Prozessorgeflüster

Von kalten Chips und heißen Blogs

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Wenn Intel das IDF im Silicon Valley zelebriert, dann ist traditionell auch AMD nicht weit, um den zahlreich angereisten Journalisten und Analysten seine neuesten Produkte zu präsentieren, in diesem Jahr insbesondere den Bulldozer.

Mit viel flüssigem Helium schaffte es AMD, am Eröffnungstag des Intel Developer Forums ein bisschen Aufmerksamkeit zu erheischen. Damit konnten sie einen FX-Prototypen (mit drei abgeschalteten Modulen, 2 Volt Kernspannung) auf den Weltrekordwert von 8,429 GHz heizen – und das bei kühlen –230 °C. Mit Hilfe erfahrener Overclocker steigerte AMD die Rekordmarke eines betagten Celeron-D in 65 nm Technik mit P4-Architektur um satte 1,4 Prozent und durfte sich so ins Guinness-Buch der Rekorde eintragen.

AMDs Mobile Bulldozer Trinity (rechts) stellt sich unter Deus Ex dem Core i5.

Nur eine Ecke vom IDF-Konferenzort entfernt waren einige Bulldozer aber auch bei Raumtemperatur zu bewundern, darunter der Nachfolger von Llano mit Codenamen Trinity. Der für Anfang nächsten Jahres erwartete Chip wird schon den leicht verbesserten Bulldozer-Kern Piledriver aufweisen, dazu eine um etwa 50 Prozent schnellere Grafik. Das Gespann mit vier Piledriver-Kernen konnte bei einer Demo mit Deus Ex ein weitaus flüssigeres Bild auf das Notebook-Display zaubern als das Vergleichsnotebook mit Intel Core i5. Ersteres lief allerdings mit DirectX 11 und Tesselation, letzteres mit DirectX 9 ohne selbige.

Daneben zeigte ein achtkerniger FX seine Künste im Vergleich zu einem vierkernigen Intel Core i5 „in der gleichen Preisklasse“ und überholte ihn im Open-Source-H.264-Benchmark Handbrake um 19 Prozent. Bei DiRT 3 mit 2560 x 1600 Pixeln war AMD etwas auskunftsfreudiger. Hier trat ein FX-8150 im AMD-990FX-Board mit DDR3-1600 gegen einen Intel Core i7 980 im Asus X58 mit DDR3-1066 an. Die Konkurrenten waren mit 81 respektive 83 fps in etwa ebenbürtig, was wohl auch an den beiden eingesteckten AMD Radeon 6970 mit Crossfire liegen könnte. Immerhin, so betonte AMD, kosten die Komponenten Prozessor, Speicher und Board mit dem FX-8150 nur 515 Dollar im Vergleich zu den 1279 Dollar Listenpreis des Intel-Systems.

AMD kämpft aber nicht nur gegen Intel, sondern an der anderen Front auch gegen Nvidia. Und so trat ein Acer Tab mit AMD-Z-01-APU (Bobcat, Dual Core, Windows 7) gleich gegen zwei „competitive“ Tablets im Browser-Benchmark Peacekeeper von Futuremark an, eines bestückt mit Intel Atom Z670 und eines mit Nvidia Tegra 2 unter Android 3.2. Ergebnis: 1367 Punkte für Bobcat, 1089 für Tegra 2 und weit abgeschlagen mit nur 652 Punkten der Atom. Intel hatte allerdings auf dem IDF andere Benchmarkergebnisse wie Linpack oder Sunspider veröffentlicht, die den Atom Z670 um 50 bis 80 Prozent vor dem Tegra 2 platzierten …

Heißer diskutiert als AMDs ausgesuchte Einzelergebnisse werden indes die neuen im Web kursierenden Resultate mit solch bekannten Benchmarks wie Cinebench, die den Bulldozer weit weniger top aussehen lassen. Der tschechische Blogger Obrovsky hat auf seiner Site zahlreiche solcher Ergebnisse für den AMD FX-8120 bei 3,1 und 4 GHz und den FX-8150 bei 3,6 und 4,2 GHz aufgelistet und sich sogleich den gesammelten Zorn der AMD-Fangemeinde zugezogen.

Intel hat dem Ivy Bridge drei DisplayPorts spendiert, doch AMD zeigte bereits Eyefinity mit fünf Displays in einer Reihe.

So hat er für einen direkten Vergleich den FX-8150 bei 4,2 GHz gegen einen gleich schnell getakteten Phenom II X6 1100T antreten lassen, beide mit abgeschaltetem Turbo-Modus. Die Ergebnisse im Cinebench 10 und 11.5, in SuperPi und Fritzchess sind bei gleicher Anzahl Threads ernüchternd, wenn auch nicht wirklich überraschend, hat doch die alte Phenom-Architektur eine universelle Pipeline pro Integer-Kern mehr, größere Caches, ein eigenes Frontend und eine eigene FPU. Obrovskys Ergebnisse des Bulldozer-Prototypen liegen bei gleicher Threadzahl meist gar um 25 Prozent unter denen des Phenom. Selbst bei voller Kern-Leistung schlägt der Sechskerner Phenom II X6 den Achtkerner FX bei Cinebench 11.5 mit 7,38 zu 6,95 Punkten.

Vielleicht hat Obrovsky aber doch noch einen alten Prototypen erwischt. Das Stepping soll nach seinen Angaben B2 sein, allerdings reicht die Palette beim Bulldozer von B2a bis hin zum aktuellen B2g. Zudem sind einige Performance-fressende Bugs bekannt, die sich möglicherweise durch einen Prozessortreiber noch beheben oder reduzieren lassen, bevor B3 oder C0 ihnen später wohl ganz den Garaus macht. Für Linux existiert jedenfalls seit Ende Juli ein Kernel-Patch (noch nicht bei den Distributionen), der das häufige gegenseitige Hinausschmeißen von Cachelines (Thrashing) wegen eines Aliasing-Problems im L1-Instruktionscache vermeidet. Er wird unter „[PATCH]x86.AMD:Correct F15h IC aliasing issue“ auf gmane.org diskutiert, unter anderem auch von Linus Torvalds. Vor allem einige SPEC-CPU2006-Benchmarks sollen unter diesem Aliasing-Problem leiden.

Wie dem auch sei, Obrovsky veröffentlichte in seinem Blog auch Ergebnisse mit Nominaltakt und eingeschaltetem Turbo, so wie die Prozessoren üblicherweise gefahren werden. Und da sieht es erheblich besser für den FX-8150 mit 3,6 GHz im Vergleich zum Phenom II X6 1100T mit 3,3 GHz aus. Dank Turbo schafft der FX weiterhin 6,93 Punkte bei Cinebench 11.5, der Phenom II X2 sackt hingegen auf 5,92 ab. Auch beim Großteil der anderen Benchmarks hängt der FX den alten Phenom ab, liefert sich eher Gefechte mit dem Core i7 2600K und zuweilen auch mit dem Core i7 990x. Bei TrueCrypt AES, das offenbar die neuen AES-Befehle unterstützt, ist die Bandbreite fast fünfmal so hoch wie beim Phenom. Viel Verwirrung also höchste Zeit, dass wir mal selbst Hand anlegen können. (as)

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