Prozessorgeflüster

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Die ersten Quartalsbilanzen von 2001 sind jetzt draußen: Ganz so dramatisch wie befürchtet sind die Einbrüche bei den Halbleiterhäusern nicht - und IT-Marktführer IBM kennt zurzeit ohnehin keine Krise.

Intel musste zwar eine mächtige Gewinneinbuße von satten 64 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal einstecken (bei einem um 16 Prozent reduzierten Umsatz von 6,7 Milliarden Dollar). Die Analysten hatten aber noch Schlimmeres befürchtet - und mit 1,1 Milliarden Dollar Gewinn ist Intels Bilanz ja immer noch sehenswert. Auf dieses Niveau kommt gerade mal der Umsatz des Erzkonkurrenten AMD. Dieser konnte zwar Marktanteile hinzugewinnen (jetzt über 20 Prozent weltweit), die allgemeine PC-Flaute und der Preiswettkampf mit Intel hinterließen aber auch bei AMD Spuren: Trotz neun Prozent höherem Umsatz sank der Gewinn um 34 Prozent auf 125 Millionen Dollar. Einen erklecklichen Teil davon steckte sich übrigens AMD-Chef Sanders in die eigene Tasche, neben 1 Million Dollar Gehalt strich er eine Gratifikation von über fünf Millionen ein - gut das Doppelte dessen, was Intel den Chefs Craig Barrett oder Andy Groves ausgezahlt hat.

Lustigerweise hielten beide Firmen am gleichen Tag, dem 26. April, ihre Shareholder-Konferenzen ab, auf denen sie wie üblich die aktualisierten Roadmaps vorstellten. Bei Intel erfuhr man hierzu wenig Neues, danach bleibt es beim alten Zeitplan: Itanium noch in diesem Quartal und die ersten Chips in 0,13-µm-Technologie vom Pentium III (Tualatin) sind fürs dritte Quartal (Q3) und vom Pentium 4 (Northwood) für Q4 vorgesehen.

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Im Herbst 2002 soll AMDs Hammer zuschlagen, mit der 3,5fachen Performance des aktuellen Gigahertz-Athlons.

AMD hat jedoch die geplante Markteinführung der ebenfalls in 0,13 µm herzustellenden 64-Bitter Hammer um ein Halbjahr verschoben: Statt im 1. Halbjahr 2002 soll es nun im 2. Halbjahr so weit sein. Für etwa den gleichen Zeitpunkt ist auch die überübernächste Athlon-Generation geplant (Codename Barton), die sich unter anderem in einem verbesserten Herstellungsprozess (SOI) von den Vorgängern unterscheidet. Der erste Turf-Auftritt des 0,18-µm-‘großen’ mobilen Palomino-Pferdchens wird für Mitte dieses Monats erwartet. Im Internet wurden hierfür schon Taktraten von bis zu 1,4 GHz angegeben, was vielleicht doch etwas hoch gegriffen sein dürfte. Die auf 0,13 µm verkleinerten Sprinter (Thoroughbred und Appaloosa) sind für Anfang nächsten Jahres geplant.

Doch ob die ganze 0,13-µm-Geschichte so läuft wie geplant, ist im Moment ziemlich unklar. So haben wichtige Hersteller der dazu nötigen Lithografie-Hardware derzeit erhebliche Lieferschwierigkeiten. Das gilt insbesondere für die Silicon Valley Group (SVG), die vor allem in den USA etwa bei Intel stark vertreten ist. Ihr Microscan V, bestückt mit einem Argonfluorid-Laser mit 193 nm, wird sich nach US-Zeitungsberichten um mehrere Monate verzögern.

In Europa (AMD Dresden, Infineon ) und Taiwan (TSMC, UMC) dominiert jedoch die niederländische Firma ASM-Lithography. Diese würde gerne für 1,6 Milliarden Dollar die amerikanische SVG übernehmen, doch haben amerikanische Behörden Sicherheitsbedenken gegen die Übernahme durch eine aus ihrer Sicht wenig vertrauenswürdige ausländische Firma geltend gemacht. Schließlich hatte ASML-Chef Bodt als damaliger Direktor der niederländischen Delfs Instruments eingestanden, an den Irak zu Golfkriegszeiten Nachtsichtgeräte verkauft zu haben. Die Entscheidung für den Deal liegt jetzt in den Händen von Präsident Bush, dem, wie man ja spätestens seit den Kyoto-Verträgen weiß, vor allem der Schutz der heimischen Industrie am Herzen liegt.

Apropos Ausrüster: Im Unterschied zu den großen Halbleiterhäusern wird ihnen vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit zuteil, obwohl sie ja die Schlüsselkomponenten für neue Herstellungsverfahren und für größere Wafer liefern. Auf diesem viele Milliarden Dollar schweren Markt findet natürlich auch ein heftiger Wettbewerb mit Preiskämpfen, Firmenaufkäufen, Lizenzstreitigkeiten und so weiter statt.

Der große Platzhirsch ist hier Applied Materials, der sich durch diverse Firmenübernahmen auf ein Umsatzvolumen von 10 Milliarden Dollar empor geschwungen hat, weit dahinter folgen Tokyo Electron Limited und Novellus. Speziell bei der Foto-Lithografie sind neben ASML und SVG auch noch die bekannten Kamerafirmen Nikon und Canon im Geschäft.

Auch die Herstellungsprozesse selbst werden nicht allein von den Halbleiterhäusern entwickelt, sondern in intensiver Zusammenarbeit mit den Ausrüstern. IBM hatte Novellus für den Kupferprozess als Partner, AMD/Motorola und TSMC bauen auf Applied Materials ‘Black Diamond’-Prozess für die 0,13-µm-Produktion und für 300-mm-Wafer.

Auch die Ausrüster spüren die derzeitige PC-Flaute und mussten Gewinneinbußen in Kauf nehmen. Nur der IT-Marktführer IBM zeigte sich davon gänzlich unbeeindruckt. Big Blue weiß halt, wie man Krisen aussitzt beziehungsweise rechtzeitig auf das richtige Pferd setzt. PCs sind hier nur ein Randgeschäft. Und so konnte IBM den Quartalsgewinn gegenüber dem Vorjahr um 15 Prozent auf 1,75 Milliarden Dollar steigern (bei einem um 8,8 Prozent auf 21 Milliarden Dollar erhöhten Umsatz).

Und mit noch einer Ankündigung erregte IBM die Aufmerksamkeit, nämlich, so genannte ‘selbstheilende’ Server unter dem geschichtsträchtigen Projektnamen ‘eLiza’ zu entwickeln - Server, die sich selber warten und flexibel auf die Umwelt reagieren können. Unter dem Namen Eliza wurde in den sechziger Jahren ein Programm von Joseph Weizenbaum weltbekannt, das ein Gespräch mit einer Psychoanalytikerin simulierte.

Solche selbstheilenden Server hätten die Astro- und Kosmonauten in der Raumstation ISS auch gut gebrauchen können, die immer wieder mit heftigen Serverproblemen on board zu kämpfen haben. Ja, sogar das einzigartige, nur extraterrestrisch erhältliche Servicepack SP7 für NT4 soll die in den ‘Crew-Logs’ veröffentlichten Probleme nicht vom Tisch gebracht haben. (as)

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Im laufenden Patentrechts-Prozess von Rambus gegen Infineon sieht es ganz nach einer ersten Niederlage von Rambus aus. US-District-Richter Payne in Richmont hat am 30. April die meisten Klagepunkte als unbegründet abgewiesen und nur noch drei davon zur weiteren Verhandlung zugelassen. Und auch bei den verbleibenden strittigen Patent-‘Claims’ hat Infineon gute Karten, denn Payne hat schon durchblicken lassen, dass er keine absichtliche Patentverletzung erkennen könne, so wie es Rambus behauptet. Zu Redaktionsschluss war noch unklar, ob Payne das Verfahren möglicherweise ganz einstellt.

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