Sanftes Säuseln

Geräuschdämmung gegen Computerlärm

Test & Kaufberatung | Kurztest

Pfeifende Festplatten, brummende CD-ROM-Laufwerke sowie CPU- und Netzteillüfter veranstalten einen Krach, der einem die Arbeit am Rechner verleiden kann. Mit den richtigen Komponenten läßt sich aber durchaus ein Rechner bauen, der leise und trotzdem auf der Höhe der Technik ist.

Die größte Lärmquelle in einem PC ist die Festplatte. Leise Festplatten arbeiten mit niedriger Drehzahl und erzielen daher weniger hohe Datenübertragungsraten. Hochleistungsplatten dagegen drehen mit 7200 U/min oder mehr und erzeugen dadurch nicht nur lästige Pfeifgeräusche, sondern auch so viel Wärme, daß sie zur Kühlung einen eigenen Lüfter benötigen. Der trägt natürlich zusätzlich zur Geräuschkulisse bei.

Die Firma A Conto, Neuenkirchen, fertigt unter der Bezeichnung NoiseControl geräuschoptimierte Komplettsysteme. Ein mit einer Quantum Atlas II ausgestattetes Gerät mußte sich den kritischen Ohren und dem Meßmikrofon der c't-Redaktion stellen.

Wesentlicher Kern der Geräuschdämmung ist die findige Aufhängung der Festplatte. Damit deren Schwingungen sich nicht auf das Gehäuse übertragen, haben die Entwickler in einen 5,25"-Einbaurahmen zwei dicke Gummiringe gespannt und die Platte dazwischengeklemmt. Darunter sitzt ein großer Lüfter, der für die notwendige Kühlung sorgt.

Festplatten weich zu lagern, ist nicht ganz unkritisch. Durch die relativ hohen Beschleunigungen, die bei den Kopfbewegungen schneller Platten entstehen, kann das gesamte Laufwerk in die entgegengesetzte Richtung zurückschwingen. Zwar nimmt die Platte dadurch keinen Schaden, aber die Positioniergenauigkeit wird beeinträchtigt, und schlechtere Zugriffszeiten sind die Folge. Die Hersteller schreiben daher vor, Festplatten fest einzubauen.

Die Idee von A Conto besteht darin, daß die Gummibänder in der Richtung der Kopfbewegungen relativ starr sind, während sie in Längsrichtung der Platte und vertikal weicher dämpfen. Die Positionierung der meisten Platten soll dadurch nicht beeinträchtigt werden. Für besonders empfindliche Laufwerke ist eine Variante mit diagonal über Kreuz gespannten Gummiringen in Vorbereitung.

Gegen die hochfrequenten Pfeiftöne kleidete A Conto das Gehäuse mit Dämmatten aus einer Mischung von Kork und Gummi aus. Eine lärmgedämmte Schiebetür auf der Frontseite verschließt Floppy- und CD-ROM-Laufwerk fast luftdicht und somit lärmdicht. Ein besonders leiser CPU-Lüfter und ein geregelter Netzteillüfter runden den Lärmschutz ab.

Der Erfolg all dieser Maßnahmen kann sich hören lassen: Der Rechner ist zwar nicht vollkommen lautlos, aber kaum wahrzunehmen - erst recht tagsüber in einem normalen Redaktionsbüro, wo mehrere ungedämmte Rechner laufen. Für die Geräuschmessungen im c't-Labor bauten wir unsere `Referenz-Lärmquelle´ IBM DFHS-S4W ein, die noch etwas lauter als die gelieferte Atlas II ist. Für 1,6" hohe Platten wie diese ist der Einbaurahmen nicht gedacht, und die Platte schwebte haarscharf über Bodenblech und Lüfter - für einen Test gut genug, aber zur Nachahmung nicht empfohlen. Die Meßbedingungen waren somit identisch mit denen beim ATX-Gehäusetest [1]. Mit nur 1,2 Sone (30,7 dBA) ist der Rechner im Ruhezustand, also ohne Plattenzugriffe, mit Abstand leiser als alle in [1] getesteten ungedämmten Gehäuse (zwischen 3,8 und 7,3 Sone). Während Plattenzugriffe bei jenen einen Radau zwischen 8,0 und 10,1 Sone verursachten, ist beim NoiseControl-Rechner nur ein 2,2 Sone (38,0 dBA) leises Geräusch zu vernehmen. Gleichmäßiger, aber ähnlich leise klingt es, wenn hinter geschlossener Klappe statt der Festplatte das CD-ROM-Laufwerk werkelt: Mit dem immerhin 12X schnellen Toshiba XM-5701TA kommt das Gerät auf 2,1 Sone. Das Rattern des Floppy-Laufwerks übersteuerte allerdings trotz geschlossener Schiebetür unseren Meßverstärker.

Auf die mittlere Zugriffszeit der DFHS blieb der weiche Einbau übrigens doch nicht ganz wirkungslos: Sie verschlechterte sich - mit H2bench gerade noch meßbar - auf 13,8 ms gegenüber 13,6 ms bei Festeinbau. Die sonstigen Werte für die Transferraten blieben jedoch gleich, so daß die Montage unbedenklich erscheint. Für so viel Ruhe bin ich jedenfalls gerne bereit, ein Prozent mehr Zugriffszeit in Kauf zu nehmen.

A Conto bietet neben Komplettsystemen auch ein Nachrüst-Kit für bestehende Rechner sowie einzelne geräuscharme Komponenten an. Der Erfolg dürfte jedoch stark vom verwendeten Gehäuse abhängen - aus einer klapprigen Blechdose ohne Frontabdeckung wird vermutlich auch damit kein leiser Rechner. (bo)

[1] Georg Schnurer, Blechkleider, 13 moderne ATX-Gehäuse im Vergleich, c't 5/97, S. 218

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Geräuschgedämmter Komplettrechner
Hersteller A Conto, Neuenkirchen
Vertrieb Netconsult, Wilhelmshaven
Preis Konfigurationsabhängig; Nachrüst-Kit (Plattenrahmen, Dämmaterial, Klebstoff, Lüfter, Anleitung) zirka 100 Mark
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