Quelloffene Exchange-Alternativen im Vergleich

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Bewegung im Groupware-Markt: Vier quelloffene Lösungen treten an, um MS Exchange einzuheizen. Was taugen Open-Xchange, Scalix, Zimbra und Zarafa als Exchange-Ersatz?

Groupware zu entwickeln, die aussieht wie Exchange und sich verhält wie Exchange, mag die richtige Herangehensweise sein, aber dieses Unterfangen klingt einfacher, als es ist. Wie bringt man zum Beispiel Kunden dazu, etwas zu kaufen, das wenig mehr als ein Exchange-Nachbau zu sein scheint, während das Orginal so weit verbreitet ist und sowohl von Microsoft selbst als auch von Dritt-Anbietern so gut unterstützt wird?

Die Hersteller von Alternativ-Lösungen haben sich an diversen Taktiken versucht. Die am weitesten verbreitete dürfte das Werben mit enormen Preisvorteilen sein, gern mit dem Hinweis kombiniert, wie viel einfacher die Alternative zu konfigurieren und verwalten sei. Viele der Exchange-Alternativen sind außerdem Open Source und setzen auf offene Standards und Schnittstellen, wodurch es für Entwickler einfacher ist, sie an bestehende Anwendungen anzubinden und um benötigte Features zu erweitern. Die meisten laufen zudem unter Linux und sparen so Geld für teure Server-Lizenzen ein, ganz zu schweigen von den Sicherheitsvorteilen, die das freien Betriebssystem mit sich bringt.

Aber nicht nur die Einkäufer und die Systemadministratoren wollen überzeugt werden. E-Mail ist die Geschäftsanwendung Nummer Eins und wenn die Benutzer nicht zufrieden sind, hat das Einfluss auf die Produktivität. Neun von zehn Anwendern verwenden Outlook als Client-Software und werden sich gegen den Umstieg auf ein anderes Programm wehren. Auch im Browser laufende Alternativen wie Microsofts eigenes Outlook Web Access haben dort schlechte Karten.

Um Anwender für sich einzunehmen, muss jeder Exchange-Ersatz also nicht nur mit Outlook zusammenspielen, sondern genau den gleichen Funktionsumfang bieten, der dem Anwender zur Verfügung steht, wenn er mit einem "echten" Exchange-Server verbunden ist. Das bedeutet viel mehr als das reine Versenden und Empfangen von Mails. Ein globales Adressbuch muss her, ebenso wie gemeinsame Ordner, Delegierungsmöglichkeiten und Zugriff auf die Kalender anderer Benutzer. Erforderlich sind außerdem Push-E-Mail, Offline-Zugriff auf Mails, Kontakte und Kalendereinträge sowie der Datenabgleich mit Mobilgeräten wie Smartphones mit Windows Mobile oder Blackberries.

Ziele zu setzen, ist schwierig genug. Noch komplizierter ist das Reverse Engineering von einem komplexen Produkt wie dem Exchange Server, vor allem wenn man die enge Verzahnung mit Outlook in Betracht zieht. Unterstützung von Standard-Protokollen wie POP3 und IMAP bedeutet, dass Outlook auch mit anderen Mail-Servern zurechtkommt, aber seine Stärken spielt der Microsoft-Client gerade mit dem Exchange Server in Verbindung mit Microsofts Messaging-API (MAPI) aus.

Für die Hersteller von Alternativ-Lösungen führt also kein Weg an der Implementierung einer MAPI-Emulation vorbei. Viele von ihnen entscheiden sich für ein Outlook-Plug-in, das auf der Client-Seite MAPI "spricht" und diese Kommunikation dann in die Protokolle und API-Aufrufe übersetzt, die der jeweilige Server versteht. Eine andere Möglichkeit ist sogenanntes serverseitiges MAPI, wobei der Client durch die gleiche API wie bei Exchange direkt mit dem Server kommuniziert. Hierfür ist jedoch in den meisten Fällen noch ein Outlook-Plug-in erforderlich, das sich um die Zusammenarbeit der benutzen Protokolle kümmert. Wieder andere Hersteller setzen auf eine Kombination aus diesen und proprietären Techniken wie die Offline-Synchronisierung von IMAP-Ordnern, um einen Teil des Funktionsumfangs von Exchange nachzuahmen.

Wie gut es die Exchange-Nachbauten schaffen, ihr Microsoft-Vorbild zu emulieren, ist ganz unterschiedlich. Im Nachfolgenden eine Übersicht über vier der bekannteren Open-Source-Lösungen: Open-Xchange, Scalix, Zimbra und Zarafa, alle nach eigenem Bekunden mit sehr guter MAPI-/Outlook-Unterstützung. Die Betonung liegt auf der Interoperabilität mit Exchange und Outlook. Für die vielen anderen Funktionsmerkmale der untersuchten Groupware-Server lohnt sich ein Blick auf die jeweiligen Produktwebseiten.

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