Prozessorgeflüster

Von freien und rätselhaften Skalen

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Was macht eigentlich das früher im gleichen Atemzug mit Intel, AMD und IBM genannte und einst so mächtige Halbleiterhaus Motorola? Apple ist als Kunde weitgehend verloren, AMD als ehemaliger Herstellungspartner lief ebenfalls zu IBM über - jetzt lagert Motorola das Halbleiterbusiness komplett aus; wohin geht die Reise?

Siemens hat es vorgemacht und den Halbleiterbereich recht erfolgreich an die beiden Töchter Epcos und Infineon weitervererbt. Jetzt will auch Motorola frei skalieren und im Laufe dieses Jahres den kompletten Semiconductor Product Sector (SPS) unter dem Namen Freescale Semiconductor auswildern. Der neue Präsident und CEO steht auch schon fest: Scott Anderson, ein erfahrener Motorola-Haudegen, der schon seit mehr als 25 Jahren für die Firma arbeitet.

Immerhin rund 5 Milliarden Dollar, ein Fünftel des Gesamtumsatzes, hatte die SPS-Sparte im letzten Jahr an Umsatz erzielt, auch wenn hier und da etliche Rückschläge zu verzeichnen waren und der glücklose CEO Christopher Galvin letztendlich das Handtuch werfen musste. Genaue Zahlen wurden im Quartalsbericht allerdings mit Hinweis auf das angemeldete IPO von Freescale nicht veröffentlicht.

Im Embedded-Bereich, insbesondere in der Automobilindustrie, ist Motorola nach wie vor die Nummer eins. Ob im Formel-1-Renner oder im normalen PKW von der Stange, zuhauf sind hier Motorola-Chips zu finden. Für Aufgaben mit höheren Ansprüchen wie etwa der Motorsteuerung eignen sich besonders die PowerPC-Prozessoren. Gerade erst wurde die neue MPC5500-Linie eingeführt, die die verbreiteten MPC-500er ablösen soll. Und die aus den Apple Desktops verbannten G4-Prozessoren werden nun als schnellstes Zugpferd im Embedded-Stall geführt.

Der neue MPC7447A mit 1,42 GHz schlägt in dieser Konkurrenz alles, was sich Embedded nennt, um Längen, wenn man es anhand des in dieser Szene verbreiteten EEMBC-Benchmarks misst - wenn auch zum stolzen Preis von 245 US-Dollar ab 10 000 Stück. Außerdem hat Motorola jetzt dynamische Takt- und Spannungssteuerung eingeführt, so wie es die Konkurrenz im Mobil-Lager schon längere Zeit etwa unter den Namen SpeedStep oder PowerNow kennt. Warum laut Fact Sheet der neue PowerPC mit 1,42 GHz aber 19 Watt verbraucht und damit gut 50 Prozent mehr als der ebenfalls mit 1,3 Volt betriebene Vorgänger MPC7447 bei 1,3 GHz, bleibt allerdings erst mal ein Rätsel. Sparsam ist jedoch die Ultra Low Voltage Version mit 1,17 GHz, die sich auf 9,3 Watt beschränkt - vielleicht gibts dafür ja doch noch ein Plätzchen im Apple-Notebook.

Die von Hitachi und Mitsubishi gemeinsam ausgelagerte Tochter Renesas, die jetzt als Nummer eins bei den Mikrocontrollern firmiert und die ihrerseits SuperH.inc als Tochter zusammen mit STMicroelectronics hält, hat erste „rekordbrechende“ EEMBC-Ergebnisse des 64-Bitters SH5 vorgelegt. Nur welche Rekorde SuperH mit den veröffentlichten Werten brechen will, bleibt rätselhaft, denn bezogen auf die geplanten 600 MHz bleibt der SH5 in allen fünf EEMBC-Kategorien klar hinter einem IBM PowerPC 440GX (667 MHz) zurück, ganz zu schweigen von dem weit entschwundenen Motorola MPC 7447A. (as)