Ruhig gestellt

Der Weg zum leisen PC

Wissen | Know-how

Aktuelle Personal Computer kann man nicht nur als Leistungswunder, sondern oft auch als Lärmwunder bezeichnen. Viele PC-Besitzer leiden unter dem Betriebsgeräusch ihres Rechenknechts. Spätestens nach einigen Stunden konzentrierter Arbeit liegen die Nerven bloß. Wie wird man nur den Krach los?

Superstark - superschnell - superlaut: So präsentieren sich viele PC-Angebote, vor allem aus dem Kampfpreis-Segment. Rauschende Lüfter, dröhnende CD-ROM-Laufwerke, sirrende und klackernde Festplatten stören die Konzentration, nach Ansicht von Ergonomie-Experten machen laute Computer auf Dauer sogar krank.

Leider gibt es keine Universalwaffe gegen PC-Lärm. Zwar ist das Angebot an Hard- und Softwarezubehör zur Reduktion des Rechnerkrachs mittlerweile riesig, doch sind Wirksamkeit, Risiken und Nebenwirkungen vieler ‘Beruhigungs’-Mittelchen nicht einfach zu durchschauen. Auf den folgenden Seiten erläutern wir Maßnahmen zur PC-Geräuschdämmung und stellen entsprechende Produkte vor.

Mit steigender Taktfrequenz und Funktionsvielfalt klettert auch der Leistungsbedarf der in Computern eingebauten Halbleiterchips in früher undenkbare Höhen. Die schnellsten AMD-Athlon- und Intel-Pentium-4-Modelle genehmigen sich bei maximaler Rechenleistung über 70 Watt; eine PC-Hauptplatine nimmt, bestückt mit einer solchen CPU und einer High-End-Grafikkarte, in Spitzen über 110 Watt auf. Diese elektrische Leistung erzeugt das Netzteil aus der 230-Volt-Versorgung, wobei zusätzliche Abwärme anfällt.

Wegen der engen Platzverhältnisse im PC-Gehäuse lässt sich diese hohe Wärmeleistung nicht mehr durch reine Konvektions- oder Strahlungskühlung an die Umgebungsluft abführen. Damit es im Computer nicht zu heiß wird, befördern Lüfter die Warmluft ins Freie und überziehen dabei die PC-Umgebung gleichzeitig mit einem Lärmteppich. Zwar sind drehzahlgeregelte Lüftermotoren heute bei ATX-Netzteilen üblich, doch gibt es deutliche Unterschiede in der Geräuschentwicklung verschiedener Typen [[#literatur 1, 2]]. Außerdem dreht ein geregelter Ventilator natürlich nur dann langsam, wenn auch die anfallende Verlustwärme gering ist - läuft der PC auf Hochtouren, tut dies auch der Lüfter.

Anders als bei den Netzteilen ist eine temperatur- oder leistungsabhängige Regelung der Drehzahl von CPU- und Grafikkartenlüftern noch längst nicht üblich. Um diese Chips auch unter ungünstigen Umständen ausreichend kühl zu halten, laufen die - besonders auf Grafikkarten - relativ kleinen Ventilatoren meist mit voller Drehzahl und verursachen ständig den größtmöglichen Lärm. Mittlerweile kommen immer mehr Mainboards in den Handel, vor allem solche für die Sockel-A-Prozessoren AMD Athlon und Duron, auf denen auch auf der so genannten ‘Northbridge’ des Chipsatzes ein Lüfter sitzt. Da andere Firmen stabile Hauptplatinen mit denselben Chipsätzen auch ohne aktive Kühlung bauen, darf man den Sinn dieser Kühlmaßnahmen getrost anzweifeln - zumindest, solange man den Chipsatz nicht übertaktet.

Der Artikel ab Seite 116 in c't 17/2001 stellt CPU-Kühler mit besonders leisen und mit geregelten Lüftern vor. Es sind durchaus Modelle verfügbar, die bei geschlossenem Gehäuse von außen praktisch nicht mehr hörbar sind.

Außer den Lüftern sitzen in jedem PC aber noch weitere lästige Geräuschquellen. Festplatten gehörten früher zu diesen Quälgeistern, vor allem schneller drehende Modelle mit 7200 min-1. Mittlerweile achten die Hersteller jedoch besonders bei den Geräten mit IDE-Schnittstelle verstärkt auf leisen Lauf der Spindelmotoren. Außerdem bauen sie in fast alle diese Laufwerke das so genannte Akustik-Management ein, das sich mit dem IBM Feature Tool [[#literatur 3]] auch bei den Geräten anderer Hersteller aktivieren lässt [[#literatur 4]]. In der leisen Einstellung bewegen sich die Schreib-/Leseköpfe weniger abrupt, was für eine deutliche Geräuschminderung bei Zugriffen sorgt. Dabei steigt allerdings die mittlere Zugriffszeit um bis zu 50 Prozent an. Wegen der hohen Leistungsfähigkeit moderner Festplatten ist das bei den meisten Anwendungen aber nicht spürbar. Die maximale Datentransferrate beeinflusst das Akustik-Management nicht, denn die Drehzahl des Plattenstapels - und damit auch das Laufgeräusch - bleiben unverändert. Weil die Festplattenfirmen SCSI-Platten heutzutage ausschließlich für Hochleistungs-PCs und Server anbieten, kümmern sie sich bei diesen weniger um die Lärmdämmung. Für einen besonders leisen PC eignen sich Festplatten mit SCSI-Anschluss also nicht so gut. Kann man auf solche Platten nicht verzichten, so bieten sich spezielle Laufwerksrahmen an, die die Lauf- und Zugriffsgeräusche reduzieren - aber in manchen Fällen eine zusätzliche Kühlung des Laufwerks nötig machen.

Die lautesten Quälgeister im PC sind CD-ROM- und DVD-Laufwerke. Bei diesen Geräten scheinen die Entwickler nur noch auf eine möglichst große Datentransferrate hinzuarbeiten, ohne Rücksicht auf Verluste in Form von Lärm. Dabei gilt auch hier, dass selbst ein deutlich rauschendes Dauergeräusch bei Höchstdrehzahl weniger nervt als das auf- und abschwellende Heulen beim Beschleunigen und Abbremsen der Medienscheibe. In CD-Brennern, deren stärkerer Laserkopf samt der zugehörigen Steuerelektronik ordentlich Wärme erzeugt, sorgt manchmal ein eigener Lüfter für eine kühlende Brise und zusätzlichen Krach. Die Drehzahl vieler optischer Laufwerke lässt sich mit dem Shareware-Tool CD-Bremse [[#literatur 5]] auf ohrenschonende Werte begrenzen. Weiteren Schutz vor Lärm bringt eine Klappe oder ein Schieber am PC-Gehäuse vor den Laufwerksschächten. Den Luft- und Krachaustausch während des Laufwerksbetriebs kann man durch das Anbringen von Dichtungsstreifen am CD-/DVD-Einzugsschlitten noch weiter verringern.

Als gäbe es nicht schon genug sirrende Motörchen im Computer selbst, bauen auch die Peripheriegeräte-Entwickler noch eifrig Lüfter in ihre Produkte. Besonders heikle und schon vom Thema her anstrengende Teamsitzungen würzt ein lichtstarker Datenprojektor zusätzlich, wenn er mit möglichst vielen und hochtourigen Luftquirlen bestückt ist. Aber auch viele Plasma-Displays, die Lichtquellen mancher Flachbildschirme und einige Laserdrucker kommen nicht ohne Ventilatoren aus. Leider gibt es bei Peripheriegeräten kaum Möglichkeiten, die Lüfter leiser zu machen - hier hilft nur, schon beim Einkauf passiv gekühlten Geräten den Vorzug zu geben.

Die Aufzählung der in heutigen PCs versteckten Nervensägen zeigt, dass es keine allgemeine und simple Hauruck-Lösung für das Problem Computerlärm gibt. Der Weg zum leisen PC hat viele Kreuzungen, an denen der Ruhesuchende Kompromisse zwischen ‘High Power’ und ‘Low Noise’ schließen muss.

Wer um jeden Preis Ruhe haben will, kann sich einen Apple iMac oder Cube besorgen - beide Computer sind dank der thermisch effizienteren PowerPC-Prozessoren und dem Mac-OS-Betriebssystem in Arbeitspausen völlig lautlos. Weder Netzteile noch CPUs haben einen Lüfter, die Festplatte arbeitet dank der speziellen Speicherverwaltung nur dann, wenn ein Zugriff auf eine Datei nötig ist. Den Preisvergleich zu ähnlich ausgestatteten PCs von großen Markenanbietern brauchen iMac und Cube nicht zu scheuen, allerdings lassen sich die Geräte nicht so kostengünstig erweitern wie viele x86-Computer.

Billiger als ein Mac und genauso leise sind Web-Pads oder PDAs mit Tastatur. Auch solche Geräte eignen sich für viele Arbeiten, bei denen Lärm die Konzentration stört. Über Synchronisationsprogramme gelingt der Datenabgleich mit dem PC, auf dem sich die in Ruhe erstellten Daten dann abspeichern, ausdrucken oder sonst wie weiterbearbeiten lassen.

Wer denkt, dass tragbare Computer wegen ihres begrenzten Energievorrats weniger Abwärme erzeugen und deshalb auch leiser seien als ein Desktop, kann sich sehr täuschen. Manches Laptop-Modell, speziell so manches Supermarkt-Schnäppchen, erweist sich als nervtötend laut. Wenn der Hersteller nicht durch optimale Prozessorauswahl und geschickten Wärmetransport vorbaut, drehen sich die winzigen Lüfter im Gerät sehr häufig. Dabei produzieren sie oft sägende und auf- und abschwellende Heulgeräusche, denen man zudem kaum entkommen kann - schließlich hat man den Laptop bei der Arbeit direkt vor der Nase. Auch die CD-ROM- und DVD-Laufwerke vieler Laptops veranstalten einen Höllenlärm. Wer also dauernd am Laptop arbeiten muss, sollte das Wunschgerät vor dem Kauf mit den gewünschten Anwendungsprogrammen in ruhiger Umgebung ausgiebig testen. Meist springen die Lüfter nämlich erst beim Einsatz leistungshungriger Software an, bei deren Verarbeitung sich der Prozessor stark erwärmt.

Luftströmung nach ATX-Spezifikation
Die ATX-Spezifikation empfiehlt diese Luftströmung durch das PC-Gehäuse.

Soll es ein möglichst leiser Desktop-PC sein, kann man bereits unter relativ vielen auf geringe Lärmemission optimierte Angeboten wählen. Unter den in Heft 5/01 vorgestellten Designer-PCs fanden sich einige Modelle, die bei geringer Prozessorlast und ohne CD-Zugriff Arbeitsgeräusche von unter 1,5 Sone produzieren [[#literatur 6]]. Zwei weitere Modelle habe wir in den Ausgaben 7/01 [[#literatur 7]] und 12/01 [[#literatur 8]] vorgestellt. Die Komplettgeräte-Anbieter verzichten oft auf die Aktivierung des Akustik-Managements der Festplatten - nach Auskunft eines Herstellers hätten viele Nutzer ein sichereres Gefühl, wenn sie die Sicherung ihrer Daten auf der Platte akustisch verfolgen könnten.

Will man selbst einen lärmarmen PC zusammenschrauben, kann man durch Auswahl der richtigen Komponenten viel Geld und Arbeit sparen. Die ab Seite 128 in c't 17/2001 vorgestellten gedämmten Gehäuse sind nämlich recht teuer, außerdem ist die spätere Auf- oder Umrüstung eines mit Dämmmatten verklebten Gehäuses mühsam. Ein leises Netzteil und ein CD-Bremse-taugliches optisches Laufwerk, dazu eine leise Festplatte und eine Grafikkarte mit passiv gekühltem Prozessor gehören zur leisen Grundausstattung.

Je größer die Verlustleistung des Prozessors ist, umso aufwendiger und teurer wird die leise Kühlung. Deshalb sollte man eine CPU mit möglichst geringem Leistungsbedarf einsetzen. Für Büroanwendungen reicht meist ein Intel-Celeron aus. Wie auch der Pentium III hat der Celeron den großen Vorteil einer eingebaute ‘Thermal Diode’ zur direkten Temperaturmessung. Mit einem passenden Mainboard lässt sich die Prozessortemperatur damit genau überwachen, bei machen Platinen sogar regeln - Details erklärt der nachfolgende Artikel. AMD baut erst beim brandneuen Athlon MP eine Messmöglichkeit ein, auch hier ist ein entsprechendes Board erforderlich. Die Betriebstemperaturen der AMD-Athlon- und Duron-Modelle mit ‘Thunderbird’-Kern und des VIA C3 lassen sich leider nicht genau überwachen.

In manchen Fällen reicht die Arbeitsleistung eines ‘untertakteten’ Prozessors aus. Je nach Prozessor-Typ und Mainboard-Ausstattung lässt sich beispielsweise ein 800-MHz-Pentium-III für eine Front-Side-Bus-Taktfrequenz von 133 MHz mit nur FSB100 oder FSB66 betreiben, wo er nur mit 600 beziehungsweise 400 MHz und deshalb mit deutlich weniger Leistungshunger arbeitet. Normalerweise ist die Änderung der FSB-Taktrate im laufenden Betrieb nicht möglich; manchmal muss man dazu sogar Jumper oder DIP-Schalter auf dem Mainboard betätigen. In jedem Fall ist ein kompletter Bootvorgang nötig, ebenso wie zum Ein- und Ausschalten des Akustik-Managements der Festplatte. Mit dem Untertakt-Trick lässt sich aber auch ein eventuell in der Sommerhitze überforderter PC im Schongang weiterbetreiben ...

Nutzt man einen CPU-Kühler mit geregeltem Lüfter, läuft dieser auch bei leistungshungrigen Prozessoren langsamer, wenn der Prozessor wenig arbeiten muss. Die richtige Auswahl der Hardware kann dazu beitragen. Will man etwa mit dem leisen Rechner hauptsächlich DVD-Videos anschauen, sollte man eine Grafikkarte mit ATI-Chip einsetzen. Diese entlasten die CPU von einigen Berechnungsaufgaben, die zur MPEG-Video-Dekodierung nötig sind. Eine Grafikkarte mit Nvidia-Chip kann das nicht so gut.

Grafikkarten mit Lüfter lassen sich nur sehr schlecht leiser machen - ihre Einbaulage im engen AGP-Slot lässt kaum Platz. Zwar gibt es zahlreiche Nachrüst-Kühler ohne und mit Luftquirl, doch sind Letztere oftmals nicht gerade leise. Der Global Win CBF32 produzierte mächtige 57,5 dBA oder knapp 11 Sone. Das Modell FA420A kommt jedoch mit leisen 37 dBA/2,0 Sone aus, der Thermaltake ‘Blue Orb’ bringt es auf 47,7 dBA/5,5 Sone. Der 3D-VGA-Cooler MV1 von Madex ist mit 46,2 dBA/4,6 Sone ebenfalls lauter als mancher CPU-Kühler. Allen Grafikchip-Kühlern ist gemein, dass die Montage schwierig ist - die Grafikkartenhersteller nutzen verschiedene Konzepte. Die Auswahl des Kühlers mit passender Befestigung wird da manchmal zum teuren Experiment. Ob man bei den im Tower-Gehäuse ‘kopfüber’ am Grafikchip hängenden Kühlern einer Klebebefestigung trauen möchte, muss jeder selbst entscheiden.

Nicht nur die Hardware-Eigenschaften bestimmen den Geräuschpegel eines PC in einer konkreten Arbeitssituation, sondern natürlich auch die gerade laufende Software. In Bezug auf die Lärmemission verhalten sich aktuelle Betriebssysteme zwiespältig. Einerseits belasten immer mehr im Hintergrund laufende Komfortfunktionen den Prozessor und verursachen so Wärme. Wer sich über ständig hohe CPU-Temperaturen wundert, sollte also die entsprechenden Überwachungsprogramme einsetzen: Der Task-Manager von Windows 2000 gibt Auskunft über die relative CPU-Auslastung und die gerade laufenden Prozesse. Unter den Windows-9x-Versionen liefert der Systemmonitor diese Information, den man vom Start-Ordner aus unter Programme/Zubehör/Systemprogramme findet; das ‘Systeminformationen’-Programm listet die aktuell laufenden Programme.

Der Systemmonitor offenbart auf manchen Systemen aber auch, dass Windows 9x im ACPI-Modus zum Stromsparen beiträgt. Hat man das Betriebssystem mit dem ‘Advanced Configuration and Power Management Interface’ installiert, so kann es den Prozessor bei geringem Arbeitsanfall innerhalb von Sekundenbruchteilen in einen Energiesparmodus versetzen. Davon kennt jede CPU gleich mehrere - welcher davon jeweils zum Einsatz kommt, hängt auch vom BIOS ab. Viele Anwender wundern sich, dass der Systemmonitor bei ruhendem Desktop bis zu 35 Prozent CPU-Auslastung anzeigt - hierbei handelt es sich offenbar um einen kleinen Bug: Der Systemmonitor bekommt nicht mit, dass der Energie sparende Prozessor gar nicht die volle Leistung bietet und berechnet daher die relative Last falsch.

Schaltet man ACPI ab, indem man unter dem Registry-Schlüssel ‘HKLM\Software\Microsoft\Windows\CurrentVersion\Detect\’ einen DWORD-Wert namens ‘ACPIOption’ mit dem Inhalt ‘2’ erzeugt und anschließend die Hardware-Erkennung startet, verwendet das Betriebssystem nur das ältere Advanced-Power-Management-Interface des BIOS (APM). Dann zeigt der Systemmonitor immer den richtigen Wert - der Prozessor braucht aber auch mehr Strom und wird wärmer. In unseren Versuchen erreichte ein Celeron-700 unter Windows ME mit APM 41 °C, mit ACPI nur 36 °C.

Doch auch auf einem Nicht-ACPI-System lässt sich die Software-Kühlung nachrüsten. So genannte Idle-Manager wie das als Shareware erhältliche CPUCool [[#literatur 9]] schalten den HLT-Modus des Prozessors bei ruhendem Desktop direkt ein, ohne das BIOS oder ACPI zu bemühen. Die Kühlwirkung entspricht der eines ACPI-Systems mit korrekt programmiertem BIOS. Asus liefert seinen Kunden mit dem Tool ‘PC-Probe’ einen solchen Idle-Manger kostenlos mit [[#literatur 10]]. Während ein Pentium III damit deutlich kühler läuft, zeigte die Software bei einem Athlon MP 1,2 GHz keine Wirkung. Auch das bekannte Cpuidle kühlte diesen Prozessor im Test nicht [[#literatur 11]].

Windows 2000 konnte diesen Athlon ebenso wenig entlasten: Wie sein Vorgänger NT sollte dieses Betriebssystem von sich aus den Strom sparenden HLT-Zustand des Prozessors einschalten - unabhängig von ACPI. Bei unseren Versuchen blieb der Prozessor jedoch unter Windows 2000 und Windows 98SE gleich warm, erst CPUCool brachte die Temperatur des Athlon von 52 auf 35 °C herunter. Dasselbe leistete das BIOS des Fujitsu-Siemens-Mainboards D1289, wo eine abschaltbare Idle-Erkennung eingebaut ist.

Mit dem ‘S3’-Zustand verspricht ACPI noch einen weiteren, völlig geräuschlosen Betriebszustand des PC. In diesem Suspend-to-RAM-Modus (STR) versorgt die Standby-Spannung, die das Netzteil auch bei stehendem Lüfter liefern kann, nur noch die Mainboard-Logik, einige Steckkarten und den Hauptspeicher. Sauber konfigurierte Systeme wachen nach dem Druck auf den Einschalttaster aus dem S3-Zustand innerhalb von wenigen Sekunden auf, sodass man den PC bei konzentrierter Arbeit zwischendurch immer mal wieder Einschlafen lassen könnte. STR hat allerdings einen großen Pferdefuß: Es funktioniert nur in besonderen Glücksfällen. Zunächst einmal müssen alle PC-Komponenten und die zugehörigen Treiber ACPI-tauglich sein. Das ist bisher aber beispielsweise bei keiner TV-Karte der Fall, auch ältere SCSI-Hostadapter oder ISA-Steckkarten verhindern STR wirkungsvoll. Nicht einmal alle von c't geprüften Mainboards kommen damit zurecht, und zu guter Letzt kann es auch noch am Netzteil scheitern, das schlichtweg zu wenig Strom auf der Standby-Leitung liefert. Glück im Unglück ist, wenn das Betriebssystem feststellt, dass der S3-Zustand nicht funktioniert - in diesem Fall schaltet der Rechner sich nach Auswahl von ‘Standbymodus’ im Menü Start/Beenden nur in den S1-Modus, bei dem der Netzteillüfter und oft auch die CPU- und Grafikkartenlüfter weiter laufen. Bei der ACPI-Kompatibilität hat sich in den letzten drei Jahren so wenig getan, dass die Tipps aus dem Jahre 1999 noch gelten [[#literatur 12, 13]].

Für die Messung von Schallquellen ist die Einheit dBA (Dezibel (A)) gebräuchlich. In dieser Einheit misst man den Schalldruckpegel, wobei eine dem Frequenzgang des menschlichen Ohres angepasste Bewertungskurve die tatsächliche physiologische Empfindung nachbildet. Das Dezibel ist ein logarithmisches Maß. Eine Verdoppelung des Schalldruckpegels schlägt mit +6 dBA zu Buche, eine Halbierung mit -6 dBA. Diese Pegeländerung nimmt das menschliche Ohr aber nicht als Lautstärkeverdoppelung wahr - es ist je nach Frequenz und Lautstärke unterschiedlich empfindlich. Die Einheit Sone trägt dieser Eigenschaft Rechnung: Verdoppelt sich die Lautheit einer Schallquelle, so misst man auch den doppelten Sone-Wert [[#literatur 14]].

Sone und dBA sind über frequenzabhängige Kennlinien miteinander verknüpft. Unsere Tabelle zeigt einige Richtwerte. 1 Sone entspricht dabei 40 dBA, oberhalb davon nehmen Menschen einen um 10 dBA stärkeren Schalldruckpegel doppelt so laut wahr - deshalb verdoppelt sich auch der zugehörige Sone-Wert. Die Tabelle zeigt auch, dass Menschen bei niedrigen Geräuschpegeln von unter 40 dBA besser hören. Von 35 dBA oder 0,5 Sone ausgehend, reichen schon 5 dBA mehr für einen doppelt so lauten Schalleindruck. Das entspricht der Erfahrung aus schlaflosen Nächten, wo einen das sonst unbemerkte Weckerticken in den Wahnsinn treiben kann.

Dieser Umstand hat für den lärmgeplagten PC-Anwender große Bedeutung. Es ist relativ einfach, einen lauten Rechner deutlich leiser zu machen, sodass man sein Arbeitsgeräusch in einer Büroumgebung kaum hört. Für den Einsatz im Wohnzimmer, etwa um klassische Musik aus MP3-Dateien abzuspielen, ist aber viel mehr Aufwand nötig.

Zum Glück nimmt der Lärm einer Schallquelle mit zunehmendem Abstand ziemlich schnell ab. Verdoppelt man die Entfernung zum PC, so sinkt der Schalldruckpegel um 6 dBA. In vielen Fällen ist deshalb eine möglichst große Entfernung zwischen Computer und Anwender die preiswerteste Form der Lärmdämmung. Ein Rechner im Tower-Gehäuse, der typischerweise unter dem Schreibtisch steht, darf ruhig etwas lauter sein als der schicke Designer-Desktop oder gar ein Notebook, vor dem man sehr nahe sitzen muss.

Die gängigen Normen schreiben für Schallmessungen einen Meter Distanz zwischen Messmikrofon und Geräuschquelle vor. Wenn Hersteller Messwerte für ihre Produkte in dBA angeben, beziehen sich diese daher meist auf 1 m Abstand.

Im c't-Labor erfolgen alle Messungen in nur 25 cm Abstand zur Geräuschquelle. Zum Vergleich mit den im vierfachen Abstand ermittelten Herstellerangaben muss man also zu den in den c't-Tabellen angegebenen dBA-Werten 12 dBA hinzurechnen. Dabei ist zu beachten, dass Änderungen von weniger als 3 dBA für menschliche Ohren praktisch nicht wahrnehmbar sind - allzu genaue Rechenexempel lohnen sich nicht. Ein Rechner, der in 25 cm Entfernung unter 50 dBA beziehungsweise 2 Sone Lärm verursacht, dürfte unter dem Schreibtisch im Büro kaum stören. Eine PC-Multimediazentrale fürs Wohnzimmer sollte man für völlig ungestörten Kunstgenuss aber unter 35 dBA/0,5 Sone drücken. Dazu sind meistens zusätzliche Dämmmaßnahmen angebracht, die aber auch reichlich angeboten werden. Eine Anbieter-Übersicht zeigt unsere Tabelle.

Zum Glück hat jeder Mensch unterschiedliche Ansprüche an die Leistung seines PC - und an den Lärm, der dabei entstehen darf. So vielfältig wie diese Anforderungen und Wünsche ist das Hard- und Softwareangebot zur Geräuschminderung. Eine universelle Ideallösung gibt es nicht, letztlich muss jeder Anwender selbst seinen optimalen Kompromiss zwischen Leistung und Lärm finden.

Große Investitionen in scheinbar gut durchdachte Komplettlösungen lohnen sich eher nicht. Es lauern viele versteckte Krachquellen in der PC-Technik, die auch das ausgeklügeltste Konzept zur Geräuschdämmung unterlaufen können. Mit Bescheidenheit bei den Leistungsanforderungen und durch schrittweise Optimierung des Zusammenspiels der PC-Komponenten kommt man relativ sicher und mit wenig Geld zu einem deutlich leiseren Rechner. Die beiden folgenden Artikel liefern dazu weitere Tipps. (ciw)

[1] Eckart Steffens, Ernst Ahlers, Power für den Vierer, Zwölf plus zwei ATX-Netzteile im Vergleich, c't 10/01, S. 196

[2] Ernst Ahlers, Eckart Steffens, Nachgefasst, Vier Netzteil-Modelle nochmal auf dem Prüfstand, c't 12/01, S. 202

[3] IBM Feature Tool zur Konfiguration von Festplatten (auch anderer Hersteller): www.storage.ibm.com/techsup/hddtech/welcome.htm

[4] Harald Bögeholz, Platten-Karussell, Festplatten für IDE-Schnittstelle, SCSI-Bus und FireWire, c't 6/01,S. 178

[5] www.cd-bremse.de

[6] Georg Schnurer, Kompakt-Bausatz, Kompakte PCs mit separatem Display im Vergleich, c't 5/01, S. 180

[7] Georg Schnurer, Der PC-Flüsterer , Peacock Procida Silent PIII-933, c't 7/01, S. 88

[8] Georg Schnurer, Stille Schwimmer, LEO Delphin ‘Silent Line 1’, c't 12/01, S. 152

[9] www.podien.de

[10] ftp://ftp.asuscom.de/pub/ASUSCOM/UTIL/PC_Probe/

[11] www.cpuidle.de

[12] Harald Bögeholz, Jack-in-the-box, Neues Power Management in Windows 98, c't 15/99, S. 96

[13] Peter Siering, Mit Zuckerbrot und Peitsche, Windows 2000: Handreichungen für Installation und Betrieb, c't 5/00, S. 148

[14] http://medi.uni-oldenburg.de/download/docs/lehre/vlss95/aku2.pdf

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Lärm in dBA und Sone
Vergleichswert Schalldruckpegel
in dBA
Lautheit
in Sone
Beginn der Hörempfindung, Atemgeräusch aus 30 cm Entfernung 10 < 0,01
Blätterrauschen 20 ca. 0,1
Flüstern aus 5 m Entfernung, eigenes Atemgeräusch 30 ca. 0,3
35 0,5
Ruhige Wohnstraße, Normwert für das Rauschen von Klimaanlagen 40 1
Normale Unterhaltung 50 2
Fernseher auf ‘Zimmerlautstärke’, klappernde PC-Tastatur 60 4
Schreibmaschine 70 8
Lautes Sprechen in 1 m Distanz 80 16

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Web-Shops: Kühler & Lärmdämmungs-Zubehör
URL Spezielle Produkte Versandkosten Nachnahmegebühr
www.blacknoise.de Kühler, Gehäuse Zubehör 7,00 DM,
Gehäuse 14,00 DM
10,00 DM
www.bwz.de Kühler 20,00 DM (100 DM Mindestbestellwert) 3,00 DM
www.comptronic.de Kühler 15,00 DM 3,00 DM
www.coolingparts.de Wasserkühlung 11,00 DM 3,00 DM
www.cooling-systems.de Wasser-, Peltierkühlung k. A. k. A.
www.frozen-silicon.de Kühler, Lüfter, Peltierelemente 14,90 DM 3,00 DM
www.hardware-rink.de Kühler, Lüfter 9,00 DM 6,00 DM
www.intos.de Kühler, Netzteile, Kabel, Dämmzubehör 8,90 DM 3,00 DM
www.lindenberger.com Kühler, Lüfter 20,00 DM k. A.
www.listan.de Kühler, Netzteile 11,90 DM 3,00 DM
www.madex.com Luft-/Wasser-/ Peltierkühlung, Netzteile 12,64 DM (100 DM Mindestbestellwert) 8,80 DM
www.noisecontrol.de (A Conto) Kühler, Gehäuse 12,00 DM 3,00 DM
www.overclockingcard.de Luft-/Wasserkühlung, Y-Kabel, runde IDE-Kabel ‘AirFlow’ 9,90 DM 4,00 DM
www.pcsilent.de (Hiller & Hinken) Kühler, Zubehör, Dämmzubehör 12,71 DM 6,85 DM
www.signum-data.de Runde SCSI-Kabel ‘Future Cable’ k. A. k. A.
www.silentmaxx.de Kühler, Dämmzubehör 9,90 DM 3,00 DM
www.smartcooler.de Kühler, Dämmzubehör 7,00 DM 9,00 DM
www.thetatech.de Kühler, Lüfter, Netzteile, Y-Kabel 9,90 DM 3,00 DM
www.verax.de Kühler, Lüfter 12,00 DM 3,00 DM
www.watercooling.de Wasserkühler 7,00 DM 9,00 DM

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