RTFM: Read The Fucking Magazine

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Achim Barczok begibt sich in die Tiefen des c't-Archivs, um unter anderem die Frage aller Fragen zu beantworten: Warum heißt die c't eigentlich c't?

Achim Barczok

War zwei Jahre alt, als die erste c't am Kiosk lag. 25 Jahre später wurde er c't-Volontär und danach Redakteur für mobile Hardware. Um zu sehen, was er in den 25 Jahren davor alles verpasst hat, durchwühlt er die c't-Archive und veröffentlicht die schönsten Fundstücke im c't-Blog RTFM.

Mein Leben bei der c't beginnt mit einem Pils. Wir sind im Jahr 2008, 1. November, Mitternacht, und ich stoße an, mit meinem neuen Chef. Prost, zum Wohl, heute beginnt mein Volontariat.

Es ist die 25-Jahr-Feier der c't. Peter Glaser hat vorher im übervollen Veranstaltungssaal die Laudatio gehalten, ein Beamer zeigt ein Video aus dem Redaktionsalltag; dann spielt Musik. Die Redakteurinnen und Redakteure tanzen ausgelassen, und ich halte mich aufgeregt an meinem Pilsglas fest. Ab morgen schreibe ich für eine Zeitschrift, die fast so alt ist wie ich, denke ich. Als die c't geboren wurde, habe ich an Telefonhörern und Bauklötzen herumgekaut. Ob ich damals etwas verpasst habe? An diesem Abend nehme ich mir vor, nicht nur die c't von morgen zu schreiben, sondern auch die c't von früher zu lesen. Irgendwie bin ich ihr das schuldig.

c't-Cover aus den Jahren 1983, 1998 und 2013.

Eine Woche später: Ich suche nach dem Anfang. In den c't-Laboren werde ich fündig. Zwischen Apothekerschränken voll mit Potis, Widerständen und Kabelrollen sitzt Redaktionsassistent Hans-Jürgen Berndt, ein Kollege der ersten Stunde. Es riecht nach verkohltem Plastik und Lötdampf. Ja, auch heute noch wird in der Redaktion gelötet und gesteckt, wenn auch nicht so viel wie in den Anfangszeiten. Ob er wüsste, wo ich die erste Ausgabe der c't herbekomme, frage ich vorsichtig. Er schaut mich skeptisch an. Was mir jungem Volontär einfiele, nach so einem seltenen Original zu fragen, wird er mich bestimmt gleich angiften. Nein, tut er nicht. Nach einer kurzen Pause dreht er sich um, und kramt aus einem Regal eine Ausgabe heraus. Ehrfürchtig nehme ich das unverhoffte Geschenk an mich.

5 Jahre später: Es ist 2013, ich bin inzwischen Redakteur, und die c't bereitet sich langsam auf ihr 30-jähriges Jubiläum vor. Ich will mir bei Hans-Jürgen ein Netzteil besorgen. Auf dem Weg treffe ich einen Kollegen, der ein T-Shirt trägt mit der Aufschrift: "<rtfm> <read the fucking magazine>". Das T-Shirt gab es jahrelang für c't-Abonennten im heise-Shop. Es ist eine Abwandlung des Spruchs "read the fucking manual", mit dem man auf Unix-Mailinglisten und Netzforen früher dumme Fragen abkanzelte: Lies' erst mal die Anleitung, Du Idiot. Im 21. Jahrhundert sagt man dazu wohl: "Let me google that for you". Das T-Shirt sagt: "Lies die c't, da steht alles Wichtige drin."

Mahnend steht es auf dem T-Shirt des Kollegen: Read The Fucking Magazine.

Read the fucking magazine. Es klingt wie eine Mahnung an mich, das T-Shirt. Stimmt, ich wollte ja mal... Als ich wieder im Büro bin, schaue ich verstohlen in die unterste Schublade meinens Büroschranks. Dort liegt sie, in Plastikfolie gehüllt, die erste c't. Ein Geschenk, das ich mir ganz unverdient ergaunert habe. Und nie gelesen. Ok. Am folgenden Wochenende nehme ich sie mit nach Hause. Ein Pils auf dem Tisch, und los geht's...

Seite 5: Die dringendste Frage beantwortet sich bereits auf der fünften Seite. Das erste Editorial erklärt in einem Dialog, warum c't c't heißt, und die Antwort ist überraschend banal.

" 'ct' für 'Computertechnik' klingt ja ganz nett. Aber was soll denn das seltsame Häkchen im Namen ihrer neuen Zeitschrift?

Das soll andeuten, daß es sich beim 'c' um eine Abkürzung für Computer handelt.

Na gut. Und warum deuten Sie die Abkürzung beim 't' nicht an?

Hmm, ... zugegeben, es geht dabei nicht nur um die Abkürzung. Sehen Sie mal, die Buchstaben 'ct' können doch dieses und jenes bedeuten. Indem wir das Apostroph hinzufügen, 'Häkchen', wie Sie es nennen, machen wir daraus eine Art Markenzeichen. Die Werbefachleute bezeichnen so etwas als 'Logo' ..."

Seite 24: Noch länger als die c't gibt es schon die Industriemesse IFA in Berlin. Laut c't-Redakteur Gerd E. Neumann vollzog sich Anfang der 80er ein Wandel in den Messehallen: Waren Computer vorher kaum ein Thema, hätten auf der IFA 1983 immerhin 25 bis 30 Prozent der Exponate einen direkten Bezug zur Computertechnik gehabt. Besonders angesagt waren sogenannte Pocket Games: Kleine Spiel-Computer, einige hatten schon farbige LCDs. Was sie genau können, verrät der Artikel leider nicht.

Spannend wurde es noch einmal am vorletzten Tag, als verspätet eine Ladung aus Fernost auf der IFA aufschlug, "Computertand": Uhren, Rechner und sogar Mini-Videospiele in Uhrgehäusen, Kugelschreibern, Feuerzeugen und Linealen. Neumann orakelte: "Bei dem bekannten Spieltrieb vieler Mitbürger werden nun wohl Leute, die mit ihrer Armbanduhr 'video-spielen', sehr bald zum normalen Straßenbild gehören." Passt ja irgendwie ganz gut zum aktuellen c't-Titelthema mit den Smartwatches.

Seite 41: Mein Schwerpunkt bei der c't liegt bei Tablets und Smartphones: Mobile Computer, bei denen ich inzwischen froh sein muss, wenn man eigenhändig den Akku wechseln und mit Spezialwerkzeug das Display tauschen kann. 1983 stellen die Kollegen noch ganz locker einen Computer komplett selbst zusammen, da werden noch Chips und Speichermodule auf Platinen gelötet. Die Anleitungen erinnern mich an die Artikel in unserem Spezialheft c't-Hacks, das vor einem Jahr ins Leben gerufen wurde. Die Hacks, sie feiert die Wiedergeburt dieses Selbermachens. Vielleicht ist sie ja sowas wie der heimliche Nachfolger der frühen c't.

Einen Auftritt in der ersten c't hatte die Münchner Elektro-Gruppe Weltklang. (Bild: c't)

Seite 95: Auf sechs Seiten erklärt c't die unterschiedlichen Druckverfahren, wie sich die Technik in Schreibmaschinen entwickelt hat und wie Laser- und Tintenstrahldrucker funktionieren. Auch wenn die meiste Technik darin veraltet ist und der Artikel vor 30 Jahren geschrieben wurde, fühle ich mich danach schlauer. Technikgeschichte, schön kompakt erklärt.

Seite 108: Ein Ausblick aufs nächste Heft und das Impressum erwarten mich am Ende der c't. Aus den vier Redakteuren von damals ist heute eine Redaktion mit über 80 Redakteurinnen und Redakteuren entstanden. Beeindruckend. Eine Handvoll Redakteure, Assistenten und Layouter von damals stehen auch heute noch im Impressum.

Mein Pils ist alle. Ich hebe das Glas. Großartig. Ab morgen nehme ich mir die anderen Hefte vor. Nicht so gründlich wie die erste c't, aber ich bin mir sicher: ich werde genügend kleine Schätze darin finden.

PS: Das war meine Geschichte mit der ersten c't. Wer mir eine schönere an acb@ct.de schickt, dem schenke ich: meine Original-Ausgabe der ersten c't. Versprochen! (acb)

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