `Exchange' (EMail-Server mit integrierter Groupware) und `Backoffice' finden sich in Halle 11, A62. Die Softwarefirma wird ihre neuen Internet-Produkte `Internet Information Server' und `Internet Explorer 2.0' besonders hervorheben. IBM stellt `Network-Centric Computing', NCC, in den Vordergrund seines Messeauftritts. Big Blue vertraut also auch auf den Massenmarkt, den die zunehmende Akzeptanz des Internet als Kommuni- kationsmedium verspricht. Auf dem Hauptstand in Halle 1 zeigt IBM, wie Unternehmen ihre Großrechner ans Internet anschließen können, ein kleines Internet-Café in Halle 2, D28 lädt zum Surfen ein. Nach einer Betaversion von Merlin (dem Nachfolger von OS/2-Warp) wird man fragen müssen.

Den PowerPC und das Drumherum stellt Motorola auf einem über 800 m2 großen Stand in Halle 14 vor. Dort werden auch weitere Anbieter aus dem PowerPC-Umfeld zu finden sein. Solaris, MacOS und Windows NT 4.0 will Motorola `unter Power' vorführen. Apple konzentriert sich in Halle 21 auf Internet-Publishing. Sieht man von einer Handvoll Drucker und Scanner ab, gibt es keine Hardware-Highlights. Wer Nachfolger der Triton-Chipsätze sucht, wird bei A-Open (unter Acer, Halle 11, D62) und Asus (Halle 14, B38) fündig werden. Philips zeigt in Halle 17 neue Abspielgeräte für die Digital Video Disk (DVD), die pro Seite 133 Minuten (4,7 GByte) Unterhaltung bietet. Die Vebacom, Düsseldorf, präsentiert in Halle 13, Stand A16 zum ersten Mal einem breiten Publikum ihr Pilotprojekt Infocity NRW. Rund 10 000 Haushalte und Unternehmen im bevölkerungsreichsten Bundesland werden über Glasfaserkabel miteinander verbunden; Kapazität: 2,4 GigaBit/s. Infocity NRW kann so mit Fug und Recht als die größte Testplattform für breitbandige Multimedia-Anwendungen in Europa bezeichnet werden. Caldera in Halle 11, B38 zeigt den Caldera Network Desktop inklusive der Office-Anwendungen für Linux, zum Beispiel WordPerfect. Bei Toshiba zu sehen: Das erste Notebook mit einer Auflösung von 1024 x 165; 768-Pixel bei 64 K Farben auf einem 12,1"-Display. Der `Tecra 720CDT' ist in Halle 11, Stand F71 zu sehen. Weitere Highlights dieses mobilen Rechners sind ein CD-ROM-Laufwerk mit 6facher Geschwindigkeit und der 2,9V-Pentium 133. Bereits seit dem 1. März bietet die Firma Citycom in Hannover in den drei U-Bahnstationen Steintor, Hauptbahnhof und Kröpcke einen neuen Infoservice: Auf großen Leinwänden läuft eine immer wieder aktualisierte 15minütige Programmschleife. Neben News aus Hannover erscheinen auch nationale und internationale Meldungen. Auch die hannoverschen Verkehrsbetriebe informieren die Fahrgäste durch das neue Medium. Der Anteil der Werbung, über die das Pilotprojekt finanziert wird, beträgt weniger als die Hälfte. Zur Messe plant die Redaktion von Citycom täglich aktuelle Berichterstattung und spezielle Hinweise auf die Messelinie.

Als Star der diesjährigen CeBIT wird das `Internet' glänzen. Da mag sich die c't-Redaktion (Halle 5, E34) nicht ausschließen. Sie wird im Internet von der CeBIT berichten. Nähere Hinweise finden Sie auf der Hauptseite des Heise-Verlags. (fm)

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