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Der c't-Klangcomputer II: Postmaterielle Instrumente

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Der Klaviatur-Einbau ist geschafft, Säge und Feile ruhen wieder beim Grobwerkzeug im Keller, und selbst durch deren unachtsamen Gebrauch verursachte Injurien sollten inzwischen auskuriert sein. Weniger gefährlich gestaltet sich nun die Einrichtung der Klangcomputer-Festplatte - auch wenn es bis zum funktionierenden Universal-Instrument noch reichlich zu tun gibt.

Welches Betriebssystem auf dem PC die solideste Basis für Audio-Anwendungen stellt, wurde lange Jahre an Musiker-Stammtischen kontrovers diskutiert. Inzwischen hat sich aber auch im professionellen Bereich Windows XP gegen die älteren Windows-Versionen durchgesetzt - nicht zuletzt durch den sanften Druck der Software-Hersteller, deren Produkte häufig das aktuelle System voraussetzen. Für unsere Versuche haben wir ebenfalls Windows XP verwendet. Da viele Software-Instrumente aus dem Free-, Share- und Donationware-Bereich weiterhin auch unter älteren Windows-Ausgaben arbeiten, können Sie aber ebenso Windows 98SE oder 2000 den Vorzug geben. Eins unterscheidet die Systeme aber doch: Galt es früher als unerlässlich, zunächst sämtliche für Audio-Anwendungen nicht zwingend benötigten Systemfunktionen zu deaktivieren, so beschränken sich die wichtigen Tuning-Maßnahmen unter Windows XP auch beim Einsatz im Audio-Bereich auf das Abschalten einiger Oberflächen-Effekte. Welche Optimierungs-Tools und Beschleunigungstricks darüber hinaus sinnvoll sind, können Sie in [1] nachlesen

Wenn Sie nun auf Ihrem Klangcomputer ein stabil laufendes Windows-System eingerichtet haben, müssen Sie das Gerät noch mit einer geeigneten Audio-Schnittstelle ausrüsten. Allerdings erfüllt kaum ein für das Recycling im Klangcomputer in Frage kommendes Mainboard von Haus aus die Ansprüche, die eine Echtzeit-Wiedergabe von Audio-Datenströmen stellt: Um den virtuellen Synthesizer oder die künstliche Orgel wie ein Naturinstrument spielen zu können, muss der verwendete Audio-Treiber sehr geringe Latenzzeiten mit sich bringen. Einfach ausgedrückt bedeutet dies, dass die Zeitdauer zwischen dem Anschlagen einer Taste auf dem MIDI-Keyboard und dem Moment, in dem der Ton aus dem Lautsprecher erklingt, möglichst kurz sein muss. Spezielle Audio-Karten (man beachte den formalen Unterschied zur „Soundkarte“) sind auf besonders geringe Latenzen optimiert und kommen durchweg auch mit einem ASIO-Treiber, die Grundvoraussetzung für eine latenzarme Wiedergabe. Die ASIO-Architektur ist eine Entwicklung der Firma Steinberg und ein De-facto-Standard für Musikstudio-Anwendungen unter Windows.

Gute Erfahrungen haben wir beispielsweise mit der Delta Audiophile 2496 von M-Audio [2] gemacht. Diese Karte ist bei den einschlägigen Online-Versandhäusern inzwischen für unter 90 Euro zu haben und bringt die besten Voraussetzungen für einen störungsfreien Betrieb im Klangcomputer mit: Die Treiber gestatteten auch auf unserem betagten Pentium-III-System mit 1-GHz-Prozessor und 256 MByte RAM eine knackfreie Audio-Wiedergabe bei einer Ausgangs-Latenz von nur 256 Samples (entsprechend 6 ms reiner Audio-Latenz bei 44,1 kHz Sample-Rate). Die analogen Ein- und Ausgangspaare sind als RCA-Buchsen (Cinch) ausgeführt, über eine Kabelpeitsche stehen neben einer vollständigen koaxialen SPDIF-Schnittstelle MIDI-In und -Out zur Verfügung.

Gute Voraussetzungen bringt auch ESIs ähnlich ausgestattete, noch recht neue PCI-Karte Juli@ [3] mit: Das Analog-Anschluss-Panel ist wendbar ausgeführt und stellt auf einer Seite symmetrisch verdrahtete 6,3-mm-Klinkenbuchsen, auf der anderen RCA-Buchsen zur Verfügung. Diese clevere Lösung lässt sich ESI allerdings auch mit rund 130 Euro vergüten. Die Anschaffung einer Mehrkanal-Karte lohnt sich, wenn Sie die Klänge mehrerer virtueller Instrumente gleichzeitig auf separaten Kanälen ausgeben wollen, etwa um sie auf einem Mischpult unterschiedlichen Effektwegen zuzuführen. Surround-fähige VST-Klangerzeuger indes, die ebenfalls mehrkanalige Hardware benötigen, spielen im Freeware- und Shareware-Bereich bislang kaum eine Rolle.

Als Richtwert für eine akzeptable Latenz gelten gemeinhin rund zehn Millisekunden. Auch wenn tolerante Naturen sich sogar von einer doppelt so langen Verzögerung nicht irritieren lassen - selbst solche gerade noch brauchbaren Werte sind mit den Standard-MME-Treibern für den Onboard-Soundchip nicht zu erzielen. Auch die meisten Standard-Soundkarten à la Soundblaster und Co. bringen keine für den Betrieb mit niedriger Latenz optimierten Treiber mit. Durch den vom Treiber verwalteten, zur Sicherheit (gegen „Underrun“-Aussetzer bei vollbeschäftigter CPU) recht groß gehaltenen Sound-Buffer (oft einige KByte) vergeht vom Abschicken des Klangs seitens der Instrumenten-Software bis zur Ausgabe eine gewisse Zeit, oft mehr als 40 Millisekunden. Das fühlt sich dann beim Spiel so an, als würde der Klangerzeuger 15 Meter entfernt stehen - was zwar für Kirchenorganisten nichts wirklich Ungewöhnliches ist, für flinke Pianisten aber ein Greuel. Im Vergleich dazu fallen die früher oft gescholtenen MIDI-Latenzen kaum ins Gewicht - ein vierstimmiger Akkord ist in kaum mehr als 3 ms im Rechner.

Wenn Sie als sparsame Natur trotzdem mit der Onboard-Sound-Lösung experimentieren wollen: Verschiedene Entwickler aus der Open-Source-Szene haben sich dieses Problems angenommen und alternative Treiber speziell für den Niedriglatenz-Betrieb von Onboard-Sound-Hardware und Consumer-Soundkarten geschrieben. Bevor Sie also Geld in eine neue Audio-Wandlerkarte investieren, können Sie versuchen, Ihre vorhandene Soundkarte oder den AC’97-Chip des in Ihrem Klangcomputer verbauten Mainboards mit einem solchen alternativen Treiber auf ausreichend niedrige Latenzwerte zu trimmen. Ursprünglich für den Einsatz mit Notebook-Soundchips entwickelt, eignet sich ASIO4all (siehe Soft-Link) auch für die AC’97-Codecs vieler Mainboards und für etliche Standard-Soundkarten. Besitzer einer Soundkarte aus Creatives Soundblaster-Live!-Reihe sollten eher mit dem Treiber der Entwicklergruppe kX Project ihr Glück versuchen, denn die Soundblaster-Chips verstehen sich mit ASIO4all nicht besonders gut.

Alternative Treiber wie ASIO4all können helfen, die Audio-Latenz des Onboard-Soundchips in einen erträglichen Bereich zu senken, erfordern aber Geduld bei der Justierung.

Wir bekamen beispielsweise auf einem Mini-ITX-Board (Via Epia) mit bescheidenem 800-MHz-Ezra-Prozessor die ASIO4all-Erweiterung samt einigen virtuellen Instrumenten (Native Instruments XPress Keyboards) anstandslos zum Laufen, mit rekordverdächtigen 256 Bytes Sample-Puffer für den Onboard-Soundchip VT1612A. Leider besitzt dieses Board keinen Gameport und ergo auch keine MIDI-Schnittstelle, aber das Problem ließ sich mit einer alten Soundblaster-Karte von Creative lösen (die für die Sound-Ausgabe zwei satte Kilobyte an Sample-Puffer benötigen würde und uns deshalb nur als MIDI-Interface diente).

Die drei XPress Keyboards wenden sich in erster Linie an Einsteiger, eignen sich aber auch für den Live-Einsatz.

Doch dazu vorab gleich eine Warnung: Derartige Treiber erfordern unter Umständen langwierige Experimente, bis sie sich zu einem Kompromiss aus brauchbarer Latenz und akzeptabler Stabilität überreden lassen. Und selbst mit gründlichen Tests lassen sich nicht alle möglichen Ursachen für Störungen während des Betriebs ausschließen. Es kann also sehr wohl vorkommen, dass ein mühsam konfiguriertes System nach einigen ungestörten Betriebsminuten plötzlich sämtliche Sound-Ausgaben doch wieder mit Knistern und Knacken verunziert. Im Zweifelsfall hilft ein Blick auf den Windows-Systemmonitor (bei XP unter Systemsteuerung/Verwaltung/Leistung), um festzustellen, ob die aktuelle ASIO4all-Einstellung die System-Grundlast über Gebühr anhebt.

Verantwortlich sind die systeminternen Interdependenzen: Wenn Sie die Puffergröße (und damit die Latenz) reduzieren, nimmt die Belastung der CPU durch den Audio-Treiber zu, weil durch den kleineren Puffer mehr Datenhäppchen pro Zeiteinheit verarbeitet werden müssen. Umgekehrt treten Störungen bei der Tonausgabe auf, wenn durch andere rechenintensive Prozesse für die Verarbeitung der Audio-Datenströme nicht mehr genug Leistung zur Verfügung steht. Es gilt also, ein ausgewogenes Verhältnis von Latenz und Systemlast zu finden - kein leichtes Unterfangen, wenn der Rechner bereits unter den Algorithmen einer aufwendigen Klangsynthese schwitzt. Und wenn Sie Ihren Klangcomputer live auf der Bühne spielen wollen, sollten Sie sich die Experimente mit ASIO4all oder kXProject besser gleich sparen, denn wer will seinen Zuhörern schon ein unerwartetes Störgeräuschinferno mitten in der schönsten Improvisation zumuten?

Hinzu kommt, dass die Onboard-Audio-Hardware auf den meisten älteren Mainboards nur recht bescheidenen Qualitätsansprüchen genügt. Rauschen, ein hoher Klirrfaktor und der oft miese Frequenzgang schmälern besonders bei hohen Ausgangspegeln das Hörvergnügen. Auch die mechanische Ausführung billiger Onboard- oder Consumer-PCI-Soundkarten spricht gegen einen Live-Einsatz: Die winzigen 3,5-mm-Klinkenbuchsen, mit denen die Audio-Ausgänge üblicherweise aus dem Rechnergehäuse herausgeführt werden, sind nicht für die Belastung durch große Adapter und dicke, schwere Kabel, wie sie im Bühnenbetrieb üblich sind, geschaffen. Schon nach wenigen Einsätzen dürften die dünnen Lötkontakte der Buchsen aus der Platine herausbrechen.

Auch beim Einsatz des Klangcomputers in einer Studio-Umgebung lassen die Low-Budget-Lösungen wichtige Funktionen vermissen: Soll das Gerät auch als MIDI-Master-Keyboard dienen, braucht es auf jeden Fall einen zuverlässigen MIDI-Ausgang. Ein MIDI-Eingang hingegen ist Pflicht, wenn Sie die Software-Instrumente mit einem Sequencer-Programm, das auf einem anderen Rechner läuft, ansteuern wollen. Die Gameport-Adapter, mit denen sich MIDI-Funktionen bei einigen Standard-Soundkarten nachrüsten lassen, arbeiten jedoch nicht sonderlich zuverlässig, sodass hier die Anschaffung eines externen MIDI-Interface für die USB-Schnittstelle ins Haus steht. Investieren Sie also lieber gleich etwas Geld in eine spezielle Audio-Wandlerkarte, die von Haus aus alle Anforderungen an den Treiber und an die Audio-Abteilung erfüllt.

Die Software-Klangerzeuger, die für einen Einsatz auf dem Klangcomputer in Frage kommen, bringen durchaus unterschiedliche Voraussetzungen mit: Einige Instrumente kann man als eigenständiges Programm laufen lassen und nach dem Einrichten der Audio- und MIDI-Voreinstellungen sofort spielen. Diese Stand-alone-Versionen sind unkompliziert in der Handhabung, erlauben aber oft nur den Betrieb eines einzigen Instruments zu einem Zeitpunkt. Außerdem kann eine Effekt-Behandlung des Ausgangssignals nur mit den Bordmitteln des Instruments oder mit externer Hardware erfolgen, denn das Ausgangssignal wird direkt an den Treiber der Soundkarte übergeben. Vornehmlich die Hersteller kommerzieller Software-Instrumente liefern auf ihren Installations-CDs auch Stand-alone-Ausgaben mit; dies gilt beispielsweise für Arturia und Native Instruments.

Einen Sonderfall unter den Stand-alone-Klangerzeugern stellen virtuelle Tonstudios wie Propellerhead Reason 3 oder Arturia Storm 3 dar - diese Programme simulieren nicht nur ein einzelnes Instrument, sondern gleich einen ganzen Stapel davon. Zusätzlich sind zahlreiche Effekte im Angebot. Reason 3 lässt sich auch auf langsameren Systemen der 1-GHz-Klasse gut nutzen und bietet weitreichende Möglichkeiten zur Fernsteuerung via MIDI.

Die meisten Instrumente aus dem Gratis- und Niedrigpreis-Bereich liegen aber in Form von Plug-ins vor; auch von den kommerziellen Klangerzeugern existiert stets eine Plug-in-Version. Für diese nicht allein lauffähigen Erweiterungen haben sich verschiedene Formate etabliert; das unter Windows am weitesten verbreitete heißt VST (Virtual Studio Technology) und wurde 1996 von der Hamburger Firma Steinberg mit dem Audio-Sequencer Cubase VST eingeführt, zunächst nur, um die Audio-Spuren des Sequencers mit virtuellen Effekten versehen zu können. Später kamen dann die virtuellen Instrumente hinzu. Inzwischen existieren verschiedene Programme, die speziell für den Live-Einsatz von VST-Plug-ins eine Umgebung ohne Sequencer-Ballast zur Verfügung stellen. Auch die Bedienung der reinen VST-Hosts ist durch den geringeren Funktionsumfang übersichtlicher.

Das kostenlose VSTHost stellt unter einer kargen Oberfläche Basisfunktionen für den Betrieb von VST-Plug-ins bereit.

Kostenlos verfügbar ist das von dem österreichischen Programmierer Hermann Seib entwickelte Programm VSTHost. Es ist nüchtern gestaltet, bietet aber die wichtigsten Funktionen, um VST-Instrumente in Echtzeit zu spielen: Plug-ins lassen sich laden und per MIDI-Keyboard ansteuern, im Bearbeitungsmodus kann man die Parameter des Instruments einstellen. Ketten aus mehreren VST-Instrumenten und -Effekten lassen sich als Presets auf 128 Speicherplätzen ablegen. Die Anbindung an die Soundkarte erfolgt via ASIO oder MME, wobei im Test brauchbare Latenzwerte nur über erstere Schnittstelle zu erzielen waren.

Bislang kann das Programm nur je einen MIDI-Eingang und -Ausgang verwalten, sodass sich über die 16 verfügbaren MIDI-Kanäle auch nur ebenso viele Instrumente getrennt adressieren lassen. In der Praxis dürfte eine 1-GHz-CPU aber schon bei weniger als 16 Instrumenten ausgelastet sein. Eher stört da schon, dass VSTHost nach dem Absturz eines Plug-in gelegentlich auch selbst den Dienst quittierte. Außerdem reicht das Programm MIDI-CC-Befehle von Dreh- und Schiebereglern externer Geräte nicht durch, sodass sich Klänge nicht per Controller-Hardware, sondern nur am Bildschirm verändern lassen. Für die ersten Versuche mit Software-Klangerzeugern eignet sich VSTHost gut, der Einsatz auf der Bühne birgt in Anbetracht der mangelnden Robustheit allerdings Risiken.

Steinbergs VST-Host V-Stack bietet vollwertige Kanalzüge mit Equalizer und Effektwegen.

Wesentlich umfangreicher ausgestattet als VSTHost und durch die an Hardware-Geräte angelehnte Bedienoberfläche leichter zu bedienen ist Steinbergs VST-Host-Software V-Stack 1.2. Besonders Cubase-SX-Anwender werden sich beim Anblick der Oberfläche sofort heimisch fühlen. Das knapp 50 Euro teure Programm stellt eine Laufzeitumgebung für bis zu 16 virtuelle Instrumente oder Effektgeräte zur Verfügung, wobei auch hier die CPU-Leistung die Grenze setzt. Jedes Instrument belegt dabei einen eigenen Mischpult-Kanal, der mit einem vierbandigen, voll parametrischen Equalizer sowie fünf Insert-Effektwegen und acht Send-Wegen ausgestattet ist. Mehrere Kanäle lassen sich zu Gruppen zusammenfassen und gemeinsam einpegeln. Die Master-Sektion verfügt über eigene Effektwege. Cubase-SX-Anwendern bietet das Programm außerdem die Möglichkeit, den Klangcomputer über eine digitale Schnittstelle in ein VST-System-Link-Netzwerk zu integrieren und so auch im Studio die Rechenleistung des Prozessors zu nutzen. Geladene Plug-ins lassen sich über das MIDIvice oder eine andere Steuereinheit komfortabel fernbedienen; nicht ab Werk unterstützte Geräte muss man etwas mühsam über eine Tabelle für den Betrieb mit V-Stack anlernen.

Nach wie vor stellt auch ein voll ausgestatteter Audio-Sequencer wie Cubase eine Möglichkeit dar, Instrumenten-Plug-ins im Live-Einsatz zu spielen. Wenn Sie also beispielsweise nach dem Kauf einer Audio-Karte im mitgelieferten Software-Bundle einen Sequencer wie Cubase LE oder Ableton Live Lite finden, können Sie diesen auch als virtuelles Rack für Ihre Software-Instrumente verwenden, ebenso die enthaltenen Effekte. Die Hauptfunktionen eines modernen Sequencer-Programms werden beim Live-Auftritt wahrscheinlich brachliegen, so die Audio- und MIDI-Spuren oder Notationsfunktionen. Die Bedienelemente für diese Programmbestandteile sind dennoch meist auf der Oberfläche zu sehen und mindern die Übersichtlichkeit - gerade im hektischen Bühneneinsatz ein großer Nachteil.

Kostenlose Software-Klangerzeuger und -Effekte der unterschiedlichsten Typen und Güteklassen sind mittlerweile im Web verfügbar. Gute Anlaufstellen für die Suche nach frischen Plug-ins sind Musiker-Treffs wie die englischsprachige Seite kvr-audio.com oder computersound.de. Dort finden Sie kommentierte Listen frei herunterladbarer VST-Erweiterungen, aber auch Foren, in denen die Entwickler oft selbst Hilfestellung zu ihren Produkten geben. Wir haben etliche kostenlose Plug-ins für Sie gesichtet und stellen exemplarisch einige Instrumente vor.

Zu den in vielen Musikstilen beliebten Basisklängen gehören die von Klavier und Orgel. Ob Flügel, E-Piano oder Hammond B3 - jedes dieser Instrumente hat seine virtuelle Entsprechung gefunden. Dabei widmen sich dem Thema E-Piano gleich mehrere Plug-ins: Kostenlos ist das mda-ePiano, dessen Klangerzeugung Samples eines Rhodes-E-Pianos zu Grunde liegen. Die Bedienoberfläche ist eher schlicht, doch der Klang überzeugt. Mit Verzerrung und Tremolo sind gleich zwei typische Effekte mit an Bord. Clean und brillant klingt dagegen 73 EPiano, ein Sound für die Gratis-Version FREE des Sampler-Plug-in SampleTank (wie alle hier genannten Produkte ebenfalls im Soft-Link). Auf der Website des Herstellers IK Multimedia finden Sie in der Rubrik Downloads auch noch weitere Sounds für den Sample-Player, darunter eine gut klingende B3-Orgel. Ganz den verschiedenen E-Piano-Modellen hat sich Lounge Lizard EP-2 verschrieben, das per Physical Modeling sehr authentische Rhodes- und Wurlitzer-Sounds produziert. Das Instrument spielt mit einem Preis von 250 Euro in der Profi-Liga, bietet aber sehr umfangreiche Möglichkeiten zur Klangmanipulation.

Wer sich lieber ein traditionelles Klavier in den Rechner laden möchte, kann erste kostenlose Gehversuche mit dem mda-Piano unternehmen. Wie das elektrifizierte Gegenstück erzeugt das Plug-in seine Klänge auf Sample-Basis, die Qualität ist durchaus brauchbar. Wer mehr will, muss zu einer Sample-CD und einem entsprechenden Player-Plug-in oder zu einem Piano-Spezialisten wie Steinbergs The Grand 2 greifen. Letzteres bildet den Ton zweier unterschiedlicher Flügel sehr realitätsnah ab, stellt aber beträchtliche Ansprüche an den Rechner und ist mit 240 Euro nicht ganz billig.

Organisten haben die Wahl zwischen verschiedenen kostenlosen und käuflichen Varianten der Hammond B3. Gratis ist die ZR-3 von Rumpelrausch Täips zu haben, die mit drei getrennt per MIDI ansprechbaren Zugriegel-Sätzen aufwartet. Die Simulation ist sehr ordentlich, im Test produzierte die ZR-3 allerdings gelegentlich Notenhänger. Freunde etwas härter und „digitaler“ klingender Orgeln finden auf derselben Website mit der ZR-1 eine Alternative. ORGANized trio v.III hat sich ebenfalls dem elektromechanischen Orgel-Klassiker verschrieben und gefällt mit rotzigem Sound und einer ansehnlichen Oberfläche. Unter den kommerziellen Software-Orgeln hat die rund 200 Euro teure B4 von Native Instruments die ältesten Rechte - seit 2000 ist das Instrument bereits auf dem Markt. Mit fotorealistisch nachgebildeter Oberfläche und einem variantenreichen Klang zwischen Klaus Wunderlich, Jimmy Smith und Jon Lord bedient sie auch heute noch anspruchsvolle Computer-Musiker, bei sehr moderaten Hardware-Anforderungen. Ernsteres lässt sich auf Hauptwerk von Martin Dyde anstimmen, einer 90 US-$ teuren digitalen Kirchenorgel. Die kostenlose Demo ist vollständig, streut aber ab und zu ein Glockenläuten ein. Das Programm verlangt reichlich Hauptspeicher, da die gesampelten Register-Sätze mehrere hundert Megabyte umfassen können. Der Klangcomputer-Autor hat übrigens inzwischen auch MIDIvice-Firmware-Versionen speziell für mehrmanualige Instrumente fertig gestellt, die damit perfekt harmonieren (siehe dazu auch Kasten „Flashen lassen“).

Freunden vollsynthetischer Klänge steht die größte Auswahl an Plug-ins zur Verfügung: Neben den umfangreich ausgestatteten, aber meist auch teuren und hinsichtlich der Rechnerleistung anspruchsvollen kommerziellen Produkten finden sich viele kostenlose Klangerzeuger. Gut gefallen haben uns einige Instrumente des Entwicklerverbunds smartelectronix, beispielsweise der an die Architektur des Minimoog angelehnte ASynth von Antti. Hörenswert ist auch der Synthesizer Crystal von Green Oak, der neben schwebenden Flächen-Sounds auch recht harsche digitale Klänge beherrscht. Gerade im Fall von Synthesizer-Plug-ins lohnt es sich, die eingangs genannten Websites zu durchstöbern (siehe Soft-Link).

Plug-in-Pakete für Einsteiger haben verschiedene Hersteller im Angebot. Mit Blick auf den Live-Einsatz fasst Steinberg leicht eingeschränkte Versionen verschiedener Instrumente zusammen, legt die Host-Software V-Stack 1.2 dazu und bietet das Paket für rund 150 Euro als Steinberg Performance Bundle an. Besonders Klavier-Fans kommen hier auf ihre Kosten, denn mit The Grand SE ist eine Version des virtuellen Konzertflügels an Bord, die der großen Ausgabe kaum nachsteht.

Key Rig liefert etliche der „Brot-und-Butter-Sounds“, mit denen viele Keyboarder einen Großteil ihrer Auftritte bestreiten.

Native Instruments hat bei der Klangerzeuger-Kollektion XPress Keyboards die Ableger bekannter NI-Produkte versammelt und besonders auf eine übersichtliche Bedienoberfläche geachtet. Mit den wenigen Reglern sind zwar keine drastischen Eingriffe in das Klanggeschehen möglich, zum Anpassen der Presets reichen die acht Parameter pro Instrument aber aus. Zudem lassen sich die Regler per Continuous Controller von einer MIDI-Quelle (wie dem c't-MIDIvice) aus steuern. Auch in ihren Express-Versionen laufen die Hammond-Simulation B4, der virtuelle Analog-Synthesizer Pro-53 und die Reinkarnation des digitalen Synthesizer-Klassikers DX7, der FM7, stabil und zuverlässig. Ein Manko ist jedoch die recht geringe Anzahl von Presets pro Instrument; Soundbänke der Vollversionen lassen sich leider nicht laden.

Eine Instrumenten-Sammlung unter einer gemeinsamen Oberfläche ist Key Rig von M-Audio. Zugeschnitten auf die häufig benötigten Basis-Klänge vereinen Stand-alone-Version und Plug-in ein E-Piano, eine Orgel, einen Synthesizer und ein Modul zum Abspielen von GM-Sounds. Die Instrumente sind funktional gestaltet und klingen gut, auch die Qualität der General-MIDI-Wiedergabe liegt deutlich über dem Standardniveau. Der Synthesizer MS-2 liefert zwar eher Mainstream-Kost als Experimentelles, ist dafür aber auch schnell zu durchschauen. Auch Orgel und Piano beschränken sich auf eine funktionale Ausstattung mit den wichtigsten Effekten. Während die Stand-alone-Version auf Grundlage der VSTShell von FXPansion durch unverschämten Ressourcenverbrauch und diverse Bugs auffiel, arbeitete das Plug-in unter V-Stack sehr zuverlässig und ließ sich gleich in zwei Instanzen parallel nutzen. (cm)

[1] Axel Vahldiek, Christoph Hoppe, Mit erhöhter Schlagzahl, c't 17/05, S. 102

[2] Kai Schwirzke, Christoph Laue, Rundum glücklich?, Elf Soundkarten mit Surround-Unterstützung, c't 8/01, S. 117

[3] Christoph Laue, Manfred Rindl, Soundkarten-Reigen, c't 8/05, S. 114

[4] Carsten Meyer, Spielhilfe, Der c't-Klangcomputer II, c't 14/05, S. 196

http://ct.de/0522244

MIDIvice flashen mit dem ISP-Programmieradapter

Selbst im fest eingebauten Zustand lässt sich das MIDIvice über den ISP-Programmieradapter mit aktueller Firmware versorgen. Den Frontplattenvorschlag zur CNC-Fertigung (etwa 30 Euro) finden Sie auf der Webseite des Autors.

Da inzwischen sieben verschiedene, auf die verwendeten Scan-Platinen und den Anwendungsfall zugeschnittene Firmware-Versionen vorliegen, werden für das c't-MIDIvice [4] keine fertig programmierten Controller angeboten; dies können Sie aber leicht selbst erledigen, wenn Sie einen gewöhnlichen PC mit Druckerport besitzen. Die Programmdaten, vulgo die MIDIvice-Firmware, erhält der ATmega8 über die ISP-Schnittstelle PL03 des MIDIvice, die übrigens der (weitverbreiteten) ISP-Anschlussbelegung der Entwicklungssysteme STK200/300/500 von Atmel gleicht. Die Daten landen im prozessorinternen Flash-Speicher, der sich bis zu 10 000-mal neu bespielen lässt. Es gibt verschiedene PC-Programme für Linux und Windows, mittels derer man die Firmware in den ATmega senden und auch daraus auslesen kann. Wir haben mit dem kostenlosen Programm PonyProg von Claudio Lanconelli, das es in Linux- und Windows-Varianten gibt, gute Erfahrungen gesammelt.

Wir empfehlen dringend, die Firmware des MIDIvice-ATmega8 „in circuit“ zu flashen („brennen“, „programmieren“), also in der fertig aufgebauten (d. h. mit einem unprogrammierten ATmega8 bestückten) MIDIvice-Schaltung. Das Ganze ist einfacher, als es sich zunächst anhört: Sie benötigen zum Flashen der Firmware neben PonyProg nur noch einen sehr einfachen ISP-Programmieradapter für den PC-Druckerport, der sich in wenigen Minuten mit Bauteilen aus der Bastelkiste aufbauen lässt. Sie können beispielsweise den zum BlueMP3-Projekt in c't 9/04, Seite 202 vorgestellten ISP-Adapter verwenden, für den es unter der Bestellnummer 0410203 für vier Euro bei eMedia eine Leerplatine und bei segor einen Bausatz gibt. Beide sind mit der ISP-Schnittstelle des MIDIvice pinkompatibel. Kompatible, fertig aufgebaute ISP-Programmieradapter erhalten Sie auch recht preiswert (ca. 12 Euro) bei Embedit. Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Flashen der Firmware (und selbige in der aktuellen Version) sowie weitere Tipps zum Klangcomputer-Projekt erhalten Sie auf der Webseite des Autors unter www.klangcomputer.de (siehe auch Soft-Link).