Prozessor-Feuerwerk

Intels Pentium 4 mit 512 KByte L2-Cache und zehn weitere neue Desktop-CPUs

Wissen | Know-how

Beim Pentium 4 mit ‘Northwood’-Kern hat Intel die Kapazität des Level-2-Cache verdoppelt. Davon profitieren auch die Workstation-Xeons, außerdem stellt Intel schnellere Pentium-III- und Celeron-CPUs vor. AMD hält mit dem Athlon XP 2000+ dagegen. Wie ändern sich die Kräfteverhältnisse bei den x86-CPUs?

Mit der Vorstellung gleich fünf neuer Pentium-4-Familienmitglieder beginnt das Jahr 2002 bei Intel furios. Die höher getakteten und mit größerem Level-2-Cache aufgemöbelten Prozessoren sollen den Leistungsabstand zum Erzkonkurrenten AMD Athlon XP endlich auf ein standesgemäßes Maß vergrößern - bisher rannte der AMD-Sprinter den Intel-Flaggschiffen immer noch in vielen Disziplinen davon.

Das wissen die PC-Käufer offenbar zu schätzen. Obwohl der Preisabstand zwischen den neuen XP-Athlons und dem Pentium 4 nicht mehr so groß ist wie noch bei den älteren Thunderbird-Athlons, nimmt AMD Intel kontinuierlich Marktanteile ab. Nach Untersuchungen von Gartner Dataquest stieg in Westeuropa der Anteil von AMD-Prozessoren in an Privatleute verkauften Rechnern innerhalb des letzten Jahres von 25 auf 49 Prozent. Besonders die Deutschen - auch viele c't-Leser - entscheiden sich häufig für AMD: Die letzte Umfrage auf Heise Online ergab, dass sich mehr als drei Viertel aller Teilnehmer ein AMD-System kaufen wollen [1].

Genaue Zahlen für den Bereich der Firmenrechner, der weit über die Hälfte des weltweiten PC-Marktes ausmacht, liefert Dataquest nicht. Immerhin bietet mit Fujitsu-Siemens auch ein wichtiger Corporate-PC-Anbieter jetzt AMD-CPUs an, einige Modelle der Scenic-Baureihe sind jetzt mit XP-Athlons zu haben. Der AMD-Anteil am Gesamtmarkt der USA soll mittlerweile 27 Prozent betragen, in Schulungseinrichtungen und öffentlichen Institutionen stehen mit 33 Prozent etwas mehr AMD-PCs als im Landesdurchschnitt.

Höchste Zeit also für Intel, den Erzrivalen in die Schranken zu weisen. Der neue Northwood-Kern erreicht nicht nur die höhere Taktrate von 2,2 GHz, sondern enthält zusätzlich die doppelte Menge Level-2-Cache wie sein Vorgänger. Den Northwood fertigt Intel auf neuen Fertigungsanlagen (Fabs) für 0,13-µm-Halbleiterstrukturen, die der Weltmarktführer in den letzten Jahren für mehrere Milliarden US-Dollar aufbaute. Eine Linie in der Entwicklungsfab in Hillsboro/Oregon verarbeitet sogar schon 300-mm-Wafer. Trotz des größeren Caches ist das Northwood-Die rund 40 Prozent kleiner als das des Vorgängers Willamette. Das reduziert die Fertigungskosten deutlich.

Äußerlich gleichen die neuen Chips den ‘alten’, in 0,18-µm-Technik hergestellten ‘Willamette’-Prozessoren wie ein Ei dem anderen: Alle Prozessoren sitzen in dem im Sommer 2001 eingeführten Sockel-478-Gehäuse, auf dem ein Heat-Spreader das Die abdeckt. Der Typenbezeichnung des 2,0-GHz-Northwood hängt Intel ein ‘A’ an, um ihn von seinem Vorgänger zu unterscheiden.

Auch beim Workstation-Prozessor Xeon sollen die klei-neren 0,13-µm-Strukturen für mehr Power sorgen. Hier heißt der Kern jetzt Prestonia statt früher Foster. Nach wie vor verlangt Intel für den eng mit dem Pentium 4 verwandten Xeon bei gleicher Taktfrequenz 50 US-Dollar mehr. Im Unterschied zum Pentium 4 eignen sich die im Sockel-603-Gehäuse verpackten Xeons für den Einsatz in Dual-Prozessor-Rechnern. Für Server mit vier und mehr CPUs wie IBMs x360 sind die Multiprozessor-Xeons mit zusätzlichem L3-Cache gedacht, die aber offiziell noch nicht zu haben sind und wohl auch das Fünffache der hier vorgestellten Xeons kosten werden.

Außer Prozessoren mit der ‘NetBurst’ getauften Pentium-4-Architektur hat Intel rund um den Jahreswechsel auch noch fünf neue CPUs mit Pentium-III-Kern vorgestellt. In allen werkelt ebenfalls ein im 0,13-µm-Verfahren gefertigter Kern namens ‘Tualatin’. Es gibt jetzt einen Celeron mit 1,3 GHz, einen Pentium III mit 1,33 GHz und einen Server-Pentium-III-S mit 1,4 GHz. Während die beiden erstgenannten Prozessoren auf Einsteiger-Systeme zielen und nur mit 256 KByte Level-2-Cache ausgestattet sind, glänzt der für kleine Dual-Server gedachte Pentium III Processor-S mit der doppelten Menge Pufferspeicher. Gemeinsam mit dem 1,3-GHz-Celeron, der sich nur durch seinen FSB-Takt von 100 MHz vom Pentium III unterscheidet, kommen Tualatin-Celerons mit 1,0 und 1,1 GHz auf den Markt, deren Typenbezeichnung zur Unterscheidung von den Coppermine-Versionen mit nur 128 KByte L2-Cache wieder das ‘A’ ziert.

Intels Jahr-2002-Prozessorfeuerwerk lässt AMD nicht unbeantwortet: Mit dem Athlon XP 2000+ (intern: 1,667 GHz Taktfrequenz), dem Dual-tauglichen Athlon MP 1900+ (intern 1,6 GHz) samt passendem Chipsatz AMD-760MPX und einem 1,3-GHz-Duron frischt AMD auch seine CPU-Palette auf. Allerdings sind diese neuen Typen allesamt nur schnellere Versionen ihrer Vorgänger, auch der neue Chipsatz bringt außer einem jetzt mit 66 MHz Takt arbeitenden 64-Bit-PCI-Bus nichts umwerfend Neues. Erst die für das laufende Halbjahr angekündigten 0,13-µm-Prozessorkerne namens ‘Thoroughbred’ für den Athlon und ‘Appaloosa’ für den Duron versprechen einen signifikanten Leistungsschub.

[1] Andreas Stiller, PC-Markt fährt Achterbahn, c't-Umfrage ermittelt positive Trends, c't 01/2002, S. 58

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