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Drei weitere Power Macs mit PCI-Bus

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Selbst als sich PCs mit leistungsfähigen PCI-Boards längst am Markt etabliert hatten, setzte Apple noch auf den NuBus, der in RISC-Maschinen reichlich deplaziert wirkte. Der Power Mac 9500 läutete zwar vor kurzem den Umstieg auf PCI ein, ist aber für die meisten Anwender etwas 'oversized'. Normale Größen zu erschwinglichen Preisen schiebt Apple jetzt mit den Power Macs 7200, 7500 und 8500 nach.

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Apples Erkenntnis kommt spät, aber sie kommt: Zwar sind die aktuellen PowerPC-Performas 5200 und 6200 (siehe c't 7/95) bereits in recht attraktive Preisniederungen vorgedrungen, aber Kompaktgeräte ohne Erweiterungsmöglichkeiten stehen bei PC-Anwendern nicht besonders hoch im Kurs. Für rund 2700 Mark gibt es ab sofort den kleinsten PCI-Rechner von Apple, den Power Macintosh 7200. Mit diesem Kurs macht er den besagten Performas aus den eigenen Reihen Konkurrenz und löst den Power Mac 7100 ab. Der Rechner ist in zwei Konfigurationen erhältlich, mit 75 MHz schnellem PowerPC 601 oder mit 90 MHz und Quadrospin-CD-ROM-Laufwerk (Matsushita CR-8005) zum Aufpreis von 600 DM. Letztere Konfiguration lag uns zum Test vor. Das nächstgrößere Mitglied der Modellreihe heißt Power Macintosh 7500, kommt im gleichen Desktop-Gehäuse, ist aber dank der schon vom 9500 bekannten CPU-Steckkarte besser für Prozessorneuheiten gewappnet. Knapp unter dem Topmodell 9500 siedelt sich der Power Macintosh 8500 an, der mit dem PowerPC 604 bei 120 MHz Takt arbeitet. Die CPU sitzt ebenfalls auf einer Tochterplatine und kann wie beim 7500 durch eine baldigst anstehende 150-MHz-Variante des 604 oder später vielleicht einmal durch den PowerPC 620 ersetzt werden. Alle drei neuen Rechner verfügen mit drei PCI-Slots über halb so viele Erweiterungsschächte wie der 9500, was aber kaum tragisch ist, da sie allesamt ihre Videologik wieder auf dem Mainboard integrieren.

Die Hauptspeicher-Slots sind von Haus aus mit zwei Modulen à 8 MByte bestückt, bleiben also noch zwei für weitere DIMMs frei. Bei Verwendung von derzeit noch seltenen (und teuren) 64-MByte-Modulen ist ein Maximalausbau auf 256 MByte Hauptspeicher möglich; eine Mischbestückung ist erlaubt. Die Video-RAM-Slots sind in der Standardkonfiguration ebenfalls nicht bestückt, der Videospeicher von 1 MByte befindet sich auf dem Mainboard. Mit drei Modulen liegt also die Grenze bei 4 MByte – theoretisch genug für die 21-Zoll-Auflösung (1152x870 Pixel) bei True-Color-Darstellung von 16,7 Mio. Farben. Praktisch schafft aber der 7200, anders als die beiden großen, die höchste Auflösung trotzdem nur mit 16 Bit Farbe, was auf einem Fehler in der Videologik beruht. Ohne zusätzliches VRAM vermag die Videologik immerhin auch 16-Zoll-Monitore (832x624 Pixel) mit 32768 Farben anzusteuern, bei 1024x768 Pixel reicht's für derer 256. Die Bildwiederholrate beträgt in jedem Fall 75Hz, ergonomisch also auf dem aktuellen Stand. Die 56poligen und erstmals 64bittigen Video-DIMMs sind schon wieder neu, auch hier lassen sich keine alten Module weiterverwenden.

Den in allen drei Modellen 7200, 7500 und 8500 eingebauten Grafik-Accelerator-Chip hat Apple bei Sierra eingekauft. Er kann einfache Grafikoperationen, wie etwa Linien zeichnen oder Bildblöcke verschieben, beschleunigt und prozessorentlastend abarbeiten. Damit kommen die Bilder schneller auf den Schirm als je zuvor bei einer Mac-On-Board-Grafik, aber nicht so schnell wie per PCI-Accelerator. Für grafikintensive Anwendungen wie Illustrationen oder Bildbearbeitung lohnt sich also die Anschaffung einer zusätzlichen Grafikkarte durchaus. Übrigens ermöglicht eine zweite Karte auch die Mac-typische, auf mehrere Monitore verteilte große Arbeitsfläche ohne Zusatzsoftware – der Umstieg auf PCI hat daran nichts geändert. Zumindest mit der von uns ausprobierten ATI-Xclaim-Karte (Mach64, 4 MByte VRAM) funktionierte der doppelt große Desktop tadellos.

Von den PCI-Slots und dem passenden Bridge-Chip [3] abgesehen, gleicht die Boardausstattung ansonsten der von den alten Power Macs 6100, 7100 und 8100: Standard-SCSI-Performance von maximal 5 MByte/s besorgt der schon seit Jahren eingesetzte Kombi-Controller 79C950 von AMD, in dem auch die Ethernet-Funktionen stecken. Fraglich ist, warum Apple hier nicht die modernere PCI-Variante 79C974 verwendet hat, die immerhin einen Durchsatz von bis zu 9 MByte/s brächte. Im 7200 steckt eine langsame Quantum-Maverick-Festplatte, aus der nicht mehr als 2,5 MByte/s herauszuholen sind. Die alten Modelle der x100-Serie brachten mit ihren LPS-ProDrive- oder Lightning-Platten von Quantum immerhin noch rund 1 MByte pro Sekunde mehr.

Ein interner Fast-SCSI-Anschluß, wie er allen drei anderen PCI-Macs und dem 8100 zu eigen ist, fehlt im 7200. Folglich ist selbst bei einer schnellen Platte in der Praxis kaum mehr als 3,5 MByte zu erreichen. Wer mehr verlangt, muß zu einem PCI-Hostadapter greifen. Die beiden Ethernet-Buchsen für AAUI- und BNC-Stecker und die beiden übereinanderliegenden seriellen Ports (Drucker, Modem/GeoPort, LocalTalk) stecken wiederum auf dem Board.

Der Power Mac 7500 kommt im gleichen Gehäuse mit dem gleichen Chassis wie der 7200, lediglich das Mainboard sieht völlig anders aus. Der PowerPC, standardmäßig ein 601 mit 100 MHz, ist nicht auf dem Board, sondern auf einer steckbaren CPU-Karte verlötet. Alle bisherigen 'Tochterkarten' sind zueinander kompatibel; Sie können also bedenkenlos etwa eine 604-Karte von einem Power-Mac-9500-Besitzer erwerben, wenn der sich mit 150 MHz rüstet.

Mit acht DIMM-Slots läßt der 7500 eine theoretische Maximalausstattung von 512 MByte RAM zu. Das dürfte selbst dem anspruchsvollsten Photoshop-Experten genügen. Der Videospeicher kann auch im 7500 die 4 MByte nicht überschreiten, aber er ist - genau wie der 8500 - bereits ab Werk mit 1 MByte on Board und zwei Modulen à 512 KByte, insgesamt also mit 2 MByte VRAM ausgestattet. Das ergibt 832x624 Pixel bei 16,7 Mio. Farben oder 1152x870 sowie 1024x768 bei 32768. Die höchste Auflösung von 1280x1024 Pixel füllen die beiden x500er immerhin noch mit 256 Farben. Die Bildwiederholfrequenz beträgt immer 75 Hz.

Neben dem Standard-SCSI-Port für externe Geräte findet sich im 7500 wieder ein interner Fast-SCSI-Anschluß, der Datenübertragungsraten von bis zu 10 MByte pro Sekunde verspricht - was leider zur Zeit noch keine Festplatte der Welt kontinuierlich liefert. Wie beim 7200 ist der L2-Cache-Platz in der Standardkonfiguration leer. Aber dem 'Kleinen' hat der 7500 dennoch einige Schnittstellen voraus. Der Philips-Digitalisier-Chipsatz, der bereits in den ersten av-Macs (siehe c't 12/93) zum Einsatz kam, ermöglicht das Digitalisieren von einer Videoquelle (Camcorder, Videorekorder). Im Gegensatz zum 8500 hat der 7500 jedoch keine Video-Out-Buchsen, hier ist der Framegrabber lediglich zum Aufnehmen von QuickTime-Movies und für das neue QuickTime Conferencing gedacht: zwei Anwender, die je vor einem Power Mac 7500 oder 8500, einem Mikrofon und einer Videokamera sitzen, können sich über eine beliebige Netzverbindung (Ethernet, FDDI, TCP/IP) von Angesicht zu Angesicht unterhalten und mit Hilfe der optionalen Anwendung 'Apple Media Conference' gemeinsam dasselbe Dokument (Text, Tabelle, Grafik) bearbeiten. Leider war QuickTime Conferencing noch nicht auf den Rechnern zu finden.

Wie die ersten av-Macs ermöglichen auch die Modelle 7500 und 8500 die Erweiterung mittels Kompressorkarte. Der DAV-(Digital-Audio-Video-) Connector hat sich aber ebenfalls geändert - was aber nicht so dramatisch ist, da sich auf dem Markt solche DAV-Karten bisher nicht durchsetzen konnten. Ein DSP (Digital Signal Processor) befindet sich im Gegensatz zu den av-Macs nicht auf dem Mainboard, die Digitalisierarbeit muß hier der PowerPC verrichten. Da wir dies nicht selbst ausprobieren konnten (die Anschlüsse waren bei unserem Vorserienmuster defekt), können wir hier nur Apples Aussage über die Digitalisierleistung weitergeben: 'durchgeschleift' werden Videos mit Auflösungen bis zu 768x576 Pixel (PAL-Auflösung), digitalisiert angeblich 320x240 bei 25 Frames pro Sekunde. Die maximale Digitalisiergröße beträgt 640x480 bei etwa 10 Frames. Zum Erstellen von Multimedia-Schnipseln reicht die Videologik, nicht aber zum Schneiden und Editieren echter Videofilme; dazu bedarf es nach wie vor professioneller Zusatzhardware wie einer der angekündigten PCI-Video-Karten von Miro oder Fast. QuickDraw 3D fand sich ebenfalls noch nicht im Systemordner der PCI-Rechner. Bis zur Serienproduktion - Apple-Händler rechnen mit Ende September - wird sich das aber definitiv ändern.

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