Geplante Deflation

Währung im Kollektiv

So funktioniert die Kryptowährung Bitcoin

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Seite 3: Geplante Deflation

Das Protokoll begrenzt die Anzahl an Bitcoins auf insgesamt 21 Millionen und garantiert somit eine Deflation der Währung. Das Kollektiv halbiert dazu die Zahl der mit der Coinbase-Transaktion generierten Bitcoins ungefähr alle vier Jahre. Im Augenblick beträgt der Lohn für einen Block 12 BTC.

Aber selbst wenn alle Bitcoins geschürft sind, beim aktuellen Tempo etwa um das Jahr 2140 herum, muss die Erzeugung von Blöcken weitergehen, da der Prozess des Bitcoin-Minings eben auch die Buchführung des Systems am Laufen hält. Ohne ihn würden die Transaktionen nicht zu Blöcken verarbeitet und Nutzer des Systems könnten sich nicht sicher sein, dass mit der kollektiven Buchführung alles seine Richtigkeit hat.

Nach der Vorstellung der Erfinder sollen nach und nach die Transaktionsgebühren den Anreiz für das Mining bilden. Ein Miner könnte einfach nur solche Transaktionen in seine Blöcke aufnehmen, die ihn in angemessenem Umfang beteiligen. Transaktionen ganz ohne Spende würde er einfach unter den Tisch fallen lassen.

Momentan reicht die Rechenkraft im Netzwerk locker, um die anfallenden Transaktionen effektiv abzuarbeiten. Was aber passiert, wenn der Goldrausch vorbei ist und die zur Verfügung stehende Rechenkraft drastisch fällt, weil sich das Minen nicht mehr lohnt? Oder gar alle Bitcoins verteilt sind?

Wenn Bitcoin als Währung zusätzlich den Durchbruch in den Mainstream schafft, wäre außerdem eine dramatische Erhöhung der Transaktionsdichte zu erwarten. So verarbeitet die Kreditkartenfirma Visa in der Weihnachtszeit über zehntausend Transaktionen pro Sekunde. Und Bitcoin soll ja irgendwann sogar Bargeld ersetzen können, also sind noch mehr Transaktionen zu erwarten.

Das Protokoll kann im Moment maximal sieben Transaktionen pro Sekunde verarbeiten. Für den Bitcoin-Kietz in Berlin mag das reichen, nicht aber für den weltweiten Ersatz von Bargeld, von dem die Verfechter der virtuellen Währung träumen. Diese Grenze ist künstlich festgelegt und soll verhindern, dass die Blockchain zu schnell wächst. Immerhin muss sie von jedem Client heruntergeladen werden, um die komplette Transaktionshistorie überprüfen zu können, und hat vor Kurzem die Größe von 140 GByte überschritten.

Allerdings ist das Bitcoin-Protokoll ähnlich wie andere technische Spezifikationen nicht in Stein gemeißelt, sondern kann im Konsens der Entwickler mit den teilnehmenden Nutzern modifiziert werden, um auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren.

Konzeptionell sollen professionelle Bezahldienstleister irgendwann die Goldrausch-Miner ablösen. Transaktionen würden dann auf großen, wahrscheinlich mit ASICs bestückten, Server-Racks mit Backbone-Anbindung abgewickelt werden. Diese Dienstleister würden dann mit den im Protokoll vorgesehenen Spenden bezahlt. Die Bitcoin-Community ist momentan recht zuversichtlich, dass diese spezialisierten Server auch ein Transaktionsvolumen von der Größenordnung des Visa-Systems bewältigen könnten.

Ob das wirklich stimmt, wird sich zeigen. Bis dahin ist denkbar, dass der Goldrausch noch eine Weile weitergehen wird, denn immer, wenn genug Miner aus dem System aussteigen, weil sich das Schürfen nicht mehr lohnt, fällt die Schwierigkeit. Und das ruft neue Goldgräber auf den Plan. (fab)

Dieser Artikel erschien ursprünglich in c't 25/13 und wurde am 14.6.17 komplett überarbeitet und aktualisiert.

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