Prozessorgeflüster

Von patenten Frauen und Picodrähten

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IBM hat den höchsten Gewinn, die meisten Patente – und nun eine Chefin. Intel ärgert sich über verhökerte Prozessor-Prototypen und AMD über die Klage eines Notebook-Herstellers.

Mit dem Jahr 2012 beginnt die weibliche Herrschaft, jedenfalls in der IT-Industrie. Nach der plötzlichen „Amtsübernahme“ von Hewlett-Packard durch die ehemalige eBay-Chefin Meg Whitman im Herbst letzten Jahres übernahm am 1. Januar Virginia „Ginni“ Rometty das Staffelholz von Sam Palmisano, als erste Chefin in der 100-jährigen IBM-Geschichte. Die deutsche IBM war in dieser Beziehung gar noch etwas schneller, hier bestimmt mit Martina Koederitz schon seit Mai 2011 eine Frau die Geschicke.

Palmisano behält als Vorsitzender des Verwaltungsrates weiterhin eine wichtige Position beim drittgrößten IT-Konzern der Welt. Er hinterließ seiner Wunschkandidatin ein gut bestelltes Haus mit deutlich über 100 Milliarden Dollar Umsatz und geschätzt mehr als 16 Milliarden Dollar Gewinn im derzeit noch laufenden Finanzjahr 2011. Kurz vor der Übergabe hat er zudem mit der EU Klarschiff gemacht, denn hier war noch ein Verfahren wegen Wettbewerbsverzerrung anhängig. Nun hat man sich friedlich geeinigt, IBM versprach, allen konkurrierenden Anbietern von Mainframe-Wartungsdiensten fünf Jahre lang Ersatzteile und technische Informationen „zu angemessenen Bedingungen“ zur Verfügung zu stellen.

Trotz der Führungskrise im letzten Jahr hält Hewlett-Packard umsatzmäßig weiterhin die US-Spitzenposition vor IBM, musste lediglich minimale Verluste auf rund 127 Milliarden US-Dollar hinnehmen. Der Reibach liegt allerdings mit 7,1 Milliarden unter der Hälfte des IBM-Gewinnes.

Noch eine potente Frau: Prof. Michelle Simmons von der Universität von New South Wales in Sydney, unter deren Leitung Doktorand Bent Weber die Picodrähte erstellt hat. (Bild: Universität von New South Wales )

Weltweit dominiert den IT-Markt indes Samsung Electronics, die bei weitem größte Tochter des koreanischen Samsung-Konzerns. Sie konnte noch einmal kräftig auf nunmehr umgerechnet rund 140 Milliarden Dollar Jahresumsatz zulegen. In dem so hart umstrittenen Smartphone-Geschäft brillierte vor allem das im Frühsommer 2011 erschienene Galaxy S2 und konnte so Samsung im letzten Quartal 73 Prozent Zuwachs in diesem Markt bescheren, womit Konkurrent Apple locker abgehängt wurde. Und auch bei Samsung weht inzwischen ein neuer Wind: Kurz vor Weihnachten zog erstmals in der Firmengeschichte eine Frau in die Chefetage ein. Die Marketing-Chefin Shim Suok sitzt nun als Execute Vice President im Vorstand – zusammen mit 47 männlichen Executives.

Bei den im letzten Jahr erteilten US-Patenten bleibt Samsung mit rund 5200 weiterhin die Nummer zwei, klar hinter IBM mit etwa 6150. Mit weitem Abstand folgten dann etwa gleichauf mit jeweils rund 2900 Patenten die japanische Quadriga Sony, Canon, Toshiba und Panasonic. Solche Patente können ein sehr einträgliches Geschäft sein; was allerdings Google im letzten Jahr für die Lizenz von 2000 Patenten an IBM berappt hat, ist nicht bekannt. Nun kam nochmals ein weiteres Bündel von knapp über 200 hinzu. Für den Aufkauf der Motorola-Mobilsparte mit 7500 Patenten ließ Google immerhin 12,5 Milliarden Dollar springen.

Eines der wohl bedeutendsten IBM-Patente trägt die Nummer 4,343,993, stammt aus dem Jahre 1982 und brachte seinen Erfindern gar den Nobelpreis ein: das Rastertunnelmikroskop von Gerd Binning und Heinz Rohrer. Von ihm abgeleitet wurden dann Rasterkraft- und Rastersondenmikroskope, ohne die die moderne Nanotechnik schlichtweg nicht möglich wäre.

Über einen sehr überraschenden Effekt in diesem Bereich berichteten nun in der aktuellen Ausgabe von Science Wissenschaftler der australischen Universitäten New South Wales und Melbourne sowie der amerikanischen Purdue-Universität. Bei ihren winzigen Nanodrähtchen – bestehend aus nur vier aneinandergereihten in Silizium eingebetteten Phosphoratomen – blieb das Ohmsche Gesetz weiterhin gültig, obwohl man erwartet hatte, dass hier die Quanteneffekte dominieren und der Widerstand exponentiell anwächst. Die extrem kleinen Strukturen sind dabei nur etwa ein Hundertstel so groß wie die 22 nm der modernsten Prozesstechnik, sind also eher Picodrähtchen. Solche hervorragend leitenden atomaren Winzdrähtchen könnten sowohl für die zukünftigen klassischen Logikbausteine, etwa als Interconnect, als auch für die Quantencomputer hochinteressant sein. Einziges Problem: bislang muss man die Phosphoratome einzeln mühsam per Hand mit Hilfe obiger Mikroskope platzieren, eine industrielle Fertigung ist nicht absehbar.

So ganz draußen ist Intels 22-nm-Technologie im Moment eh noch nicht, taiwanische Quellen sprudeln, dass der erste Prozessor in dieser Fertigungstechnik mit Codenamen Ivy Bridge am Ostersonntag, dem 8. April, offiziell erscheinen soll. Einige auserwählte Partner durften schon mal vorab Ultrabooks mit Prototypen auf der CES vorzeigen. Ansonsten legt Intel bei Prototypen jetzt eine härtere Gangart ein und veranlasste, dass fünf taiwanische Ingenieure verhaftet wurden, die unter Geheimhaltungsabkommen (NDA) gelieferte Muster („Engineering Samples“) auf eBay verhökert hatten.

Besonders sensibel reagiert Intel insbesondere dann, wenn Muster von neuen, noch nicht erhältlichen Prozessoren angeboten werden, von denen dann schwups irgendwelche Benchmark-Werte durchs Internet geistern. Intels Haltung ist auch verständlich, denn die Prototypen können sich von der endgültigen Version in puncto Performance, Energieaufnahme und Stabilität mitunter deutlich unterscheiden. Doch verhindern kann Intel solche Indiskretionen nicht, auf chinesischen Websites beziehungsweise in deren Foren findet man zum Beispiel schon erste Testergebnisse vom mobilen Ivy Bridge Core i7-3920XM, mit Werten etwa zu CinebenchR10 (23 187 Punkte über alle Kerne), wPrime v2.07 (13.058 s), 3DMark06 (ca. 8049) oder 3DMark11 (P615). Während die CPU damit, wie zu erwarten, nur geringfügig schneller ist als der Vorgänger, legt die Leistung der integrierten Prozessorgrafik HD4000 erheblich zu – spielt aber dennoch weiterhin nur in der unteren Liga. Zum Vergleich: AMDs im A8-Prozessor integrierte Grafik Radeon HD 6620G erreicht im 3DMark11 mit P1625 weit mehr als das Doppelte.

Und externe Grafikchips kommen in der Performance noch weit höher – verbrauchen dann aber auch deutlich mehr. Zuweilen werden sie dabei zu heiß und so zum teuren Garantiefall – und genau das wirft der taiwanische Hersteller Quanta jetzt AMD in einer Klage vor dem District Court in San Francisco vor. Und Quanta ist nicht irgendwer: Die Firma produziert einen Großteil der Laptops von Hewlett-Packard, Apple, Dell, Sony, Toshiba und vielen anderen. In einem für NEC gebauten Notebook soll vor einigen Jahren AMDs Radeon Xpress X1250 nicht vertragsgemäß funktioniert und für Ausfälle gesorgt haben, daher fordert Quanta jetzt Schadenersatz. AMD kontert, der gleiche Chip sei von Quanta auch in Laptops für andere Kunden ohne Überhitzungsprobleme verbaut worden. (as)

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