Raspi: Endlich wieder basteln

Raspi: Endlich wieder basteln

@ctmagazin | Editorial

Seit März hat c’t-Redakteur Achim Barczok seinen Server gepatcht, den Desktop aufgeräumt und digitale Filme und Fotos sortiert. Ein Blick in die aktuelle c’t enthält noch Stoff für weitere Projekte.

Seit mein Theater-Abo und die Fußballdauerkarte stillstehen, Geburtstagsfeiern ausfallen und der Sportplatz geschlossen ist, habe ich unheimlich viel Zeit für Computertechnik.

Also habe ich seit März meinen Server gepatcht, den Desktop aufgeräumt und digitale Filme und Fotos sortiert. Danach gings aus purer Lange­weile ans Ausmisten der Rumpelkammer – und da fielen mir die vielen schwarzen Pappboxen mit der Aufschrift "Elektrokrams" in die Hände. Jede steht mahnend für ein halbfertiges Bastel-Projekt, manch eine habe ich seit Jahren nicht mehr ­geöffnet. Kabel, Raspis, Arduinos: Meine ­Wochenenden waren gerettet!

Als Erstes packe ich die Smart-Home-Sensoren aus. Wäre doch schön, wenn künftig die Heizung an­ginge, sobald mein Smartphone das Büro Richtung Zuhause verlässt. Und in der Kneipe abends kon­trolliere ich per App, ob ich das Licht an- und das Fenster aufgelassen habe. Da fällt mir ein: Mein Wohnzimmer ist seit Wochen mein Büro und meine Kneipe. Und wenn es in der Küche zieht, merke ich das spätestens beim nächsten Kaffee.

Auch der geplante Umzug meiner Datensync-Nextcloud auf einen Raspi ist plötzlich gar nicht mehr so dringend: Zum Datenaustausch steht mein Arbeitsnotebook schließlich nur ein LAN-Kabel entfernt vom Privatrechner. Und wozu brauche ich noch eine mobile Retro-Spielkonsole für lange Zugfahrten? Ich habe nicht einmal gemerkt, dass meine Bahncard vor 5 Wochen abgelaufen ist.

Dann halt die Raspi-gesteuerte Bewässerungsautomatik für den Schrebergarten: Nie mehr bei Nachbarn um Gießhilfe im Sommer betteln, während ich mit dem Fahrrad durch Europa toure. Aber ob ich diesen Sommer überhaupt weiter als bis in den Garten radeln darf? Enttäuscht packe ich den Elektrokrams wieder ein und fahre mit dem ­Drehstuhl zur Arbeit.

Doch dann rettet mich ein Blick in die aktuelle c’t: Na klar, mein Raspi wird ein NAS-Pi! Dank zentralem Speicher für Workout-Videos werde ich fit sein wie nie. Gerippte DVDs statt Netflix in der Badewanne, endlose MP3-Streams fürs romantische Lieferdienst-Dinner in der Küche. Ein Klick, und schon ist die passende ­MicroSD-Karte bestellt, dazu noch ein schickes Raspi-Gehäuse und ein paar Kabel. Eine schwarze Pappbox für den ganzen Kram müsste noch frei sein – nur für den Fall, dass ich es am Wochenende nicht fertigbekomme ... (acb)

Achim Barczok

Dieser Artikel stammt aus c't 12/2020.

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