Prozessorgeflüster

Von großen Torten und kleinen Brötchen

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Großes Stühlerücken bei Intel, jede Menge Rekordquartale in der IT-Industrie, nur AMD enttäuschte. Fragezeichen gibts bei Globalfoundries und zahlreiche Bryants machen von sich reden.

Nein, das bisschen Schummeln bei der Direct-X11-Spiele-Demo auf der CES, wo er nur ein vorbereitetes Movie auf einem Ivy-Bridge-Ultrabook abspielte, dürfte kaum der Grund gewesen sein, warum Shmuel „Mooly“ Eden seinen Posten als Chef der Intel PC Client Group geräumt hat. Vielmehr sehnte er sich schon seit Längerem nach Israel zurück – das hatte er schon vor einiger Zeit in privaten Gesprächen angedeutet. Eden übernimmt nun die Firmenleitung von Intel Israel, wo die ehemalige Chefin Maxim Fassberg forthin als Produktionsleiterin weiterwirkt. Damit hat sie dann auch genug zu tun, denn die von ihr betreute Produktion will Intel mit weiteren Investitionen für Aus- und Neubau von Fabriken in Kiryat Gat und anderswo in Höhe von bis zu 5 Milliarden Dollar noch kräftig ankurbeln. In trockenen Tüchern ist das aber noch nicht, denn die angebotene Förderung des Staates Israel von umgerechnet 265 Millionen Dollar ist Intel wohl etwas zu mickrig und so droht man noch mit Irland.

Aus Israel stammt auch die Firma Mellanox – mit einem zweiten Standbein in Sunnyvale, Kalifornien –, die den Markt bei den Infiniband-Chips dominiert. Einst wollte sich auch Intel bei dieser Interconnect-Technik stark engagieren und sie zügig in die Chipsätze integrieren, änderte aber seine Meinung und zog sich komplett zurück. Nun aber hat Infiniband bei Servern kräftig Aufwind bekommen und plötzlich will Intel wieder voll einsteigen. Statt selbst etwas auf die Schnelle zu entwickeln, einigte man sich mit der Nummer zwei der Szene, Qlogic, auf die Übernahme von deren Infiniband-Sparte.

Intels neue Chefin der Datacenter Group, Diane M. Bryant – hier auf der CeBIT 2010 – entwickelte die Prozessoren Xeon und Itanium mit und leitete zuletzt als CIO die IT-Abteilung. (Bild: Intel)

Der Kaufvertrag war wohl die letzte Amtshandlung, die Kirk Skaugen in seiner Funktion als Server-Chef durchführte. Intels Mann für alle Fälle tritt nämlich nun Edens Nachfolge als PC-Client-Chef an. Seinen alten Job übernimmt die bisherige IT-Chefin Diane Bryant – nein, nicht verwandt oder verschwägert mit Intels aktuellem Chief Operating Officer (COO) Andy Bryant.

Und da man so schön beim Stühlerücken war, beförderte man den ebenfalls aus Israel stammenden Dadi Perlmutter zum Chief Product Officer, an den Diane Bryant und Kirk Skaugen dann berichten müssen. Perlmutter führt weiterhin wie bisher die Architekturgruppe und bei dieser Machtfülle gilt er als möglicher Thronfolger von Intel-Boss Paul Otellini – neben dem Herstellungsleiter Brian Krzanich, der als designierter COO im Mai die Pole-Position von Andy Bryant einnehmen soll.

Zuvor konnte Intel wieder einmal ein sehr erfolgreiches Quartal mit 3,4 Milliarden US-Dollar Gewinn bei 13,9 Milliarden Dollar Umsatz vorlegen. Dabei drückte lediglich die Atom-Abteilung die Bilanz, die mit nur 167 Millionen Dollar 57 Prozent weniger Profit einspielte als im Vorjahresquartal, na ja: Peanuts. Das Gesamtjahr 2011 war jedenfalls mit einem Umsatz von 54 Milliarden und einem Gewinn von 13 Milliarden das beste in der Intel-Geschichte.

IBM hat es, anders als im letzten Geflüster noch angenommen, nun doch nicht geschafft, in der IT-Welt die Nummer drei zu bleiben. Mit 106,7 Milliarden Dollar Jahresumsatz musste sich Big Blue im Bilanzjahr 2011 nämlich knapp Apple (108,2 Milliarden) geschlagen geben.

Apple hat zudem gerade ein weiteres weit über allen Erwartungen liegendes Rekordquartal vorgelegt und den Umsatz auf 46,3 Milliarden sowie den Gewinn auf 13 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt – auf solche Profithöhen kommen sonst nur Energiekonzerne wie Exxon, Shell und vor allem Gazprom. Auch Microsoft konnte im letzten Quartal mit 20,9 Milliarden Dollar Umsatz ein Allzeithoch erwirtschaften und dabei mit 6,6 Milliarden Dollar Gewinn eine unerreichte Ausbeute vorlegen.

Gegen solche Giganten steht AMD geradezu als Winzling da. Das letzte Quartal endete mit einem Verlust von 177 Millionen Dollar bei gleichbleibendem Umsatz von knapp 1,7 Milliarden Dollar. Operativ war immerhin noch ein kleines Plus von 71 Millionen drin, doch die Abschreibung der Beteiligung an Globalfoundries in Höhe von 209 Millionen sowie die Umstrukturierungskosten von 98 Millionen zogen die Bilanz gemäß GAAP nach unten.

Mit eiserner Hand versucht „RR“, wie der neue CEO Rory Read genannt wird, die Firma wieder in ruhiges Fahrwasser zu bringen. Mit der Herstellungstochter Globalfoundries, an der AMD lediglich noch zu etwa 10 Prozent beteiligt ist, soll AMD weiterhin nicht zufrieden sein. Man hört gar von totalen Abwanderungsgedanken hin zu TSMC. Das wäre dann ein Desaster vor allem für Dresden, für wen soll denn der dort gefahrene 32-nm-SOI-Prozess sonst noch nützlich sein? Zudem nimmt jetzt die Fabrik 8 im Staate New York ihre Produktion auf, allerdings nicht in dem erwarteten 28-nm-Bulk-Prozess, sondern mit 32-nm-SOI. Der Produktionsstart geschah übrigens auffälligerweise nicht in Zusammenarbeit mit AMD, sondern mit IBM, die gleichzeitig in East Fishkill ebenfalls mit diesem Prozess loslegten – mit noch unbekannten Chips. Sollte es sich dabei vielleicht um Microsofts neuen Xbox-720-Chip Oban handeln oder um den schon lange überfälligen Power7+? Globalfoundries, so hört man, streckt seine Fühler verstärkt nach Japan aus, verhandelt dort mit Toshiba und Renesas und erwägt gegebenenfalls die Übernahme von dortigen Werken.

Doch auch TSMC soll noch erhebliche Schwierigkeiten mit dem 28-nm-Prozess haben, in dem als Erstes der weltgrößte Chip, AMDs Tahiti, gefertigt wird. Laut Mike Bryant – ebenfalls nicht verwandt mit den Intel-Bryants – von der britischen Marktforschungsfirma Future Horizons sind derweil bereits zehn Designs von sieben Firmen bei TSMC in Arbeit, doch gäbe es erhebliche Ausbeuteprobleme. Der Grund seien zu früh ausgelieferte, unreife Cell-Bibliotheken.

AMDs nächster Mobile-Chip Trinity mit dem verbesserten Bulldozer-Kern Piledriver ist aber noch für 32-nm-SOI vorgesehen. Laut AMD verschiebt er sich ein wenig von „in der ersten Jahreshälfte“ auf nunmehr Mitte 2012, dafür soll er etwas schneller als zunächst angekündigt sein. Und schneller solls nun auch unter Windows mit den neuen AMD-Prozessoren gehen, denn der Windows-Patch zum besseren Einplanen der Kerne ist nun im zweiten Versuch wieder bei Microsoft abrufbar – der erste wurde ja nach nur einem Tag wieder zurückgezogen. Wie gehabt, bringt er bei Single Thread oder „All Threads“ nichts Messbares, aber bei Teillast kann er sich durchaus bemerkbar machen. 7-Zip-Compressing/Decompressing mit halber Threadzahl oder Physics Score von 3DMark11 steigen immerhin um über 10 Prozent. So weit schön, bleibt nur die Frage, warum man sein 7-Zip nur mit der halben Kernzahl fahren sollte? (as)

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