SSD-Lebensdauer: Antworten auf die wichtigsten Fragen

SSD-Lebensdauer: Antworten auf die wichtigsten Fragen

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Mythen rund um die Lebensdauer von Solid State Disks (SSD) machen Angst vor einem Ausfall durch zu hohe Schreiblast. c't klärt die wichtigsten Fakten und gibt Praxistipps.

Auch wenn die Lebensdauer der Speicherzellen von SSDs begrenzt ist, die positive Nachricht gleich zu Beginn: Die meisten Solid State Disks halten weit länger als vom Hersteller angegeben. Dank Wear-Leveling-Technik verteilt der Controller die Schreibzugriffe möglichst gleichmäßig auf die vielen Milliarden Speicherplätze und wirkt somit einem vorzeitigen Verschleiß entgegen.

Trotzdem ist es eine gute Idee, die SSD optimal einzurichten und gelegentlich ihren Gesundheitszustand zu prüfen. c't gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Verlängerung der SSD-Lebensdauer.

Der Flashspeicher lässt sich nicht beliebig oft überschreiben, jede einzelne Zelle hält nur eine bestimmte Anzahl von Schreib-Zyklen aus. Meistens steht im Datenblatt, wie viel man im Rahmen der Garantiebedingungen auf eine SSD schreiben kann. Beispielsweise verträgt eine Crucial BX200 mit 240 GByte Kapazität und dreijähriger Garantiefrist 72 TByte, also rund 65 GByte pro Tag. Zum Vergleich: Auf typischen Arbeitsplatz-PCs liegt das Schreibpensum zwischen 20 und 30 GByte pro Tag. Nur bei Usern mit ganztägigen Photoshop- oder Videoschnitt-Sessions fällt die Schreiblast höher aus.

Wenn es der Geldbeutel hergibt, kaufen Sie lieber eine etwas größere SSD als unbedingt notwendig. Das verhindert nicht nur Engpässe beim Speicherplatz: Mit der Zahl der Flash-Zellen steigt potenziell auch die Lebensdauer, weil der Controller die Daten besser verteilen kann.

Flash-Zellen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Speicherfähigkeit. Während eine Single Level Cell (SLC) nur ein einziges Bit speichern kann, kann eine Multi-Level Cell zwei Bit und eine Triple Level Cell (TLC) drei Bit speichern. SLC-Zellen sind besonders schnell und haltbar. TLC-Zellen speichern zwar mehr Informationen, schreiben aber langsamer und erreichen bei gleicher Strukturgröße nur ein Drittel der Lebenserwartung.

Generell gilt also: Mit zunehmender Speicherfähigkeit der Zellen und gleichzeitig immer kleineren Strukturbreiten sinkt nicht nur der Herstellungspreis pro Bit, sondern auch Haltbarkeit und Geschwindigkeit.

Es ist ein verbreiteter Mythos: Man sollte zehn Prozent der Kapazität frei lassen, damit die SSD mehr Platz für interne Aufräumarbeiten hat und ihre Lebensdauer erhöht wird. Das ist jedoch nicht wahr: Die SSD nutzt den ungenutzten Speicher ohnehin – ob er nun einer Partition zugeordnet ist oder nicht.

Windows ab Version 7, MacOS und auch die meisten linuxoiden Betriebssysteme erkennen eine SSD automatisch bei der Installation oder beim Umzug von einer Festplatte. Windows kümmert sich selbständig um das Abschalten von Maßnahmen, die den Zugriff auf konventionelle Festplatten beschleunigen, für SSDs aber unnötig oder sogar kontraproduktiv sind. Allerdings gilt es trotzdem zwei wichtige Dinge vor beziehungsweise während der Installation zu beachten: Der AHCI-Modus des SATA-Controllers und der Trim-Befehl.

Es gibt einige Laufwerke in älteren PCs, die noch im IDE-Modus arbeiten. Dieser lässt nur eine Anforderung nach der anderen zu. SSDs können anders als Festplatten jedoch mehrere Anforderungen fast gleichzeitig verarbeiten. Um mehr Performance zu erhalten, müssen Sie das BIOS-Setup passend einrichten: Wechseln Sie in den AHCI-Modus des SATA-Controllers. Dieser erlaubt Befehlswarteschlangen mit 32 Anforderungen. Aber Vorsicht: Stellt man ein laufendes System von IDE auf AHCI um, bootet Windows oft nicht mehr – also besser vor der Installation einstellen. Eine nachträgliche Änderung ist ebenfalls möglich, entweder im abgesichtern Modus oder über die Registry. Wie das genau fundkiotniert, beschreibt unser hotline-Tipp Windows auf AHCI umpolen.

Auch wenn die meisten Betriebssysteme SSDs automatisch erkennen, sollte man bei älteren SSDs prüfen, ob der Trim-Befehl unterstützt wird. Nur der Trim-Befehl aktiv wird und die SSD diesen auch beachtet, kann sie nicht mehr benötigte Daten im Hintergrund löschen und möglichst viele freie Datenblöcke zur Verfügung stellen. Um zu prüfen, ob die SSD den Trim-Befehl unterstützt, kann man das Utility-TrimChec benutzen. TrimCheck schreibt eine Datei, löscht sie wieder und schaut kurz darauf nach, ob die von der Datei ehemals belegten Blöcke wiederfrei sind.

Mit einem Tool zur Überwachung der SMART-Werte lässt sich die SSD fortlaufend beobachten. Auch wenn ein Exitus damit nicht konkret vorhergesagt werden kann, taugen die Tools etwas. Neben Hersteller-Software gibt es Universal-Tools wie CrystalDiskInfo, die aus der Linux-Welt stammenden Smartmontools und die darauf aufsetzende Windows-Software GSmartControl. Allerdings muss man bei GSmartControl und Smartmontools selbst zum Taschenrechner greifen, wenn man die Menge der auf die SSD geschriebenen Daten wissen möchte. Die Tools geben nämlich nur die Anzahl der 512-Byte-Blöcke aus. Diese Zahl muss man mit 512 multiplizieren, um die Anzahl der geschriebenen KByte-Blöcke zu erhalten und für die GByte-Angabe zweimal durch 1024 teilen.

Bequemer gelingt die Langzeitbeobachtung mit dem Hard Disk Sentinel: Er loggt im Hintergrund die SMART-Werte, generiert daraus Liniendiagramme und warnt auf Wunsch per Ton oder via E-Mail, wenn kritische Schwellen erreicht werden.

Der kostenpflichtige HD Sentinel zeigt SMART-Werte zuverlässig an und eignet sich auch zur Langzeitüberwachung von SSDs und Festplatten.
Der kostenpflichtige HD Sentinel zeigt SMART-Werte zuverlässig an und eignet sich auch zur Langzeitüberwachung von SSDs und Festplatten.

Auf die meisten SSDs kann man nicht mehr zugreifen, wenn sie einmal totgeschrieben sind. Das heißt: Darauf abgelegte Daten sind unwiederbringlich verloren und nicht weiter lesefähig. Die einzige Absicherung gegen einen Datenverlust bleiben auch hier Backups auf einem anderen Medium.

Die Herstellergarantie mit der tatsächlich erreichten Schreibleistung vergleichen – das war die Mission unseres SSD-Langzeittest. Das Ergebnis der getesteten SSDs war erfreulich: Alle hielten deutlich länger durch als vom Hersteller versprochen. Als besonders haltbar erwiesen sich die Pro-Modelle von Samsung und SanDisk.

Die Billig-SSDs haben sich im c't-Langzeittest besser geschlagen als erwartet. Bei der Ausdauer sind einige der getesteten Billig-SSDs von Drevo, Goodram, Intenso, KingDian, Silicon Power und Teamgroup sogar der etablierten Konkurrenz voraus. Den gesamten Test von Billig-SSDs lesen Sie in der c't 10/2017.

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(ll)

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