Renderträume

3D-Grafik mit Ray Dream Studio 5.5

Test & Kaufberatung | Kurztest

Organisch runde Formen und Animationen auf Mausklick beherrscht der Klassiker Ray Dream Studio seit Urzeiten - unter MacOS wie Windows. Version 5.5 soll das bisher behäbige Berechnen der endgültigen Bilder deutlich beschleunigen; im Paket liegen obendrein Zusatzmodule für Effekte von zäher Quecksilbermasse bis hin zur dramatischen Wolkendecke.

Mit dem optimiertem Raytracing-Modul spurtet Ray Dream Studio 5.5 gegenüber seinem Vorgänger los: Das Titelbild von c't 12/97 entstand im Test fast fünfmal schneller als mit Version 5.0 (im adaptiven Modus 10 gegenüber 48 Minuten für 1000 x 1400 Pixel auf einem Pentium-MMX-200 unter Windows 98). Das Ergebnis des neuen Renderers stimmt dabei weitgehend mit dem des alten überein. Auf homogenen Flächen treten gelegentlich Störungen in Form regelmäßiger Pixelmuster oder aber in Form von Höhenlinien auf. Ärgerlicherweise muss man dann einige der Optimierungsoptionen abschalten oder auf den alten Renderer ausweichen - der weiterhin verfügbar ist.

Im Paket inbegriffen ist nun das Malprogramm Painter 3D, in dem man Texturen auf Objekte pinselt (Farbe, Bump, Glanzlichtstärke etc.). Dass Painter 3D dabei Malwerkzeuge wie Kreide oder Pinsel nachbildet, ist weniger relevant als die Möglichkeit, in der 3D-Darstellung zu arbeiten und dort auch sofort das Ergebnis zu sehen. Die Programmmodule, die für den schnellen Austausch von Objekten und Texturen zwischen Ray Dream Studio und Painter 3D sorgen, hat MetaCreations auf der CD vergessen; sie werden per Internet nachgeliefert.

Die erstmals im Bündel mit Ray Dream Studio gelieferte Zusatzmodul-Sammlung Four Elements von Rayflect sorgt für realistische Naturbilder. Der enthaltene Geländegenerator mit 3D-Echtzeit-Vorschau und künstlicher Erosion erinnert stark an die Terrain-Funktion des Programms Bryce (siehe c't 16/98, S. 92). Das Modul vollzieht die Schritte, die man in Terrain-Editor ausgeführt hat, erst nach dem Editieren mit der internen, hoch aufgelösten Version der Landschaft - was Wartezeiten im Bereich von zig Sekunden bis wenigen Minuten verursacht. Mit Hilfe der zum Terrain-Editor gehörenden Shader-Erweiterung ‘Snow’ wirken Schnee oder andere Texturen nur auf die Ebenen des Geländes, nicht auf die Hänge.

Resultate besser als Bryce liefern die Four-Elements-Module für Sonne, Mond, Wolken und Dunst. Bis zu vier Wolkenschichten ziehen über den Betrachter hinweg. Weil das Programm Farben und Formen ohne Zutun perfekt simuliert, stellt man einen rotgoldenen Sonnenuntergang, einen aufziehenden Sturm, aufklarendes Wetter samt Regenbogen ebenso ohne Experimentieren ein wie eine klare Mondnacht - bloß der Sternenhimmel fehlt. Überzeugend wirken die Feuer-Texturen aus den Four Elements. Die Module für synthetische Wasserwellen fallen dagegen ab: Man vermisst eine Vorschau aufs Ergebnis; die Kreiswellen entsprechen nicht der Natur.

Rayflect steuert neben Four Elements noch zwei weitere Module bei. Das eine verschmilzt Kugeln, abgerundete Würfel, Zylinder und ‘Kissen’ animierbar zu organischen Figuren (Metaballs, siehe c't 2/98, S. 120). Das andere verwischt Bewegungen im Bild. Für diesen Effekt rendern und überlagern übliche Bewegungsunschärfe-Funktionen Hunderte von Bildern pro Sekunde Film, was zu extremen Rechenzeiten führt. Das Rayflect-Modul dagegen berechnet keine zusätzlichen Bilder, sondern benutzt die auf jeden Fall gerenderten, wendet aber einen Weichzeichnerfilter raffiniert auf Teilbereiche an.

Die Exportfunktion für das MetaStream-Format, bislang getrennt aus dem Internet zu laden, ist nun eingebaut. Mit ihrer Hilfe stellt man Szenen zum Durchwandern per Maus ins Internet. Den dazugehörigen Player muss man von www.metastream.com holen; inzwischen gibt’s dort nicht nur eine Version für Windows, sondern auch eine für MacOS.

Ray Dream Studio 5.5 ist nur in den USA im Handel erhältlich; Handbücher zu den mitgelieferten Modulen finden sich ausschließlich in elektronischer Form. Zum enthaltenen Painter 3D will MetaCreations nicht einmal Support leisten. Dennoch erhält man einen enormen Gegenwert - allein die Rayflect-Module kosten sonst zusammen 280 US-Dollar. Metaballs und derart naturgetreue Atmosphären beherrscht keine andere Software im Umfeld der 3D-Pakete unter 1000 Mark. Der beschleunigte Renderer hat allerdings seine Tücken. (jl)

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Ray Dream Studio 5.5
3D-Grafiksoftware
Hersteller MetaCreations, Tel. 0 18 05/34 97 85, www.metacreations.de
Systemanforderungen Windows 95, 98, NT oder MacOS ab 7.6 (nur PPC), 32 MByte RAM
Preis 350 US-$, Update (nur von US-Version) 100 US-$