Prozessorgeflüster

Von alten und neuen Namen

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Den ersten 65-nm-Prozessor hat Intel doch früher als erwartet vorgestellt, zudem wurden weitere Details zu Yonah bekannt. Um AMD ranken sich derweil einige Gerüchte. Ganz konkret wurde hingegen Nvidia und kaufte ULi.

Anfang 2006 sollte Presler erscheinen, der Pentium D in 65-nm-Technik, doch Intel hat den mit zwei Kernen und 2 MByte L2-Cache pro Kern ausgestatteten Prozessor schon eher fertiggestellt - mehr dazu auf Seite 22.

Für Yonah, die erste Mobil-CPU mit zwei Kernen und in 65-nm-Fertigung, verdichtet sich der 5. Januar als Vorstellungstermin, ebenso wie die anfängliche maximale Taktrate von 2,13 GHz und die TDP von 31 Watt. Die japanische Seite PC Watch will zusätzlich eine neue Bezeichnung herausgefunden haben: Intel scheint sich vom Namen Pentium M lösen und den Zweikern-Yonah Core Duo nennen zu wollen, die Einkern-Variante Core Solo. Die Kombination mit passendem Chipsatz und WLAN-Modul heißt demnach Centrino Duo. Die schon im Sommer erwartete Nachfolge-CPU Merom wird wohl ebenfalls den Namen Core Duo tragen.

Mit dessen Desktop-Version Conroe könnte Intel dann auch den Namen Pentium 4 aufgeben, um den Abschied von der NetBurst-Architektur zu verdeutlichen. Platz für ein Core Quattro oder Okto würde das Namensschema ebenfalls bieten. Auch würde dieser Name im Wettkampf gegen die Cell-Prozessoren besser klingen als ein schnödes „Pentium 5“. Zudem könnte Apple erspart bleiben, die serienreifen Intel-Macs mit einem Pentium ausstatten zu müssen. Schon auf der Macworld Expo am 9. Januar will Apple einem Gerücht zufolge ein iBook mit Mac OS X for Core zeigen, doch noch ist unklar, ob ein dann gerade erhältlicher Yonah drinsteckt oder schon ein Vorserien-Merom mit 64-Bit-Unterstützung.

BMW gibt sich hingegen mit der aktuellen Intel-Technik zufrieden und will seine Rechenzentren standardisieren sowie Notebooks und PDAs mit Intel-Innereien anschaffen. Auch das kürzlich übernommene Formel-1-Team von Sauber bekommt Intel-Rechner, sehr zum Ärger von AMD, hatte Sauber doch erst im Juni 2004 die Anschaffung eines fetten Opteron-Clusters bekannt gegeben.

Einem Gerücht, der Opteron-1xx für den Sockel 939 würde eingestellt werden, trat AMD entgegen. AMD will ihn vielmehr bis Ende 2006 fertigen, weil er Bestandteil der Commercial Stable Image Platform sei. Auf der Website ist allerdings von Opterons noch nicht die Rede, nur vom Turion und Athlon 64.

Diese für Firmenkunden wichtige Plattformstabilität möchte AMD forcieren, doch das Projekt läuft nur schleppend an: Im September gestartet, fehlt auch jetzt noch jeder Hinweis auf der Website, welche Mainboards oder auch nur Chipsätze Unterstützung finden. Wenig konkret bleibt auch die unter dem Codenamen „Raiden“ eingeführte Kampagne zur Stärkung der „commercial clients“.

CSIP-Produkte kommen sicherlich im zweiten Quartal für den Sockel M2, der vielleicht auch AM2 heißen soll. Das Zweikanal-Speicher-Interface der Windsor-, Orleans- und Manila-Kerne unterstützt DDR2-Module, die HyperTransport-Anbindung läuft vermutlich als HT1667 oder HT2000. Der Spitzenreiter Athlon 64 FX-62 soll 2,67 GHz erreichen.

In Japan gabs das Entwicklerkit der nächsten AMD-Mobilplattform Yamato zu sehen, die ebenfalls im nächsten Halbjahr serienreif sein soll. Der Turion 64 bekommt dann einen - im Wettbewerb mit Yonah bitter nötigen - zweiten Kern spendiert sowie ebenfalls ein neues Sockel-Format, Zweikanal-DDR2-Speicher und einen beschleunigten HyperTransport. Chipsatz und Grafikmodul stammten beim Demosystem von Nvidia, aber ATI, SiS und VIA werden wohl ebenfalls passende Chipsätze anbieten.

ULi hingegen nicht mehr, jedenfalls nicht auf eigene Rechnung, denn Nvidia will den Chipsatz-Hersteller für 52 Millionen US-Dollar kaufen. ULi-Chef Alex Kuo rückt in den Nvidia-Vorstand auf und steuert das Chipsatzgeschäft in Asien. Erst 2002 hatten sich der Chipsatz-Hersteller ALi (eine ehemalige Acer-Tochter) und UMC, der zweitgrößte Chip-Auftragshersteller der Welt, zu ULi zusammengeschlossen. Doch obwohl ULi Chipsätze für fast alle wichtigen AMD- und Intel-Prozessoren im Angebot hatte, lag der Marktanteil immer noch unter einem Prozent.

Nvidia bekommt dadurch ein in Taiwan ansässiges Entwickler-Team, das wohl das praktisch nur aus teuren nForce4-Versionen bestehende Portfolio um konkurrenzfähige Low-Cost-Chipsätze erweitern soll. Auch für Notebooks hat Nvidia derzeit nichts im Angebot, der grafikfähige Athlon-64-Chipsatz nForce 430/GeForce 6100 ist bisher erst auf (wenigen) Mainboards zu finden. Die großen Zuwächse bei AMD-Notebooks befriedigt bislang vor allem ATI mit dem Xpress 200M.

Sun öffnet derweil in einem für ein größeres Prozessorhaus ziemlich einmaligen Schritt nach Vorstellung der ersten T1-Systeme auch die UltraSPARC-T1-Prozessorhardware der Open Source Community. So folgt auf OpenSolaris nun das OpenSPARC-Programm. Unter der Lizenz der Open Source Initiative (OSI) soll ab dem ersten Quartal 2006 die komplette Prozessorbeschreibung in Verilog bereitstehen, ebenso eine Verification Suite, eine der Architektur entsprechende Befehlssatz-Spezifikation sowie Simulationsmodelle.

Von der Offenlegung des Mikroprozessor-Designs erhofft sich Sun mehr Raum für Innovation und Anwendungsentwicklung. Mit 3,4 Millionen registrierten Solaris-Benutzern und 10 000 registrierten OpenSolaris-Community-Mitgliedern gibt es dafür reichlich Potenzial - wenn auch nur die wenigsten die Verilog-Dateien des T1 werden direkt nutzen können. Für FPGAs könnte ein einzelner T1-Kern in Frage kommen - der ganze Chip mit seinen acht Kernen ist dafür bei weitem zu riesig. Aber allein für Ausbildungszwecke dürfte ein realer Prozessor in Verilog höchst interessant sein. Auch für die Softwareoptimierung können tiefere Einblicke in die Prozessorstruktur mit ihrem vierfach Multithreading recht hilfreich sein. Und schließlich wird auch der ein oder andere Mitbewerber da wohl gern einen Blick hineinwerfen wollen. (as)

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