Ruhm, Ehre, Eisenaxt!

Ruhm, Ehre, Eisenaxt!

Test & Kaufberatung | Spielekritik

Ubisofts heiß ersehntes Kampfspiel For Honor setzt einen neuen Goldstandard für Schwertkampfspiele. In Gameplay, Grafik und Umfang ist es beeindruckend – ein großes Manko mindert allerdings die Freude an der farbenfrohen Schlachtplatte.

Eine unheimliche Macht schickt drei der mächtigsten Kriegervölker aus und setzt sie Kopf an Kopf: Wikinger, Ritter und Samurai treffen schlagartig aufeinander und lassen gleich die Klingen sprechen. Im Herzen ist For Honor ein großer Multiplayer-Shooter wie Call of Duty oder Battlefield. Nur dass hier Blei gegen Eisen getauscht wird.

Ob in den drei Fraktionskampagnen, den Online-Eroberungsschlachten oder den Duellmodi: Mann gegen Mann glänzt "For Honor" am meisten. Auf die Zweikämpfe ist auch die Steuerung ausgelegt. Nur wer seinen Xbox- oder Playstation-Controller zu schwingen weiß, wird im Feld bestehen. Die linke Schultertaste visiert einen Gegner an und aktiviert den wichtigsten passiven Modus, die Auslage. Diese wird durch die Position der eigenen Waffe bestimmt, die so Angriffe automatisch abfängt. Die drei möglichen Positionen links – rechts – oben werden durch ein Dreieck angezeigt, genau wie die Auslage des Gegners. Beim Angriff blinkt die entsprechende Seite rot, und dann sollte man schnellstens reagieren. Flotter Auslagenwechsel gefolgt von einem Angriff ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die Spieler erlernen sollten.

Attacken werden über die rechten Schultertasten gesteuert. Schnelle leichte und langsame schwere Attacken stehen zur Auswahl. Zudem kann man statt Blocks sehr effektive Paraden ausführen, wenn man einen gegnerischen Angriff im richtigen Moment durch eine Konterattacke unterbricht. Kommt der Feind partout nicht aus der Deckung, kann man diese per X-Taste durch einen gezielten Rempler brechen. Erneutes Drücken stößt den Feind fort, was in einigen Umgebungen zu tödlichen Stürzen führen kann. Die Steuerung ist bei allen Charakteren identisch, ganz gleich ob man einen wendigen Lanzenträger oder einen Berserker mit zwei Äxten spielt. "Gaben" genannte Extras wie Auffüllung der Gesundheit lassen sich freispielen und in der Schlacht aktivieren.

For Honor (6 Bilder)

For Honor benötigt eine ständige Internet-Verbindung, um überhaupt zu starten.

Jede Fraktion bietet von Anfang an vier Kämpferklassen an, die sich in Panzerung, Wendigkeit, Kraft und Reichweite unterscheiden. Spannend sind vor allem Kämpfe gegen andere Klassen, etwa wenn man mit einem hünenhaften Wikinger-Plünderer gegen einen grazilen Nobushi antritt. Ein Schlag mit der Eisenaxt ist mörderisch für den leichtgepanzerten Speerschwinger, doch schnelle Ausweichschritte gefolgt von leichten Angriffen pieken den größten Kämpen erstaunlich schnell zu Tode. So muss man sich laufend an andere Gegner anpassen, die Taktik wechseln und Vorsicht walten lassen. Die Steuerung ist leicht zu lernen und schwer zu meistern, motiviert aber ungemein. Die besten Zweikämpfe dauern minutenlang, bestehen aus Umschleichen und Lauern auf eine Trefferchance.

Allein vier Duell-Modi bietet "For Honor" an, die sich in der Anzahl von Spielern unterscheiden. Von Mann gegen Mann bis Vier gegen Vier ist alles möglich, auch Training gegen Bots oder Auffüllen der eigenen Schlachtreihen. Der Modus "Herrschaft" dagegen wartet mit drei zu erobernden Zonen auf, die von KI-gesteuerten Fußsoldaten wimmeln. Jede Fraktion hat ihre eigene Kampagne, in der man in die kriegerischen Welten der Samurai-Clans, Wikingerstämme und Ritterlegionen eintaucht. Außerdem soll der Modus "Fraktionskrieg" für saisonales Engagement sorgen: Hier fließen Siege und Niederlagen aller Kämpfe in virtuelle Territorien-Verschiebungen ein.

Grafisch ist For Honor meisterlich gestaltet. Die Bewegungsabläufe sind flüssig, die Umgebung hochdetailliert. Einige Arenen bieten fantastische Stimmung, etwa wenn man in verfallenen Kathedralen, auf schmalen Steinbrücken oder nachts im Fackelschein kämpft. Für Langzeitmotivation sorgen die vielen Rüstungsteile, die man nach Kämpfen erhält. Mit ihnen kann man seinen Charakter nicht nur optisch verändern, neue Parierstangen oder Beinschienen haben auch kleine Veränderungen in Kraft oder Wendigkeit zur Folge.

Der Essigtropfen im Met-Pokal ist der absolute Online-Zwang, den Ubisoft auch hier seinen Kunden aufs Auge drückt. Im Test stürzten die Server schon nach einer Stunde ab, mitten in der Ritter-Kampagne. Das vergällt einem ein wenig die fast grenzenlose Freude über ein wahrhaft fantastisches Schwertkampfspiel.

For Honor (24 Bilder)

(dahe)

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