Shop in the box

Komplettlösungen für Online-Shops von iCat, Intershop und Microsoft

Test & Kaufberatung | Test

Die Möglichkeit, über das Internet neue Märkte zu erschließen, weckt bei so manchem Marketingstrategen Begehrlichkeiten. Doch Electronic Commerce ist noch Neuland, auf dem zwar fleißig Probebohrungen stattfinden, wo aber noch kaum zuverlässige Geldquellen sprudeln. Entsprechend geizig wird agiert: häufig fehlen die Mittel für umfangreiche Eigenentwicklungen. Komplettlösungen sollen hier Abhilfe schaffen: auspacken, installieren, verkaufen. Doch wie sieht es mit individuellen Erweiterungen aus?

Erkundigt man sich beim Hersteller eines Shop-Systems nach den Grenzen seiner Software, so darf man keine Bescheidenheit erwarten: Selbstverständlich ist sein System allen Anforderungen gewachsen. Moniert man dann doch eine Schwachstelle, wird auf die vielfältigen Erweiterungsmöglichkeiten über Programmierschnittstellen hingewiesen. Im Prinzip läßt sich so sicherlich jede erdenkliche Funktion implementieren. Je mehr Anforderungen jedoch durch Standardfunktionalität abgedeckt sind, desto geringer fällt die kostspielige Entwicklung zusätzlicher Software aus.

Daher legt dieser Test besonderen Wert auf den Umfang der gebotenen Standardfunktionen und deren Dokumentation, möglichst in Form von praktischen Beispielen (Demo-Shops). Angesichts der Komplexität und vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von Shopsystemen wurde auf eine Gesamtbewertung verzichtet. Die im Text und den Tabellen enthaltenen Informationen erlauben es, die spezifischen Stärken und Schwächen der Produkte im Hinblick auf die geplante Anwendung zu vergleichen.

Aufgrund der durch das Internet vorgegebenen technischen Randbedingungen unterscheiden sich die verfügbaren Shopsysteme vom Funktionsprinzip her nur geringfügig. Um Web-Anwendungen wie das Online-Shopping zu ermöglichen bedarf es einer Anwendungslogik, die Kundeneingaben auswerten und flexibel darauf reagieren kann. Die CGI-Schnittstelle und ihr ähnliche, auf mehr Leistung getrimmte Technologien ermöglichen es analog einer ereignisorientierten Benutzeroberfläche in Abhängigkeit von den Aktionen des Kunden am Browser auf dem Webserver aufgabenspezifische Skripte aufzurufen. In einem solchen Skript ist festgelegt, wie sich die Browseroberfläche beispielsweise auf einen Mausklick hin verändert. Darüber hinaus dienen die Skripte als Schaltstelle für den Aufruf komplexerer Programmteile, deren Gesamtheit oft als Framework beziehungsweise Busineßobjekte bezeichnet wird.

Aufbau der Shop-Systeme
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Der grundlegende Aufbau der Shop-Systeme ist nahezu identisch: Der Zugang erfolgt über den Web-Server. Dieser liefert HTML-Seiten, in die online Daten aus einer Datenbank eingefügt werden. So lassen sich nach festgelegten Regeln beispielsweise individuelle Angebote für bestimmte Kunden generieren (Vollgrafik 46 KByte).

Im Vergleich zu herkömmlichen Vertriebswegen bietet das Internet ungleich vielfältigere Möglichkeiten, die Wirkungsweise und den Erfolg von Verkaufsmaßnahmen zu analysieren. Deshalb gehören zu einem vollständigen System auch das Aufzeichnen und Errechnen von Statistiken und Kennwerten, die helfen, das Einkaufsverhalten der Kunden zu dokumentieren. Wenn eine Aktion nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, so hilft ein vielseitiges Shop-System zumindest, es beim nächsten Mal besser zu machen.

Im Preissegment der getesteten Shop-Systeme steht die Entwicklung der Fähigkeiten zum individualisierten Marketing [#LIT1 [1]], also dem Eingehen auf die individuellen Bedürfnisse und Anforderungen des einzelnen Kunden, noch am Anfang. Wer momentan mehr erwartet, muß sich an Anbieter aus dem 'High-end' des Electronic Commerce halten (zum Beispiel das 'One-To-One' System des Anbieters Broadvision) oder die Produkte auf eigene Faust erweitern.

Um die gleichen Voraussetzungen zu schaffen, wurde für den Test eine einheitliche Hardware- und Betriebssystemplattform (Windows NT) eingesetzt. Die Empfehlungen der Softwarehersteller für den Hardwareausbau wurden eingehalten beziehungsweise überschritten: Zur Verfügung standen drei Pentium Pro Server mit 200 MHz, 128 MByte Arbeitsspeicher und einer schnellen 4-GByte-Festplatte mit Wide-SCSI-Interface. Um bei der Überprüfung der zahllosen Vergleichsparameter schnell zwischen den Systemen wechseln zu können, wurden die drei Server über einen einzigen Arbeitsplatz (Monitor, Keyboard und Maus) bedient, der über einen CPU-Switch (Dakota ServeView) mit den Rechnern verbunden war.

Die Installation der drei Shopsysteme erfolgte nach den Angaben der Hersteller, und zwar in der Standardkonfiguration unter Verwendung des empfohlenen beziehungsweise mitgelieferten Datenbanksystems. Getestet wurden die jeweils im Handel befindlichen Software-Releases, also keine Beta-Versionen, ergänzt um die im Web erhältlichen Patches. Da es von zwei der drei Produkte ohnehin noch keine eingedeutschten Versionen gab, wurden die englischen Versionen getestet.

Sofern man die Variante 'Typical' wählt, geht die Installation eines iCat Shop-Systems in knapp zehn Minuten reibungslos vonstatten. Nachdem man sich darauf eingestellt hat, daß im Produkt eine Runtime-Kopie von 'SQL Anywhere' (das ehemalige Watcom-SQL) enthalten ist, erscheint eine Mitteilung, daß der 'ACIUS 4D Server' gestartet sein muß, um den Multi-User-Betrieb des Data Entry Manager zu gewährleisten. Nach kurzer Verwirrung stellt sich heraus, daß die beiden wesentlichen Anwendungen der Electronic Commerce Suite auf zwei völlig unterschiedlichen Datenbankservern aufsetzen.

Zwei separate Server sind erforderlich, da die Version 3.0 der Commerce Suite als einziges Produkt im Test ein Verfahren unterstützt, das im Bereich des Electronic Commerce allgemein als 'Staging' bezeichnet wird. Hierdurch wird es möglich, vor der 'Uraufführung' des Shops in der Öffentlichkeit eine 'Generalprobe' vor ausgewähltem Publikum durchzuführen. Dies gilt natürlich nicht nur für die erstmalige Inbetriebnahme, sondern auch für alle später anfallenden Änderungen am Shop.

iCat Electronic Commerce Suite 3.0 wird mit drei Handbüchern und einer CD-ROM geliefert. Zwei der Handbücher beschreiben die zum Betrieb erforderlichen Werkzeuge, Data Entry Manager und Commerce Publisher. Das dritte beschreibt die zum System gehörende, an SQL angelehnte hauseigene Skriptsprache mit der Bezeichnung 'ICL' (Abkürzung für iCat CARBO Command Language). Das erste Kapitel ist mit 'Einführung' betitelt. Es endet jedoch nach zwei Seiten mit einer Auflistung der Unterschiede zur Vorgängerversion, worauf ein 160 Seiten umfassender Sprachreferenzteil folgt. Wer sich mit der ICL-Sprache befaßt, um das System zu erweitern, wird auch nicht darum herumkommen, sich den Aufbau der iCat Datenbank anzusehen. Dieser ist im Anhang ausführlich dokumentiert. Eine grafische Übersicht, aus der hervorgeht, wie die Tabellen zusammenhängen, wurde allerdings vergessen.

Als einziges der getesteten Produkte beinhaltet das iCat-System eine interaktive Einführung am Bildschirm. Hat man diese erst einmal auf der CD-ROM im unscheinbaren Verzeichnis '\ICATU' entdeckt (in den Handbüchern findet sich kein Hinweis darauf), erweist sie sich für den Einstieg als durchaus nützlich. Der Inhalt beschränkt sich zwar auf den iCat Data Entry Manager, es werden dabei jedoch einige Grundkonzepte des Systems vermittelt.

Andererseits können letztere den Vorteil der Orts- und Plattformunabhängigkeit für sich beanspruchen. Aus diesem Grund hat iCat einen Teil der Fähigkeiten des DEM auch in das zweite Tool der Commerce Suite integriert, den Commerce Publisher, welcher sich mit einer HTML-Oberfläche präsentiert. Commerce Publisher ist die Anwendung, mit der die täglichen Aufgaben aus dem kaufmännischen Bereich erledigt werden.

Die Möglichkeit, dem Data Entry Manager eine intuitiv bedienbare Benutzeroberfläche zu geben, hat iCat leider nicht genutzt. Die Anordnung und der Aufbau der Menüs und Dialogboxen entspricht an zahlreichen Stellen nicht den unter Windows üblichen Konventionen, was die Einarbeitung erschwert. Offensichtlich wurde der DEM mit Hilfe eines plattformunabhängigen Programmgenerators erstellt, den früher die Firma ACI vertrieben hat.

Daß beim Start des Data Entry Manager gleichzeitig eine Art Mini-Webserver seinen Betrieb aufnimmt und sich beharrlich weigert, sein Statusfenster per Tastendruck schließen zu lassen, verwundert anfangs. Es stellt sich heraus, daß sich das Fenster ausschließlich per Mausklick schließen läßt (nur eine von zahlreichen Kapriolen, die sich die Benutzeroberfläche des DEM leistet). Interessanter ist, daß der lokale Webserver für die Kommunikation mit dem HTML-basierten iCat Commerce Publisher zwingend erforderlich ist. Insgesamt entsteht der Eindruck eines bunt zusammengewürfelten Systems. Hat man aber erst einmal den benötigten Datenbestand in das System gebracht, lassen sich die täglichen Aufgaben der Shopverwaltung mit dem Commerce Publisher gut bewältigen.

Im Bereich Analysen und Auswertungen fällt die Möglichkeit positiv auf, eine vollständige Liste aller Produkte beziehungsweise Warengruppen sortiert nach der Anzahl der 'Hits' auszugeben, um so beispielsweise festzustellen, daß ein Produkt möglicherweise zu teuer angeboten wird, weil es zwar häufig angeklickt, aber selten gekauft wird.

Die Möglichkeiten der Anpassung an die lokalen Landeskonventionen halten sich in der vorliegenden Version in Grenzen. Immerhin kann das Währungssymbol als Präfix oder Suffix definiert werden und die Formatierung von numerischen Werten geändert werden. Hier zeigt sich, daß iCat im internationalen Markt noch relativ neu ist.

Angesichts des Sprachumfangs der integrierten ICL-Sprache steht einer Anbindung an ein im Betrieb vorhandenes Warenwirtschaftssystem nichts im Wege. Diesbezüglich enthält die Dokumentation jedoch keine konzeptionellen Hinweise, so daß man in diesem Fall auf die Beratung durch eines der Systemhäuser zurückgreifen muß, die mit iCat zusammenarbeiten.

Bezogen auf die Installationsprozedur macht Intershop einen guten Eindruck. Dies gilt jedenfalls für die am häufigsten eingesetzten Konfigurationen, das heißt, der mitgelieferten Spry-Webserver-Evaluationsversion beziehungsweise den Webservern von Netscape und Microsoft. Ungewöhnlich reibungslos verläuft die Installation der ebenfalls im Lieferumfang enthaltenen Lizenzversion des Sybase System 11 Datenbankservers. Hier hat man bei Intershop ganze Arbeit geleistet. Sämtliche Parameter, die sich automatisch ermitteln lassen (z. B. IP-Adresse des Systems oder Typ eines eventuell bereits auf dem Rechner installierten Webservers) werden vom System erkannt. Es ist allerdings zu vermuten, daß dies auf einem System mit bereits installierter Serversoftware anderer Hersteller nicht immer so perfekt funktioniert. Im Handbuch wird ausdrücklich nahegelegt, die Installation auf einem neu eingerichteten NT-Server vorzunehmen, eine Empfehlung, die auch bei den anderen Produkten im Test viel Ärger ersparen kann.

Als Online-Einführung in den Aufbau eines (Inter-)Shops dient einer der drei mitgelieferten Demo-Shops mit der Bezeichnung 'StartAStore'. Sowohl der HTML-Quelltext als auch die für den Kunden sichtbaren Ausgaben sind mit Kommentaren versehen worden, die den Einstieg erleichtern.

Da Intershop Online (im Gegensatz zur ebenfalls erhältlichen 'Mall'-Version für Internet Service Provider) das gleichzeitige Betreiben mehrerer Shops nicht erlaubt, muß man zum Aufbau eines eigenen Shops zunächst den Inhalt des Demo-Shops löschen. Anschließend verfügt man über einen leeren Laden ohne Produkte und ohne Eintrag in der Kundendatenbank, jedoch mit der gesamten Funktionalität, welche auch in den Demo-Shops vorgeführt wird.

Bei der anschließenden Neueinrichtung des eigenen Shops und der gleichzeitigen Einarbeitung in das System wäre es hilfreich, den StartAStore oder einen anderen der mitgelieferten Demo-Stores weiter zur Hand zu haben. Auf Anfrage teilte Intershop Communications mit, daß Kunden auf Wunsch einen zweiten Lizenzschlüssel erhalten können. Eine Alternative wäre es, die Multi-Shop-Fähigkeit der Mall-Version unter entsprechenden Auflagen auf die Intershop-Online-Version zu übertragen.

Beim Import eventuell vorhandener Produkt- oder Kundendatenbanken hilft eine 'Import-Assistant' genannte Anwendung, die Daten in verschiedenen Textformaten einlesen kann. Je nach eigener Erfahrung mit Datenbankwerkzeugen (z. B. Microsoft Access) kann man Import- und Exportaufgaben auch über eine ODBC-Verbindung zum Datenbankserver bewältigen, was im Handbuch ebenfalls dokumentiert ist.

Sämtliche Template-Seiten werden bei Intershop in der Sybase-Datenbank abgelegt. Will man einen intelligenten HTML-Editor zur Bearbeitung einsetzen, so muß man zunächst die gewünschten Templates exportieren und anschließend wieder importieren, ein auf die Dauer doch sehr umständliches Verfahren.

Der Aufbau der Menüstruktur ist im großen und ganzen praxisgerecht; häufig benutzte Funktionen lassen sich leicht erreichen. Bei seltener benötigten Funktionen ist es nicht immer ganz einfach, den gewünschten Menü-Eintrag zu finden. Hat man etwa vergessen, wie die Prüfung der Kreditlinie für Kunden aktiviert werden kann, so bleibt nur der Umweg über das Handbuch, welches zum Glück auch als Dateiversion (Adobe PDF-Format) mitgeliefert wird. Ein Hilfesystem mit einem praxisorientierten Stichwortverzeichnis würde allerdings wesentlich schneller zum Ziel führen, denn die Wortsuche mit dem Adobe-Reader erweist sich als recht zeitaufwendig (14 Sekunden für 370 Handbuchseiten).

Wie bei den Produkten der Konkurrenz, die ebenfalls Werkzeuge zur Shopadministration mit HTML-Oberfläche beinhalten, muß man bei der Bedienung ein wenig Geduld mitbringen. Zur Definition einer hierarchischen Katalogstruktur ist die Leistung noch ausreichend. Vom Vorhaben, eine Liste von hundert Produkten auf diesem Weg einzugeben, sollte man jedoch gleich Abstand nehmen und die Daten statt dessen mit einem Tabellenkalkulationsprogramm oder einer Datenbankanwendung erfassen, um sie anschließend mit Hilfe des Import-Assistenten einzulesen.

Die Festlegung von Intershop auf den Sybase Datenbankserver macht es möglich, daß auch die wichtigen Funktionen der Datenbankverwaltung (z. B. Statusanzeige oder Backup) in der Oberfläche integriert sind und nicht, wie bei den anderen Systemen, über separate Tools erfolgen muß.

Bezüglich der interaktiven Definition von Rabatten, Sonderangeboten oder auch der Mehrwertsteuerermittlung liegt Intershop in etwa gleichauf mit iCat, wobei in Einzelfällen der eine oder der andere Testteilnehmer die bessere Leistung bietet.

In der aktuellen Intershop Release 2.0 zeigen sich bereits die ersten Ansätze zur interaktiven Konfiguration von Profiling. Mit der jetzigen Implementation ist es bereits möglich, den Umfang des Produktpalette, die dem Kunden angeboten wird, individuell zu beschränken. So können zum Beispiel ausschließlich Waren aufgeführt werden, die den persönlichen Anforderungen des Kunden entsprechen. Um im Falle einer Kaufabsicht (Produkt wurde in den Einkaufswagen gelegt) unter Zuhilfenahme des Kundenprofils ein ergänzendes Produkt vorzuschlagen, ist noch die eine oder andere Zeile Code vonnöten. Ein Marketingmitarbeiter, der Angebote dieser Art definieren will, ist also noch auf die Hilfe des Administrators angewiesen.

Da die Firma Intershop ursprünglich in Deutschland beheimatet ist (wenn auch der Hauptsitz mittlerweile in die USA verlegt wurde), verwundert es nicht weiter, daß sich die Darstellung von Parametern wie Währung, Datum oder Gewicht entsprechend den hiesigen Gepflogenheiten einstellen läßt. Besonders hervorzuheben ist die Möglichkeit, den Kunden beim Eintritt in den Shop wählen zu lassen, in welcher Sprache er kommunizieren möchte. Erreicht wird dies durch Vorhalten von lokalisierten Kopien der Templates. Je nach Sprachauswahl des Kunden greift Intershop auf die entsprechenden Templates zu.

Für denjenigen, der sein Geschäft neu aufbaut beziehungsweise noch keine eigene, kaufmännische EDV eingeführt hat, stellt die integrierte Warenwirtschaft einen großen Vorteil gegenüber anderen Systemen dar. Auch wer einen Online Shop zunächst als eigenverantwortliche Abteilung im Betrieb aufbaut, kann sie eventuell nutzen. Intershop arbeitet aber auch mit vorhandenen, innerbetrieblichen EDV-Systemen zusammen. Die dafür vorgesehenen Schnittstellen sind jedoch in der vorliegenden Version nicht dokumentiert, so daß man sich in diesem Fall an die hauseigene Consulting-Abteilung oder an einen der Intershop-Partner im deutschsprachigen Raum wenden muß.

Im Gegensatz zu Microsoft Merchant Server wird Commerce Server nicht mehr als eigenständiges Produkt verkauft, sondern ist zum Bestandteil des Microsoft Site Server geworden. Dennoch ist es möglich, Commerce Server ohne die restlichen, äußerst umfangreichen Bestandteile des Site-Server zu installieren und zu betreiben. Die in der Installationsanweisung vorgegebenen Anweisungen sind jedoch genauestens einzuhalten. Dies liegt zum Teil daran, daß Commerce Server auf relativ neuer Microsoft-Technologie wie 'Active Server Pages' und 'Active Data Objects' aufsetzt. Hat man nichts übersehen und auch die neuesten Service Packs für Windows NT und Microsoft SQL Server aufgespielt, so hat man nach etwa 40 Minuten ein E-Commerce-System mit vier parallel lauffähigen Demo-Shops vor sich.

Die vier mitgelieferten Demo-Shops sind detailliert dokumentiert, was allerdings nicht bedeutet, daß deren Funktionsweise ohne weiteres zu verstehen wäre. Im Gegenteil: Das Framework des Commerce Server setzt auf einer niedrigeren Abstraktionsebene auf als die Systeme von iCat und Intershop. Basierend auf den Erfahrungen von eShop hat Microsoft eine universelle Programmierumgebung für Electronic Commerce geschaffen, die jede nur erdenkliche Forderung erfüllen kann.

Die Dokumentation der aus spezialisierten ActiveX-Komponenten bestehenden Laufzeitumgebung ist umfassend, wird allerdings ausschließlich in Dateiform geliefert (sowohl eine HTML als auch eine MS Word Version stehen zur Verfügung). Die insgesamt 17 Word-Dateien umfassen zusammen immerhin 470 Seiten Text und dies, ohne die Dokumentation des zugehörigen Software-Developer-Kit mitzurechnen.

Etwas ungewöhnlich im Vergleich zu den anderen betrachteten Systemen ist der Umstand, daß Commerce Server keine zentrale Anwendung zur System- und Busineßadministration bereitstellt. Statt dessen wird bei jeder Erzeugung eines Shops zusätzlich ein 'Store Manager' genanntes Werkzeug erzeugt, der in seiner Funktionsvielfalt nicht an die Administrationstools von iCat und Intershop heranreicht. Bei näherer Betrachtung handelt es sich beim Store Manager (der im übrigens ebenfalls auf Active Server Pages basiert) eher um ein Beispiel für den Shop-Entwickler, als um ein ausgereiftes Werkzeug für den Praxiseinsatz.

Als einziges der getesteten Produkte beinhaltet Commerce Server eine Anwendung zur grafischen Anpassung und Dokumentation des Einkaufsvorgangs. Genauer gesagt handelt es sich um denjenigen Teil des Einkaufsvorgangs, in dem die Transaktionen ablaufen, welche letztlich zu einem abgeschlossenen Kauf führen. Dieser Teil wird in der Microsoft-Dokumentation als 'Order Processing Pipeline' bezeichnet, daher auch die Bezeichnung 'Pipeline Editor'. Im Pipeline Editor werden die Stationen des Einkaufsvorgangs durch Puzzleteile dargestellt, in die sich benötigte ActiveX-Komponenten einklinken lassen.

Leider ist die Sache nicht ganz so einfach wie es zunächst aussieht. Da die mitgelieferten Komponenten der Order Processing Pipeline zum großen Teil Beispielcharakter haben (z. B. diejenigen zur Berechnung der Mehrwertsteuer oder der Versandkosten), kommt man kaum daran vorbei, Modifikationen an vorhandenen Komponenten vorzunehmen oder eigene zu entwickeln. Es ist jedoch abzusehen und von Microsoft sicherlich gewünscht, daß unabhängige Anbieter solche 'OPP'-Komponenten zum Einfügen in die Order Processing Pipeline entwickeln. Ist es erst einmal so weit gekommen, so finden sich mit Sicherheit Softwarehäuser, die auf der Basis des Commerce Server Framework praxisgerechtere Versionen des Store Manager entwickeln.

Neben dem Aufruf von ActiveX-Komponenten (die z. B. in Visual Basic oder C++ realisiert werden können) erlaubt der Pipeline Editor das Einfügen von SQL-Abfragen, VBScript- oder JavaScript-Anweisungen und sogar von Prozessen, die Argumente über die Kommandozeile entgegennehmen.

Da bis jetzt kein Internet Server eines anderen Herstellers Active Server Pages unterstützt, kann der Commerce Server ausschließlich mit Microsofts Internet Information Server 3.0 zusammenarbeiten. Bezüglich des Datenbankzugriffs sieht es besser aus, denn Commerce Server greift auf Datenbestände ausschließlich über ADO (Active Data Objects) zu, welche wiederum auf ODBC 3.0 aufsetzen.

Die Bereitstellung von Statistiken und Analysen (bei den anderen Produkten Bestandteil der administrativen Anwendung) kann laut Microsoft durch die Nutzung weiterer Komponenten des Microsoft Site Server (zum Beispiel 'Usage Analyst' und 'Index Server') erreicht werden. Die Einbindung solcher Funktionen in den Store Manager ist jedoch wiederum mit Entwicklungsaufwand verbunden und kann daher nicht Teil dieses Berichts sein.

Im Vergleich zur vorhergehenden Generation haben sich die Shop-Systeme im betrachteten Marktsegment spürbar weiterentwickelt. Dennoch bleiben zahlreiche Möglichkeiten für Verbesserungen. Während die von iCat und Intershop implementierte Mehrwertsteuerermittlung mittels einer Warengruppen-Ländermatrix für europäische Belange ausreichend ist, fehlt es allen drei Systemen an einer flexiblen Methode zur Konfiguration der Versandkostenermittlung in Abhängigkeit vom Gewicht oder dem Zielland der Lieferung.

Eine andere Schwachstelle der Systeme ist die Verwaltung von 'Varianten', also Artikeln, die in verschiedenen Farben, Größen, Materialien oder anderen Kennwerten erhältlich sind. Möchte man beispielsweise ein Foto des Artikels zusammen mit einer Liste der verfügbaren Varianten abbilden und eine Bestellnummer verwenden, die sich aus einer Stammnummer und einem Suffix zusammensetzt, der beispielsweise die Farbe kennzeichnet, muß man bei allen Systemen in die Trickkiste greifen oder ein paar Zeilen Code hinzufügen, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Eine zufriedenstellende Lösung ist dies allerdings nicht, denn der Busineßoperator kann eine neue Variante nur mit Hilfe des Systemadministrators anlegen.

Profiling-Fähigkeiten schließlich sind im Rahmen der untersuchten Systeme noch nicht implementiert beziehungsweise noch sehr ausbaufähig. Die Schwierigkeit besteht vor allem darin, die zugrundeliegenden Datenstrukturen und die Konfiguration mittels grafischer Oberfläche so vielseitig zu gestalten, daß kundenspezifische Erweiterungen die Ausnahme bleiben können. Die Verknüpfung des Kundenprofils mit Kriterien, die der Busineßoperator interaktiv festgelegt hat und das dadurch ermöglichte automatische Erzeugen kundenspezifischer Angebote sollte auf der Prioritätsliste der Systemhersteller ganz oben stehen. (ad)

Literatur

[1] Michael Wasmeier, Shop in the box, Funktionsweise von Online-Shop-Komplettpaketen, c't 7/97, S. 268

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Bedingt durch das dem Web zugrundeliegende verbindungslose ('connectionless') HTTP-Übertragungsprotokoll baut der Browser des Kunden bei jeder Anfrage eine neue Verbindung zum Server einer Website auf. Aus der Sicht des Webservers ist die Übermittlung einer jeden angeforderten HTML-Seite ein abgeschlossener Vorgang. Außer der IP-Adresse (die gerade bei Nutzern von Online-Diensten völlig bedeutungslos ist) liegen dem Server keine Informationen des 'Internet-Surfers' vor, die seine Identifizierung ermöglichen würden.

Man kann die Meinung vertreten, dies sei gut so. Geht es allerdings um Geld, zum Beispiel weil eine Bestellung bei einem Online-Shop getätigt werden soll, muß der Kunde im Regelfall seine Anonymität aufgeben, was zum Beispiel durch Eingabe eines Paßworts erfolgt, das er zuvor im Rahmen der Registrierung angegeben hat.

Am Ende eines Einkaufsvorgangs, bevor eine Bestellung zur Ausführung kommt, müssen einige Schritte in einer bestimmten Reihenfolge durchlaufen werden (transaktionsorientierte Phase). Beispielsweise muß zunächst die Versandart und das Zahlungsmittel ausgewählt werden, worauf das Shop-System den Gesamtbetrag ermittelt und dem Kunden zur Bestätigung vorlegt.

Um es dem Kunden zu ersparen, daß er sich bei jedem Transaktionsschritt neu identifizieren muß, kann man sich Web-Techniken wie 'Session-IDs' und 'Cookies' zunutze machen. Um in allen Fällen eine sichere Identifikation zur ermöglichen, sind die meisten Shop-Systeme (auch die hier vorgestellten Produkte) in der Lage, beide Verfahren parallel einzusetzen.

Eine Session-ID ist eine eindeutige temporäre Kennung, welche durch das Shop-System für die Dauer eines Einkaufsvorgangs vergeben wird. Als Benutzer eines Internet-Browsers kann man sie in der 'Location'-Zeile erkennen, da sie als Teil der URL übermittelt wird. In folgendem Beispiel ist 60127507 die der Kunden-Session zugeordnete Identifikation:

Http://Www.Firmenname.de/cgi-bin/meinShop/60127507/homepage.html 

Damit sie bei Anforderung der nächsten Seite erhalten bleibt, muß der Shop-Server die Session-ID in sämtliche Hyperlinks der aktuell übermittelten Webseite 'einweben'. Der Kundenbrowser überträgt somit bei jeder Anforderung die zugeteilte ID an den Server, der sie zur Identifikation nutzt. Dies funktioniert allerdings nur, solange der Kunde nicht manuell eine Web-Adresse eintippt oder eine als Bookmark abgelegte URL auswählt.

Cookies helfen zudem, dem Shop eine persönliche Note zu geben: Registrierte Kunden werden bei weiteren Besuchen sofort, ohne Login-Prozedur erkannt und persönlich begrüßt. Am besten wird dies gleich verbunden mit dem Hinweis auf ein individuelles Sonderangebot oder auf den Inhalt des Einkaufswagens, den der Kunde beim letzten Besuch 'abgestellt' hatte.

Der relativ schlechte Ruf, den die Cookies in Fachkreisen genießen, rührt daher, daß diese normalerweise ohne Wissen des Kunden auf dessen PC angelegt werden. Hinzu kommt die Gefahr, daß ein geschickter Hacker sich Zugriff auf die Cookies des Kunden-Rechners verschaffen könnte. Er könnte damit nicht nur feststellen, welche Websites der Kunde besucht hat, sondern auch spezifischere Kundendaten ausspionieren, die in Cookies gespeichert wurden. Besser ist es daher, ausschließlich die Kundennummer dort unterzubringen und damit assoziierte kundenspezifische Informationen auf dem Shopserver zu halten. Auf jeden Fall ist es unabdinglich, die Identität des Kunden beim Eintritt in transaktionsorientierte Bereiche des Shops (etwa dem Bezahlungsvorgang) nochmals zu verifizieren, meist durch Abfrage des Paßworts, welches der Kunde bei seiner Registrierung angelegt hat. Es könnte sich schließlich auch um den Versuch eines Hackers handeln, mit Hilfe einer 'gestohlenen' Kundennummer auf fremde Rechnung Bestellungen zu tätigen. (ad)

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iCat Commerce Suite 3.0 Professional Intershop Online 2.0 Microsoft Commerce Server 2.0
Betriebssysteme
Windows NT + + +
SUN Solaris (für Sparc Server) + + -
SGI IRIX + + -
HP-UX + + -
SNI SINIX-N - + -
IBM AIX + + -
Apple MacOS + - -
LINUX + - -
Windows 95 + - -
Unterstützte Datenbankserver
Sybase SQL Server System 11 per ODBC + 1 per ODBC 3,4
Microsoft SQL Server per ODBC - +
Oracle Universal Server per ODBC - +3
Sybase SQL Anywhere per ODBC 1 - per ODBC 3,4
andere Datenbankserver mit ODBC-Treiber + - 4 per ODBC3,4
unterstützte Webserver
NetScape FastTrack bzw. Enterprise Server + + -
Microsoft Internet Information Server 2.0 / 3.0 + + + 5
Spry Web Server for Windows NT 1.2 + + 6 -
beliebige Web-Server mit CGI-Unterstützung + + -
beliebige Web-Server mit FastCGI-Unterstützung - + -
Software-Voraussetzungen auf Kundenseite
zwingende Komponenten, die der Kunde downloaden muß - - Microsoft Wallet ActiveX
Demo-Shops kompatibel mit Netscape Navigator 3.0 + + + 7
Demo-Shops kompatibel mit Microsoft Internet Explorer 3.0 + + 7 +
Herstellerempfehlung für Intel Hardware mit Windows NT 4.0
CPU Pentium Pentium 200 MHz Pentium 200 MHz
Arbeitsspeicher 32 MB 128 MB 128 MB
freie Festplattenkapazität 150 MB 300 MB 600 MB
Produktinformationen
Anbieter iCat Europe Ltd., Intershop GmbH, Microsoft GmbH,

Borehamwood, UK Jena Unterschleißheim
Preis (Grundsystem, Windows NT Version) 19 545 DM 9 9195 DM 4999 US-$ 8
Preis für Mall-Fähigkeit (mehrere Shops auf einem Server) Aufpreis 1950 DM pro Shop 22 770 DM 11 Aufpreis 499 US-$ pro Shop 10
deutschsprachig lokalisierte Version - + -
Evaluationsversion verfügbar - Download CD-ROM gegen Bearb.Gebühr
mitgelieferten Demo-Shops online verfügbar www.icat.co.uk/
cats/democats.html
www.intershop.Com/
showcase/demo.html
-
Webadresse www.icat.Com www.intershop.de backoffice.microsoft.Com/products/
SiteServerE/default.asp

1 im Lieferumfang enthalten
2 kein automatischer Setup der Demo-Shops
3 Bedingung: ODBC-Treiberversion 3.0 und lauffähig mit ADO (Active Data Objects)
4 Import/Export via ODBC möglich
5 ab Version 3.0 (Windows NT 4.0 Service Pack3 & ASP erforderlich)
6 Trial-Version im Lieferumfang enthalten
7 außer AdventureWorks-Store (Microsoft) und Golfstore (Intershop)
8 nur zusammen mit Microsoft Site-Server Enterprise Edition erhältlich
9 Standard-Edition mit reduziertem Funktionsumfang: 6895 DM
10 Aufpreis nur, wenn Shops auf unterschiedlichen Second-Level-Domains laufen
11 inkl. 5 Shoplizenzen (Preis für Komplettpaket)
+ vorhanden - nicht vorhanden

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