Selbsthilfe per Funk

Schnell surfen in DSL-freien Zonen

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Knapp zehn Prozent aller Telekom-Kunden können derzeit kein DSL erhalten. Der zwangsweise Breitbandentzug kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Wir haben zusammengestellt, woran der DSL-Ausbau scheitern kann, welche Möglichkeiten in DSL-freien Zonen bestehen und wie schnelle Breitbandzugänge in abgelegenen Dörfern realisiert werden können.

Der Umzug nach Kaiserslautern kostet Telekom-Kunden Frank M. den letzten Nerv: Obwohl er sich extra bei der Telekom erkundigt hatte, ob in der neuen Wohnung tatsächlich T-DSL verfügbar sei, lehnte der Ex-Monopolist seinen Auftrag nach dem Umzug ab. Technisch sei DSL „nicht realisierbar“ hieß es lapidar in dem Schreiben des rosa Riesen. Alles Klagen und Flehen nützte nichts, Frank M. surft nun mit ISDN und flucht über die langsamen Downloads aus dem Internet. Nach mehreren Nachfragen verriet ein Telekom-Mitarbeiter den Grund für die Absage: Frank M. ist per Glasfaser angebunden, daher wird ihm kein DSL angeboten. Ob und wann die Telekom ihr Glasfasernetz dort nach- oder umrüstet, ist unklar.

Am schmerzlichsten trifft die Schmalbandkunden wider Willen die Abrechnung nach Zeit. Der Download des Windows Service Pack 2 beispielsweise dauert mit ISDN rund dreieinhalb Stunden. Bei einem Minutenpreis von einem Cent kommen bereits über zwei Euro zusammen. Wer gerne online spielt oder chattet und pro Tag durchschnittlich zwei Stunden online ist, muss dafür monatlich 36 Euro bezahlen - für diesen Preis gibt es bereits einen DSL-Anschluss mit Flatrate.

Besonders widersinnig ist, dass ausgerechnet Kunden in mit Glasfaser ausgebauten Gebieten trotz der dort eingesetzten modernen Technik auf einen Breitbandanschluss verzichten müssen. Zwar sind dort noch erheblich größere Bandbreiten als bei Kupferkabeln möglich, die Technik ist aber teurer. Derzeit werden zwar einige Glasfasergebiete mit einem Breitbandzugang versorgt, der Ausbau geschieht aufgrund der hohen Kosten jedoch in Trippelschritten und vor allem dort, wo die Nachfrage vergleichsweise hoch ist.

Erschwerend kommt hinzu, dass für das Glasfasernetz verschiedene Techniken zum Einsatz kommen. In den alten Ländern ist das überwiegend ISIS oder HYTAS, in den neuen Ländern hingegen OPAL. Glück im Unglück haben die OPAL-Kunden: Der so genannte Überbau ermöglicht ihnen trotz Glasfaser einen Breitbandanschluss. Für den notwendigen Austausch der Komponenten sieht der Investitionsplan der Telekom allerdings mehrere Jahre vor. Für ISIS und HYTAS hingegen wäre der Überbau noch teurer und damit nicht mehr wirtschaftlich. Die Telekom sucht für diese Systeme derzeit zusammen mit der Industrie noch nach einer Lösung. Welches Glasfaserverfahren in den einzelnen Anschlussbereichen genutzt wird und ob mittel- oder langfristig ein Ausbau geplant ist, ist auch mit viel gutem Zureden nicht in Erfahrung zu bringen.

So wie Frank M. geht es vermutlich einigen hunderttausend DSL-Interessenten: Sie hätten gerne DSL, aber die Telekom bietet keine Anschlüsse an. „Wir stellen DSL nur dann zur Verfügung, wenn das wirtschaftlich vertretbar ist“, erklärt Pressesprecher Walter Genz. Im Klartext: DSL gibt es nur, wenn die Telekom nicht draufzahlt. In einigen Ecken der Republik wird DSL daher noch sehr lange auf sich warten lassen. Einen Versorgungszwang wie etwa bei Telefon oder Strom gibt es im Breitbandbereich nicht, denn dort gibt es kein Monopol.

Der Ausbau geht indes weiter: In diesem Jahr hat die Telekom bislang 300 Anschlussbereiche mit DSL ausgestattet. Auch dort, wo die Telekom kein DSL anbietet, sollte man gegenüber dem Unternehmen sein Interesse bekunden; das erleichtert die Einschätzung seitens des Anbieters, wann sich der Ausbau lohnen könnte.

Die von den Telefongesellschaften eingesetzte DSL-Technik ist zentralisiert und erlaubt es nicht, eine nur geringe Anzahl Kunden kostengünstig anzuschließen: In der Vermittlungsstelle steht der so genannte DSLAM (Digital Subscriber Line Access Multiplexer). Dort laufen alle DSL-Anschlüsse auf. Rund 600 Kunden kann eine moderne Einheit per Kupferkabel mit dem ersehnten DSL versorgen, ältere Versionen haben 500 Anschlüsse. Mit dem Backbone der Telekom ist der DSLAM über eine Glasfaserleitung mit zumeist 155 MBit/s verbunden. Für 500 Einwohner eines Weilers mit eigener Vermittlungsstelle, bei der mit 40 bis 50 DSL-Interessenten zu rechnen ist, lohnt sich dieser Aufwand nicht.

Der so genannte DSLAM versorgt mehrere hundert Telekom-Anschlüsse mit DSL. Die gelben Kabel führen zum Kunden.

Gekniffen sind auch Telekom-Kunden, deren Anschlussleitung nicht die erforderliche Qualität aufweist. Nach einer Faustformel gibt es bis zu einer Leitungslänge von 4,4 km T-DSL mit 768 kBit/s, bis 4,7 km gibt es nur noch T-DSL „light“ mit 384 kBit/s im Down- und 64 kBit/s im Upstream. Ist die Leitung länger oder von schlechterer Qualität, funktioniert der DSL-Anschluss nicht mehr. Den Durchbruch könnten hier Fortschritte in der ADSL-Technik bringen. Mit neuen Übertragungsverfahren lassen sich auch größere Distanzen überbrücken. Allerdings dürfte es eine ganze Weile dauern, bis diese Technik tatsächlich eingesetzt wird. Ob auch ein Aussiedlerhof im Bayerischen Wald davon profitieren wird, ist fraglich.

In DSL-freien Gebieten bleibt zunächst einmal nur der Rückgriff auf den altbewährten Telefonanschluss. Gegenüber einem Modem bringt eine ISDN-Verbindung eine Steigerung des Datendurchsatzes um rund 50 Prozent. Aber auch mit ISDN erreicht man nur einen Bruchteil der Bandbreite eines DSL-Anschlusses. Die mögliche Kanalbündelung verdoppelt zwar die Geschwindigkeit, aber auch die Kosten. Und die Datenkompression beschleunigt zwar das Laden von Webseiten, bringt aber bei komprimierten Informationen wie Grafiken oder Installationsdateien keinerlei Vorteil. Besonders Webinhalte, die immer mehr auf Breitbandanschlüsse abgestimmt sind, sorgen zunehmend für Frust bei den Schmalbandanwendern.

Natürlich haben auch die Telekom-Konkurrenten DSL im Programm. Allerdings bieten sie ihre Leistung nur in den großen Städten an - wo auch die Telekom DSL parat hat. Und vor der Glasfaser kapitulieren auch Konkurrenten wie Arcor oder Hansenet. Einzige Ausnahme ist EWE-Tel: Das Unternehmen bietet in einigen Ortsnetzen im nördlichen Niedersachsen und dem westlichen Brandenburg DSL-Anschlüsse in Ortsnetzen an, in denen die Telekom nur mit Schmalbandangeboten vertreten ist.

Auch Zugänge übers TV-Kabelnetz, beispielsweise in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und in einigen Städten in Sachsen, stehen in der Regel in direkter Konkurrenz zu T-DSL. Doch wo T-DSL nicht verfügbar ist, gibt es meist auch kein Kabelangebot. Dabei ist der Zugang per Kabel sehr leistungsfähig und steht gegenüber einem DSL-Anschluss kaum zurück.

Noch dünner sieht die Abdeckung bei Powerline aus: Nur in wenigen Städten ist die Technik verfügbar, am umfangreichsten ist deren Ausbau im badischen Mannheim. Von der Qualität und Leistung her kann sie allerdings nicht mit DSL mithalten. Auch Powerline wird nur dort angeboten, wo es ohnehin bereits DSL gibt und scheidet damit in DSL-freien Zonen als Alternative aus.

Der einzige flächendeckend funktionierende schnelle Zugang läuft über Satelliten: Der lässt sich fast überall nutzen, außer in engen Tälern, deren Wände das Funksignal aus südlichen Richtungen abschatten. Allerdings sind die Nutzungskosten recht hoch: Eine große Datei per ISDN herunterzuladen ist billiger, als sie über den Satelliten zu beziehen. Nur wo Zeit Geld ist, lohnt sich also der Einsatz der teuren Satellitenstrecke.

Außerdem ist die Satellitenanbindung nicht für jeden Anwendungszweck gleichermaßen zu gebrauchen. Online-Spieler können damit gar nichts anfangen - die Signale sind einfach zu lange zwischen der Erde und dem Satelliten in rund 40 000 km Entfernung unterwegs. Lediglich große Downloads werden durch die Satellitenstrecke beschleunigt, das Laden von Webseiten oder der Empfang von E-Mails hingegen nicht oder nur wenig.

Wenn das Telefonkabel nicht nutzbar ist, kein Kabelanschluss ins Haus führt und die Stromleitung Strom, aber keine Daten transportiert, bleibt nur der Weg über eine Funkstrecke. Der erste Anlauf des Regulierers jedoch scheiterte am mangelnden Engagement der Telekommunikationsfirmen: Um den Wettbewerb zu fördern, reservierte die Regulierungsbehörde große Frequenzbereiche, die den Hausanschluss per Funktechnik erlauben sollten. Zwischen 1998 und 2000 vergab die Regulierungsbehörde Lizenzen für 250 Versorgungsbereiche. Die aber verschwanden bei den bietenden Unternehmen in der Schublade - lediglich in Stuttgart bietet Airdata Breitbandanschlüsse per Funk an. Das Unternehmen will zwar expandieren, aber zunächst in Großstädten, wo sich mit geringem Aufwand viele Kunden erreichen lassen. Auch bei dieser Technik bleibt die Landbevölkerung wieder einmal auf absehbare Zeit außen vor.

Eine Funklösung für kleinere Gemeinden ist seit September 2002 im nordhessischen, 300 Einwohner zählenden Städtchen Wichte im Einsatz. Dort hatte es Heinz Kamper satt, von der Telekom in puncto T-DSL-Anschluss hingehalten zu werden. Der Funkamateur ersann gemeinsam mit seinem Sohn Uwe eine Lösung, die sein Haus per Richtfunk mit einem Haus im benachbarten Morschen verbindet, das mit DSL versorgt war und als Übergabepunkt ins Internet dienen sollte. Da zwischen dem Kamperschen Anwesen und dem Übergabepunkt kein Sichtkontakt bestand - Grundvoraussetzung für eine Richtfunkstrecke - mussten die Daten einen Umweg über das Pfarrhaus in Wichte nehmen, das von beiden Gebäuden aus einsehbar war.

Nachdem sie ihren eigenen Haushalt mit einem schnellen Internetzugang versehen hatten, begannen die Kampers nach und nach, ihre Mitbürger von den Vorzügen der Funktechnik zu überzeugen. Praktischerweise haben fast alle Häuser in Wichte einen Sichtkontakt zum zentral und erhöht stehenden Pfarrhaus.

Anfangs machte nur eine kleine Schar „early Adopters“ mit, doch nach und nach sprachen sich die Vorteile der neuen Technik herum, und auch der Bürgermeister zog mit. Die Gemeinde organisierte sich in einem Verein. Mittlerweile sind 37 Teilnehmer und geschätzte 80 Computer am Bürgernetz Wichte angeschlossen und sorgen für zirka 50 GByte Transfervolumen im Monat. Zu den Teilnehmern zählen neben dem Rathaus auch ein Schulungszentrum. Engpässe gibt es laut Heinz Kamper kaum, obwohl ein einziger Highspeed-DSL-Zugang in Morschen den gesamten Traffic bewältigt. Jeder Nutzer kann sich durch eine Statistik auf der Homepage des Projekts die Übertragungsraten des letzten Tages einsehen.

Nachdem sich der Erfolg des Wichter Netzes abzeichnete und auch Anfragen aus anderen Gemeinden kamen, beschlossen die Kampers, ihr Netz kommerziell unter dem Namen „Bürgernetz“ zu vermarkten. Dazu haben sie die Informationstechnologie für Menschen GmbH (ITfM) gegründet. In sieben Orten arbeitet ITfM bereits am Aufbau ähnlicher Netze.

Für die Verteilpunkte sind nicht zwangsläufig Gebäude erforderlich. ITfM experimentiert auch mit frei stehenden Masten.

Das Bürgernetz kann überall zum Einsatz kommen, wo sich mindestens zehn Teilnehmer für den Einsatz interessieren. Der Übergabepunkt zum Internet muss in Sichtweite und nicht mehr als 12 km entfernt liegen. Der Verteilpunkt wiederum muss in Sichtverbindung zu allen Teilnehmern liegen, also zum Beispiel auf dem Dach eines Hauses.

Die ITfM-Antenne misst nur zehn Zentimeter im Durchmesser. Sie lässt sich, wie hier beim Übergabepunkt in Morschen, oft auf bereits vorhandene Antennenhalterungen mitmontieren.

ITfM stellt die gesamte erforderliche Hardware. Als Server beim Übergabepunkt agiert ein selbst entwickeltes Debian-Linux-System. Die Hardware kann bei -20°C bis +60°C betrieben werden, benötigt aber einen trockenen Standort. Trotz der großen Temperaturschwankungen ist also ein Dachboden als Aufstellort durchaus geeignet. Als Client-Betriebssystem können Windows XP, 2000 oder Linux oder Mac OS X 10.3 zum Einsatz kommen. Die Hardware für den Internetempfang, eine Linksys-Bridge sowie die Antenne, wird direkt an die Netzwerkkarte des PC angeschlossen. Die Antenne, eine Eigenentwicklung, sieht aus wie ein Eishockey-Puck und misst knapp 10 cm im Durchmesser. Sie lässt sich oft auf bereits vorhandene Antennenhalterungen montieren. Bei der Außenmontage von Antennen in Eigenregie sollte man sich aber fachmännischen Rat bezüglich des eventuell notwendigen Blitzschutzes einholen. Von einem zusätzlichen drahtlosen Netz im Hause rät ITfM ihren Kunden dringend ab. Ein WLAN-Access Point oder -Router würde den Empfang stören. ITfM empfiehlt daher Verkabelung.

Um sich vor unerwünschten Mitsurfern zu schützen, setzt das Bürgernetz auf 128-Bit-verschlüsselte VPN-Zugänge statt der in der Vergangenheit immer wieder als unsicher aufgefallenen WEP-WLAN-Verschlüsselung. Da der Server als Firewall agiert, sind Benutzer vor Wurmattacken weitgehend geschützt. Die Network Address Translation findet auf dem Server statt; die Adressen des (Class-C-)Bürgernetzes sind auf diese Weise nach außen nicht bekannt. Innerhalb des Bürgernetzes kennen sich die PCs dagegen und können beispielsweise direkt Dokumente austauschen. Mitunter führt die Offenheit auch schon mal dazu, dass Teilnehmer versehentlich auf dem für das Netzwerk freigegebenen Drucker des Nachbarn drucken.

Die Sicherheit hat auch ihren Preis. So funktionieren zum Beispiel einige Filesharing-Programme und Online-Spiele im Bürgernetz nicht. Bei Ping-Raten von 70 bis 120 Millisekunden kommen Hardcore-Gamer ohnehin nicht auf ihre Kosten. Traffic Management auf dem Server sorgt dafür, dass einzelne Downloads oder Dateitauscher nicht die Bandbreite des gesamten Bürgernetzes belegen können. ITfM drosselt zwar nicht einzelne Ports; im Konkurrenzfall erhalten zum Beispiel http-Requests aber eine höhere Priorität als Tauschbörsen.

ITfM stellt seinen Internetzugang nur als Flatrate bereit. Für vierzig Euro im Monat kann der Kunde so viel surfen, wie er will; als Anschlussgebühr kassiert ITfM einmalig 99 Euro - vom Preis her entspricht das ungefähr einer T-DSL-Flatrate.

Rechtliche Probleme sehen die Kampers nicht mehr, seit eine EU-Richtlinie das Lizenzierungsverfahren für Funkstrecken gestrichen hat. Seither kann jedermann ohne bürokratischen Overhead Richtfunkstrecken in den WLAN-Frequenzbereichen betreiben. Ein Messteam der RegTP hat sich vor Ort davon überzeugt, dass das Bürgernetz in Wichte allen Richtlinien entspricht und die Anlagen die erlaubte Grenze für die effektive Strahlungsleistung von 100 mW nicht überschreiten.

Wo die Telekom kein DSL bereitstellt, können Richtfunkstrecken die Breitbandanbindungen übernehmen.

So hat ITfM vor allem mit einem Problem zu kämpfen: Anfragen aus mehr als 300 Orten, zum Teil aus Österreich und Norwegen, wollen bearbeitet werden. Um möglichst schnell auf die enorme Nachfrage reagieren zu können, soll das Unternehmen wachsen. Bisher hat es nur einen weiteren Mitarbeiter eingestellt. Die Kampers verhandeln derzeit mit Geldgebern und planen, den Firmensitz aus dem heimischen Wohnzimmer ins derzeit leer stehende Pfarrhaus zu verlegen, die Keimzelle des ersten Bürgernetzes.

Inzwischen können die Einwohner von Wichte auch T-DSL bekommen - die Teilnehmer des Bürgernetzes ficht das nicht an. Sie sind bislang alle bei der Stange geblieben und nutzen weiterhin das Funknetz statt des Telekom-Kabels.

Der Ausbau der schnellen Zugänge kommt nur noch schleppend voran. Seit dem Erreichen der 90-Prozent-Marke versorgt die Telekom nur wenige zusätzliche Gebiete pro Jahr. Wer im Moment noch kein DSL erhält, muss sich auf eine längere Wartezeit gefasst machen und weiterhin erhöhte Gebühren für mindere Leistung entrichten. Auch Meldungen über neue Zugangstechniken machen wenig Hoffnung. Für die Global Player sind kleine, abgeschiedene Weiler kein Zukunftsmarkt.

Lediglich in den Glasfasergebieten darf man etwas Hoffnung hegen - allerdings wird es noch lange dauern, bis DSL-Anschlüsse dort genauso üblich sind wie im kupferverkabelten Rest der Republik. Wer den Vorgang beschleunigen will, sollte sich bei der Interessenten-Datenbank für T-DSL bei der Telekom registrieren lassen (Tel. 08 00/3 30 10 00). Denn je größer das Interesse an T-DSL wird, desto eher werden die letzten weißen Flecken von der Ausbaukarte verschwinden.

Die Telekom macht sich wenig Gedanken um die Schmalbandkundschaft - Konkurrenz hat sie dort ja nicht zu befürchten. Ihre Tätigkeit beschränkt sich auf standardisierte Produkte, mit denen sich leichter Geld verdienen lässt als mit maßgeschneiderten Lösungen für abgelegene Ortsteile oder gar einzelne Kunden. Dabei könnte man in Problemzonen die DSL-Übertragung mit recht geringem Aufwand durch eine ISDN-Standleitung ersetzen, die immerhin 64 oder 128 kBit/s im Up- und Downstream ermöglichen würde. Statt über die Telefonvermittlungsstelle könnte man die Daten wie bei DSL zum nächstgelegenen Breitband-PoP leiten, was für Entlastung im recht knapp dimensionierten Telefonnetz sorgen würde. Das wäre technisch ohne weiteres flächendeckend machbar und würde den Betroffenen die Wahl günstigerer Online-Tarife ermöglichen. Für die Telekom sind solche Ansätze zur Lösung des Breitbanddilemmas aber offenbar uninteressant - dabei sind immerhin rund 4 Millionen Telefonanschlüsse derzeit nicht DSL-fähig.

Selbsthilfe wie im Modell Wichte ist der einzige Weg, sich auch ohne Zutun der Telekom einen Breitbandanschluss zu beschaffen. Wer das Glück hat, T-DSL-versorgte Häuser in Sichtweite zu haben, kann das auch auf eigene Faust versuchen. Mit WLAN-Geräten und Außenantennen lässt sich das Modell Wichte mit ein wenig Fachkenntnis und handwerklichem Geschick für den Hausgebrauch kopieren - sofern sich ein Hausbesitzer findet, der bereit ist, die erforderlichen Geräte an und in seinem Haus zu dulden und einen DSL-Anschluss anzumelden. Wie man einen Internetzugriff per WLAN einrichtet, ohne den Zugang zum eigenen Rechner auf dem silbernen Tablett zu präsentieren, lesen Sie ab Seite 116, c't 21/04. (uma)

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