Sofortauslöser

Digitale Fotokameras auf der CeBIT

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Mehr und mehr drängen die elektronisch-digitalen Nachfahren der Silberhalogenid- Fotografie auf den Markt. Der Vorteil der sofortigen Verfügbarkeit der Bilddaten wiegt indes nicht alle Nachteile der Digitalisierung auf.

Alle Unternehmen, die im Fotobereich konventioneller Prägung von Bedeutung sind, haben sich inzwischen mit der digitalen Fotografie angefreundet - mit längst nicht immer überzeugendem Ergebnis. Bislang bieten die für den Amateur und den sparsamen Profi bezahlbaren Kameras eine relativ geringe Auflösung und zeigen keinerlei Handhabungsvorteile gegenüber bewährten Spiegelreflexkameras. Mit Ausnahme der QV-10A von Casio funktionieren alle aktuellen digitalen Modelle der unteren Preisklasse wie eine billige Sucherkamera; die Vorteile in der Nutzung, die aus der Digitalisierung der Bildinformation resultieren, werden nicht oder nur zögerlich ausgenutzt. Vor allem ein Display, das sowohl den gerade erfaßten Bildbereich (ein echter `Thru-The-Lens'-Sucher) als auch die soeben gemachte Aufnahme (`Hinterband-Kontrolle') anzeigt, fehlt fast allen Modellen. So stellt sich die Frage, ob ein digitaler Fotoapparat mit der Konzeption einer schlichten `Ritsch-Ratsch'-Kamera sich im Amateur- und Profibereich durchsetzen kann, wenn dem Geschwindigkeitsvorteil erhebliche Einbußen in der Bildqualität bei geringerem Bedienungskomfort gegenüberstehen - und ein immer noch hoher Preis.

Aus Taiwan stammt die Compro Digital Kamera, die Standbilder bis zu 640 x 480 Pixel bei 24 Bit Farbtiefe liefert; obendrein läßt sie sich als Überwachungskamera mit einer Bildrate von maximal 8 Bildern/sec nutzen, dann ist die Bildgröße auf 160 x 120; 120 Pixel beschränkt. Die Kamera wird über die Parallelschnittstelle mit dem Computer verbunden und speist ihre Bilddaten in eine eigene Windows-Applikation ein. Die automatische Belichtung läßt sich bei Bedarf auch manuell steuern. Farbsättigung und Weißabgleich erledigt die Elektronik selbsttätig. Bis Redaktionsschluß war ein Preis nicht zu erfahren.

Die auf der CeBIT von Kodak präsentierte Digitalkamera DC 50 weist eine verblüffende Ähnlichkeit zum Modell ES-3000 von Chinon auf, das c't in Ausgabe 4/1996 vorstellte. Für rund 1900 Mark bekommt man von Kodak eine Kamera mit integriertem Blitz, Motor-Zoom-Objektiv, einem Megabyte Speicher und PCMCIA-Slot. Belichtung und Weißabgleich erfolgen automatisch, auf Wunsch greift der Anwender manuell in die Belichtung ein. Je nach Komprimierung passen 7, 11 oder 22 Bilder in den kamerainternen Speicher.

Mit der PowerShot 600 stellte Canon eine Digitalkamera vor, die auf gängigen Standards (Windows, TWAIN, PCMCIA) aufsetzt. Sie basiert auf einem CCD-Chip mit einer Auflösung von 570 000 Pixeln, was eine bessere Darstellung als S-Video-Kameras gestattet. Der eingebaute Blitz bietet eine Reichweite von bis zu 3,5 m. Die Farbtiefe gibt Canon mit 30 Bit an, als Speichermedium kommen neben dem eingebauten 1-MByte-Flash-Memory (12 Bilder) optionale PCMCIA-Speicherkarten oder eine -Festplatte für maximal 2000 Bilder in Betracht. Die Aufnahmen lassen sich vor Ort mit gesprochenen Texten kommentieren, welche die Kamera mit speichert. Die PowerShot wird etwa ab Juni 1996 im Fachhandel erhältlich sein. Ein futuristisches Design gab Polaroid seiner Digital-Kamera PDC-2000 mit auf den Weg. Die auch für den professionellen Bereich geeignete Sucherkamera arbeitet mit einem CCD- Sensor mit 1 Million Pixeln; damit bietet sie eine Auflösung von 1600 x 1200 Punkten (24 Bit). Das Gerät enthält einen automatischen Blitz (Reichweite 4,5 m) und führt auf Wunsch einen Weißabgleich für Glüh- oder Leuchtstofflampen durch. Der kamerainterne Speicher faßt 1 MByte Rohdaten. Die PDC-2000 wird in drei Versionen gebaut, die sich in der Speicherkapazität unterscheiden; das Standardmodell nimmt 40 Bilder, die erweiterte Version 60 Bilder auf; eine stationäre Lösung ohne eigenen Speicher ist für den direkten Anschluß am Computer gedacht. Die Bilddaten bleiben unkomprimiert, was Vergrößerungen bis auf 18 x 24 cm gestattet. Der Datentransfer erfolgt über eine SCSI-2-Schnittstelle. Der Preis liegt je nach Ausstattung etwa zwischen 5600 (ohne Speicher) und 9000 Mark (Speicher für 60 Bilder). Die PDC- 2000 soll ab Mai lieferbar sein.

Besonders für den mobilen Einsatz konzipierte Sony seine DKC-ID1. Ein 1/3-Zoll-CCD liefert eine Auflösung von mehr als 450 000 Pixeln; die Aufnahmen im Format 768 x 576 lassen sich auf PCMCIA-Karten (Typ II) ablegen; eine 10-MB-Karte nimmt maximal 140 Bilder auf. Per SCSI-Kabel übernimmt ein Windows-PC die Bilddaten in TWAIN- kompatible Anwendungsprogramme. Neben einem Zwölffach-AutoFocus-Zoom verfügt die digitale Kamera über einen elektronischen Shutter (1/50 - 1/4000 Sekunde), einen eingebauten Blitz und einen LCD-Farbsucher. Die DKC-ID1 soll ab Juli 1996 zum Preis von etwa 3500 Mark erhältlich sein. Am Stand von Epson sorgte ebenfalls eine digitale Fotokamera für Aufsehen. Die derzeit nur in den USA für etwa 500 Dollar erhältliche `PhotoPC' arbeitet mit zwei Auflösungs- stufen (320 x 240 und 640 x 480 Pixel) und 24 Bit Farbtiefe. Der kamerainterne Speicher faßt maximal 16 Bilder in der hohen, doppelt so viele in der niedrigen Auflösung; mit einem Erweiterungsmodul (dem Vernehmen nach Standard- SIMMs) steigt die Kapazität auf das Zehnfache. Der Datentransfer nutzt eine High-Speed- Parallel-Schnittstelle; eine TWAIN-kompatible Software übernimmt die Kommunikation mit Windows-Standardsoftware. Eine deutsche Version der `Photo PC' ist derzeit in Vorbereitung, mit der Markteinführung ist nicht vor dem dritten Quartal 1996 zu rechnen. (uh)

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