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Unterwegs ins Internet

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Viele Wege führen ins Netz, insbesondere, wenn man auf Reisen ist. Große Unterschiede gibt es nicht nur bei der Geschwindigkeit und den Preisen, sondern auch in puncto Sicherheit. Ein wenig Planung vor der Reise hilft, unerfreuliche Erlebnisse zu vermeiden.

Was für Geschäftsreisende zum Alltag gehört, ist auch für so manchen Urlauber längst Normalität: der Zugriff auf Internet-Dienste überall und jederzeit. Doch während die Firma ihrem Berufsnomaden meist einen vorkonfigurierten Zugang zur Verfügung stellt, steht der Urlaubsplanende vor einer unüberschaubaren Auswahl von Geräten, Zugangsarten und Tarifen. Wer danebengreift, erlebt den Schock beispielsweise beim Studium der nächsten Mobilfunkrechnung.

Ist also absehbar, dass die nächste Urlaubsreise nicht komplett offline vonstatten geht, gilt es, ein wenig zu planen. Dabei spielt die Art der Internet-Nutzung genauso eine Rolle wie die Online-Zeit und der Ort. In der Tabelle auf Seite 192 haben wir beispielhaft aufgeführt, welche Kosten bei den verschiedenen Nutzungsarten und Zugangsmöglichkeiten entstehen können.

Oft lohnt es sich nicht, für den gelegentlichen E-Mail-Check oder den Abruf der Fußballergebnisse ein zusätzliches Gerät ins Reisegepäck zu legen. Internet-Cafés finden sich mittlerweile auch in den entlegensten Regionen. Als Faustregel gilt: Je schlechter die Internet-Versorgung in einer Region ist, desto mehr öffentlich zugängliche Surfstationen gibt es dort, die die einheimische Bevölkerung mit kostengünstigen Online-Möglichkeiten versorgen. Etliche Verzeichnisse katalogisieren die weltweiten Internet-Terminals (siehe Tabelle „Verzeichnisse von Internet-Cafés“).

In aller Regel beschränkt sich der Netzzugriff auf einen geöffneten Web-Browser. Wer an einem öffentlichen Terminal surft, verlässt sich auf Gedeih und Verderb darauf, dass der Betreiber seine Systeme im Griff hat. Egal, ob das System Windows und den Internet Explorer verwendet oder Linux und Firefox - es gibt und gab für alle Systeme Sicherheitslücken, über die Angreifer Schadcode einschleusen können - und frequentierte Internet-Cafés bieten jede Menge lohnende Ziele. Daher kann man sich als außenstehender Nutzer eines solchen Zugangs nie sicher sein, ob nicht auf den PCs im Hintergrund zum Beispiel ein Keylogger läuft, der Tastatureingaben abfängt, also etwa Passwörter.

Daher sollte man im Internet-Café keinerlei vertraulichen Daten eingeben oder abrufen. Die Bestellung beim Online-Shop ist ebenso tabu wie der Kontocheck bei der Bank oder die Bearbeitung wichtiger dienstlicher E-Mails. Aber auch, wenn man nur persönliche E-Mails abruft, sollte man stets im Hinterkopf behalten, dass der Café-Rechner kompromittiert sein könnte. Am besten legt man sich für die Urlaubsreise einen Zweit-Account bei einem Freemail-Provider an, auf den man E-Mails nur weiterleitet. Wird dieses Postfach angegriffen, bleibt das Ursprungskonto unangetastet.

Im Browser sollte man falls möglich jede Funktion zum Passwort-Speichern abschalten. Beim deutschsprachigen Internet Explorer heißt die zuständige Funktion „Autovervollständigen“ und findet sich unter dem Reiter „Inhalte“ der Internet-Optionen im Menü Extras. Wenn man diese Funktion deaktiviert, lassen sich - übrigens auch noch nachträglich - die bereits gespeicherten Daten und Passwörter löschen. In Firefox, Mozilla, Netscape heißt die Funktion „Passwort-Manager“. Wenn man der Landessprache am Reiseziel nicht mächtig ist, sollte man sich visuell einprägen, wo die Optionen in den Browsern zu finden sind.

Permanente Cookies bergen ein ähnliches Risiko wie die Passwort-Speicherfunktion. Online-Shops, aber teilweise auch E-Mail-Dienste platzieren diese kleinen Dateien auf dem Rechner, um den Nutzer beim nächsten Besuch ohne Passworteingabe wiedererkennen zu können. Es empfiehlt sich, vorsichtshalber am Ende der Online-Sitzung über den Browser die Cookies zu löschen. Den Button dazu bieten der Internet Explorer unter „Temporäre Dateien“ im Optionen-Menü, Firefox und Co. im Datenschutz-Menü unter „Einstellungen“.

Ob im Internet-Café Dateien hochgeladen werden können, hängt von den dort vorhandenen PCs ab. Große Ketten verriegeln ihre Surf-Stationen, sodass kein externes Gerät, etwa eine Digicam via USB, andocken darf. Kleinere Cafés bieten diesen Service mitunter explizit an - in der Erwartung, am Ausdruck der Urlaubsfotos ein Zubrot zu verdienen. Darauf verlassen, dass etwa der mitgebrachte USB-Stick Platz am Rechner findet, sollte man sich nicht.

Das eigene Internet-Terminal in der Tasche zu haben macht Online-Nomaden unabhängiger. Ein PDA benötigt ohnehin kaum Platz; das Notebook bietet mehr Sicherheit und dient gleichzeitig noch als Digicam-Massenspeicher, Hotelzimmer-Stereoanlage oder mobiler DVD-Player.

Ob Handy, Notebook oder PDA: Die Geräte müssen ab und zu ans Stromnetz, um einsatzfähig zu bleiben. Vor der Reise sollte man sich erkundigen, welche Netzspannung und Stecker am Urlaubsziel Usus sind und sich gegebenenfalls mit Adaptern ausstatten. Hilfe dazu bietet heise mobil. Unter www.heise.de/fastbin/mobilwrapper?function=showliste haben wir die Eckdaten zur Internet-Nutzung mit dem eigenen Gerät in fast jedem Land der Erde zusammengefasst, unter anderem auch Abbildungen von vor Ort verwendeten Netzsteckern.

Soll das Gerät ans lokale Telefonfestnetz, wird man in den meisten Fällen auf ein Analog-Modem zurückgreifen müssen, weil selbst im ISDN-Musterstaat Deutschland die wenigsten Hotels oder Ferienanlagen einen ISDN-Anschluss im Zimmer bieten. Die RJ11-Buchse am Modem wird in Deutschland mit einem passenden Kabel an die TAE-Telefonbuchse gesteckt, im Ausland erhält man RJ11-Verbindungskabel nach dem jeweiligen Buchsenstandard im Fachhandel.

Ob in Deutschland oder anderswo: Gebühren für Gespräche oder Online-Sessions zahlt zunächst einmal der Anschlussinhaber, der sie dann wiederum an den Nutzer weiterreicht. Hotels schlagen oftmals noch eine gehörige Summe auf. Auch wenn der Einwahlknoten vor Ort ist und daher nur vermeintlich günstige Lokalgebühren anfallen, sollte man also vor der Nutzung nachfragen, um unangenehme Überraschungen beim Auschecken zu vermeiden.

Für Festnetz-Zugänge innerhalb Deutschlands bieten große Provider wie T-Online oder AOL bundesweit gültige Nummern an, die automatisch von der Einwahlsoftware genutzt werden. Außerdem lässt sich hierzulande ohnehin jeder Call-By-Call-Zugang verwenden. Längst nicht jeder Provider bietet aber Internet-Einwahlmöglichkeiten fürs Ausland an. Arcor zum Beispiel muss bei internationalen Zugängen passen. Kunden von T-Online und AOL haben es auch im nahen oder fernen Ausland leicht und vergleichsweise günstig.

Beide Provider stellen weltweit preiswerte lokale Einwahlrufnummern zur Verfügung. Eine Stunde Internet im New Yorker Hotelzimmer kostet bei T-Online beispielsweise 2,40 Euro, bei AOL gar nichts. Allerdings kommen in beiden Fällen noch die vom Hotel in Rechnung gestellten lokalen Telefongebühren hinzu. Auch in den abgeschiedensten Winkeln der Welt zahlt man bei T-Online maximal 9,60 Euro pro Stunde und bei AOL höchstens 17,40 Euro.

Neuanmelder erhalten bei AOL überdies zurzeit 650 Stunden gratis, die auch im Ausland genutzt werden können. Lediglich die Grundgebühr von 9,90 Euro fällt dann an. Wer viel im Urlaub surft, kann also die aktuelle AOL-Software 9.0 installieren (www.aol.de) und damit einen günstigen Auslands-Festnetztarif erhalten. Zurück zu Hause, kündigt er unverzüglich den Vertrag zum Monatsende. Auch die AOL-Zugangssoftware sollte von der Festplatte verschwinden, denn jede weitere Einwahl sieht AOL als Vertragsverlängerung an, auch wenn sie aus Versehen erfolgt.

Sowohl AOL als auch T-Online geben ihren Kunden lediglich Auslands-Einwahlsoftware für Windows und Mac OS an die Hand. Die Programme aktualisieren ihre Liste von Einwahlknoten stets, wenn sie online sind. Auf Anfrage erklärten beide Provider, genau aus diesem Grund keine Listen mit den Auslandsrufnummern zu veröffentlichen. Diese seien ja ohnehin immer veraltet.

Grundsätzlich lassen sich die Zugänge aber auch beispielsweise mit Linux über PPP nutzen. Dennoch kommt der Nutzer kaum umhin, die Software unter Windows zu installieren und die angezeigten, in Frage kommenden Einwahlnummern des Zielorts abzuschreiben. Oder aber er ruft die Hotline des jeweiligen Providers an und lässt sich die Nummern durchgeben. (hob)

"Internet im Urlaub"
Weitere Artikel zum Thema Internet im Urlaub finden Sie in der c't 13/2005:
Unterwegs ins Internet S. 188
Freemailer als Medienzentrale S. 194

Um die Kosten verschiedener Zugangsarten vergleichen zu können, haben wir das Online-Verhalten auf Reisen exemplarisch drei Nutzungstypen unterteilt. Der Gelegenheitsnutzer schaut während des 14-tägigen Urlaubs zweimal nach neuen Mails und benötigt dafür jeweils 15 Minuten. Sein Volumenaufkommen dürfte 2 MByte nicht übersteigen.

Der Normalnutzer loggt sich in den 14 Tagen unserer Beispielrechnung viermal ein und ist insgesamt drei Stunden lang online. Er surft auch ein wenig herum und benötigt etwa 20 MByte Volumen. Der Vielnutzer schließlich verwendet das Internet fast, als wäre er zu Hause. Fast täglich schaut er nach Mails, liest Nachrichten, lädt Urlaubsbilder hoch oder administriert seine Server. Insgesamt ist er zehn Stunden online und schickt in den 14 Tagen etwa 100 MByte durch die Datenleitungen.

Unsere Online-Nomaden ließen wir in Gedanken innerhalb Deutschlands umherreisen, Urlaub in Spanien und Kenia genießen und eine Geschäftsreise in die USA absolvieren - jeweils für 14 Tage. Für den Festnetzzugang nutzten sie den Roaming-Verbund GRIC (siehe Text). Außerdem hatten sie ein Vodafone-Vertragshandy ohne speziellen Urlaubstarif dabei. Wo möglich, nutzten sie die WLAN-Karte ihres Notebooks.

Die Preisangaben in der Tabelle geben lediglich Anhaltspunkte dafür, welche Kosten auf Reisende bei den verschiedenen Zugangsarten zukommen können. Auslands-Volumenkontingente von Mobilfunk-Providern etwa können die Verbindungspreise erheblich reduzieren. Kurz vor der Abreise sollte man sich unbedingt beim jeweiligen Anbieter infomieren.

Preisvergleich Zugänge (14-tägiger Urlaub)
Festnetz-Roaming (GRIC) Mobilfunk-Roaming by Call (Vodafone) WLAN (T-Online By-call)
Deutschland
wenig 0,30 € 18,61 € 4,80 €
normal 1,80 € 185 € 28,80 €
viel 6 € 920 € 96 €
Kenia
wenig 10,50 € 26,81 € 9,60 €
normal 63 € 266 € 57,60 €
viel 210 € 1331 € 192 €
Spanien
wenig 2,64 € 79,80 € 7,20, €
normal 15,84 € 798,70 € 43,20 €
viel 52,80 € 3993,60 € 144 €
USA
wenig 1,14 € 15,36 € 4,80 €
normal 6,84 € 153,40 € 28,80 €
viel 22,80 € 767 € 96 €

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