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HTML-Werkzeuge für Anfänger und Profis

Wissen | Hintergrund

Design oder Nichtsein - das ist im World Wide Web eine existentielle Frage. Denn neben den Inhalten einer Website ist es deren 'anmachendes' Outfit, das vorbeisurfende Cyberspace-Reisende zum Verweilen einlädt. Doch ohne die richtigen Werkzeuge geraten Web-Seiten häufig fad und fristen ein verlorenes Dasein.

Kaum eine Softwaregattung wurde in den letzten Monaten derart dynamisch fortentwickelt wie die Werkzeuge für das Web-Design. Was Wunder: das Internet boomt und insbesondere der Multimedia-Dienst World Wide Web erfreut sich massiver Beliebtheit. Da bedarf es leistungsfähiger Hilfsmittel, um ansprechend aufzutreten. Hier hat sich in kurzer Zeit ein unüberschaubarer Markt an unterschiedlichsten Werkzeugen aufgetan.

Das Angebot beginnt bei einfachen Filtern, die ein Dokument einer Standardanwendung in die Web-Sprache HTML (Hypertext Markup Language, zu deutsch: Hypertextauszeichnungssprache) umwandeln. Ausgefeilte Konverter übersetzen komplexe DTP-Entwürfe mehr oder weniger genau ins Web-Format, spezielle Editoren für das WWW-Idiom beherrschen sämtliche Finessen der einzelnen HTML-Dialekte. Letzter Schrei sind integrierte Gesamtlösungen, die Web-Server, -Administrationswerkzeug sowie -Editor vereinen.

Vor dem Einrichten einer Web-Präsenz sollten Sie sich also genau überlegen, auf welche Weise Sie im Hyperspace Flagge zeigen. Genügt eine simple virtuelle Existenzbestätigung? Oder möchten Sie das Corporate Design übernehmen? Oder wollen Sie das neue Medium mit allen seinen Möglichkeiten ausreizen?

Im Gegensatz zu Filtern und Konvertern steht bei 'echten' HTML-Editoren nicht die Umwandlung bereits bestehender Dokumente im Vordergrund. Vielmehr geht es darum, die vielseitigen Gestaltungsmöglichkeiten von HTML effizient umzusetzen. Dies bezieht sich unter anderem auf die unterstützten Dialekte der Sprache HTML - für professionelle Entwicklungssysteme ist es einfach ein Muß, neben dem offiziellen Standard HTML 3.0 oder gar 3.2 die proprietären Eigenschaften der marktführenden Browser von Netscape und Microsoft in ihren aktuellen Versionen (jeweils 2.0) zu unterstützen. Einige Editoren beherrschen sogar bereits die HTML-Erweiterungen des Internet Explorer 3.0.

Da die Gestalter von Websites jedoch häufig keine Computerspezialisten sind, sondern aus grafischen Berufen ohne spezifische Computerausbildung kommen, sollten die WWW-Editoren möglichst intuitiv zu handhaben sein. Dabei können intelligente Assistenten und Editoren dem Web-Autor eine Menge Handarbeit abnehmen: WYSIWYG-Werkzeuge geben gleich während der Arbeit einen Eindruck vom Ergebnis; spezielle HTML-Tags, beispielsweise Tabellen oder Clickable Maps lassen sich in ihnen mit eigenen Editoren bearbeiten.

Apropos WYSIWYG: Dieser Begriff ist im Zusammenhang mit HTML irreführend. Im Gegensatz zu einer exakten Seitenbeschreibungssprache ist HTML eine Seitenauszeichnungssprache. Ihre Formatierungsoptionen legen also nicht fest: 'Dieser Satz hat den Zeichensatz Times, vierzehn Punkt, fett, und befindet sich genau an der Stelle x, y im Dokument'. Vielmehr sagt ein HTML-Befehl nur: 'Dieser Satz ist eine Überschrift vom Rang sechs'. Wie so etwas genau aussieht, obliegt der Interpretation der Browser, was im einzelnen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen führen kann.

Nicht nur aus diesem Grund schwören etliche Web-Autoren nach wie vor auf einfache Texteditoren als HTML-Werkzeuge. Denn im Grunde ist HTML nichts als reiner ASCII-Text mit eingestreuten Formatierungszeichen. Text, der mit den Auszeichnern '' und '' geklammert ist, erscheint beispielsweise kursiv. Nur mit einem Texteditor - und einem HTML-Handbuch - hat der Web-Gestalter völlige Freiheit bei der Gestaltung seines Layouts und ist nicht auf die Vorgaben eingeschränkt, die ihm sein Editor anbietet.

Es lohnt sich also auf jeden Fall für Entwickler, die sich mit Web-Publishing beschäftigen möchten, das relativ einfache HTML zu lernen. Referenzen für die einzelnen HTML-Dialekte finden sich unter den Verweisen im nebenstehenden Kasten.

Nichtsdestotrotz können komfortable Editoren dem HTML-bewanderten Web-Designer eine Menge Handarbeit abnehmen. Neben bequemen Menüs oder Werkzeugleisten für häufig benutzte Tags helfen Wizards, Schablonen oder Makrofunktionen bei der täglichen Arbeit. Darüber hinaus unterstützen einige der Programme bereits die APIs (Programmierschnittstellen) bestimmer Web-Server. Damit kann der Anwender über ein HTML-Dokument Server-Aktionen anstoßen, ohne das umständliche CGI (Common Gateway Interface) zu benutzen.

Auch erspart es einige Arbeitsschritte, wenn der Editor mit einen Server kooperiert, also beipielsweise das Login beim Web-Server und den Upload von Dokumenten automatisch vornimmt. Server- und Entwicklungsplattform sind dabei nicht zwangsläufig identisch. Da jedoch Mac-, Windows- als auch Unix-Systeme sowohl unterschiedliche Zeichensätze wie auch verschiedene Markierungen von Zeilenenden verwenden, sollte ein Werkzeug für das HTML-Authoring die notwendigen Konversionen vornehmen können. Ferner bestehen komplexe Websites häufig aus einigen hundert Seiten. Ein ausgefeiltes Projektmanagement, das zusammengehörige Dokumente gemeinsam verwaltet, ist also eine sinnvolle Ergänzung einer WWW-Entwicklungsumgebung.

Zwei Punkte sind aus deutscher Sicht sehr wichtig: HTML behandelt internationale Sonderzeichen, also auch Umlaute und das 'ß' als spezielle Zeichenfolgen. Deren Handhabung ist in den auschließlich aus den USA entwickelten Produkten sehr unterschiedlich elegant gelöst - und wer möchte schon regelmäßig 'ä', 'ö' und 'ü' per 'Suchen und Ersetzen' in 'ä' et cetera umwandeln. Außerdem ist ein Rechtschreibprüfer eine sinnvolle Ergänzung eines Web-Seiten-Editors. Jedoch verfügen nur wenige der Programme über deutsche Wörterbücher.

GNNs Editor ist wie sein WebServer [2] Freeware. Unter den vorzustellenden Werkzeugen ist GNNPress sicherlich eines der weniger vielseitigen. So kennt es beispielsweise die Microsoft-Extensions nicht. Die Handhabung des Werkzeugs ist jedoch so intuitiv, daß es sich gerade für Einsteiger empfiehlt: der Editor ist gleichzeitig ein Browser, der Anwender sieht also immer sofort das Ergebnis. Über eine Menüoption kann er sich den Sourcecode ansehen und gegebenenfalls auch editieren.

GNNPress interpretiert bei jeder Eingabe und Formatierung den HTML-Code aufs neue, dabei besticht das Programm nicht gerade durch seine Ausführungsgeschwindigkeit. Vorbildlich hingegen ist GNNPress' Möglichkeit, komplette Sites (zusammengehörige Webseiten) zu administrieren. Diese verwaltet das Programm in sogenannten 'MiniWebs'. In einem eigenen Fenster stellt es hierbei jede Seite, enthaltene Dokumente wie Grafiken et cetera und andere verbundene MiniWebs durch Icons dar, Verbindungen zwischen den einzelnen Objekten markiert es durch Linien. Im Zusammenspiel mit dem GNNServer entfaltet GNNPress seine vollen Fähigkeiten: der zugehörige Server läßt sich aus dem Programm heraus administrieren; einzelne Seiten können heraufladen werden.

Gerade im Bereich zwischen den Freeware- und den High-End-Werkzeugen gibt es eine riesige Fülle an Produkten. Meist werden diese als Shareware für 30 bis 100·Dollar vertrieben. Wir stellen hier einige Vertreter dieser Gruppe vor, die bestimmte Aufgaben besonders elegant lösen oder sich durch einzelne Funktionen hervorheben.

Besonders für Einsteiger dürfte sich der Webber (30 US-$) eignen. Für Aufgaben wie das Erstellen von Tabellen und Listen bietet der Editor vorbildliche Assistenten. Herausragendes Feature des Web Media Publisher (35 US-$) ist sein 'Multiple Search and Replace'. Hiermit können beispielsweise URLs in einer ganzen Reihe von Dokumenten ersetzt werden, wenn sich einmal eine Adresse ändert. Incontext Spider (99 US-$) besticht durch seine völlig andersartige Darstellung der Dokumente: In einem Fenster zeigt er die logische Struktur eines HTML-Dokuments, während in einem zweiten Fenster der Text und die Grafiken dargestellt werden.

Besucht man einschlägige Websites oder Newsgroups, trifft man immer wieder auf euphorische Fans von HotDog (99 US-$). Hierzu dürften so praktische Funktionen wie der 'Auto Upload' beigetragen haben, mit dem ein Dokument automatisch auf einen Host übertragen werden kann.

Seit einigen Monaten wird jeder Power Mac mit Adobe PageMill [1] ausgeliefert, einem der wenigen echten WYSIWYG-Editoren für WWW-Seiten; PageMill ist auch im Site-Administrationswerkzeug Sitemill enthalten. Bilder und Texte zieht man per Maus in das Dokument, verschiebt und bearbeitet sie, ohne einen einzigen HTML-Befehl zu sehen. PageMill zeigt generell keine Tags, sondern die Seite im fertigen Layout an.

Das an sich geniale Konzept krankt allerdings an der sich ständig verändernden HTML-Sprache. Eigentlich muß PageMill alle Bestandteile der HTML-Spezifikation sowie die proprietären Erweiterungen der Browser-Hersteller unterstützen - was technisch unmöglich ist. Deshalb wird Adobe der Entwicklung immer hinterherlaufen.

PageMill 2.0 ist für das dritte Quartal 1996 angekündigt. Adobe hat sich die Kritiken zu Herzen genommen: die neue Version soll zeitgleich für Macintosh, Windows 95 und NT erscheinen und die jüngste HTML-Version samt Erweiterungen wie etwa Tabellen, Frames, Animated GIFs oder Plug-In-Support beherrschen. Bis dahin werden sich Web-Autoren noch mit herkömmlichen HTML-Editoren begnügen müssen - und von denen gibt es etliche.

Das nützlichste Werkzeug des PageSpinner (Shareware, 25 US-$) ist der eingebaute HTML Assistant - er ist beim Entwerfen von WWW-Dokumenten behilflich. Zwar kommt man bei diesem Mac-Editor, anders etwa als bei PageMill, an der HTML-Programmierung nicht vorbei, aber dank der guten Step-by-step-Erklärungen lernt man recht schnell, worauf es ankommt. Der Assistent fragt die nötigen Informationen für jeden Teil der WWW-Seite ab und fügt die passenden HTML-Zeilen fertig an der aktuellen Cursorposition im Dokument ein.

Eine Tabelle etwa ist kurzerhand erstellt: den gewünschten Text samt Tabulatoren im Dokument markieren, im passenden Fenster des Assistenten den Apply-Button drücken: fertig. Umgekehrt lassen sich auch die Anzahl der Spalten und Reihen definieren, um die Tabelle später auszufüllen. In der dritten Variante importiert der Assistent Text mit Tab-Begrenzern und macht eine fertige Tabelle daraus. Sämtliche Eigenschaften einer Tabelle wie etwa Rand oder Überschrift ändert man mit wenigen Klicks.

Zu all seinen Funktionen bietet der Assistent Beispielquelltexte an, die man in das HTML-Dokument übernehmen kann, um sie dort zu verwenden. Das geht manchmal noch schneller, als die nötigen Arbeitsschritte zusammen mit dem Assistenten durchzugehen. Bei allen Funktionen und Tags zeigt der PageSpinner die jeweils passende HTML-Version an, einschließlich 3.2. Das Programm beherrscht die Netscape-Erweiterungen, Microsoft-spezifische fehlen.

PageSpinner kann Java-Applets einbinden und erlaubt die Programmierung von JavaScript-Sequenzen direkt im Dokument. Bei all dieser Funktionsvielfalt erstaunt es um so mehr, daß der Assistent keine Frames unterstützt. Von Hand einfügen kann man die Frame-Tags natürlich trotzdem, sie werden dann auch im Syntax-Highlighting entsprechend berücksichtigt. Eine Möglichkeit, Frames mit wenigen Mausklicks anzulegen, stünde dem PageSpinner dennoch gut zu Gesicht.

Wer grundsätzlich lieber von Hand programmiert als mit Hilfe des Assistenten, den unterstützt PageSpinner ebenfalls - die Befehle werden sofort auf ihre Syntax überprüft und optisch entsprechend hervorgehoben. Sonderzeichen und deutsche Umlaute fügt man wie gewohnt per Mac-Tastatur ein, eine spezielle Convert-Funktion wandelt sie HTML-konform um. Seine Dokumente speichert der PageSpinner auf Wunsch nach ISO-Latin-1-, ISO-8859-1- oder Mac-Text-Manier ab.

Ein Browser ist nicht integriert, und von WYSIWYG kann man bei der Darstellung auch nicht gerade sprechen - aber dank Apple-Event-Aufrufen springt man durch einen Klick sofort zum konfigurierten WWW-Browser, der automatisch mit der aktuellen Seite versorgt wird.

Von der Shareware WebEdit stehen zwei Versionen zur Wahl, wobei sich die 'Professional'- von der 'Standard'-Release durch eine Projektverwaltung, den Tag-Checker, optionale farbige Tag-Markierung sowie eine Programmierschnittstelle für Add-Ons unterscheidet. Die Pro-Version kostet in Deutschland 169 DM, Angehörige von Bildungseinrichtungen zahlen 99 DM (Standard 139 bzw. 69 DM).

Der Anwender sieht im Editor von WebEdit den Quelltext der Seite. Per Menübefehl oder Tastenkürzel fügt WebEdit die entsprechenden Tags an der Cursorstelle ein. Zur Entwurfskontrolle kann das Programm ein weiteres Preview-Fenster öffnen, das WebEdit entweder ständig oder auf Wunsch aktualisiert. Das Programm unterstützt neben den üblichen Erweiterungen (HTML 3.0, Netscape und Microsoft 2.0) bereits die der 3.0er Version von Microsofts Internet Explorer. Außerdem kennt der HTML-Editor die SSI-Tags (Server Side Includes) der Webquest-Server.

Vorbildlich ist die Vielseitigkeit des Programms in bezug auf Sonderzeichen und Fremdsprachen. So ist die Umwandlung eines 'special characters', also auch eines deutschen Umlauts, ein einfacher Menüpunkt - bei weitem keine Selbstververständlichkeit für andere Programme. Abgesehen davon ist WebEdit auch in einer deutschen und schwedischen Version erhältlich, und auch für die Rechtschreibprüfung gibt es neben den obligatorischen amerikanischen Englisch- und HTML-Modulen solche für britisches Englisch, Niederländisch, Italienisch, Spanisch und Deutsch. Auch die Eigenheiten fremder Betriebssysteme berücksichtigt das Windows-Programm: So bietet es als Exportoption die Möglichkeit, die DOS-typischen CR/LF-Zeilen-Begrenzer durch ihre Unix (nur LF) beziehungsweise Mac-Pendants (nur CR) zu ersetzen.

HoTMetaL ist unter den reinen Editoren sicherlich das am weitesten entwickelte Produkt. Qualität hat jedoch auch ihren Preis: HoTMetaL 3.0 schlägt mit 399 DM zu Buche. In Kürze werden die Windows-Versionen auch in Deutschland erhältlich sein. Wer sich unter Windows mit der Arbeitsweise des Produkts vertraut machen will oder wer nicht alle Features der neuen Version benötigt, dem schenkt Softquad (12) den Vorgänger 2.0. Mac- und Unix-User müssen sich mit Release 3.0 noch bis zum dritten Quartal gedulden. Solange gibt es für sie Version 2.0 zum Preis der neuen Version, das Upgrade ist dann kostenlos.

HoTMetal behandelt HTML-Tags auf idiotensichere Weise. Der Anwender kann die Tags nur in Form von kleinen Markern in den Text einfügen. Er hat also gar keine Chance, sich beim Eingeben der HTML-Auszeichner zu vertippen. Auch beim Markieren von Text 'orientiert' sich HoTMetaL an den Tags. Um einen besseren Eindruck von seinem Dokument zu bekommen, kann der Anwender diese jedoch wie Kommentare, Links et cetera ausblenden.

Beachtenswert ist HoTMetaLs Importmöglichkeit für Dokumente diverser Textverarbeitungen (Word, WordPerfect, Ami Pro). Darüber hinaus verfügt der Editor über eine Reihe nützlicher Erweiterungen wie etwa ein Werkzeug zur Bildbearbeitung. Dieses kann Grafiken der verschiedensten Formate öffnen, die es in Katalogen sortiert. Zu den verfügbaren Grafikoperationen gehören Rotationen und Einstellmöglichkeiten für Kontrast, Helligkeit, Gamma-Veränderung et cetera. Zwar verfügt auch HoTMetaL über ein Wörterbuch und einen Thesaurus, leider bisher jedoch nur für die englische Sprache.

Microsofts Web-Publishing-Suite Frontpage beinhaltet einen Server, einen Web-Seiten-Editor und ein Administrationswerkzeug, den Frontpage-Explorer. Dieser zeigt sämtliche Seiten einer Website und die zwischen den Seiten bestehenden Links entweder grafisch oder nach Art eines Inhaltsverzeichnisses an.

Microsoft will mit Frontpage gezielt den Nichtprogrammierer ansprechen. Innerhalb weniger Stunden kommen auch Internet-Neulinge, unterstützt durch eine übersichtliche Bedienoberfläche und ein sehr gutes Tutorial, zu recht ordentlichen Ergebnissen. Auch für wichtige Formen der Interaktion zwischen Client und Website, die nomalerweise CGI-Programmier-Know-how erfordern, gibt es eine einfache Lösung: Fertig programmierte CGI-Skripts, im Microsoft-Jargon 'Web-Bots' genannt, greifen dem Web-Publisher unter die Arme.

Der Frontpage-Editor zum Gestalten einzelner Web-Seiten schirmt den Benutzer vollständig vom produzierten HTML-Code ab. Das hat Vor- und Nachteile: will der Entwickler per Hand eingreifen, muß er die betreffende Seite umständlich mit einem anderen HTML-Editor laden. Frontpage selbst erlaubt nicht das Editieren des Codes. Der mitgelieferte Editor unterstützt neben dem gebräuchlichen typographischen Repertoire unter anderem auch Listen, Tabellen, scrollbare Textboxen, Radio-Buttons, Dropdown-Menüs und einen Push-Button mit den Optionen Submit und Reset. Damit kommt man schon sehr weit. Microsoft verzichtet auf proprietäre HTML-Tags; die entwickelten Seiten stellt beispielsweise auch Netscapes Navigator korrekt dar. Der beiliegende Windows-Server kennt die Benutzergruppen Administrator, Autor und End-User. Für sie können etwas umständlich über IP-Adressen Rechte vergeben werden.

Inzwischen zählt es zum guten Ton, daß Verlage Artikel aus ihren Zeitungen oder Zeitschriften kostenlos im Web verbreiten. Hilfsmittel, welche die oft mühsam und minutiös per Desktop Publishing gestalteten Druckseiten in das Internet-Format HMTL übersetzen, benötigt man aber nicht nur für solche Marketing-Gags. Denn oft ist es sinnvoll, wenn Papier- und Bildschirmmedium nebeneinander existieren - so bei einer Fachzeitschrift wie c't, deren elektronische Ausgabe dank HTML mit praktisch allen Rechnersystemen lesbar ist. Auch Bedienungsanleitungen oder andere Dokumentationen machen in doppelter Ausführung Sinn: als griffiges Nachschlagewerk im Regal ebenso wie per Hypertext strukturiert auf dem Web-Server des Herstellers.

Für die führenden DTP-Systeme XPress, PageMaker und FrameMaker sind inzwischen diverse freie oder kommerzielle Softwarewerkzeuge erhältlich, die layoutete Seiten nach HTML konvertieren - mal besser, mal schlechter. Teilweise werden HTML-Konverter sogar mitgeliefert - so bei PageMaker und FrameMaker. Auch Corel hat für Ventura 6.0 einen solchen Ausgabefilter angekündigt.

Web-Konverter für PageMaker haben damit zu kämpfen, daß PageMaker in erster Linie ein Designwerkzeug für kurze, reich bebilderte Dokumente mit aufwendigen Layouts ist, meist mit Text in mehreren Spalten oder Blöcken - mit HTML-Mitteln nur schwer oder über Tricks zu realisieren.

Im Lieferumfang von PageMaker 6 befindet sich ein Plug-In (im aktuellen Enhancement Pack noch einmal geringfügig erweitert), das PageMaker-Dateien Web-tauglich machen soll. Es leistet dies durch eine einfache Zuordnung der PM-Druckformate in Standard-HTML-Tags. Abgespeichert werden kann diese Zuordnung leider nicht, sie muß daher immer wieder erneut vorgenommen werden. Mehrspaltigkeit, Tabellen oder sogar Frames beherrscht der Konverter nicht. Immerhin setzt er interne Verweise im Dokument in entsprechende HTML-Links um. Auch interne Grafiken werden konvertiert, externe dagegen muß der Anwender nach GIF konvertieren und passend skalieren.

Von Drittanbietern erhält man: Dave (auf AppleScript-Basis, natürlich nur für Mac und nur für PageMaker·5, eher ein Hack, Freeware), WebSucker (ein HyperCard-Stack, ebenfalls nur für Mac, mit einigen schönen Zusatz-Features, Freeware) und PM2html (für Windows, als Freeware und in einer kommerziellen Variante).

Ein wichtiges Kriterium, was die Anpassung an das Web angeht, ist für Konverter aus FrameMaker, wie sie mit den für FrameMaker typischen mehrere hundert Seiten langen Dokumenten umgehen. Aus dem linear strukturierten Buch sollte möglichst vollautomatisch ein Gewebe vieler kleiner 'verzeigerter' HTML-Seiten werden.

Der im Lieferumfang von FrameMaker 5 enthaltene Konverter WebWorks HTML Light wird vom FrameMaker-Marketing zwar immer noch als wesentliches Produktfeature bezeichnet, hat aber schon bislang für mehr Ärger und Spott gesorgt als für brauchbare HTML-Seiten. Das Programm wird nachträglich als Plug-In installiert; es kommt ohne Dokumentation - angesichts des geringen Funktionsumfangs ist diese allerdings auch verzichtbar. Geht es nur darum, ein einfaches Textdokument aus FrameMaker in ein einfaches HTML-Dokument zu übertragen, reicht HTML Light gerade noch aus (man muß dann nur die deutschen 'ß', die der Konverter nicht kennt, nachträglich manuell eintragen). Absatztypen und Zeichentypen aus FrameMaker werden manuell den Tags in HTML zugeordnet; der Konverter produziert daraus ein lineares Dokument und setzt dabei weder FrameMaker-Grafiken noch Tabellen oder Formeln um. Externe Grafikdateien übernimmt er, sofern sie als GIF vorliegen; Querverweise werden zu aktiven Links innerhalb des Dokuments.

HTML Light ist eigentlich nur eine Demoversion für Quadralay WebWorks Publisher. Diese reichhaltig ausgestattete Vollversion läßt kaum mehr Wünsche offen. Das Programm akzeptiert binäre FrameMaker-Dateien als Input, bietet detailliert einstellbare Konvertierungsregeln und generiert schließlich aus großen, linearen Dokumenten ein handliches Gewebe von HTML-Dateien. So lassen sich auch ganze Bücher über das Web zugänglich machen. Grafiken werden konvertiert und skaliert, Tabellen aus FrameMaker werden zu HTML-Tabellen und auch Gleichungen gehen nicht verloren, sondern werden, wie überhaupt alles, was WebWorks Publisher nicht erkennt, nach GIF konvertiert. Daß FrameMaker-interne und auch nach außen zeigende Hyperlinks korrekt umgesetzt und aktiviert werden, versteht sich da schon fast von selbst.

Harlequin WebMaker 2.2, die Mutter aller FrameMaker-Web-Konverter, wurde bis Version 1.4 am CERN entwickelt (frei erhältlich; nur unter Unix) und von dort Mitte 1995 zur weiteren Kommerzialisierung an die Firma Harlequin übergeben, wo sie seit der Version 2 für Unix, Windows und Mac für 99 US-$ zur Verfügung steht. Harlequin hat es geschafft, den Dinosaurier aus Lisp, GhostScript und dem PBM-Paket mit einer grafischen Oberfläche zu zähmen, ohne ihm etwas von seiner höchst umfangreichen Funktionalität zu nehmen. In der Windows-(95-)Version benötigt es allerdings immer noch 18 MByte Platz auf der Platte (vom FTP-Server werden 6648 KByte übertragen) und ist selbst bei 32 MByte Hauptspeicher nicht berauschend schnell.

WebMaker ist durch seine eigene Programmiersprache, die Web Maker Language (WML), höchst flexibel konfigurierbar, durch die mit Version 2.2 neu hinzugekommenen RapidRules aber auch intuitv bedienbar und natürlich auch sonst mit allen wünschenswerten Features ausgestattet (schon das Kommando zum Auslösen der Konvertierung lautet 'Make a Web' statt 'Export HTML'). Es ist das Werkzeug der Wahl, wenn es um anspruchsvolle Web-Konvertierung großer technischer Dokumente oder Bücher geht.

Für Quark XPress, das im Profibereich wohl verbreiteteste DTP-System, sind neben diversen recht simpel ausgestatteten Freeware-HTML-Konvertern auch mehrere kommerzielle Plug-Ins ('XTensions') für Macintosh erhältlich. Vorteil der XTensions: Hotlinks oder Konvertierungseinstellungen sind im Quark-Dokument gespeichert, es läßt sich weiterhin bearbeiten und sogar neu layouten, ohne daß sie verlorengehen.

Die führenden Quark-zu-HTML-XTensions sind BeyondPress 2.0 (1340,- DM; Hersteller: Astrobyte, Vertrieb: Codesco, Oststeinbek) und HexWeb XT 2.0 (1139,- DM; Hersteller: HexMac, Leinfelden-Echterdingen). Von beiden Programmen sind Demoversionen per Internet verfügbar.

Als Tribut an das mit Quark mögliche freie Layout muß der Benutzer bei beiden Programmen zunächst festlegen, in welcher Reihenfolge die Quark-Rahmen (Bilder, Texte, Kästen) in HTML umgesetzt werden sollen - ein vollautomatischer Betrieb ist dadurch unmöglich. Beide Programme erlauben, Quark-Textrahmen samt mitlaufender Bilder in GIF-Bilder zu verwandeln. Auf Kosten der Übertragungszeit lassen sich so typographisch wilde Titelzeilen oder komplexe Tabellen ins Internet bringen. BeyondPress schafft sogar die GIF-Konvertierung beliebiger Rahmengruppen, obendrein stellt es den Text mit Antialias dar. Automatische Kopf- und Fußzeilen beherrschen beide Programme.

Die Stärken von BeyondPress liegen in der Bearbeitung von Bildern (transparente und anklickbare Bereiche definierbar) und in der automatischen Erzeugung von HTML-Tabellen aus den in Quark XPress üblichen Tabulatorkonstruktionen - beherrscht dieses DTP-Programm doch selbst keine Tabellen. Bilder und Textkästen lassen sich in einem durchlaufenden Haupttext verankern. Sprechblasenhilfe und klare Oberfläche erlauben die Bedienung ohne Handbuchstudium.

HexWeb XT erzeugt Texteinzüge und Initialen ('Dropped Capitals') mit Hilfe von GIF-Bildern. Vor dem HTML-Export läßt sich das Quark-Dokument um weitere Bausteine von vorgefertigen HTML-Tags bis hin zu Java-Applets anreichern. Die größte Besonderheit an HexWeb XT ist das mitgelieferte Indexprogramm, das ein HTML-Inhaltsverzeichnis erzeugt. Diese Funktion ist vor allem für im Web archivierte Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften gedacht. In der jüngsten Version erzeugt das Indexprogramm auch Frames.

Das ultimative Tool für die Web-Gestaltung gibt es nicht und wird es voraussichtlich nie geben. Zu unterschiedlich sind die Anforderungen an HTML-Werkzeuge: So ist das Übernehmen bestehender Dokumente, seien es DTP-Dateien oder solche von Standardanwendungen eine zu unterschiedliche Herangehensweise zum originären HTML-Entwurf.

Bei der extrem dynamischen Fortentwicklung unter den Editoren können dabei die in diesem Artikel vorgestellten in zwei Monaten schon überholt sein. Dabei werden künftige Tools sicherlich den Weg beispielsweise von Frontpage gehen und immer mehr Server-Funktionen integrieren. Und sollten sich die Key Player wirklich auf einen gemeinsmen HTML-Standard einigen können, wie es sich jetzt mit HTML 3.2 abzeichnet, so steht auch leistungsfähigen WYSIWYG-Editoren in der Tradition von PageMill nichts im Wege. (jo, se, jl)

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Die oftmals einfachste Herangehensweise, um Dokumente im Web zu publizieren, sind Filter, die Dokumente nach HTML konvertieren. Diese gibt es bereits für so gut wie jeden Dateityp und häufig als Freeware. Adressen gut sortierter Quellen für die verschiedensten Konverter finden Sie im [#k2 Kasten auf S. 191]. Jedoch sollten Sie von diesen einfachen Utilities, die häufig als Quick-and-Dirty-Lösung entstanden sind, nicht zuviel erwarten. Häufig ist es erforderlich, die Ergebnisse von Hand nachzubearbeiten - mehr dazu im nächsten Abschnitt. Und wer sowieso einen HTML-Editor benötigt, sollte sich über dessen Importmöglichkeiten informieren. Einige Produkte beherrschen bereits etliche Fremdformate.

Recht universelle, aber kommerzielle Konverter für Web-Autoren, die mit vielen unterschiedlichen Formaten zu kämpfen haben, sind WebPublisher und HTML Transit. Letzterer konvertiert beispielsweise Dokumente vieler gängiger Textverarbeitungen anhand von einstellbaren Schablonen nach HTML. Beide Werkzeuge kosten 495 US-$, wobei sich beim zweiten 100 US-$ sparen lassen, wenn man die Evaluierungsversion zuerst testet.

Komfortabler als Filter und Konverter sind Add-Ins für die entsprechenden Standardanwendungen. So verschenkt beispielsweise Microsoft derartige 'Internet Assistants' für sämtliche seiner Office-Produkte. Solche Tools haben den Vorteil, daß ihr Anwender mit der gewohnten Standardanwendung Web-Dokumente erstellen kann. Vollwertige HTML-Werkzeuge sind sie jedoch nicht: Sie beherrschen nur eine Teilmenge der heutzutage gängigen HTML-Tags.

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BeyondPress, HexWeb
http://www.astrobyte.com
http://www.hexmac.de

Dave
http://www.bucknell.edu/bucknellian/dave/

HotDog
http://www.sausage.com

HoTMetal
http://www.sq.com

HTML Transit
http://www.infoaccess.com

Internet Assistants
http://www.microsoft.com/IntDev/author/#products

PageMill
http://www.adobe.com

PageSpinner
http://www.webquest.com

PM2html
http://www.w3.org/hypertext/WWW/Tools/PM2html.html

Spider
http://www.incontext.com/products/spider1.html

Webber
http://www.csdcorp.com/prodinfo.htm

WebEdit
http://www.nesbitt.com/products.html

WebMaker
http://www.harlequin.com

Web Media Publisher
http://www.wbmedia.com/publisher

WebPublisher
http://www.skisoft.com

WebSucker
http://www.msystems.com/mcohen/websucker.html

WebWorks Publisher
http://www.quadralay.com

Listen mit Filtern
http://www.w3.org/pub/WWW/Tools/Filters.html
http://www.yahoo.com/Computers_and_Internet/
Internet/World_Wide_Web/HTML_Converters/

HTML-3.2-Standard
http://www.w3.org/pub/WWW/MarkUp/Wilbur/

HTML und Navigator 2.0
http://search.netscape.com/misc/developer/conference/
proceedings/h1/index.html

MS HTML-Referenz
http://www.microsoft.com/ie/author/html30/html_toc.htm

Feature-Vergleich von Carl Davis
http://www.techsmith.com/community/htmlrev/comparetable.html

HTML Writers Guild
http://www.hwg.org

NCSA
http://union.ncsa.uiuc.edu/HyperNews/get/www.html

W3 Consortium
http://www.w3.org/hypertext/

Yahoos Editor-Liste
http://www.yahoo.com/Computers/World_Wide_Web/

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