Rechner am Draht

Kostenlose Fernsteuerung über Systemgrenzen hinweg

Test & Kaufberatung | Kurztest

Virtual Network Computing (VNC), eine kostenlose Software des Olivetti & Oracle Research Laboratory (ORL), dient dazu, Rechner über ein TCP/IP-Netz fernzusteuern. Das Prinzip ist einfach: Auf dem Rechner, der ferngesteuert werden soll, startet man den VNC-Server. Anschließend läßt sich dieser Rechner von einem anderen Computer aus über den VNC-Viewer kontrollieren. Viewer und Server sind für Win32 (Windows 95 und NT), Linux sowie einige Unix-Varianten verfügbar. Außerdem läßt sich der Server von allen Plattformen aus via Java-Applet mit einem Web-Browser fernsteuern.

Wer nun denkt, eine billige Lösung gefunden zu haben, um unter Linux mit Windows-Programmen zu arbeiten, wird allerdings schnell enttäuscht: Die Fernsteuerung des Win32-Servers reagiert recht zäh. Bis sich ein Fenster aufgebaut hat, vergeht schon mal die eine oder andere Sekunde; die Bildschirmdarstellung hinkt Texteingaben deutlich hinterher. Die Alt- und AltGr-Tasten funktionieren nicht. Gelegentlich werden Menüs und Fenster nicht korrekt aktualisiert; dies läßt sich zwar durch ein verändertes `update handling´ beheben, aber dadurch verlangsamt sich der Bildschirmaufbau weiter. Andererseits funktionierten alle gestesteten Programme einwandfrei; lediglich das DOS-Fenster von Windows 95 weigerte sich, Tastatureingaben anzunehmen. NT-Benutzer stoßen auf ein weiteres Problem: Es ist nicht möglich, sich über VNC auf einem NT-Rechner einzuloggen oder den aktivierten Bildschirmschoner zu beenden.

Mit dem VNC-Server für Linux klappt das Fernsteuern sehr viel besser. Der Bildschirmaufbau ist selbst bei aufwendigen Programmen wie StarOffice 4.0 ausreichend schnell. Lediglich das Verschieben von Fenstern würde man sich noch etwas zügiger wünschen. Auch hier wird die AltGr-Taste nicht korrekt durchgereicht; ansonsten fielen keine Probleme auf.

ORL hat die VNC-Server für Windows und Unix technisch unterschiedlich realisiert. Der Win32-Server klinkt sich in das Message-Handling von Windows ein, überträgt den Inhalt des lokalen Bildschirms an den Viewer und macht ferngesteuerte Aktionen auch lokal sichtbar. Unter Unix kommt dagegen der eigene X-Server Xvnc zum Einsatz. Da X-Window mehrere Bildschirme unterstützt, kann Xvnc auf display :1 parallel zu dem X-Server auf display :0 laufen. Dadurch läßt sich am lokalen Monitor ungestört weiterarbeiten; außerdem ist es möglich, durch das Starten mehrerer Server verschiedene unabhängige VNC-Zugänge auf einem Unix-Rechner einzurichten.

VNC läuft am schnellsten, wenn der ferngesteuerte Rechner auf möglichst geringe Farbtiefe und eine niedrige Bildschirmauflösung eingestellt ist. Auch ein einfarbiger Desktop-Hintergrund beschleunigt die Arbeit.

Im Test liefen die eingesetzten Viewer und Server für Windows und Linux stabil. Lediglich beim Versuch, einen NT-Rechner von einem zweiten NT-Rechner fernzusteuern, kam es einmal zu Problemen; allerdings ließ sich das Fehlverhalten nicht reproduzieren. Von einem schnellen Rechner aus kann zumindest der Xvnc-Server auch mittels Web-Browser kontrolliert werden.

VNC ist durchaus brauchbar, um kleinere Aktionen an einem entfernten Windows-Rechner vorzunehmen. Mit Xvnc unter Linux läßt sich sogar richtig arbeiten. (odi)


VNC: Die von ORL direkt unterstützten Versionen (Win32, Linux 2.0 für x86, Solaris 2.5, DEC Alpha OSF1 3.2) stehen auf http://www.uk.research.att.com/vnc/ zum Download bereit. Hinweise für Anpassungen auf weitere Betriebssysteme (FreeBSD, HP-UX, Irix, AIX) finden sich unter http://www.uk.research.att.com/vnc/contribs.html.

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