Smartphone datensparsam machen: mit Custom-ROM und Bordmitteln

Smartphone datensparsam machen: mit Custom-ROM und Bordmitteln

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Android-Smartphones sammeln viele Nutzerdaten für den Suchmaschinen­­konzern – aber auch andere schnüffeln mit. Wir ­zeigen, wie Sie Ihre Privatsphäre retten.

Android ohne Google – das wünscht man sich wie Sommersonne ohne Sonnenbrand, Regen ohne nass zu werden und Schnee ohne Matsch am Schuh. Kann man das also überhaupt bekommen? Ja und nein. In der aktuellen c't 7/2020 erfahren Sie, wie Sie Google und andere Datensammler zurückdrängen, wie Sie sie ganz entfernen und welche ­Alternativen sich anbieten.

Android ist zwar ein Open-Source-­Betriebssystem mit Linux-Kernel, doch Android-Smartphones sind üblicherweise nicht ohne eine mächtige Portion Google an Bord zu haben.

Es ist bekannt, dass viele von Googles Diensten und Apps Nutzerdaten für den Suchmaschinenkonzern sammeln, um Werbemöglichkeiten zielgruppengenau zu verkaufen – am besten sogar personalisiert.

Wer hinsichtlich des Datenschutzes in Android-Smartphones aber nur auf Google schielt, zielt zu kurz. Das Entgoogeln von Android-Smartphones stellt die Weitergabe von Nutzerdaten an Dritte ganz und gar nicht ab. Denn die Mehrzahl an Trackern, die sich in Apps finden, berichtet nicht an Google, sondern an andere Abnehmer, etwa Facebook, an die Smartphone-Hersteller selbst oder an Markt­forscher wie Comscore. Bei ­eigenen Versuchen ermittelten wir sogar einen Anteil von knapp zwei Dritteln Kontaktierungs­ver­suchen solcher App-fremder Server (siehe Bild).

(Bild: Langzeitmessung c't (2019))

Insofern bringt es auch keine vollständige Heilung, bloß Google aus seinem Smartphone zu werfen und nur auf ein anderes Betriebssystem wie Sailfish oder iOS zu setzen. Jedes der als Alternativen gehandelten Betriebssysteme macht in puncto Lücken beim Schutz der Privatsphäre eigene Fässer auf, die nicht dadurch gedeckelt sind, dass die Entwickler Google vielleicht aus ihrem System entfernt haben.

Was Google grundsätzlich von der Masse der Marktforschungs-Tracker unterscheidet, ist die enorme Spannbreite an Nutzerdaten, für die sich das Unternehmen interessiert. Um nur wenige davon zu nennen: Namen und Suchinteressen werden ebenso verwurstet wie die Wege, die man zurücklegt, und sogar, wie man das tut. Wie viele Daten dabei zusammenkommen, zeigt ein Google Takeout, also eine Zusammenstellung der von Google erfassten Daten zum Konto. Sie kann selbst bei nicht überbordender Nutzung durchaus etliche Gigabyte umfassen.

Derlei Daten als Preis für die immerhin kostenlose Nutzung der zugegeben praktischen Helferlein wie Google Maps, Gmail und Chrome herzugeben, mag dem einen oder anderen akzeptabel erscheinen. Beim Gedanken, für wen die schiere Menge persönlicher Daten noch interessant ist, kann es mittlerweile auch unbescholtenen Bürgern flau im Magen werden – zumal die Gesetzgebung ungeniert den staatlichen Zugriff auch auf Google-Inhalte durchdrückt.

Wer Google ganz rigoros aus seinem Android-Smartphone entfernen will und ihm mit Root, Custom-ROM oder alternativen Betriebssystemen den Teufel austreiben will, muss in Kauf nehmen, dass die Installation nicht ohne Tücken ist.

Mit dem Herauswerfen von Google bootet man auch einige Annehmlichkeiten aus: Google Maps, Gmail und Google Fotos fehlen ebenso wie die bequeme Backup-Möglichkeit in der Cloud des Suchmaschinenkonzerns. Etliche Apps kommen ohne Bausteine von Google nicht mehr richtig ins Rudern, besonders solche, die den Zugriff auf Google-Play-Dienste ­verlangen. Viele weitere, etwa Spotify und ­Netflix, sind in alternativen App-Stores nicht zu finden.

Apropos App-Stores: Ausgerechnet der Google Play Store hat mit Play Protect einen Schritt dahin gemacht, gefährliche malwareverseuchte Apps von den Nutzern fernzuhalten. Diesen Rundumschutz – auch für bereits installierte Apps – bieten andere Stores so nicht.

Wer die im vorigen Abschnitt genannten Tücken scheut, kann dennoch viel für die Verkleinerung seines Fußabdrucks tun, indem man das Android-Smartphone so einstellt, dass Google nur das Allernötigste erfährt. Auch wenn Sie Ihrem Smartphone keine Totaloperation durch eine komplette Entgoogelung verpasst haben, geben Sie Google weniger Puzzleteile über Ihre Person, indem Sie nach Alternativen zu Google-Apps suchen. Wenn Sie noch einen Schritt weitergehen und auch Schnüffeldienste von Facebook und Marktforschern aussperren wollen, lohnt ein Blick auf die Zusammenstellung von Apps.

Wer Google loswerden will, sollte das als Teil einer Gesamtstrategie zur Verbesserung seiner Privatsphäre sehen. Tricksereien mit Root, Custom-ROM und alternativen Betriebssystemen sollte man sich aber nur zuwenden, wenn man wirklich mit den nicht nur positiven Effekten leben möchte. Auch ohne solche Eingriffe kann man es Google und anderen Datensammlern schwer machen. Dazu ist nur etwas gut investierte Zeit nötig, die Sie in die Datenschutzeinstellungen Ihres Smartphones und in die Freigaben von Apps stecken. Wenn Sie dann noch ungewollte Datenverkehre mit Apps wie Blokada oder Netguard in Sackgassen schicken, sind Sie auch mit einem Android-Smartphone schon nahe dran an der Sommersonne ohne Sonnenbrand. (mil)

Dieser Artikel stammt aus c't 7/2020.

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