Prozessorgeflüster

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Große Überraschungen gab es im April nicht, aber etliche Klärungen, etwa über Intels ominösen Klamath-Prozessor, und HP gab die neuesten SPEC-Werte ihres Superprozessors PA8000 bekannt.

Kaum ein halbes Jahr nach seiner Einführung will Intel den 150-MHz-PentiumPro schon wieder abkündigen. Als 'Last Shipping Date' ist der Juli vorgesehen. Zum gleichen Preis (524 US-$) soll dann die 180-MHz-Version den Einstiegsbereich übernehmen (alle hier angegebenen Preise sind vorläufig und gelten für 10 000 Stück). Der 200-MHz-PPro kostet zu diesem Zeitpunkt noch 170 Dollar mehr. Auch den nächsten PPro-Versionen ist keine längere 'Lebensdauer' vergönnt. Bevor sie noch auf den Markt kommen, hat Intel bereits ihr 'Ableben' nach circa einem halben Jahr eingeplant.

Mittlerweise hat sich auch geklärt, was es mit Intels 'Klamath'-Prozessor auf sich hat. Hierbei handelt es sich um ein Steck-Modul mit einem PPro-Kern ohne integrierten L2-Cache, dafür mit doppelt großen L1-Caches und externem Pipelined Burst Synchron RAM (PBSRAM) auf dem Modul (256 oder 512 KByte), welches mit dem halben Prozessortakt arbeitet (beim PPro läuft der L2-Cache hingegen mit vollem Prozessortakt). Klamath wird MMX unterstützen und soll wegen der größeren L1-Caches 32-Bit-Applikationen unter Windows 95 etwas besser bedienen können als der 200-MHz-PPro. Unter Windows NT wird etwa die gleiche Performance erwartet. Bei speicherintensiver Software wie SPECfp95 wirkt sich jedoch der langsamere L2-Cache aus, die Simulationen ergeben hier nur etwa 85 Prozent des PPro. Dafür soll Klamath gleich von Beginn an (Februar 1997) nicht nur mit 200, sondern auch mit 233 MHz zur Verfügung stehen.

Preislich wird er vor allem wegen MMX zunächst deutlich höher eingestuft als der PPro (543 US-$ ohne PBSRAM gegenüber 515 US-$ für den PPro). Letztendlich ist er aber vor allem für preiswerte Home-PCs gedacht; Ziel sind Systeme unterhalb von 2500 Dollar im zweiten Halbjahr 1997. Für ihn spricht auch sein deutlich geringerer Stromhunger: 22·W (200 MHz) bzw. 25 W (233 MHz) statt 35 W beim PPro.

Der PPro für höhere Ansprüche kann sich noch nicht in die 233-MHz-Region begeben. Obwohl der Kern es ohne weiteres könnte, gibt es wohl mit dem integrierten L2-Cache noch Probleme. Statt dessen ist jetzt der 200-MHz-Typ auch mit 512 KByte zu haben.

Mit welch massiven Preissenkungen Intel auch dieses Jahr wieder der Konkurrenz das Leben schwermachen will, können Sie der Tabelle entnehmen. Der Microprocessor Report hat sich übrigens mal die Mühe gemacht zu belegen, daß der Durchschnittspreis pro verkauftem Prozessor (ASP: Average Selling Price) über Jahre hinweg zwischen 250 und 300 Dollar pendelte.

Interessante News zum PPro sind inzwischen über Ralf Brown, den 'Vater' der berühmten Interrupt-Liste, an die Öffentlichkeit gelangt. Offenbar hat der PPro einen ladbaren Microcode, für den das Board-BIOS zwei Funktionen im Interrupt 15h zum Auslesen und Laden bereithält (näheres im nächsten Update der Interrupt-Liste). Gedacht ist das für Patches, doch wer weiß, welch ungeahnte Möglichkeiten noch darinstecken. Somit hat man es beim PPro in Zukunft nicht nur mit zwei Masken-Versionen (für CPU und Cache), sondern auch noch mit der Update-Version des Microcode-BIOS zu tun (zum Beispiel beim aktuellen 200-MHz-'P6S' mit der Kennung SY013: CPU-Step A0, Cache-Step B1, BIOS: sA0C05).

Der nächste Pentium soll die Windows-Krone wieder von Cyrix zurückholen, in Kürze dürfen wir den 200-MHz-Pentium bewundern (Einstandspreis 588 Dollar), der dem Verlauten nach aber in konkreten Anwendungen lediglich knapp 10 Prozent schneller sein wird als der 166-MHz-Typ. Besser wird es beim P55C aussehen, der ab November (457 Dollar) eingeplant ist. Dank verdoppelten Caches wird er nebst MMX einiges vorlegen können. So dürfte er unter Windows 95 auch bei 32-Bit-Applikationen einem PPro-200 mindestens Paroli bieten.

In der Nicht-Intel-Welt macht vor allem HP von sich reden. Kurz vor der offiziellen Präsentation ihres Prozessors PA-8000 hat HP schon mal vorab die neuesten SPEC-Werte bekanntgegeben, die noch mal um bis zu 30 Prozent gegenüber früheren Verlautbarungen zugelegt haben (SPECint95: von 8,6 auf 11,8, SPECfp95: von 15 auf 20,2). Dabei ist nicht etwa eine neue Prozessorversion für die Steigerung gegenüber älteren Schätzungen verantwortlich, vielmehr hat die Compiler-Riege mächtig nachgelegt.

DEC hat ebenfalls neue SPEC-Werte für den 400-MHz-Alpha 21164 veröffentlicht (SPECint95 11,6, SPECfp95: 15.9), der ab jetzt für knapp 2000 Dollar zu haben ist. Und die 500-MHz-Version soll auch noch dieses Jahr erscheinen .

Motorola und Bull zeigten sich darüber verärgert, daß aus IBM-Kreisen Gerüchte aufkamen, der PPC620 würde vielleicht eingestellt. Das sei völlig falsch, der 64bittige PowerPC soll im Sommer dieses Jahres auf den Markt kommen.

Bei den 32bittigen Embedded-Controllern hat Hitachi mit den SuperH-RISC-Prozessoren einen Senkrechtstart hinter sich. Binnen eines Jahres überholten sie locker den führenden i960-Chip von Intel und deklassierten ihn 1995 geradezu mit 14 zu 6 Millionen. Mips schloß in etwa zum i960 auf, dahinter sind PowerPC und ARM mit 3 respective 2 Millionen. AMD hat sich hier aus dem Rennen verabschiedet und die 29000-Linie aufgekündigt.

Zumindest in diesem Prozessor-Bereich konnte also ein Newcomer zeigen, wie schnell man den Spitzenreiter vom Thron stürzen kann. (as)

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