Signalspitzen

Zwei Klangwerkstätten für den Macintosh

Test & Kaufberatung | Kurztest

Egal ob VST-, SoundDesigner- oder Premiere-Plug-ins: Alle Hersteller professioneller Sound-Software wollen, daß der Kunde ihnen die Schönheitskur für seine Klänge mit einem Batzen Geld versilbert. Hier stellen wir zwei lobenswerte Ausnahmen vor.

sonicWORX Artist Basic, ein kostenloser Köder von Prosoniq, präsentiert sich als DSP-Werkstatt (Digital Signal Processing), deren Juwel ein Phase-Vocoder-Plug-in ist. Dieser Baustein ermöglicht die voneinander unabhängige Veränderung der Geschwindigkeits- und Tonhöhenkomponenten eines Klanges auf Basis der Fast Fourier Transformation (FFT). Wer die Länge eines Klanges verändern, aber die Tonhöhe beibehalten will, der wird hieran seine wahre Freude haben. Es gilt jedoch, die passende Rahmengröße für die FFT anzugeben, denn ein zu kleiner Rahmen führt oft zu unwillkommenen Klang-Artefakten, ein zu großer kann zu viel Hall mit sich bringen. Die Qualität des Pitch Scaling ist beim Artist Basic durchaus in Ordnung. Wer jedoch Wert darauf legt, die Tonhöhe von Gesang zu manipulieren, der sollte auf den großen Bruder umsteigen - ohne Formantenmanipulation tritt sonst schon bei einem Ganzton der `Micky-Maus-Effekt´ ein.

Aber der Künstler kann noch mehr: ganze 16 Effekte sind freigeschaltet, unter anderem ein Ring Modulator, Digital Delay, Parametric EQ sowie Flanger und Multichorus. Einmal eingestellte Parameter-Sets können abgespeichert werden. Zum Import und Export stehen die Formate SoundDesigner II, AIFF, Raw Data und WAVE zur Verfügung. Da das Programm in dieser Grundversion keine umfangreichen Editierwerkzeuge parat hat, bietet es sich an, diese Operationen `auszulagern´. Ein besonderes Schmankerl ist das Feature `On-the-Fly-Preview´, gestattet es dem Benutzer doch, die bereits fertig bearbeiteten Teile eines Klanges noch während der Bearbeitung anzuhören. Das ist geradezu unbezahlbar, denn selbst auf einem flotten Power Mac 7500/200 benötigt beispielsweise das Phase-Vocoder-Plug-in über eine Minute für ein 10-Sekunden-Sample.

Die Schwächen der Shareware Amadeus liegen in den eher spärlich vorhandenen Effekten und Filtern. Dafür kommt das Programm mit einer schicken Oberfläche und umfangreichen Funktionen zur Klang-Analyse und -Synthese. Im Gegensatz zu dem in c't 7/95 vorgestellten Oszilloskop glänzt Amadeus sogar in der Analyse des Klang-Spektrums, selbst Sonogramme lassen sich anfertigen und ausdrucken. Sowohl bei der Spektrums- wie auch der Sonogramm-Anzeige kann der Anwender zwischen linearer und logarithmischer Darstellung umschalten, bei beiden Darstellungsarten die Anzahl der Punkte festlegen. Nützlich sind ebenso die eingebauten Klanggeneratoren: Zur Auswahl stehen Wellenformen, einfache und komplexe Klänge sowie `Noise´. Bei allen Varianten muß man Frequenz, Art der Modulation und die Länge angeben. Die Ergebnisse können in einer Bibliothek gesichert werden. Wie der sonicWORX Artist verfügt auch Amadeus über eine einfache Undo-Funktion - immerhin.

Fazit: Wer Klänge analysieren oder synthetisieren will, macht mit Amadeus einen guten Fang. Zu erwähnen bleibt allerdings, daß das Programm immer noch unter dem einen oder anderen Bug leidet und eine Dokumentation fehlt. Prosoniqs sonicWORX bereitete mir selbst in der Basic-Ausführung Freude und sei jedem Klangwerker ans Herz gelegt. (se)


sonicWORX Artist Basic (swrx-artist-basic.hqx, gratis) steht auf http://www.prosoniq.com/download.html,
Amadeus (amadeus-143-demo.hqx, Shareware, 25 US-$) auf http://www.unige.ch/math/folks/hailer/martin/Amad.html zum Download bereit. Beide Programme gibt es auch in der c't-Mailbox.

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