Schulen am Netz, was nun?

Lehrer und Schüler im Computer-Chaos

Wissen | Hintergrund

Gemessen an den Förder-Initiativen in Sachen `Schulen ans Netz´ müsste Deutschland einen der vorderen Plätze in der Pisa-Studie belegen. Bund, Länder und Wirtschaft wetteifern mit Programmen, als könne man die Wissensdefizite in Deutsch und Algebra mit Hilfe des Internet ausgleichen. Die unkoordinierten Aktionen führen zu einem Computer-Chaos, das Schulträger und Pädagogen überfordert und letztlich die Chancengleichheit auf Bildung gefährdet.

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Unterthema: c't/ODS-Kommunikationsserver
[#QuellenimInternet Unterthema: Quellen im Internet]

Nach den letzten Sommerferien brachten die Schüler der Grundschule Nideggen einen Brief vom Schulleiter mit nach Hause. In dem Anschreiben wurden die Eltern gebeten, nicht mehr benötigte Computerhardware der Schule zu überlassen, wo sie der PC-Ausbildung zugute kommen könne. Noch während die Sammelaktion lief, verkündete Ministerin Edelgard Bulmahn, dass alle Schulen in Deutschland mit Internet-Zugang ausgestattet seien.

`Die Zahl derer, die dies aus kaum nachvollziehbaren Gründen bislang versäumt haben, kann man an einer Hand abzählen´, bestätigt Andrea Heiliger von der Bundesinitiative `Schulen ans Netz e. V.´. Doch `am Netz zu sein´ heißt letzten Endes nur, dass zumindest ein PC mit ISDN-Karte zur Verfügung steht. Ob das Internet im Unterricht genutzt werden kann, hängt von der Ausstattung und Organisation in den einzelnen Schulen ab.

Berichte von Eltern und Lehrern lassen Zweifel aufkommen, ob die Ausstattung in der Fläche zeitgemäßen Anforderungen entspricht. Kommunale Schulträger, Schulleiter und Lehrer fühlen sich oft schon bei der Entscheidung über die richtige Lösung und dann beim Umgang mit der Technik überfordert. In der Folge reicht das Ausstattungsspektrum vom einzelnen Internet-PC im Lehrerzimmer über Surf-Ecken in Gemeinschaftsräumen bis hin zu per Glasfaser oder Richtfunk vernetzten Schulkomplexen.

Besonders gut ausgestattete Schulen haben meist deshalb die Nase vorn, weil sie auf die Unterstützung von fachkompetenten Eltern und ortsansässigen Unternehmen zurückgreifen können oder weil sich dort Lehrer mit hohem persönlichem Einsatz sachkundig gemacht haben. Auf der anderen Seite stehen insbesondere ältere Lehrer und Schulleiter dem zukunftsweisenden Thema `Internet und Schule´ eher ablehnend gegenüber und haben etwa die Teilnahme an Förderprogrammen verschlafen. Auf solche Schulen will man keine Rücksicht mehr nehmen, denn viel wichtiger als auf einige Trödler zu warten sei es, das bisher Erreichte nun mit geeigneten inhaltlichen Konzepten voranzutreiben, erklärt Heiliger.

Sogar Bulmahn gesteht Defizite in den Schulen ein. In einer Anfang Januar vorgelegten Bestandsaufnahme moniert sie, dass nur die Hälfte aller PCs in den Schulen vernetzt sei. Die Zeit der Einzelplatzsysteme müsse nun vorbei sein und die kommunikativen Aspekte des Computers müssten unbedingt im Schulbereich genutzt werden, heißt es in dem Bericht. Die dazu notwendigen Systemlösungen, aber auch die Aspekte der Wartung, der Softwarepflege und des Datenmanagements sollen durch `geeignete Maßnahmen´ gefördert werden.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Anforderungen an die Ausstattung sowohl in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht noch nicht gedeckt sind und viele Schulen auch weiterhin auf private Sponsoren hoffen müssen. Um das Sponsoring zu vereinfachen, helfen Plattformen wie www.partner-fuer-schule.nrw.de potenziellen Spendern und Schulen zusammenzufinden.

Politischer Wettbewerb um den besten Standort und wirtschaftliche Interessen privater Unternehmen sorgen für ein Wettrüsten zwischen den Ländern, teilweise sogar zwischen einzelnen Kommunen. Dabei schneiden kleine Schulträger meist schlecht ab, weil sie für Kooperationen mit der Industrie zu wenig Auftragsvolumen bieten. Die hessische Initiative `Schule@Zukunft´ will deshalb auf Landesebene die Zusammenarbeit von Schulträgern und Unternehmen koordinieren und so eine Mindestausstattung für hessische Schulen sicherstellen. Gleichzeitig will man Support-Strukturen schaffen, aufbauend auf dem bestehenden Angebot des Hessischen Landesinstituts für Pädagogik (HeLP) und erweitert um ein neues Fernwartungssystem.

Denn auch bei guter Ausstattung fangen die Probleme erst richtig an, wenn der Computer endlich im Klassenzimmer steht. Netzwerke sind schwer zu planen und störanfällig. Da entsprechende Experten rar und teuer sind, fällt die Administration in der Praxis häufig Lehrern zu. Diese müssen dann Freizeit opfern, meist ohne entsprechende Anerkennung für die zusätzliche Arbeit. `Bibliotheken wurden auch nicht eingerichtet und eröffnet ohne die Bereitstellung von ausgebildetem Fachpersonal´, so der Kommentar eines leidgeplagten Lehrers. Die Ideen, die hier Abhilfe schaffen sollen, reichen vom Einsatz studentischer Hilfskräfte bis zur Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Arbeitslose.

`Schulen ans Netz´ will mit dem Projekt `IT Works´ helfen, was für IT-basierte, wartungsarme Organisationskonzepte für Schulumgebungen steht. Dabei sollen praxiserprobte, nicht zu teure Lösungen so aufbereitet werden, dass andere Schulen sie nachvollziehen können. Leider kommt diese Planungshilfe in vielen Fällen zu spät.

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Auch Firmen machen sich Gedanken dazu, wie sich der Wartungsaufwand für Schulen reduzieren lässt. Compaq hat beispielsweise eine Software entwickeln lassen, die beschädigte Windows-Installationen auf Knopfdruck über das LAN restauriert. Sun Microsystems bietet ein Konzept, bei dem die Schüler an Netzcomputern (Sun Ray) ohne Laufwerk arbeiten. Die Netzcomputer beziehen Software und Daten vom Server und können im Falle eines Defekts vom Hausmeister ausgetauscht werden. Dieses in den Schulen von Amsterdam bereits erfolgreich erprobte Konzept wird gerade in Paderborn flächendeckend eingeführt. Im Rahmen des Projekts `Lernstatt Paderborn´ werden rund 1650 Arbeitsplätze und 100 Server für die Ausstattung von Medien-Ecken und Computerräumen in den 45 Grund- und weiterführenden Schulen der Stadt beschafft.

In der Theorie sollen sich Lehrer ausschließlich auf ihren Unterricht konzentrieren können statt auf die Organisation von Computertechnik. Doch die Realität ist an den meisten Schulen eine andere. Viele Aktionen, Initiativen und Schülerwettbewerbe haben ihre Spuren hinterlassen: Computerräume, Medienecken oder Rechner in jedem Klassenzimmer, Notebook-Klassen mit Funknetzen oder LANs mit unterschiedlichen Betriebssystemen.

An diesem Wildwuchs scheitert in der Regel auch die an sich nahe liegende Lösung, Modelle aus der Wirtschaft auf die Schulen zu übertragen. Das Nebeneinander von Hardware aus unterschiedlichen Generationen und die große Zahl in verschiedenen Unterrichtsfächern und Jahrgangsstufen eingesetzter Programme erweist sich dafür als zu komplex. Und letztlich dürfte die Übertragung und Weiterentwicklung von technischen Lösungen und Kostenansätzen aus der Wirtschaft für die Schulträger finanziell gar nicht tragbar sein.

Der Einsatz von Computer und Internet an Schulen ist eine anspruchsvolle Aufgabe: Während Firmen üblicherweise pro Mitarbeiter einen Arbeitsplatz vorsehen, teilen sich in Schulen durchschnittlich über 1000 Schüler 20 bis 50 Geräte, wie eine Analyse in Nordrhein-Westfalen ergab. Die pädagogischen Anforderungen setzen zeit- und gruppenselektive Nutzungsmöglichkeiten für die Systemkomponenten voraus. So muss man einen altersgerechten Internet-Zugang bereitstellen oder bei Klassenarbeiten und Projektstunden den Mailzugang - sofern vorhanden - für einzelne Gruppen temporär sperren können.

Um wenigstens die Verwaltung von Software zu vereinfachen, erwägen einigen Schulträger die Nutzung von ASP-Lösungen (Applikation Service Provider). Dies wird derzeit in sieben Schulen aller Schulformen Nordrhein-Westfalens unter Begleitung der Universität Münster getestet. Ein wesentlicher Vorteil: Man muss die Software nicht individuell anschaffen; sie wird über einen externen Rechner zentral zur Verfügung gestellt, gewartet und verwaltet. Grundsätzlich können Lehrer und Schüler sogar von zu Hause darauf zugreifen.

Denn Schule bedeutet auch, Arbeiten zu Hause zu erledigen, entweder in Form von Hausaufgaben für die Schüler oder bei der Unterrichtsvorbereitung der Lehrer. Daraus folgt die Notwendigkeit, auf die in der Schule genutzten Daten auch von zu Hause aus zugreifen und gemeinsam per Internet an einer Aufgabe arbeiten zu können. Dabei gilt es Medienbrüche ebenso zu vermeiden wie die sozialen Ausgrenzungen aufgrund schlechter wirtschaftlicher Verhältnisse.

Die Einsicht, dass nicht jede Schule ihr eigenes Süppchen kochen sollte, setzt sich zunehmend durch. So bemüht sich auch die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen um übergreifende Konzepte. Dabei hat es das bevölkerungsreichste Bundesland jedoch schwerer als etwa Hessen: Es muss nämlich rund zehnmal so viele Schulträger unter einen Hut bekommen.

Das soll mit dem Projekt e-nitiative.nrw gelingen, einer auf fünf Jahre angelegten Aktion der Landesregierung und kommunaler Spitzenverbände. Schulträger und Schulen werden bei der Ausstattung der Schulen in Form von Auswahl- und Entscheidungshilfen unterstützt, Pädagogen für das Lernen mit neuen Medien motiviert, qualifiziert und beraten. Die Projektträger fördern die Entwicklung von multimedialen Lerninhalten und Lernsoftware. Dazu werden auch Partnerschaften und Kooperationen mit Unternehmen und Verbänden initiiert, so genannte Public-Private Partnerships.

In den ersten beiden Jahren erstellte e-nitiative.nrw unter anderem einen Leitfaden zur Ausstattung von Schulen für das Lernen mit neuen Medien. Darin können alle Schulträger nachlesen, was beim Aufbau eines Netzwerks zu beachten und zu tun ist, um möglichst wartungsarm und damit kostengünstig die Ausstattung mit neuen Medien zu planen und zu realisieren - Informationen, die viele Schulen schon vor ein paar Jahren benötigt hätten.

Außerdem hat man erkannt, dass es mit dem Bedrucken von geduldigem Papier nicht getan ist. Landesweit beraten insgesamt 54 e-teams die Schulträger und Lehrer in technischen und pädagogischen Fragen. Ein hieraus entwickeltes Teilprojekt ist die e-card.nrw. Als Computer-Führerschein gedacht, erhalten Pädagogen in 30 Lerneinheiten eine Basisausbildung. `Davon wird eifrig Gebrauch gemacht´, so Horst Steinberg, einer der Medienberater im Kreis Düren, `unsere personellen und sachlichen Kapazitäten sind nahezu erschöpft.´ Damit die knapp bemessenen Mittel nicht in Tagesseminaren für einige wenige Lehrer verpuffen, nutzen Steinberg und seine e-Team-Kollegen im Kreis Düren die Infrastruktur der Volkshochschulen.

Medienberater wie Steinberg haben Konjunktur. Er ist selbst Hauptschullehrer und kam zu diesem Job wie `die Jungfrau zum Kinde´. Vor einigen Jahren hatte er mit Computern noch nichts im Sinn und schraubte lieber am Motorrad herum. Heute gilt er als einer der meist gefragten Experten im gesamten Schulzentrum, bei der Stadtverwaltung und im Kreis. `Es kommt vor allem auf die Kooperationsbereitschaft der Kommunen an´, so Steinberg. `Diese sind weitgehend autonom in der Vergabe von Fördermitteln für Hard- und Software oder Bildungsmaßnahmen. Lediglich einen Verwendungsnachweis müssen sie führen und bestimmte Fristen einhalten.´ Ob sie aber eine einzelne Schule ausschließlich fördert oder die Mittel gleichmäßig auf alle Schulen und Schulformen verteilt, bleibt jeder Kommunalverwaltung selbst überlassen.

In NRW und einigen anderen Bundesländern steht die Schulfinanzierung ab diesem Jahr auf einer neuen Grundlage. Schulträger erhalten durch Pauschalzuweisungen die Möglichkeit, Mittel flexibler zu verteilen und bei der Finanzierung neue Wege zu beschreiten. Bei anstehenden Entscheidungen über Investitionen in die IT-Strukturen von Schulen will man verstärkt über in der Wirtschaft längst übliche Leasing-Modelle nachdenken.

Doch die Probleme enden nicht bei Anschaffung und Betrieb von Hard- und Software. Denn nur wenige Lehrer fühlen sich in der Lage, Schülern Internet-Wissen zu vermitteln, geschweige denn ein Konzept für die Integration im Unterricht zu entwickeln. Nicht selten kommt es zu Situationen, in denen das Schüler-Lehrer-Verhältnis umgekehrt wird und Pädagogen erst mühsam in die Welt des Internet eingeführt werden müssen - durch die Schüler. Damit kommt nicht jeder Lehrer klar; viele meiden daher den Computerraum wie die Katze den Hund. Als `Heizer auf der E-Lock´ verspottet, verstärkt sich der ohnehin große Druck auf die Pädagogen.

Der Lehrerqualifizierung kommt deshalb eine Schlüsselrolle für den erfolgreichen Medieneinsatz im Bildungswesen zu. `Auch und vor allem angehende Lehrer müssen das notwendige Know-how für den sinnvollen Einsatz von Internet und Multimedia im Unterricht künftig bereits im Rahmen ihres Studiums vermittelt bekommen´, so Dr. Elke Brenstein, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Berliner Humboldt-Universität. Dort wurden deshalb grundlegende Materialien zur Internetkompetenz für Lehrer entwickelt.

Auch die Mitglieder des Hochschulnetzwerks `Lehrerausbildung und neue Medien´, bestehend aus Mitgliedern der Humboldt Universität Berlin, den Universitäten Bielefeld, Dortmund, Nürnberg-Erlangen und Hamburg sowie der Universität-Gesamthochschule Paderborn und der Pädagogischen Hochschule Weingarten, wollen die Qualifizierung angehender Lehrer zur Nutzung neuer Medien für innovative Lehr- und Lernformen und zur Wahrnehmung medienbezogener Bildungsaufgaben fest in der Lehrerausbildung verankern.

Und dies ist offenbar dringend notwendig, denn bislang werden angehende Lehrer an deutschen Universitäten kaum auf den Umgang mit den Informations- und Kommunikationstechnologien vorbereitet. Nur rund drei Prozent der erziehungswissenschaftlichen Veranstaltungen in deutschen Lehramtsstudiengängen widmen sich dem Thema der neuen Medien. Und dies, obwohl die Studenten an deren Nutzung sehr interessiert sind. Eine Befragung an den Universitäten des Hochschulnetzwerks ergab, dass 98,2 Prozent der Studenten einen PC nutzen. Im Internet surfen 78,5 Prozent, überwiegend über den Zugang in der Hochschule. Obwohl oder gerade weil die angehenden Lehrer über recht gute Computerkenntnisse verfügen, kritisierten etwa drei Viertel der Befragten das unzureichende Lehrangebot der Hochschulen. Nur jeder achte Studierende fühlt sich durch den Besuch von Seminaren zu den neuen Medien optimal auf die Unterrichtspraxis vorbereitet.

Unterstützung finden Lehrer, wenn sie erst einmal den Weg ins Internet gefunden haben. Dort gibt es neben den unzähligen privaten, kommerziellen und universitären Initiativen vor allem Programme und Fördermaßnahmen der Länder. Kein Wunder, sie haben schließlich die Bildungshoheit inne. Damit fällt ihnen auch die Aufgabe zu, Schulen, Lehrern und Schülern den Anschluss ans Medienzeitalter zu erleichtern.

Angesichts der vielen Angebote geht aber leicht der Überblick verloren. Die Schlüsselrolle kommt daher den Bildungsportalen zu. `Lehrer, interessierte Eltern, aber auch Schüler sollten sich den Deutschen Bildungsserver ansehen´, so Brenstein. Auf diesem Meta-Server findet man Dokumente des Bundes und von den jeweiligen Landesbildungsservern, Hintergründe über das Bildungssystem Deutschland, der Bildungspolitik, aber auch statistische Daten, ebenso wie Literaturtipps und Linklisten zu anderen Bildungsportalen.

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Axel Kühnlenz vom Deutschen Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) empfiehlt den Besuch des `Schulweb´. Wer Unterrichtskonzepte auf Basis neuer Medien sucht, wird hier fündig. Mit der Suchmaschine findet man sämtliche Schulen und Schulformen im Bundesgebiet und zum Teil auch im Ausland. Tipps und Infos stehen unter anderem für die Bereiche Schulzeitungen, Schulradio und Klassenfahrten zur Verfügung. Über 2500 ausführliche Projektberichte können für andere Pädagogen als Anregung dienen, eigene oder ähnliche Ideen im Internet umzusetzen. Das Spektrum reicht dabei von Themen wie `Die Eirollbewegung der Graugans´ oder einer Anleitung zur `Herstellung von hochprozentigem Branntwein´ bis hin zur Aufarbeitung der NS-Zeit.

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Das Schulweb versteht sich als lebendige Kommunikationsplattform: Jede Schule, jeder Lehrer und jeder Schüler darf hier eigene Projekte eintragen, die nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet werden. In der Regel steht der Projektleiter via E-Mail zur Verfügung, sodass man mit ihm Erfahrungen austauschen kann. Mit jährlich rund 1,3 Millionen Besuchern findet das Angebot regen Anklang.

Doch die Angebote im Internet reichen nicht aus, um alle Lehrer zu begeistern. Der Verein `Schulen ans Netz´ hat deshalb das Projekt `WebLOTSEN´ ins Leben gerufen. Ab Juni sollen mobile Teams bundesweit Schulen aller Schulformen besuchen und den Lehrern vor Ort ein Bild von den Möglichkeiten von Multimedia im Unterricht vermitteln. Schulen, die sich für dieses Projekt interessieren, können ihre Anfrage an `weblotsen@san-ev.de´ richten oder sich online unter `www.san-ev.de/weblotsen´ bewerben. Die Bewerbungsfrist endet am 15. April.

Und auch die Wirtschaft engagiert sich. So wollen die Bertelsmann und die Heinz Nixdorf Stiftung bis 2004 noch drei Millionen Euro für die `Förderung der Medienkompetenz in Schule und Hochschule´ investieren. Begründet wird das weitere Engagement für das seit 1996 geförderte Programm `Bildungswege in die Informationsgesellschaft´ (BIG) vor allem mit den miserablen Ergebnissen der Pisa-Studie für Deutschland. Nach Einschätzung der Stiftungen nutzen hierzulande nur 15 Prozent der Schüler den Computer im Unterricht. In Dänemark und Großbritannien hingegen setzen bereits über 55 Prozent der Schüler regelmäßig den PC ein. Bis Oktober will man eine internationale Benchmarking-Studie mit den Faktoren für eine `erfolgreiche Integration der neuen Medien an Schulen´ erarbeiten. Die Erkenntnisse sollen dann in einem Modellprojekt erprobt werden.

Bleibt noch ein letztes, häufig unterschätztes Problem zu nennen: die Rechtsmaterie und der Datenschutz beim Einsatz von Computern in Schulen. In dieser Hinsicht sind Lehrer, Eltern und Schüler meist noch mehr überfordert als in Technologiefragen. `Oft finden wir auf von Firmen oder Eltern gespendeten Rechner vertrauliche Daten oder Software, für die es keine Lizenz gibt´, so Steinberg. Ein zu laxer Zugangsschutz macht Zeugnisdaten oder Prüfungsaufgaben zum leichten Ziel für Hackerangriffe durch Schüler im LAN.

Ein weiteres Problem sind gewaltverherrlichende oder pornografische Angebote im Internet. Die Schulen tragen die Verantwortung für den Jugendschutz. Technische Mittel wie Filter-Proxies arbeiten dabei erfahrungsgemäß nur unzureichend. Manches Lehrerkollegium wehrt sich auch dagegen, eine eigene Webpräsenz mit den Bildern ihrer Schüler ins Netz zu stellen. Zu groß ist die Sorge, dass solche Informationen von Kriminellen missbraucht werden. Da wäre der Befall der Schulrechner durch Viren und Trojanische Pferde noch das geringere Problem.

Die Vielzahl von Initiativen, Förderprojekten und Schulwettbewerben haben ihren Zweck bislang nicht erfüllt. Das belegt die BIG-Studie über die Nutzung von Computern im Unterricht. Dafür gibt es eine Reihe von Ursachen: Es fehlt den Entscheidern an Schulen und bei den Kommunen offenbar am Durchblick, welche Lösungen geeignet sind. Und all die vielen, meist unabhängig voneinander agierenden Initiatoren konnten nicht die notwendigen Voraussetzungen schaffen für ein deutschlandweites Mega-Projekt `Schulen und Internet´.

Neben der frühzeitigen Integration der Lehrerausbildung an den Universitäten, die heute noch erhebliche Defizite aufweist, fehlte es im Vorfeld an einem durchdachten Einführungskonzept, einer Gesamtkoordination und einer auf die Betroffenen ausgerichteten Kommunikations- und Informationspolitik. So ist es zu erklären, warum eine derartig heterogene Computerlandschaft entstehen konnte, deren dauerhafte Wartung und Betreuung weder inhaltlich noch kostenmäßig in den Griff zu bekommen sein dürfte.

Der Bildungsmarkt ist gewaltig und für viele Unternehmen bedeutet der Einstieg in den Schulen ein wichtiges Sprungbrett. In Zeiten leerer Staatskassen ist man auf Kooperationen im Sinne von Public-Private Partnerships angewiesen, um den Anschluss innerhalb Europas nicht noch weiter zu verlieren. Dabei bleibt die Frage, inwieweit das Engagement der Wirtschaft tatsächlich mit einer spürbaren Verbesserung der Ausstattungs- und Betreuungsqualität einhergeht. Denn nur damit können Computer und Internet tatsächlich das Niveau der Ausbildung verbessern.

In einem Land, dessen wichtigster Rohstoff das Know-how seiner Bürger ist und wo Politiker gerne von Fördertürmen des Wissens träumen, sollten Schulen nicht länger zur Entsorgung von Computermüll oder zu Testzwecken neuer Technologien herhalten. (ad)

[1] Sven Hansen, Die Hardwarefalle, Schule 2001: Technik: gut - Konzepte: mangelhaft, c't 14/2001, S. 168

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c't unterstützt seit 1996 Schulen bei der Nutzung des Internet. Hierzu wurde in Zusammenarbeit mit Pädagogen eine Server-Software erstellt, die Schulen und anerkannte Bildungseinrichtungen kostenlos auf CD-ROM erhalten. Bislang wurden rund 8000 CDs ausgeliefert.

Der c't/ODS-Kommunikationsserver stellt die Verbindung des lokalen Schulnetzes mit dem Internet über ISDN oder T-DSL her. Außerdem dient er als Web-, E-Mail-, News- und FTP-Server. Diese Dienste stehen innerhalb der Schule auch ohne Verbindung zum Netz zur Verfügung. Die Verbindung nach außen kann manuell oder automatisch auf- beziehungsweise abgebaut werden. Jeder Lehrer und Schüler erhält auf dem Server ein Benutzerverzeichnis, auf das nur er Zugriff hat, und kann den dort angeschlossenen Drucker nutzen.

Der Kommunikationsserver läuft auf Linux. Die eigens entwickelte Oberfläche führt Schritt für Schritt durch die weitgehend automatisierte Einrichtung und Verwaltung, die sich auch mit geringen Vorkenntnissen bewältigen lassen. Alle Funktionen des Servers kann man mit Standard-Software auf Windows-PCs nutzen. Das System kommt mit bescheidenen Hardware-Ressourcen aus: Es läuft noch auf dem ältesten Pentium-PC mit 32 MByte RAM ausreichend schnell. Die Festplatte muss mindestens ein Gigabyte fassen.

c't leistet zu dem Server per E-Mail und Telefon-Hotline Support. Über eine Mailing-Liste können sich die Anwender untereinander verständigen. Schulen und andere anerkannte Bildungseinrichtungen können die CD-ROM mit dem c't/ODS Kommunikationsserver bei der c't-Redaktion, Helstorfer Str. 7, 30625 Hannover, unter dem Stichwort `Schulen ans Netz´ schriftlich anfordern.

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URL Beschreibung
www.bildungsserver.de Informationsportal zum deutschen Bildungswesen, getragen von Bund u. Ländern
www.schulweb.de seit 1995 der Server für deutschsprachige Schulen im Netz
http://etb.eun.org europäisches Schulnetz, multilingualer Zugang zu europäischen Bildungsservern
http://www.schulen-ans-netz.de/ Bundesinitiative Schulen ans Netz e. V.
www.partner-fuer-schule.nrw.de Plattform, auf der Schulen und Sponsoren zusammenfinden sollen
www.lehrerbildung-medien.de Hochschulnetzwerk `Lehrerausbildung und neue Medien´
www.educat.hu-berlin.de/mv/baustein.html Materialien zur Internetkompetenz für Lehrer
www.e-nitiative.nrw.de/downloads/leitfaden.pdf Leitfaden zur IT-Ausstattung von Schulen
www.bildung-online.de Portal mit Unterrichtsmaterial (in Zusammenarbeit mit Schulbuchverlagen)
www.internet-abc.de werbefreies Portal für Eltern und Kinder
www.edu-search.de Webkatalog mit Unterrichtsmaterialen, Stand 2000 (nicht mehr gepflegt)

Infos zum Artikel

Kapitel
  1. Lehrer und Schüler im Computer-Chaos
  2. Alibi-Computer
  3. Pflege mit System
  4. Mit viel Animation soll Primolo schon die Jüngsten an der Grundschule fürs Internet begeistern.
  5. Bittere Wahrheit
  6. Fruchtbare Partnerschaften
  7. Schüler lehren Lehrer
  8. Gebildete Lehrer
  9. Die wichtigste deutsche Metasuchmaschine zum Thema Weiterbildung. Hier werden nicht nur Lehrer und Schüler bedient. Auch Studierende, Auszubildende und Eltern erhalten gezielte Informationen.
  10. Über den Tellerrand geschaut: Das Schulweb bietet Zugang zu Projektberichten rund um den Globus.
  11. Recht muss bleiben
  12. Von hinten aufgezäumt
  13. Literatur
  14. c't/ODS-Kommunikationsserver
  15. Quellen im Internet
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