Drahtlos angedockt

WLAN-Protokollerweiterungen für bessere Ad-hoc-Vernetzung

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Seite 5: Drahtlos angedockt

Intel hat seinen neueren WLAN-Adaptern WiFi Link 1000, 5100 und 5300 die erste Windows-Implementierung eines P2P-WLAN in die Wiege gelegt, und zwar als Teil der PRO/Set Wireless Software ab Version 12.4 unter Vista und ab 13.0 auch unter Windows 7. War bislang das Drivers-only-Paket installiert, spielt man nach Auswählen der Installationsart "Angepasst" und Aktivieren von My Wifi die vollständige Version einfach darüber. My Wifi funkt als Soft-AP für maximal acht Clients auf dem gleichen Kanal wie der vorhandene AP, mit dem das Notebook verbunden ist – im 5-GHz-Band aber nur im unteren Bereich (Kanal 36–48). Läuft der Soft-AP autonom, dann arbeitet er nur im 2,4-GHz-Band.

Der My-Wifi-Treiber erstellt zwei neue virtuelle Schnittstellen, von denen die "WiFi STA" (Station) die Verbindung mit dem vorhandenen WLAN hält und "My WiFi PAN" als Access Point für das P2P-Netz funkt.

In der ersten Version hat Intel die P2P-Funktion auch bei den modernen 11n-Adaptern – der 5300er funkt immerhin mit maximal 450 MBit/s brutto – auf 11g-Geschwindigkeit (54 MBit/s) gedrosselt. Die schnelleren 11n-Raten sollen demnächst per Software-Update kommen. Sehr löblich: Als Verschlüsselung ist WPA2-AES mit langem Passwort voreingestellt. WPS-PBC und -PIN beherrscht die Software auch.

Wir konnten My Wifi vorerst nur mit herkömmlichen Clients testen, einem Centrino2-Notebook sowie einem WLAN-fähigen Nokia-Handy. Dabei zeigte sich das erzeugte WPAN nicht immer sofort in der WLAN-Übersicht des Gast-Geräts. Etwas Geduld ist angezeigt.

My Wifi agiert zwar für den WPAN-Betrieb als DHCP/DNS-Server mit dem voreingestellten Adressbereich 192.168.16.0/24. Es übernimmt aber nicht das Routing zwecks Teilen der Internet-Verbindung. Das muss das in Windows integrierte Internet Connection Sharing (ICS) übernehmen.

Um ICS zu aktivieren, erlauben Sie in den Eigenschaften der Schnittstelle "Intel WiFi STA" unter der Lasche "Freigabe" anderen Benutzern die Verwendung als Internetzugang und wählen als interne Verbindung "Intel My WiFi PAN" aus. Dabei wechselt der IP-Bereich des WPAN auf 192.168.0.0/24. Läuft zufälligerweise der Router, mit dem sich der gastgebende PC verbunden hat, im gleichen Bereich, dann ist vor dem Aktivieren ein Eingriff in der Registry nötig: Den Schlüssel HKLM\SYSTEM\CurrentControlSet\Services\SharedAccess\Parameters\ScopeAddress ändert man auf "192.168.1.1" oder ein anderes, freies Subnetz. Das Aktivieren von ICS und das eventuelle Umstellen der Adresse soll in eine der nächsten My-Wifi-Versionen integriert werden.

ICS funktionierte in unseren Tests indes nicht immer stabil. Nach einem Reboot des teilenden PCs fiel die My-WiFi-PAN-Schnittstelle oft auf eine APIPA -Adresse (169.254.x.y) zurück, statt die voreingestellte 192.168.1.1 anzunehmen. So bekam ein Gast-Notebook keine Verbindung ins Internet. Als Abhilfe kann man für die WPAN-Schnittstelle automatischen Adressbezug (DHCP) einstellen und in der dann verfügbaren "Alternativen Konfiguration" die feste IP-Adresse einstellen. Allerdings dauert es dann nach dem Hochfahren ein paar Minuten, bis die Schnittstelle die feste Adresse übernommen hat.

Wer seine vorhandene MiniPCIe-Karte ersetzen will, um My Wifi nutzen zu können, sollte das Modell Wifi Link 5300AGN wählen. Die Karte ist bei verschiedenen Online-Händlern ab 25 Euro erhältlich. Sie erreicht mit drei Antennen maximal 450 MBit/s brutto, ist aber auch schon mit zweien zufrieden, die man an ihre beiden äußeren Buchsen anschließt. Dann sind immerhin 300 MBit/s erzielbar.

Nach einem Klick auf die Schaltfläche "Neues Gerät hinzufügen" bietet das My-Wifi-Tool die Authentifizierung per WPS mit Knopfdruck (PBC, Push Button Configuration) oder PIN-Eingabe an.

Das etwas günstigere Modell 5100 ist leider kein hundertprozentiger Ersatz für die ältere 11n-Karte 4965AGN, denn es macht nur 1×2-MIMO und erreicht deshalb im Upstream (Notebook zum AP) maximal 150 MBit/s brutto. Das macht sich nachteilig bemerkbar, wenn man Backups oder haufenweise Digitalfotos drahtlos zum Server schicken will. Die 4965AGN kann indes 2×2-MIMO, schafft also 300 MBit/s in beide Richtungen.

Intel deutet diese Beschränkung der 5100er-Karte ärgerlicherweise für Laien nur schwer erkennbar an: Das Kurzdatenblatt muss man aufmerksam lesen, um mitzubekommen, dass die 300 MBit/s nur im Empfangsfall gelten. Auch in der Online-Übersicht der 5000er-Adapter hat Intel den Fakt sorgsam in einer Fußnote versteckt.

In unserem Testnotebook (Acer TravelMate 6492) mussten wir bei der 5300er den Pin 20 abkleben, damit die Schnittstelle aktiviert wurde. Weitere Tipps für den erfolgreichen Wechsel der WLAN-Karte gibt der Beitrag "Turbo-WLAN ". (ea)

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