RagTime privat

Test & Kaufberatung | Kurztest

RagTime verteilt sein gleichnamiges Office- und DTP-Paket ab sofort kostenlos - mit nur geringen Einschränkungen. Der Hersteller peilt Heimanwender an, die Broschüren, Fotoalben, Einladungen oder auch lange Dokumente gestalten wollen.

Was offiziell ‘Business Publishing Software’ heißt, würden viele Anwender eher als Mischung aus Textverarbeitung, Desktop-Publishing-Software, Zeichen- und Tabellenkalkulationsprogramm bezeichnen. RagTime ist seit Jahren eine feste Größe im (deutschen) Mac-Markt; seit März 1999 gibt es auch eine Windows-Fassung (Test in c't 12/00). Jetzt hat das Hildener Unternehmen überraschend angekündigt, das Paket an Privatanwender zu verschenken. ‘Die Bekanntheit von RagTime wird deutlich steigen und das ganze Umfeld wird sich für alle RagTime-Anwender beleben.’ Mit diesen Worten will man wohl jene Anwender trösten, die in der Vergangenheit das Paket gekauft haben. Firmen müssen die 1700 Mark weiterhin berappen. Deshalb darf man auch die Privatversion in Netzwerken nur einmal einsetzen. Im Unterschied zur kommerziellen Fassung fehlen außerdem ICC-Farbprofile sowie Wörterbücher für Rechtschreibkorrektur und Silbentrennung. Die muss man bei Bedarf für 15 Euro pro Stück nachkaufen, aus Lizenzgründen, so der Hersteller. Beim Programmstart mahnt eine Dialogbox, man möge die Software nicht kommerziell einsetzen. Weitere Einschränkungen gibt es nicht.

Ein mitgeliefertes Tutorial namens ‘Erste Schritte’ erklärt das Konzept der RagTime-typischen ‘Container’ (Rahmen), die man nach Belieben gestaltet, auf dem Arbeitsblatt verteilt und wahlweise mit Text, Grafik, einem Rechenblatt, einem Knopf (für Befehle) oder Ton füllt. ‘Lebende Dokumente’ gewährleisten, dass etwa ein Diagramm automatisch aktualisiert wird, sobald man die Werte in einem Rechenblatt ändert. Selbst bei einem gestandenen Tabellenkalkulationsprogramm wie Excel muss man da jedes Mal umständlich ein neues Diagramm anfordern.

RagTime-Dokumente können sich aus beliebig vielen Seiten zusammensetzen, ähnlich wie Quark XPress legt das Programm bei Bedarf automatisch neue an - mit der gleichen Dokumentvorlage. Unterschiedliche Rahmen lassen sich per ‘Pipeline’ miteinander verknüpfen, sodass zu langer Text des einen Rahmens automatisch in den anderen umläuft. Text kann Bilder und Objekte - wenngleich behäbig - umfließen; weitere DTP-typische Funktionen wie Kerning oder hängende Initiale werden ebenfalls unterstützt. Im Unterschied zu manchem DTP-Klassiker ist man bei RagTime aber nicht gezwungen, im Layout zu arbeiten: Auf Knopfdruck öffnet sich ein Container und präsentiert beispielsweise Text in voller Bildschirmansicht.

Auf Wunsch druckt das Programm Etiketten (viele Vorlagen etwa für Herma-Papier werden mitgeliefert) oder Serienbriefe. Mit seinen Funktionen für Fußnoten, Indizes und Inhaltsverzeichnisse bietet sich das Paket sogar für gestandene Buchprojekte an. Mit Rechtecken, Bézierkurven und Polygonen sind auch Vektorgrafiken machbar; ein Präsentationsmodul zum bildschirmfüllenden Abspielen von RagTime-Dokumenten wird mitgeliefert. Durch RagTime Connect, ein Modul, das erst seit Version 5.6 zum Lieferumfang gehört, nimmt die Software Kontakt zu ODBC-Datenbanken auf. Auch die Euro-Konvertierfunktionen brauchen sich keineswegs zu verstecken.

Doch makellos ist RagTime nicht. Den HTML-Export beispielsweise bekommen andere Programme besser hin: Dokumente, die Text und grafische Elemente enthalten, speichert es kategorisch als JPEG-Bilder ab. Das wahrt zwar das Originallayout, unter HTML anders schier unmöglich, frisst aber Speicherplatz. PDF-Dateien erzeugt RagTime nur, wenn Acrobat in der Vollversion installiert ist. Die Undo-Funktion nimmt nicht mehrere, sondern immer nur den jeweils letzten Arbeitsschritt zurück. Hier und da hat das Programm Probleme mit dem Bildschirm-Refresh. Und nicht zuletzt ist die Bedienung etwas ungewöhnlich; ein Einstellungsdialog zum Dokument verbirgt sich hinter der Info-Funktion, von der Anwender anderer Programme eher Details wie Dokumentlänge oder Daten des Autors erwarten würden. Auch an die etwas ausgefallenen Funktionsnamen wie Container oder Vorratskammern wird man sich gewöhnen müssen. Doch ist das erst einmal passiert, findet man in RagTime einen zuverlässigen Gefährten durch die Welt der Formulare, Tabellen und Infografiken. Mehr noch: RagTime ist das erste professionelle Layoutprogramm, das man kostenlos bekommt. (se)


RagTime privat
Business Publishing Software
Hersteller RagTime GmbH (Tel. 07000-7248463)
Systemanforderung Windows 95/98/ME/NT, Mac OS bis 9.x
Download www.ragtime.de
Preis kostenlos für private Nutzer

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