Prozessorgeflüster

Von Intrinsity und Integrity

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Intel will mit dem neuen Atom-Abkömmling Moorestown den Markt der kleinen Mobilgeräte aufmischen, doch der ein oder andere Partner geht hierfür lieber eigene Wege. HP macht dies und das, kauft Palm und bringt die ersten Itanium-Tukwila-Systeme.

Apple hat offiziell immer noch nichts dazu verlauten lassen, aber seriöse Quellen wie der Microprocessor Report und die New York Times bestätigten, dass Apple das kleine texanische Technologiehaus Intrinsity eingekauft hat – und bei Intrinsity-Mitgründer Jim Blomgren steht nun nicht mehr „arbeitslos“, sondern wieder Apple als Arbeitgeber im LinkedIn-Profil. Tom Halfhill vom Microprocessor Report hat zudem den Kaufpreis für den Deal in Höhe von 121 Millionen US-Dollar in Erfahrung gebracht.

Apple investiert also weiterhin kräftig in eine eigene Chipentwicklung – und manche unken schon, Apple denke daran, ARM zu übernehmen. Immerhin ist ARM ja so eine Art Patenkind, hat doch Apple vor zwanzig Jahren als Investor und Kunde den Anstoß gegeben, dass Acorn die Prozessorentwicklung in eine eigene Firma ausgliederte. ARM-CEO Warren East hat aber schon heftig dementiert.

Dem Partner Intel zeigt Apple mit seinen Mobilgeräten jedenfalls weiterhin die kalte Schulter, und nun ist auch Intel-Partner Hewlett-Packard auf Abwegen. Nach dem Kauf von Palm dürfte sich HP bei kleinen Gerätchen verstärkt auf ARM konzentrieren. Nebenbei gerät damit auch Microsoft immer stärker ins Abseits. So hat HP Windows für seinen Tablet-PC „Slate“ schon zugunsten von WebOS ad acta gelegt.

(Bild: Intel)

Da kann Intel bei der Vorstellung des Moorestown-Prozessors (Seite 18) noch so sehr mit hoher Performance und niedriger Stromaufnahme brillieren – aus irgendeinem Grunde laufen die Partner davon. Nun verlautete gar, dass der nächste, nämlich LG Electronics, der das erste mit Moorestown bestückte Smartphone herausbringen soll, ebenfalls schon das Handtuch schmeißen wolle. Und Microsoft erwägt offenbar, zukünftige Bing-Server mit ARM-Prozessoren auszustatten.

Intel holte unter anderem den alten SPEC-CPU2000-Benchmark aus der Versenkung, um sich besser gegen ARM in Szene setzen zu können. Mit dem angegebenen SPECint_2000-Wert von „mehr als 500“ für den Smartphone-Prozessor mit 1,5 GHz dürfte er etwa gleichauf mit Transmetas Efficeon bei 1,2 GHz liegen (526) und hinter einem 1,6-GHz-Atom (623), aber vor dem 1-GHz-Cortex-A9 (rund 245, aus Intels Balkendiagramm ermittelt) und weit vor dem iPhone-Prozessor Cortex A8 (125).

Aus den Balken lässt sich mit ein bisschen Rechnerei zudem auch der Durchsatzwert SPECint_rate2000 zu etwa 7,4 bestimmen, vor dem Zweikerner Cortex A9 mit 5. Ein 1,6-GHz-Atom schafft hier 9,3.

Immerhin, am oberen Ende bei den richtig großen Eisen hält HP treu zu Intel, muss es auch, denn es sind in allererster Linie HP-Kunden, die auf große SMP-Systeme, hohe Verfügbarkeit und insbesondere eine kompatible Code-Basis unter OpenVMS oder HP-UX setzen. Und so stellte HP Ende April zur HP Technology@Work 2010 zwar nicht im, aber am Main-Stream in Frankfurt die ersten Systeme mit dem neuen Itanium-Quad-Core-Prozessor Tukwila vor.

Die kleineren Integrity Blade Server mit bis zu acht Tukwila-Prozessoren sind ab sofort verfügbar, die Rackserver und der große Integrity Superdome 2 mit bis zu 64 Sockeln sollen später im Jahr folgen. Allzu viel Zeit kann sich HP dafür nicht lassen, denn für den Superdome 2 mit 16 Prozessoren liegt seit Ende April ein offizieller TPC-Benchmark-Wert (TPC-H mit 1 TByte Datenbank) vor und nach den TPC-Regeln muss binnen eines halben Jahres die Markteinführung erfolgen.

Mit 140 181 QphH@1TB (Query-per-hour) und 12,15 Dollar/QphH@1TB ist der neue Superdome 2 etwas schneller als sein Superdome-Vorgänger mit der doppelten Anzahl von Itanium-9140-Prozessoren. Letzterer kommt bei gleicher Kernzahl auf 123 323 QphH@1TB ist aber mit 20,54 Dollar/QphH@1TB weniger kosteneffizient. Mit nur neun Ergebnissen innerhalb der letzten zwei Jahre ist diese Liste allerdings sehr mager bestückt, Power 7 oder neuere Xeons (etwa Nehalem-EX) fehlen hier völlig. Und Suns, sorry, Oracles M9000 mit 32 SPARC64-VI-Prozessoren vom Oktober 2008 (118 573 QphH@1TB, 24,12 Dollar/QphH@1TB) ist ein leichtes Opfer. So kann der Superdome 2 dank Abwesenheit anderer Konkurrenz für sich in Anspruch nehmen, bei den Systemen bis zu 64 Prozessoren in diesem einen Benchmark die Führung zu übernehmen. Vergleichen sollte man das aber vielleicht mal mit dem HP DL785 G6 mit acht AMD-Magny-Cours-Prozessoren, der in dieser Disziplin auf 102 375 QphH@1TB bei nur 3,63 Dollar/QphH@1TB kommt.

Am unteren Ende der neuen Blade-Linie rangiert der Integrity BL860c i2 für zwei Tukwila-Prozessoren mit bis zu 96 GByte Speicher sowie dem Boxboro-Chipsatz, den auch der hausinterne Konkurrent Nehalem-EX benutzt. HP bietet für das Blade-System aber nur drei der fünf von Intel angekündigten Mitglieder der Itanium-9300-Familie an, darunter mit dem Itanium 9350 den schnellsten (1,86 GHz, 24 MByte L3), energiehungrigsten (185 Watt) und teuersten (3838 US-Dollar Intel-OEM-Preis). HPs Angabe von 1,86 GHz unter „Standard Features“ ist allerdings recht sportlich – denn das schafft er nur im Turbo-Boost bei teilweise abgeschalteten Kernen. Ohne selbigen liegt der Prozessor bei geruhsamen 1,73 GHz. Die Specs einfach mit den „geboosteten“ Werten aufzupeppen, das traut sich jedenfalls beim Core i7 oder Westmere-EP bislang kaum jemand.

Inzwischen liegen auch erste SPEC-CPU2006-Ergebnisse für den Integrity BL860c i2 mit Itanium 9350 vor. Mit SPECint_rate_base2006 von 128 und SPECfp_rate_base2006 von 132 schafft er zwar etwas mehr als den versprochenen Faktor zwei gegenüber dem Vorgänger Itanium 9140M im BL860c, der auf 61 beziehungsweise 46,9 kommt – aber das ist nur rund ein Drittel dessen, was Nehalem-EX oder Westmere-EP in zwei Sockeln auf die Beine stellen – ganz zu schweigen von dem dicken RISC-Konkurrenten IBM Power 7 mit Werten weit jenseits der 500. Aber Performance ist eben nicht alles, weder bei iPad noch bei iTanium. (as)

Auch das noch

Intel kämpft offenbar mit allen Tricks gegen ARM, unter anderem mit den Logos für Core i3/5/7, so wie sie die Partner in ihren Anzeigen verwenden. Das Logo im originalen Vektor-EPS-Format ins PDF eingebettet , und schon stürzen die mobilen PDF-Viewer sang- und klanglos ab – egal ob auf iPhone, iPad oder Android-Handy. Wer weiß, vielleicht weist dieses Logo ja so nebenbei auf einen Weg hin, wie man aus dem Knast (Jail) der Betriebssysteme herauskommt.

Intels Logo in PDFs bringt die ARM-Konkurrenz ins Schwitzen. (Bild: Intel)

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