Prozessorgeflüster

Neue Ware ... und Sommerschlußverkauf bei den 486ern

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Der Herbst beginnt offensiv, jede Menge Prozessoren werden entweder angekündigt oder unter ihrem endgültigen Namen offiziell vorgestellt, darunter natürlich Intels P6, der nun 'Pentium Pro' heißen wird, aber auch Cyrix M1, der wenig überraschend als 6x86 ins Rennen geht. Und hinter den Kulissen gibt es viel Gerangel -- und sogar Rechenfehler bei PowerPCs.

Die Fülle neuer Prozessoren ist erdrückend - gut, daß diese c't genügend Raum bietet, um einen längerer Beitrag zum Thema 'Stand der Pentium-Herausforderung' unterzubringen (S.138). Interessant ist dabei das Ringen auf dem 486-Markt. Der ist zwar von Intel längst als tot deklariert, hindert den Marktführer aber nicht, eine neue Version des iDX4 herauszubringen, mit internem Write-Back-Cache. AMD will sich mit einer neuen 486-Variante namens X5 profilieren, die mit 133-MHz-Takt und 16-KByte-Cache daherkommt und auf der Systems präsentiert werden soll. Daneben wollen sie Anfang nächsten Jahres eine Lite-Ausführung des K5 namens SS/5 herausbringen, der Pentium-75-Niveau und -Pinout haben soll.

Der klassische 486-Markt wirft nämlich kaum noch Profit ab, räumt AMD ein, im dritten Quartal erwartet man daher eine deutliche Verschlechterung der Ertragslage. Nichtsdestotrotz werfen sich noch andere Konzerne in die 486-Schlacht. Texas Instruments bemustert gerade seine in Cyrix-Lizenz gefertigten 486DX-Chips, und völlig überraschend tritt ein Neuer mit frischen Kräften in den Ring: National Semiconductors.

Ihr NS486SX basiert auf einem abgespeckten 486SX-Kern, mit nur 1 KByte Cache, ohne virtuellen Modus, Paging und TLB. Er ist ausschließlich für den embedded Markt konzipiert und hat bereits DRAM-Controller sowie viele Bestandteile von Nationals verbreitetem Super-I/O-Chip integriert (Timer, Interrupt-, DMA-Controller, serielle Schnittstellen). Neben dieser Grundausstattung (NS486SXL) gibt es eine erweiterte Version, den NS486SXF, mit PCMCIA- und LCD-Controller sowie Parallelport. Beide NS486SX haben nur einen 16bittigen Datenbus und adressieren maximal 64 MByte. Bei 3,3 V und 25 MHz Takt liegt der Verbrauch lediglich bei 260 mW. Der NS486SXL soll Anfang 1996 zu einem Stückpreis von 15 US-Dollar (à 10.000) auf den embedded Markt kommen. Intel bringt ein ähnliches Produkt (Codename Hummingbird), das auf den PDA-Markt zielt. Hierbei handelt es sich um zwei 'Ultra-Low-Power'-486SX-Versionen (weiterhin mit 8 KByte Cache und allen Modi): den 486SXSF mit 16-Bit-Datenbus und den 486GXSF mit 32 Bit. Bei 16 MHz Takt und 2,2 V verbrauchen sie weniger als 150mW. Mit 67 respektive 72 Dollar pro Stück (à 1000) liegen sie jedoch klar in anderen Regionen als Nationals 486SX, zumal I/O-Chip und DRAM-Controller ja noch hinzukommen müssen.

Um einen anderen 486-Konkurrenten ist es hingegen recht still geworden. UMC ist von Intel wegen Patentrechtsvergehen verklagt worden - und hat jetzt mit Rückendeckung der taiwanischen Regierung eine Gegenklage in London eingereicht. Hierbei geht es weniger um das aktuelle 486-Geschäft, sondern um die Auswirkung dieser Patente auf die gegenwärtigen Pentium- und Pentium-Pro-Entwicklungen in Taiwan. Inzwischen sind auch einige UMC-Prozessoren auf dem amerikanischen Markt gelangt - Intel hat sofort reagiert und den Distributor verklagt. Weniger handlungsfreudig ist Intel weiterhin im Bereich der gefälschten Prozessoren. Immer mehr Händler beklagen sich bei uns, daß zuhauf gefälschte 100- und 120-MHz-Prozessoren (mit iPP-Kennung) auftauchen. In Firmenrundschreiben geben sie die in c't veröffentlichten Tips wieder, mit denen man aber nur schlechte Fälschungen enttarnen kann (etwa die fehlende Anschrägung). Immerhin ist die deutsche Polizei inzwischen hellhörig und soll gerade in einer Blitzaktion 2100 Pentium-Falsifikate in Berlin und Frankfurt beschlagnahmt haben. Derweil macht eine andere Nachricht aus der kriminellen Ecke die Runde - soll doch ein Spion geheime Pentium-Unterlagen und Videokassetten von der Chip-Produktion an AMD übergeben haben. Der Beschuldigte namens William Gaede bestreitet jedoch die Industriespionage, vielmehr will er von FBI und CIA angeheuert worden sein, um an einer 007-Aktion 'Pentium-Geheimnisse gegen kubanische Militärgeheimnisse' teilzunehmen.

Gerangel vernimmt man auch aus Reihen der Intel-HP-Allianz. Hier sollen sich bereits die Syndikusse vor Gericht streiten, wie der Copyright-Kuchen des Gemeinschaftsprozessors H1/P7 verteilt wird. Immerhin haben sie sich geeinigt, keine gemeinsame Entwicklungsabteilung zu gründen - und so werkeln sie getrennt vor sich hin und wollen erst in einem Jahr über Details reden - HP will derweil im Oktober auf dem alljährlich stattfindenden Microprocessor Forum in Kalifornien den neuen 7300LC mit integriertem Cache vorstellen. Auf der gleichen Bühne will auch NexGen ihren 6x86 präsentieren.

Auch von der Power-Front gibt es Neuigkeiten, zunächst die guten. MacWeek berichtet von geplanten PPC-Prozessoren fürs nächste Jahr, neben dem 603ev und 604e mit jeweils 150 MHz (160 und 250 Specint92) sind noch die Prozessoren 'Arthur' 613 mit 166 MHz (210 Specint92 bei 150 MHz) und vor allem der 'Typhoon' 614 mit 266 MHz und 500 Specint92 in der Queue. Nun aber die schlechten Nachrichten. So macht ein Fehler im PPC604 die Runde. Im Multiprozessorbetrieb bei mehr als zwei Prozessoren treten Cache-Kohärenzprobleme auf. Tatsächlich haben IBM/Motorola bereits im Mai mitgeteilt, daß die erste Serie der 604-Prozessoren in dieser Beziehung fehlerhaft seien, so daß erst die nächste, jetzt aktuelle Chip-Version voll multiprozessortauglich sei. Laut Computerwoche soll aber noch eine weitere Korrektur erforderlich sein, die Motorola ab Mitte Oktober durchführen will.

Mit einer gewissen Häme kann man die zweite Fehlermeldung aus dem PowerPC-Lager vernehmen: einige 603e-Prozessoren in den Apple-Performas 5200 und 6200 verrechnen sich, verursachen sogar bei bestimmten Berechnungen Systemabstürze. Man denke an die überaus boshafte Reaktion von Apple auf den FDIV-Fehler der Pentium-Prozessoren, wo sie den Rechenfehler in ganzseitigen Anzeigen anprangerten – nun haben sie den Salat. Laut Apple sind aber nur wenige Systeme (Cupertino spricht von ca. 500) betroffen, außerdem offenbar nur 603e-Chips aus der Motorola-Produktion. Schuld sei ein 'test escape', also ein Fehler in der Testroutine, bei der zwei Transistoren ungeprüft bleiben. Jeder 5200/6200-Besitzer kann diesen Test nachholen, ein Diagnoseprogramm ist über diverse Online-Dienste zu beziehen.

Meldet das Programm den Fehler, so verspricht Apple, tauschen Händler das Motherboard kostenlos aus. Fehler werden auch von Intels neuem Pentium-Prozessor in Tape-Ausführung (TCP) für Notebooks mit 120-MHz gemeldet: mangelnde Stabilität bei niedrigen Spannungen. Das dürfte die Auslieferung der neuen High-End-Notebooks von Compaq, Toshiba und IBM erst einmal etwas verzögern. Schließlich wären noch einige interessante Neuigkeiten zum P6 zu berichten, vor allem zu seiner Performance - gäbe es nicht außerdem ein Agreement mit Intel, bis zum 1. November damit zu warten. Denn dann feiert er unter dem Namen Pentium Pro offiziell seinen Einstand. Sein Preis wird laut PC-Week zwischen 1300 und 1500 Dollar betragen (bei 256 KB L2-Cache). Falls Sie jedoch Ihren 200-MHz-P6 selbst designen möchten und nur noch die Chip-Schmiede suchen - kein Problem: LSI-Logic offeriert G10-ASICs in 0,25-µ-Technologie mit bis zu 49 Millionen Transistoren - da passen dann P6, PowerPC und Alpha gleichzeitig hinein.(as)

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