Ruhe bitte!

Leise Rechner für Arbeiter und Spieler

Test & Kaufberatung | Test

Unbändige Rechenleistung für kleines Geld, das war früher einmal die Maxime für viele PC-Käufer. Inzwischen denken mehr und mehr Anwender um. Statt nach GHz & Co. fragen sie nun immer häufiger nach der Lärmentwicklung. 16 höchst unterschiedliche Flüster-PCs zeigen, was in Sachen Lärmvermeidung heute möglich ist.

Parallel zur Taktfrequenz stieg bei modernen Prozessoren nicht nur die Rechenpower, sondern auch die abzuführende Verlustleistung. GHz-strotzende Boliden wie Intels Pentium 4 mit 3,8 GHz verbraten inzwischen locker über 100 Watt [1] und aktuelle Grafikkarten mit ATIs Radeon X800 XTPE oder dem GeForce 6800 Ultra von Nvidia bedienen sich in etwa in der gleichen Größenordnung. Um hier wirkungsvoll und vor allem billig zu kühlen, setzen die meisten Hersteller auf lärmende Lüfter. So verwundert es kaum, dass die PCs von Aldi und Co. nicht nur immer schneller, sondern auch immer lauter wurden. Spätestens wenn man die gebotene Leistung ausschöpft, machen diese Rechner unüberhörbar auf sich aufmerksam.

Es geht aber auch anders: Mit intelligenten Kühl- und Lüftungskonzepten haben mehr und mehr Hersteller dem Rechnerlärm den Kampf angesagt. Hier gibt es zwei Wege: Während die eine Fraktion versucht, dem Krawall mit geregelten Lüftern und stark gedämmten Gehäusen beizukommen, setzt die andere auf komplett lüfterlos arbeitende Systeme. Heatpipes, mit winzigen Flüssigkeitsmengen gefüllte Röhren, transportieren die Abwärme hier von Prozessor und Grafikkarte zu großen Kühlkörpern, die sie an die Umgebung abgeben.

Beide Lösungsansätze haben Vor- und Nachteile. „Regeln und Dämmen“ ist üblicherweise weniger kostenintensiv als der aufwendige Weg über Heatpipes. Dafür kann es bei falscher oder übertriebener Dämmung zu Wärmestaus im Gehäuse kommen, was im schlimmsten Fall die Stabilität des Systems in Frage stellt und die Lebensdauer beeinträchtigt. Mit viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl erreicht man auf diesem Weg aber eine deutliche Lärmminderung bis hin zum nahezu geräuschlosen System. Ein potenzielles Problem dabei ist die Alterung der Lüfter. Wie bei jedem mechanisch arbeitenden System verschlechtern sich die Laufeigenschaften der Lüfter im Laufe eines PC-Lebens. Größere Lärmentwicklung und - bei mangelhafter Überwachung - Totalausfälle können die Folge sein.

Das steht bei rein passiv arbeitenden Kühlkonzepten nicht zu befürchten. Dafür sind Heatpipe-Lösungen wie bereits erwähnt prinzipbedingt aufwendiger und damit teurer. Universell einsetzbare vorgefertigte Komponenten gibt es üblicherweise nicht, weshalb die Hersteller eigene Lösungen in teuren Kleinserien fertigen lassen müssen. Angefangen bei der Adaptierung von Prozessor und Grafikchip über die korrekte Dimensionierung der Heatpipe bis hin zur Ermittlung der erforderlichen Kühlkörpergröße müssen die Hersteller alles in Eigenregie entwickeln.

Zudem lassen sich passiv gekühlte Rechner kaum mehr nachträglich erweitern. Jedes Quäntchen zusätzlich ins System eingebrachte Verlustleistung kann das thermische Gleichgewicht ins Wanken bringen. Da solche Rechner oft mit knapp dimensionierten passiv gekühlten Netzteilen versehen sind, lauert auch hier eine Falle: Schon eine zweite Festplatte könnte unter Umständen den 12-Volt-Zweig der Stromversorgung überfordern. Eigenmächtige Erweiterungen und Basteleien verbieten sich deshalb bei nahezu allen angebotenen Passivsystemen.

Egal, welchem Lärmvermeidungskonzept man den Vorzug gibt: Generell gilt, je weniger zu kühlen ist, desto einfacher und günstiger ist es, zu einem leisen PC zu kommen. Je bedarfsgerechter Prozessor, Grafikkarte und sonstige Ausstattung gewählt werden, desto geringer ist der Zusatzaufwand für die Beruhigung des Rechners. So muss ein System, das vornehmlich zum Surfen, Briefetippen und gelegentlichen Bearbeiten von Digitalfotos dient, weder mit einer rasanten 3D-Grafikkarte noch mit einem GHz-strotzenden Prozessor bestückt werden.

Bescheidenheit, auch bei der Wahl der übrigen Ausstattung, spart nicht nur Geld, sondern mindert auch die Leistung, die etwa das Netzteil zur Verfügung stellen muss. Neben den bekannten Energiefressern CPU und Grafikkarte kann nämlich auch ein hoffnungslos überdimensioniertes Netzteil für Verdruss sorgen, weil es unterfordert wird und so mit niedrigem Wirkungsgrad arbeitet.

Wie stark eine ausgewogene und sorgfältig abgestimmte Konfiguration zur Laufruhe eines PC beitragen kann, demonstrieren immer wieder die Office-PCs der Branchengrößen. Obwohl diese Rechner üblicherweise weder mit aufwendiger Heatpipe-Technik noch mit einem gedämmten Gehäuse versehen sind, können sie so mancher erheblich teureren Spezialanfertigung in Sachen Lärmvermeidung etwas vormachen. Für diesen Test haben wir deshalb auch bei den großen Anbietern nach leisen Rechnern gefragt - auch wenn diese ihre Systeme nicht explizit mit dem Attribut „Silent-PC“ schmücken.

Zum Testfeld der leisen „Office-PCs“ gesellten sich so ein Scenic P320 von Fujitsu-Siemens und Apples Mac mini. Dell trat sogar in der Kategorie „spieletaugliche Silent-PCs“ mit dem Dimension 5000 an. Die übrigen Kandidaten werden von ihren Herstellern explizit als Silent-PCs beworben.

Unterm Strich traten so sieben spieletaugliche leise Rechner und neun Office-PCs gegeneinander an. Die Bezeichnung Office-PC dient hier allerdings nur als Abgrenzung zu den explizit spieletauglichen Systemen. Natürlich eignet sich ein „Office-PC“ auch für den Einsatz daheim, und seine Leistungsfähigkeit erschöpft sich nicht im Briefeschreiben und Ausfüllen von Tabellenkalkulationsblättern. Surfen, DVDs abspielen, Bilder bearbeiten - all das können diese Rechner ebenfalls. Eng wird es erst bei aktuellen 3D-Spielen.

Das erste, aber längst nicht einzige Testkriterium für einen Silent-PC ist natürlich seine Lautstärke. Wir ermitteln diese zunächst bei ruhendem Desktop. Dieses Grundgeräusch liefert die Basisbewertung. Ist der Rechner hier leiser als 0,5 Sone, so eignet er sich ohne Einschränkungen auch für den Wohnzimmereinsatz. Selbst lärmempfindliche Gemüter nehmen einen so leisen Rechner kaum noch wahr. Bis 1,0 Sone bewerten wir ein System als gut, die Note befriedigend gibt es bis 1,5 Sone. Bis 2 Sone lautet die Wertung schlecht, lautere Rechner verdienen die Bezeichnung „Silent-PC“ wirklich nicht, weshalb das Urteil hier „sehr schlecht“ lautet. Die lineare Lautstärkeeinheit „Sone“ spiegelt recht gut das Lautheitsempfinden des menschlichen Ohres wieder und eignet sich deshalb besser zur Beurteilung des von einem Gerät verursachten Krawalls als die logarithmische Einheit dB(A).

Weitere Lärmmessungen finden dann unter Volllast, bei Zugriffen auf die Festplatte und die optischen Laufwerke sowie beim Abspielen eines DivX-codierten Films von Festplatte statt. So bekommt man einen recht guten Eindruck davon, wie laut das System in verschiedenen Betriebssituationen tatsächlich ist. Abwertungen der Basisnote finden immer dann statt, wenn ein PC unter Volllast, beim Festplattenzugriff oder beim Abspielen des Films erheblich lauter als im Ruhezustand ist.

Da selbst der leiseste PC keine Freude bereitet, wenn er nicht stabil arbeitet, mussten sich alle Rechner unserem Stabilitätstest stellen. Dieser führt über längere Zeit verschiedene Anwendungen aus und belastet dabei sowohl den Prozessor als auch das Speichersubsystem und die Grafikkarte. Abstürze führten zu einer sehr schlechten Bewertung für den Systemaufbau. Welche Temperatur sich bei den Tests an verschiedenen neuralgischen Punkten eines Systems einstellt, erlaubt eine Einschätzung der Effizienz des verwendeten Kühlkonzepts. Wärmestaus, etwa über den Kondensatoren des Spannungsreglers oder an der Festplatte, weisen auf mögliche Probleme mit der Langzeitstabilität hin.

Abzüge bei der Benotung für den Systemaufbau gab es auch, wenn unser EMV-Test nicht bestanden wurde. Wir beschränken uns hier auf einen Teil dessen, was für das Führen des CE-Zeichens vorgeschrieben ist (Burst- und Surge-Test). Ein PC, der diese Störfestigkeitsprüfung nicht besteht, dürfte streng genommen in Europa nicht verkauft werden, weshalb ein Versagen hier zu einer deutlichen Abwertung führte. Andere Fehler oder Nachlässigkeiten bei Aufbau und Konfiguration wurden weniger scharf geahndet.

Einen Eindruck von der Leistungsfähigkeit der Kandidaten liefern unsere Anwendungs- und Spieletests. Anhand der in der Tabelle am Ende des Artikels abgedruckten Einzelwerte kann sich jeder zudem ein Bild davon machen, wie sich die Systeme bei bestimmten Anwendungsprofilen und Anforderungen schlagen. In den Tabellen findet sich auch die detaillierte Konfiguration und Bestückung der geprüften Rechner.

In der technischen Prüfung ermitteln wir neben den Datenübertragungsraten zur Festplatte und via USB beziehungsweise FireWire vor allem die Signalqualität am analogen VGA-Ausgang. Wer ein analog angesteuertes Display nutzen will, sollte darauf achten, dass hier zumindest befriedigende Bewertungen in der vorgesehenen Auflösung erreicht werden. Die Prüfung des analogen und - soweit vorhanden - digitalen Sound-Interface schließt die Testreihe ab. (gs)

[1] Benjamin Benz, Triebwerk à la carte, Prozessoren von AMD und Intel für jeden Zweck, c't 5/05, S. 106

"Flüsterleise PCs"
Weitere Artikel zum Thema Silent-PC finden Sie in der c't 7/2005:
16 geräuscharme Rechner im Test S. 96
Der Silent-Freak S. 112

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