Schulen an das Netz

Initiative fördert Internet-Zugänge für Schulen

Wissen | Hintergrund

Der Einzug der Computer in die bundesdeutschen Haushalte wurde begleitet vom Einzug der Informatik in das Curriculum allgemeinbildender Schulen. Nun übt die computerbasierende Kommunikation zunehmend Einfluß auf unsere Gesellschaft aus. Auch diese Entwicklung darf nicht vor den Pforten der Schulen haltmachen - Schulen müssen an das Netz!

Die heutigen Schüler haben sich auf die Anforderungen einer im globalen Wettbewerb stehenden Industriegesellschaft einzustellen. Informationsgewinnung, Überblick über Vorgänge in der Welt und der Gedankenaustausch über das lokale Umfeld hinaus sind notwendige Maßnahmen, die Schüler wie Lehrer vor Isolierung, geistiger Vergreisung und elitärer Arroganz schützen. Kein anderes Medium bietet hierfür bessere Möglichkeiten als der Computer im globalen Netz. Beim Einsatz dieses Mediums an Schulen droht Deutschland jedoch nicht nur hinter den USA, sondern auch hinter dem europäischen Ausland zurückzubleiben.

Dabei suchen auch hierzulande die für das Bildungswesen Verantwortlichen nach Mitteln, die einem verbesserten Zugang zum Wissen dienen. Ein solches Mittel ist das Internet, das den Zugriff auf globales Wissen vereinfacht und in einer pädagogisch wünschenswerten Weise ermöglicht. Denn Lernen funktioniert um so besser, je stärker dabei das Selbstwertgefühl des Lernenden gestärkt wird. Dies läßt sich mit selbständigem Arbeiten am ehesten erreichen, was entsprechend einfach strukturierte Lernzugänge voraussetzt. Der global vernetzte Computer bietet einen solchen Zugang.

Toleranter Umgang mit der Meinung Andersdenkender ist Markenzeichen der Demokratie. Und wo sonst, wenn nicht bei ausländischen Partnern im Internet, kann man Andersartigkeit besser erfahren? Wo sonst kann man seine Vorurteile abbauen und Erfahrungen gewinnen, wenn nicht in gemeinsamen Projekten mit Schülern und Lehrern in aller Welt? Nicht von ungefähr hat die Volksrepublik China beschlossen, daß sich dort jeder Internet-Teilnehmer registrieren lassen muß: die Angst vor dem eingeschleppten Virus der Demokratie ist unverkennbar.

In der Bundesrepublik steht die Regierung dem Internet dagegen offen gegenüber; der Bundestag ist seit kurzem mit einem eigenen Server im World Wide Web (WWW) vertreten (www.bundestag.de). Auch auf Länderebene laufen einige Projekte. So plant Bayern eine Initiative, um behördliche Aktivitäten für den Bürger zugänglich zu machen. In diesem Zusammenhang sollen Schulen den Zugang zum Internet ermöglicht bekommen. Doch auch in anderen Bundesländern muß der Umgang mit den notwendigen Werkzeugen an den Schulen gelehrt werden. Diese Werkzeuge heißen Computer und Modem beziehungsweise ISDN-Adapter.

Das Schulwesen unterliegt einer strengen öffentlichen Kontrolle. Ein ganzes Heer von Pädagogen und Verwaltungsbeamten bemüht sich um Aufstellung von gesellschaftlich akzeptierten Regeln und deren Umsetzung. Ist eine Initiative `Schulen an das Netz´ da nicht eher eine Amtsanmaßung?

Die Initiatoren beobachten jedoch mit Sorge eine technische Divergenz in den einzelnen Bundesländern, die in einer globalen Informationsgesellschaft kontraproduktiv wirkt. Die Initiative ist daher unter Beachtung aller bildungspolitischen Ländereigenständigkeit bemüht, gemeinsame Rahmenbedingungen aufzuzeigen, die unter allen Umständen erhalten bleiben müssen. Die Initiative bemüht sich, die technischen Voraussetzungen transparent zu machen und damit den Schulbehörden in technischer Hinsicht zuzuarbeiten.

Eine weitere Motivation für die Bildung der Initiative liefern die enormen Kosten, die mit dem Aufbau der entsprechenden technischen Infrastruktur verbunden sind. Die derzeitige finanzielle Situation des Staates läßt eine Realisierung eines sinnvollen Netzkonzeptes für Schulen in weite Ferne rücken. Um nicht in technische Nischen abgedrängt zu werden, bedarf es der massiven Unterstützung durch alle fähigen Institutionen, insbesondere der Industrie sowie der Hochschulen, die mit dem Wissenschaftsnetz bereits über die notwendige Infrastruktur verfügen.

So haben sich mehrere Provider der Initiative angeschlossen und bemühen sich um für Schulen brauchbare Lösungen. Das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft ist ein geeigneter Schirmherr, denn schließlich wird das Forschungsnetz der deutschen Universitäten bereits aus öffentlichen Mitteln finanziert. Und wichtigster Partner bleibt derzeit noch die Telekom, ohne deren Telefonnetz kein Internet-Zugang möglich ist.

Die Kompetenz in Bildungsfragen liegt bei den Ländern, die - nicht nur bei der Austattung der Schulen mit Computern - längst nicht einer Meinung sind. Die technische Realisierung, wie sie die Initiative vorschlägt [1], berücksichtigt diese Diversität und schlägt eine offene Lösung auf Basis von TCP/IP (Transmission Control Protocol/Internet Protocol) vor. Da sich dieses mit den meisten Protokollen lokaler Netze (LANs) verträgt, läßt sich eine Integration in bestehende Netze relativ einfach und unabhängig von der in einer Schule vorhandenen Hardware erreichen. TCP/IP-Protokolltreiber und -Software, etwa WWW-Browser oder EMail-Programme, existieren unter jedem gängigen Betriebssystem.

In der von der Initiative vorgesehenen LAN-Struktur übernimmt ein Kommunikationsserver die Anbindung an das Internet. Idealerweise soll dieses Gateway das schulinterne LAN vom Internet völlig entkoppeln (IP-Masquerating), so daß nur eine registrierte IP-Adresse für die gesamte Domain einer Schule benötigt wird. Das senkt die Kosten und vereinfacht die Verwaltung.

Neben seiner Rolle als Gateway muß der Server noch weitere Dienste bereitstellen: Er verwaltet für Lehrer und Schüler Postfächer, die über POP (Post Office Protocol) geleert werden. Per SMTP (Simple Mail Transport Protocol) nimmt er die Post entgegen und leitet sie ins Internet weiter. Ferner verteilt er via NNTP (Net News Transport Protocol) Newsgruppen aus dem Usenet. Ein HTTP-Server (Hypertext Transport Protocol) dient als Proxy (zentrales Gateway mit Cache-Funktion) für alle Zugriffe nach außen und stellt für interne Zwecke WWW zur Verfügung. Ein Firewall (Sicherheitssoftware) schützt das LAN der Schule und erlaubt es, den Zugang der Schüler zum Internet zu kontrollieren.

Einzelne Hersteller unterstützen die Initiative durch ausgesprochen niedrige Systempreise. So kostet ein LAN unter OS/2 für Schulen deutlich unter 1000 DM, bei reduziertem Leistungsanspruch an die Vernetzung (peer-to-peer mittels Warp Connect) sogar nur rund die Hälfte.

Die geschilderten Anforderungen an den Kommunikationsserver lassen sich mit einem Unix-Betriebssystem problemlos erfüllen. Dabei zählt Linux zu den Favoriten, da es zu Preisen unter 100 DM verfügbar ist. Allerdings besitzt Linux auch Nachteile. Der wichtigste: Lehrer mögen Linux nicht! Das hat kaum sachliche Gründe, sondern liegt an der DOS-orientierten Lehrerfortbildung. Es gehört daher zu den Zielsetzungen der Initiative, das Linux zu verstecken.

Es wird an einer Distribution gearbeitet, die alle erforderlichen Dienste anbietet, die Systemverwaltung jedoch soweit möglich automatisiert und auf die Eingabe der wesentlichen Informationen reduziert. Um beispielsweise neue Schüler als Benutzer einzutragen, muß lediglich eine ASCII-Datei mit deren Namen importiert werden. Das System liefert dann eine automatisch erzeugte Liste mit Login-Namen und Paßwörtern, die der Lehrer an die jeweiligen Schüler weiterreicht.

Die Verwaltung soll unter der gewohnten Benutzeroberfläche aus dem LAN heraus erfolgen, so daß der Lehrer gar nicht bemerkt, daß er ein Unix betreut. Dies setzt allerdings voraus, das installierte System auf die notwendigen Komponenten abzuspecken. Für die einheitliche Benutzeroberfläche, die auf jedem beliebigen Betriebssystem zur Verfügung stehen soll, drängt sich HTML geradezu auf: WWW-Browser gibt es auf jeder Plattform, und der notwendige HTTP-Server soll mit der Schuldistribution ohnehin vorkonfiguriert ausgeliefert werden.

Never change a winning team - ändere nie die Konfiguration eines reibungslos arbeitenden Netzes! Doch viele Schulen besitzen noch kein solches Netz. Sie sollten nicht warten, bis die Initiative Früchte trägt und ihnen eine Ausstattung zur Verfügung steht, die den beschriebenen Zielvorstellungen genügt. Vielmehr sollten sie klein anfangen und mit einer Einstiegslösung die Bedenkenträger von der Nützlichkeit eines Internet-Zugangs überzeugen. Von dieser Einstiegslösung, die mit minimalen Hardwarevoraussetzungen auskommt, führt ein Migrationspfad zur angestrebten LAN/ Internet-Kopplung - unter Beachtung des ersten Hauptsatzes der Systemverwaltung: Ein System verharrt so lange im Zustand seiner Konfiguration, bis eine äußere Kraft die Aufrüstung erzwingt.

Ein Kommunikationsserver bildet den zentralen Übergang vom LAN der Schule ins Internet. Im LAN stellt er diverse Dienste wie EMail oder News zur Verfügung, die von jedem Arbeitsplatz aus gleichzeitig genutzt werden können.

Die Einstiegslösung basiert auf Waffle, einer preisgünstigen Shareware, die erstaunlich leistungsfähige Kommunikation über UUCP (Unix to Unix Copy Protocol) erlaubt. Obwohl UUCP keine direkte TCP/IP-Verbindung und damit unter anderem keine WWW-Zugriffe erlaubt, läßt sich mit dem Store-and-forward-Protokoll doch eine sehr preisgünstige Versorgung mit EMail und News realisieren.

Im Rahmen der Initiative gilt UUCP als die schlechteste Lösung - bevor man gar nichts macht oder sich mit proprietären Mailbox-Protokollen verzettelt. Zu Waffle gibt es auch einen sehr komfortablen EMail- und News-Reader für Windows (Alamito), der zudem alternativ das Lesen der Nachrichten in der Waffle-Struktur oder mittels TCP/IP anbietet - was die spätere Aufrüstung erleichtert.

Ist das Interesse der Schüler (und Lehrer) an EMail und News erst einmal geweckt, steht als nächster Schritt die Einrichtung eines LAN an, um die menschliche Warteschlange vor dem Kommunikationsrechner zu verkürzen. Als DOS-Software kann Waffle jedoch nicht die notwendigen Zugriffsrechte verwalten, die einerseits den Benutzern den Zugriff auf ihre EMails und News gestatten, andererseits aber das Postgeheimnis wahren. Diese Aufgabe bleibt also dem LAN vorbehalten.

Die in Windows for Workgroups und Windows 95 enthaltenen LAN-Lösungen erlauben keine benutzerorientierte Verwaltung von Zugriffsrechten, solange kein NT- oder NetWare-Server im Netz vorhanden ist. Als Minimallösung böte sich höchstens Personal NetWare an, das im Lieferumfang von Novell DOS 7.0 PNW enthalten ist. Damit ließe sich auch mit XTs und 8-Bit-Netzadaptern eine (sehr langsame) Übergangslösung verwirklichen. Warp Connect erlaubt eine Zugriffsverwaltung auf Benutzerebene, ist jedoch in seinen Ansprüchen an die Hardwareausstattung Linux zumindest ebenbürtig.

Womit wir wiederum bei Linux angelangt wären. Es beherrscht UUCP, macht Waffle also überflüssig und erlaubt es gleichzeitig, ein LAN mit vernünftiger Zugriffsverwaltung aufzubauen. Und steht dann noch ein TCP/IP-Zugang über Modem oder ISDN zur Verfügung, kann man die UUCP-Einstiegslösung problemlos zum zuvor beschriebenen Kommunikationsserver aufrüsten.

Die c't hat an der Planung dieser Konzepte mitgewirkt und unterstützt deren Realisierung. Außerdem will c't eine CD-ROM mit dem Kommunikationsserver sowie weiterer Shareware und Freeware zusammenstellen und an Schulen im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen kostenlos verteilen. Damit läßt sich die Schulvernetzung realisieren, vom Schnupperzugang mittels UUCP für einen Einzelplatzrechner bis hin zum LAN mit Linux-Kommunikationsserver.

Linux-Distributoren sowie die Hersteller kommerzieller Unixe können ihre Systeme auf Brauchbarkeit in der Schulumgebung testen lassen, um gegebenenfalls ein entsprechendes Prädikat zu erhalten. Sie dürfen auch die Entwicklungen der Initiative in ihre Produkte integrieren, sofern sie diese im Gegenzug dann zum Sonderpreis an Schulen abgeben und damit einen Beitrag zum Projekt `Schulen an das Netz´ leisten.

Obwohl der Initiative Unix als Betriebssystem für den Kommunikationsserver ideal erscheint, will man sich anderen Lösungen nicht verschließen. Unabdingbare Voraussetzung ist lediglich die Anbindung an das Internet mittels TCP/IP und die Bereitstellung der genannten Dienste wie EMail und News.

Der TCP/IP-Zugang über Modem oder ISDN muß über die Protokolle SLIP (Serial Line Internet Protocol) oder PPP (Point to Point Protocol) erfolgen. Die Verbindung zum Internet wird dabei über einen Einwählpunkt eines Providers hergestellt. Wer kann Schulen diesen Dienst anbieten? Für Ballungszentren ist diese Frage bereits beanwortet: Der DFN-Verein, Träger des deutschen Wissenschaftsnetzes WIN, bietet in vielen Großstädten Einwählknoten an, an denen Schulen sich über Modem oder ISDN einwählen können und eine IP-Adresse für die ganze Schule zugewiesen bekommen.

Auch zeigen manche Leiter von Hochschulrechenzentren eine erfreuliche Kooperationsbereitschaft und unterstützen Schulen auf ihrem Weg in die Informationsgesellschaft, obwohl dies für sie mit zusätzlichen Belastungen verbunden ist. Andere Hochschulen verschanzen sich dagegen hinter formalen Argumenten und wimmeln lästige Schulen ab. Ein klärendes Wort aus der Politik könnte positiv wirken.

Doch was machen die Schulen in der Provinz? Bei einer Verbindung per Ferngespräch in die nächstgelegene Großstadt übersteigen die Telefongebühren den Etat der meisten Schulen - sie können sich den Internet-Anschluß derzeit nicht leisten. Denn die Telekom, die mit T-Online als einziger Provider ein flächendeckendes Netz von Einwahlpunkten unterhält, läßt sich jede Online-Minute in den für Schulen relevanten Zeiten mit 0,20 DM bezahlen.

Die Hochglanzwerbung der Telekom weist auf die Zukunftsverantwortung in einer Informationsgesellschaft hin. Es ist gesellschaftlicher Konsens, daß Schulausbildung nicht an Standortvorteile irgendwelcher Art gebunden sein darf. Soll dieser elementare Grundsatz beim Internet-Zugang für Schulen nicht erstmals in der Geschichte der deutschen Schulpolitik aufgegeben werden, so ist eine politische Entscheidung von höchster Ebene gefordert.

Diese Entscheidung hat noch etwas Zeit, denn zunächst einmal müssen Schulen, Lehrerfortbildungsinstitute, Hochschulen et cetera ein Bildungsangebot für deutsche Schulen aufbauen, welches sich für eine curriculare Einbindung eignet. Bei den Beteiligten der Initiative `Schulen an das Netz´ besteht kein Zweifel daran, daß dies gelingt. Doch irgendwann muß die politische Entscheidung zur Unterstützung innovativer Schulvernetzung in strukturschwachen Regionen fallen - je früher, desto besser für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort Deutschland. (ad)

[1] Rainer Busch et. al., Schulen an das Netz, Broschüre der GI


BioNet e.V.

BioNet ist ein eingetragener Verein, den das Finanzamt Hannover als gemeinnützig anerkannt hat. Seine Satzung ist im WWW einsehbar (www.be.schule.de/externe/bionet/start.html). Der Verein widmet sich der naturwissenschaftlichen Umweltbildung; die Projekte werden über computerbasierte Kommunikation koordiniert und ausgeführt.

Eine Beschreibung der Projekte findet sich auf baldrick.kc.kuleuven.ac.be/~karls/bionet/, wo auch die ersten Ergebnisse von Arbeitsgruppen einsehbar sind. Da die Mitarbeit von Schulen in den Projekten einen Zugang zum Internet voraussetzt, kümmert sich BioNet in Zusammenarbeit mit dem ODS und dem ESP auch um die technischen Aspekte einer solchen Anbindung.

Die anfallenden Daten wurden bisher über Newsgruppen news://news.uni-stuttgart.de/schule.umwelt.aquadata und news://news.uni-stuttgart.de/schule.umwelt.terradata ausgetauscht. Dies erzwang eine dezentrale Datenbankverwaltung, bei der jeder Interessent die in den Foren eingehenden Daten eigenverantwortlich in einer dBASE-Datenbank sammeln mußte. Im WWW wird BioNet seine Projekte auf ein zentrales Datenbankformat umstellen, das natürlich mit der bisherigen Lösung kompatibel bleibt. (Dr. Karl Sarnow)

Europäisches Schulprojekt - ESP

Das europäische Schulprojekt ESP ist eine Initiative von Lehrern aus Europa. Sie wurde von Henk Sligte und Aad Nienhuis von der Universität Amsterdam ins Leben gerufen. Zum 10. Mal treffen sich die Lehrer in diesem Jahr in Leuven nahe Brüssel. Die Teilnehmer legen Wert auf den persönlichen Kontakt untereinander, denn in Zweifelsfällen kann nur das Verständnis füreinander die Projektarbeit retten.

Über neue Projekte, Partnersuche oder sonstige, der Zusammenarbeit von Schulen im Internet dienende Themen informiert die Newsgruppe news://news.uni-stuttgart.de/school.project.esp. Eigentlich würde man in den Projekten des ESP einen direkten Schüleraustausch vorziehen. So gesehen ist die Technik nur die zweitbeste Lösung, aber in vielen Fällen die einzige realistische. Zu den Projektthemen gehört alles, was sich mittels Telekommunikation zwischen zwei oder mehr Klassen vermitteln läßt. Nachlesen kann man die Projekte unter www.be.schule.de/externe/esp/esphome.htm. (Dr. Karl Sarnow)

Bildungsinitiative Informatik und Telekommunikation

Durch den Wandel zu einer Informationsgesellschaft wird sich die Art und Weise, wie wir unser Leben organisieren, miteinander kommunizieren und arbeiten, grundlegend verändern. Es ist daher dringend geboten, diese Herausforderung anzunehmen und sich auf die grundlegenden Änderungen vorzubereiten. Diese Herausforderung gilt insbesondere für das Bildungswesen. Um Informationen zu erhalten oder zu verbreiten, müssen Menschen in einer Informationsgesellschaft wichtige Kompetenzen aufweisen. Sie müssen fähig sein, Informationen zu strukturieren, zu bewerten, verfügbar zu machen sowie Suchstrategien und die verbindlichen Regeln der Kommunikation beherrschen.

Eine umfassende Bildungsinitiative `Informatik und Telekommunikation´ soll helfen, sowohl im schulischen Bereich als auch in der beruflichen Aus- und Weiterbildung den Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologie als allgemeines Bildungsziel einzuführen. Die Initiative beschränkt sich nicht auf den Informatikunterricht, sondern umfaßt den gesamten Fächerkanon des Bildungswesens. Die Ausbildung der Lehrer, Ausbilder, Trainer im schulischen, beruflichen und privaten Sektor ist gezielt auf diese Anforderungen auszurichten. Bildungsinhalte und Ziele sowie die eingesetzte Technik sind an die technologische Entwicklung anzupassen.

Die Gesellschaft für Informatik e. V. (GI) hat sich gemäß ihrer satzungsgemäßen Ziele dieser Problematik angenommen und beschreibt mit ihrer Studie `Schulen an das Netz - Bildungsinitiative Informatik und Telekommunikation´ technische und pädagogisch-didaktische Zielvorstellungen einer auf Informations- und Kommunikationstechnologie basierenden Bildung. Auf der Basis dieser Studie hat die GI zahlreiche Unternehmen gewinnen können, die die Bildungsinitiative unterstützen werden, unter anderem die Deutsche Telekom AG. Der Bundesbildungsminister Dr. Rüttgers hat die Schirmherrschaft übernommen. Die Bundesländer werden entsprechende landeseigene Projekte in die Initiative `Schulen an das Netz´ einbringen. (Prof. Dr. Rainer Busch)

Offenes Deutsches Schulnetz - ODS

Das Offene Deutsche Schulnetz ist eine Initiative von Lehrern, die seit 1991 die Internet-nahe Vernetzung von Schulen praktisch unterstützen. Das ODS hat für die Schulen Rahmenvereinbarungen mit Providern, allen voran dem Deutschen Forschungsnetz, getroffen. Um Schulen im Internet mit vernünftigen Adressen versehen zu können, hat das ODS die Domain `Schule.de´ reserviert. Schulen, die sich hier registrieren, erhalten eine EMail-Adresse, die logisch strukturiert und vor allem unabhängig von ihrem Provider ist, bei einem Wechsel des Dienstleisters also `mitgenommen´ werden kann.

Auch die News-Gruppen `schule.xxx´ hat das ODS initiiert. Sie sollten ursprünglich ausschließlich an Schulen verteilt werden, haben jedoch ihren Weg in die offene Welt des Usenet gefunden. Die Rolle der Newsgruppen für Unterrichtsprojekte übernehmen zunehmend Verteilerlisten oder das WWW. Das ODS wird diese Angebote in Zusammenarbeit mit dem ESP aufbereiten und Schulen beim Durchführen von Projekten im Netz unterstützen. Die ODS-Mitglieder führen hierzu vor allem Multiplikatorenschulungen durch.

Das ODS hat auch Programmpakete zusammengestellt, die geeignete MSDOS-Software für den Internet-Anschluß von Schulen enthalten. Im Rahmen der Initiative `Schulen an das Netz´ unterstützt das ODS zur Zeit die Erstellung der CD-ROM mit dem Kommunikationsserver auf Linux-Basis, womit sich das LAN einer Schule ans Internet anbinden läßt.

Der ODS-Verein ist auf Unterstützung durch Dritte (Sponsoren) angewiesen, um zeitgemäße Hard- und Software einsetzen zu können. Interessierte können sich an Ralph Ballier (Ballier@bics.BE.Schule.de) oder Klaus Füller (KlausF@Schule.de) wenden. (Klaus Füller)

PLUTO, EuropeanNetwork

PLUTO ist ein Projekt, in dem europäische Hochschulen zusammenarbeiten, um gemeinsam Konzepte und Materialien für die Lehreraus- und -fortbildung auf den Gebieten `Informatische Grundbildung´ (ITG) und `Telekommunikationsanwendungen im Unterricht´ zu entwickeln und zu erproben. Seinen Anfang nahm das Projekt 1987, als sich Lehrerausbildungsinstitutionen in 15 europäischen Ländern - anfangs über Bitnet und UseNet - zum `Project to Link Universities and Training Organisations´ vernetzten.

Der deutsche PLUTO-Knoten liegt im Fachbereich Informatik der Universität Oldenburg. Einerseits werden hier Materialien entwickelt und Fortbildungskurse durchgeführt, andererseits erhält eine große Zahl von Lehrern und Schulen aus fast allen Bundesländern Zugang zum Internet. Viele dieser Schulen erreichen das Internet nur über das FidoNet-Schul-Gateway, das die News und Mails vom Gymnasium Neustadt a. R. mit dem Oldenburger PLUTO-Knoten austauscht. Der Knoten unterstützt alle Aktivitäten des ODS und die Initiative `Schulen an das Netz´.

Gegenwärtig wird in Oldenburg ein Gestaltungsleitfaden produziert, um die Entwickler von Lernsoftware-Seiten im WWW zu unterstützen. Außerdem unternimmt man Versuche, Simulationssoftware so ins WWW einzubinden, daß ein Benutzer seine Anfangsdaten eingeben kann und das auf dem WWW-Server von PLUTO installierte Programm die Ergebnisse als neue WWW-Seite zurückliefert. Die Schaffung eines PLUTO-spezifische WWW-Servers ist in Vorbereitung, damit Lehrer und Schüler eigene WWW-Seiten entwickeln und anbieten können. Weitere Informationen findet man auf www-pluto.informatik.uni-oldenburg.de/. (Prof. Dr. Peter Gorny)

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