Prozessorgeflüster

Von Schwänken und Schwenks

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Intel schwenkt schon wieder: Nach der bedeutsamen Änderung der Roadmap fürs nächste Jahr - weg vom Pentium 4 - kommt jetzt ein Schwenk bei den in den nächsten ein, zwei Wochen erwarteten Desktop-Prozessoren. 64 Bit wird es nämlich nicht wie ursprünglich angekündigt nur für Workstations, sondern von Anfang an auch für Desktop-PCs geben.

Unerwartet früh ließ Intel in der Product Change Notification (PCN) 104101-00 schon mal ein paar Details zu den in den nächsten Wochen erwarteten Desktop-Prozessoren verlauten. Danach wird es auch einen „Desktop Intel Pentium 4 Processor-LGA775 with EM64T“ geben. EM64T steht dabei für Extended Memory 64-Bit Technology, das ist Intels vornehme Umschreibung für den übernommenen AMD64-Modus. Auf dem letzten Developer Forum hatte Intel bereits angekündigt, dass neben dem Dual-Prozessor-Xeon (Codename Nocona) auch eine Single-Version herauskommen soll - nur war da noch unklar, ob dieser als Xeon oder Pentium 4 vermarktet werden soll, jetzt wissen wirs. Aufrüstern wird der 64-Bit-Genuss allerdings verwehrt, denn den EM64T-tauglichen Pentium 4 wird es zumindest vorerst nur im neuen Sockel-Gewande LGA775 mit 3,2 bis 3,6 GHz Takt geben. Für den alten Sockel mPGA478 sind lediglich wie gehabt Prescott-Prozessoren mit bis zu 3,4 GHz zu haben, allerdings im neuen E0-Step. Daneben kommen auch LGA775-Pentium-4-Prozessoren ohne EM64T mit 2,8 bis 3,6 GHz Takt, die nach Intels neuem BMW-Nummernschema von 520 bis 560 durchnummeriert sind.

Mit dem E0-Step (CPUID F41h) ziehen einige Verbesserungen ein, insbesondere das NX-Bit, das bei Intel jetzt Execute Disable Bit heißt. Die LGA775-Versionen bieten darüber hinaus verbessertes Powermanagement, vermutlich die schon lange erwartete Dynamic Voltage ID, mit der der Prozessor dynamisch seine Kernspannung abhängig von der Auslastung regeln kann - ähnlich wie es die AMD-Konkurrenz mit Cool ’n Quiet schon länger vormacht.

In weiteren PCNs und PR-Meldungen von Ende Mai sind eine Vielzahl von Produktan- und abkündigungen aufgeführt, etwa die Einführung des Celeron-M für den Notebook- und auch Embedded Markt (siehe c't 13/04, S. 32) oder die Abkündigung des guten alten Pentium-Prozessors. Dass nun der Pentium-4-Prescott als „Mobile Pentium 4“ herauskommt, ist angesichts seines Energieverbrauchs von bis zu 88 Watt (TDP) eher ein klassisches Oxymoron, ein Widerspruch in sich. Daneben gab Intel Preissenkungen für den Xeon von bis zu 34 Prozent bekannt.

Über den in Kürze erwarteten Xeon-Prozessor Nocona hat Intel indes keinerlei Neuigkeiten verlauten lassen. Der von uns schon mal im 64-Bit-Betrieb angeschaute Prototyp (siehe c't 13/04, S. 162 ff.) befand sich noch im D0-Step-Zustand (also ohne NX-Bit).

AMD hat auf der Computex die Prozessoren für den Sockel 939 offiziell vorgestellt (c't 13/04, S. 18) und wartete nach Ende der Messe auch mit neuen Namen für zukünftige Lowcost-Desktop- und -Mobile-Prozessoren auf, nach den harten Durons sollen im Herbst die dauerhaften Semprons folgen.

Von den aktuellen Sockel-939-Prozessoren ist in Deutschland derzeit noch nicht viel zu sehen. Bei Alternate etwa sind bislang weder Boards noch Prozessoren aufgelistet, nicht einmal mit rot markierter (Nicht-)Lieferbarkeit. Demgegenüber verläuft der Opteron-Verkauf offenbar sehr gut, allein für einen Supercomputer, den die chinesische Akademie der Wissenschaften in Auftrag gab, wurden 2560 (sicherlich gut gesponsorte) Exemplare geliefert. Damit dürfte das aus 640-Tyan-Boards zusammengesetzte System etwa unter die Top 10 der aktuellen Supercomputer-Rangliste kommen. Die wird aber Ende Juni auf der International Supercomputer 2004 in Heidelberg wieder auf den neuesten Stand gebracht.

Ende Juni wird man wohl auch erstmals Details zu dem ominösen Cell-Prozessor vernehmen können, den IBM, Sony und To-shiba derzeit gemeinsam entwickeln. Das erhofft man sich jedenfalls von einem Workshop der IEEE Computer Society, an dem Cell-Entwickler von IBM und Sony teilnehmen. Sony will Cell nicht nur für die nächste Playstation, sondern auch für Fernseher der Zukunft einsetzen und hat vor kurzem zusammen mit IBM auch eine Cell-bestückte Workstation fürs vierte Quartal 2004 angekündigt. Die letzte von Sony mit der Emotion Engine der Playstation 2 avisierte Workstationlinie ging allerdings sang- und klanglos unter.

Und was mag Cell wohl mit dem Prozessor der nächsten XBox (Codename Xenon) gemein haben, der nach Gerüchten mit zwei oder drei PowerPC-Kernen auf einem Chip ausgestattet sein soll? Spekulationen über Spekulationen - weniger spekulativ sind da schon die Vorhersagen zum nächsten PowerPC 970/G5, den man mit hoher Trefferquote zu der Anfang Juli stattfindenden Apple-Entwicklerkonferenz mit 2,5 GHz Takt erwarten kann. Und für dieses Jahr sind ja noch 3 GHz versprochen. Ist schon lustig, wie sich das GHz-Rennen inzwischen gewandelt hat: Intel geht offenbar für nächstes Jahr weg von der überhitzten Gigantomanie, und die PowerPC-Fraktion, die früher wegen zu mickrigem Takt oft gehänselt wurde, zog mit dem hochtaktoptimierten PowerPC970-Design nach und steht womöglich auf einmal allein in den hohen Regionen da. Allerdings hat IBM wesentlich mehr darauf geachtet, dass der Energieverbrauch in Grenzen bleibt, anders als - vormals - Intel, wo eine Zeitlang die Maxime „Hauptsache Takt“ ohne Rücksicht auf (Energie-)Verluste galt. (as)

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Nachdem es Mitte Mai bei der GIMPS (Great Internet Mersenne Prime Search) mal wieder „geklingelt“ hatte, ging man davon aus, dass es ein paar Wochen dauern würde, bis das Ergebnis verifiziert wäre - aber nein. Schon nach fünf Tagen intensiver Rechenzeit stand es fest: Die neue größte derzeit bekannte Primzahl ist 224,036,583-1, eine Zahl, die mit 7 235 733 Dezimalziffern immerhin eine Million Mal größer ist als der bisherige Prim-Spitzenreiter. In welcher anderen Sportart gibt es schon solche Steigerungen? Ermöglicht hatte die schnelle Verifikation eine Bull Novascale 5000 HPC mit 16 Itanium-2-Prozessoren, die gar nur 50 Prozent ihrer Rechenzeit der Primaufgabe widmete. Das belegt mal wieder, dass die Itaniums als Numbercruncher wahrlich prima sind.

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