Prozessorgeflüster

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Während AMD die ersten Chipexperten zu IBM nach East Fishkill im Bundesstaat New York zum ‘Intensiv-Lehrgang’ schickte, lud das Prozessorhaus am gleichen Tag zu einem Tech Day in die Headquarters nach Sunnyvale. Nebenbei erfuhr man hier, dass es mit dem Hammer-Prozessor für Desktops, dem Athlon 64, in diesem Halbjahr nichts mehr wird.

Am Tech Day diskutierten AMDs Prozessor-Experten wie Dirk Meyer und Fred Weber mit ein paar ausgesuchten Pressevertretern über Hammer-Prozessoren im Besonderen und die Vor- und Nachteile von 64 Bit im Allgemeinen. Dirk Meyer, der einst den Alpha 21264 und dann den Athlon K7 maßgeblich mitgeschaffen hatte - jetzt allerdings nicht mehr in der Entwicklung, sondern im Management beschäftigt ist -, gab zu, dass man bei AMD die Probleme mit SOI (Silicon On Insulator) reichlich unterschätzt hatte. Die nun Anfang Januar mit IBM beschlossene Partnerschaft soll sich zwar offiziell nur auf zukünftige Technologien im 65- und 45-Nanometerbereich beziehen, es stand jedoch im Raum, dass IBM schon unmittelbar der aktuellen Produktion auf die Sprünge helfen solle.

Man habe jetzt, so Meyer, bei der Partnerwahl ‘more opportunities of choice’ als noch vor einem Jahr. Man kann aus diesem Satz ein Bedauern darüber ablesen, dass AMD damals notgedrungen mit UMC eine Technologiepartnerschaft eingegangen ist, die sich bislang offenbar als wenig fruchtbar erwiesen hat. Oder auch, dass sich IBM jetzt deutlich entgegenkommender zeigt. Vielleicht haben dabei IBMs Server- und Datenbank-abteilungen Einfluss genommen und ein wenig sanften Druck auf die Kollegen der hauseigenen Chipzunft ausgeübt, denn der Opteron hat sich ja als DB2-Renner erwiesen. Auf der LinuxWorld 2003 (siehe c't 04/2003 S.40) hatte AMD-Chef Hector Ruiz in seiner Keynote zusammen mit IBM die Datenbank auf Opteron vorgeführt und geradezu stolz mit DB2 ‘geprahlt’.

AMD hat nun, so wie es hier im Geflüster schon vorhergesehen wurde, die geplante Roadmap der Hammer-Prozessoren ein bisschen überarbeitet und den Athlon 64 weiter nach hinten verschoben. Das gibt Zeit, um noch bestehende Herstellungsprobleme zu lösen, und schließlich muss ja erst mal der Barton-Prozessor für Desktops vermarktet werden (siehe c't 04/2003 S. 106). Offiziell ist der Athlon 64 jetzt für das zweite Halbjahr eingeplant, vor September wird er wohl nicht auf den Markt kommen, möglicherweise noch später. Denn der Launch-Termin hängt nicht nur von AMD, sondern auch von Microsoft ab - ohne ein Windows-64 macht der Stapellauf eines neuen Desktop-Prozessors wenig Sinn. Und wie pünktlich Microsoft ist, hat auch Intel beim Warten auf die 64-bittige .Net-Server-Vversion leidvoll erfahren müssen. Intel-Quellen berichten derweil gar, dass Microsoft mit der x86-64-Windows-Version für den AMD-Konkurrenten wohl kaum in diesem Jahr fertig sein dürfte - da muss die AMD-Fan-Gemeinde reichlich Ausdauer beweisen.

Demgegenüber ist immerhin der Launch für den Opteron (mit Linux 64) fest im versprochenen Zeitraum eingeplant, allerdings nicht mehr zur CeBIT, sondern erst zum 22. April. Der maximale Takt wird zunächst unter 2 GHz bleiben, und zwar in drei Stufen: 1,4, 1,6 und 1,8 GHz.

Optimistisch stimmen AMD dabei die Vorhersagen des Marktforschungsinstitutes IDC zur Entwicklung des Servermarktes. Denen zufolge bleibt bis zum Jahre 2006 der Anteil von IA-64-Systemen (Itanium-Familie) vergleichsweise gering, weit unter den ursprünglichen Hochrechnungen, die Intel einst angestellt hatte.

Entwicklung des Servermarktes
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Quelle: IDC (Juni 2002)

Demgegenüber steigt der Bedarf an IA-32-Servern weiterhin stark an. Und da AMD den Opteron gegen Intels Xeons positionieren will, sehen die Sunnyvaler hier ihren großen Kuchen. Inwieweit man den Vorhersagen der IDC-Auguren trauen kann, bleibt allerdings offen. AMDs Director of Strategic Marketing Douglas A. Hooks ließ sich jedenfalls abends beim Dinner etwas abfällig über die zum Teil blauäugigen Vorhersagemethoden dieser und jener Marktforscher aus, die oft nicht einmal die zugrunde gelegten volkswirtschaftlichen Modelle benennen könnten. AMDs eigene, streng nach volkswissenschaftlichen Kriterien ermittelten Zahlen wollte Hooks allerdings nicht herausrücken.

Derweil kursieren im Web inflationsartig immer mehr Benchmarkergebnisse diverser Athon-64-Systeme. Eine deutsche Linux-Site (Pro-linux) veröffentlichte beispielsweise ein paar Werte sowohl unter 32- als auch unter 64-Bit-Linux und nahm gleich darauf den Artikel - nach ‘einem freundlichen Hinweis’ - wieder vom Server. Die von Pro-linux veröffentlichten nbench-Ergebnisse zeigten teilweise dramatische Steigerungen von bis zu 50 Prozent zwischen dem 32- und 64-Bit-Modus (beim String Sort und der FP-Emulation), die Fourier-Transformation brach allerdings ein - hier ist wohl noch ein Wurm drin.

Fred Weber berichtete auf dem Tech Day, dass nach den ersten vorläufigen Ergebnissen die SPEC2000-Werte im Schnitt um zehn Prozent vom 64-Bit-Modus profitieren, es gebe in der SPEC Benchmark-Suite allerdings auch ein Programm, das intensiv mit Pointern arbeite und somit etwas verlangsamt wird.

Der taiwanische Chipsatzhersteller SiS will sich auch wieder in die AMD-Gemeinde einspielen. SiS ließ über OCworkbench.com einen Satz von Vergleichswerten zwischen zwei Athlon-64-Systemen (1,4 GHz) veröffentlichen, mit SiS755/963L-Chipsatz kontra VIA K8T400. Eigentlich sollte man keine großen Performance-Unt-erschiede erwarten, da der wichtigste ehemalige Chipsatzbestandteil, der Speichercontroller ja bereits im Prozessor integriert ist. Um so mehr verwundert, dass die auf OCworkbench angegebene DRAM-Performance laut SiSoft Sandra Pro 2002 zwischen den beiden Systemen um bis zu 40 Prozent zu Gunsten von SiS auseinander liegt - sollten die Systeme etwa unterschiedlich konfiguriert gewesen sein? So gesehen sind die angegebenen Vergleichsergebnisse (SYSmark 2002: +3,2 %, Winstone 2003: +4,5 %) unter ziemlichem Vorbehalt zu sehen.

Ansonsten sind Unterschiede bei der AGP- und PCI-Performance denkbar. Ersteres zeigt sich jedoch kaum (3Dmark 2001-Ergebnisse sind nahezu gleich), demgegenüber hängt die SiS-Southbridge den Kollegen von VIA bei der Disk-Performance (mit Winbench 99) um bis zu Faktor 2 ab.

Sollte sich VIAs altbekanntes Southbridge-Problem mit PCI auch bei den Hammer-Chipsätzen weiter fortsetzen? Das wär schon peinlich für die Crew von Wen-Chi Chen. (as)

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