Spontane Funknetze

WLAN-Protokollerweiterungen für bessere Ad-hoc-Vernetzung

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Was mit Bluetooth beim Headset schon lange geht, soll bald auch mit WLAN funktionieren: Auf Knopfdruck nimmt der Farblaserdrucker Verbindung mit der Digitalknipse auf, wirft das Foto aus und hält dabei seine Client-Verbindung zum Firmennetz.

Mit dem Aufkommen von immer mehr WLAN-fähiger Peripherie wie HD-Tunern und TV-Geräten, Beamern, Druckern, Digitalkameras, Smartphones, PDAs, NAS-Massenspeichern oder Spielkonsolen wird drahtlose Spontanvernetzung zunehmend interessanter. Deshalb haben sich die Normen-Arbeitsgruppen der IEEE wie auch die Herstellervereinigung Wi-Fi Alliance (WFA) daran gemacht, verbesserte Methoden für direkte WLAN-Kommunikation zu entwickeln.

Auch die Bluetooth SIG (Special Interest Group) hat die Bedeutung flotten Datenaustauschs erkannt und will mit Bluetooth 3.0 WLAN als Transportmedium shanghaien. Als Anhängsel von Bluetooth spielt der schnelle Ultrabreitbandfunk UWB noch eine Rolle, auch wenn es um ihn in letzter Zeit etwas still geworden ist. Durch die Vielfalt der Techniken droht ein Begriffs- und Normenwirrwarr, durch den wir eine Schneise schlagen und die dahinterstehenden Methoden beleuchten wollen.

Obschon 2008 pro Woche rund 19 Millionen Geräte mit Bluetooth verkauft wurden, steht der Kurzstreckenfunk auf mancher Abschussliste. Zwar wurden seit 1999 die Chipsätze immer sparsamer und die benötigte Chipfläche immer geringer, aber das Bluetooth zugrunde liegende Frequenzsprungsendeverfahren (Frequency Hopping Spread Spectrum, FHSS) hat es bis heute nicht über eine Bruttodatenrate von 3 MBit/s hinaus geschafft. Geschwindigkeit ist aber in der Branche alles, was zählt. Die größten Zahlenwerte auf den Verkaufsverpackungen entscheiden über das Wohl und Wehe im Regal des Händlers.

Was von Bluetooth bleibt, sind seine Profile, die die Kommunikation zwischen verschiedenen Geräteklassen beschreiben, etwa Handy und Headset oder Laptop und Drucker. Die Profile sind aber unabhängig vom eigentlichen Sendeverfahren. Daher hat die Bluetooth SIG beschlossen, kommende Hochgeschwindigkeitsgenerationen ihres Systems auf WLAN (Bluetooth 3.0) aufzusetzen. Vom UWB-Funk der WiMedia Alliance (Bluetooth 100x) hat sich die SIG inzwischen verabschiedet.

Nach langem Lobbydruck entschied sich die US-Frequenzregulierungsbehörde FCC im Jahr 2002, UWB-Funk (Ultrawideband) zwischen 3,1 und 10,6 GHz zuzulassen. Die erste Version arbeitete mit extrem kurzen Impulsen im Nanosekundenbereich, quasi hyperschnelles, direktes Datenmorsen, im Prinzip kaum anders als die ersten Funksender Anfang des 20. Jahrhunderts. Da zwischen 3,1 und 10,6 GHz aber längst zahlreiche andere Funkdienste tätig waren und sind, erlaubt die FCC zwecks Störungsvermeidung nur eine sehr geringe Sendeleistung von –41,3 dBm/MHz, etwa ein 135 000stel der WLAN in den USA gestatteten Leistung. Für schnelle Datenübertragung auf kurze Distanz (einige Meter) genügt das dennoch.

Nach der UWB-Zulassung entstand in der IEEE prompt eine Arbeitsgruppe innerhalb des Gremiums, das für die Bluetooth-Normierung als IEEE-Standard 802.15.1 verantwortlich zeichnete. Wireless Personal Area Networks (WPAN) nach 802.15.3a sollten mindestens 100 MBit/s erreichen. Bei den UWB-Lobbyisten, überwiegend emporstrebenden Start-ups, entstanden eine Menge Impulsfunk-Know-how und Patente für 802.15.3a. Neben den kleineren Parteien machten sich auch Motorola und seine ehemalige Halbleitersparte Freescale für den Impulsfunk stark.

Der Rest der IT-Branche hatte allerdings Bedenken gegenüber der im Prinzip alten, aber in der modernen Variante unerprobten Funktechnik. Der Vorschlag von Texas Instruments, für 802.15.3a doch schlicht den vertrauten OFDM-Funk (Orthogonal Frequency Division Multiplex) wie bei 802.11g/11a-WLAN zu verwenden, wurde begeistert von den Großen der Branche angenommen. In der Multiband OFDM Alliance (MBOA) schlossen sie sich zusammen.

So standen sich in der Normungsgruppe 802.15.3a zwei Lager gegenüber, zwischen denen es keine Einigung auf einen gemeinsamen Standard geben konnte. Schließlich siegte die Vernunft: Im Januar 2006 stellte die Gruppe 802.15.3a Antrag auf ihre eigene Auflösung.

Die gegenseitige Blockade verzögerte die Markteinführung von UWB aber um Jahre und überließ anderen Techniken das Feld. Inzwischen wildert sogar das als wenig energiesparsam verrufene schnelle 802.11n-WLAN in Marktsegmenten, die vormals fest in UWB-Hand gesehen wurden. Das UWB-Forum verschwand schließlich vom Markt. Aufgegangen in der WiMedia Alliance agierte die MBOA wesentlich erfolgreicher. Ihr Funksystem erhielt mit diversen Standards (ECMA 368, 369, ETSI TS 102 455, ISO/IEC 26907 und 26908) internationale Weihen, aber für manche Gründungsmitglieder war die Finanzdecke zu dünn geworden. Nicht nur Intel und TI stiegen 2008 aus, auch schlossen die Wagniskapitalgeber im gleichen Jahr die Tore der Firma WiQuest.

Und so sieht die WiMedia Alliance trotz gewonnener UWB-Schlacht ihrem Ende entgegen. Die Übertragung ihres Funksystems in die Bluetooth SIG und das USB Implementers Forum war längst beschlossene Sache. Weil aber nicht alle der mehr als 350 Alliance-Mitglieder einer kostenfreien Nutzung ihrer in WiMedia eingeflossenen Patente zustimmen wollten, lehnte die Bluetooth SIG ab. Deren Richtlinien sehen nämlich vor, dass für die Umsetzung eines Bluetooth-Standards keine Gebühren zu zahlen sind. Wenn überhaupt, wird die WiMedia-Funktechnik daher nur noch als drahtloses USB dienen.

So wird der mit bis zu 600 MBit/s lockende 802.11n-Funk mit jeder neuen Chipsatz-Generation attraktiver. Des Blauzahns unmittelbare Zukunft heißt indes 802.11g. Die 2009 offengelegte Bluetooth-3.0-Spezifikation sieht als Basis nach wie vor eine 3-MBit/s-Verbindung vor, über die auch Steuerdaten und Sitzungsschlüssel ausgetauscht werden. Der maximal 54 MBit/s schnelle 802.11g-Link dient lediglich als "Offload Channel", wenn viele Daten zu übertragen sind. Das funktioniert auch ohne einen WLAN-Access-Point (AP) in der Nähe. Da Bluetooth-3.0-Geräte überdies die Sendeleistung des 802.11g-Moduls an die Funksituation anpassen, sollen etablierte WLAN-Zellen kaum beeinträchtigt werden.

Bluetooth 3.0 nimmt WLAN als Massentransportmedium: Die Verbindungsaushandlung läuft wie gewohnt per Bluetooth-Funk (blau), doch die Nutzdaten fließen über das deutlich schnellere WLAN-Modul.

Unterm Strich könnte Bluetooth 3.0 sogar Kapazität im 2,4-GHz-Band schaffen, da die reine Datenübertragung per 802.11g wesentlich schneller abgeschlossen ist als per herkömmlichem Bluetooth. Bluetooth 3.0 ist keine Revolution, sondern eher reiner Pragmatismus. Die hieraus entstehende Chance weiß die Wi-Fi Alliance vorzüglich zu nutzen und dient den WLAN-Standard 802.11 als Universallösung für immer mehr Anwendungen an.

Beim klassischen WLAN gibt es eine Basisstation, typischerweise den im Internet-Router integrierten AP, und Clients. Der AP agiert als Übergang (Bridge) zum Kabel-LAN und via Router auch zum Internet. Die Clients schicken ihre Daten stets über den AP, auch wenn sie andere WLAN-Teilnehmer auf direktem Weg besser erreichen könnten. Diese Betriebsart heißt Infrastruktur-Modus. Die APs stellen darin eine Erweiterung des vorhandenen Netzwerks für mobile Geräte dar.

Weil diese Sterntopologie einfach zu verwalten ist und Netzfunktionen an einen zentralen Punkt ausgelagert werden können, verlassen sich fast alle WLANs auf einen AP. Zwar haben die Entwickler der WLAN-Norm IEEE 802.11 auch einen von APs unabhängigen Ad-hoc-Modus (Independent BSS, IBSS) in die Wiege gelegt, mit dem WLAN-Clients ähnlich wie bei Bluetooth ein spontanes Funknetz untereinander aufbauen können. Sie haben den IBSS-Modus aber nur unscharf spezifiziert, sodass die Geräteentwickler bei vielen Implementierungsdetails ihrer Intuition folgen müssen.

Im klassischen WLAN läuft jeglicher Datenverkehr über den zentralen Access Point, auch wenn zwei Geräte wie hier Notebook und Tablet-PC direkt schneller kommunizieren könnten.

Deshalb gibt es häufig Probleme, WLAN-Geräte verschiedener Hersteller ad hoc miteinander zu verknüpfen. Das Zertifizierungsgremium der WFA, das sich die Interoperabilität von 802.11-Produkten auf die Fahne geschrieben hat, geht sogar davon aus, dass rund 60 Prozent der Testkosten fürs Wi-Fi-Label allein auf den Ad-hoc-Modus entfallen. Sichere Verschlüsselung ist im IBSS-Modus auch nicht spezifiziert.

Der IEEE-Standard 802.11e für Dienstgüteunterstützung (Priorisierung für verschiedene Verkehrstypen, QoS) enthält ein Verfahren, das Stationen in einem Infrastructure BSS direkte Kommunikation erlaubt. So müssen diese ihre Daten nicht erst zum AP senden, der sie dann zum Empfänger weiterreicht, was Performance frisst, weil die gleichen Daten zweimal durch die Luft gehen. Deshalb drängt sich Direct Link Setup (DLS) geradezu auf, wenn der HD-Fernseher direkt neben dem Blu-ray-Abspieler steht. So kann das Video statt zwei mal den langen Weg zum AP im Flur nur einmal die viel kürzere, folglich weniger gedämpfte und somit schnellere Direktverbindung nehmen.

Da die Standardisierung von 802.11e seinerzeit nicht zu einem Ende zu kommen schien, entschied sich die WFA anno 2004 kurzerhand dazu, Teile des 802.11e-Entwurfs für die eigene Spezifikation Wi-Fi Multimedia (WMM) herzunehmen. DLS war leider nicht dabei, weshalb es heute kaum APs gibt, die es beherrschen. Leider lassen sich viele APs, die landauf, landab an den Wänden hängen, nicht aufrüsten, sei es, weil ihre Hardware das nicht hergibt oder der Hersteller schlicht kein Software-Upgrade anbietet.

Da aber immer mehr Unterhaltungselektronik von einer direkten Verbindung profitieren könnte, entsteht seit 2007 mit 802.11z (Tunneled Direct Link Setup, TDLS) ein vom AP unabhängiger DLS. Optional können sie dabei sogar vorübergehend den Funkkanal wechseln, um dort Daten zu tauschen, ohne das sonstige WLAN zu belasten. Dazu sieht der derzeitige Entwurf vor, dass die beteiligten Stationen dem AP melden, dass sie vorübergehend in den Ruhezustand fallen. Zwei per TDLS auf einem Nebenkanal kommunizierende Stationen müssen also regelmäßig beim AP auf dem Basiskanal nachfragen, ob inzwischen Daten aufgelaufen sind. Das Aushandeln des TDLS verpacken die Clients in spezielle Ethernet-Frames (Container). Der AP reicht diese wie sonst üblich weiter und bekommt deshalb vom TDLS-Aufbau nichts mit.

Losgelöst von den Standardisierungsarbeiten der IEEE entsteht mit der Wi-Fi-Direct-Spezifikation (P2P) der WFA ein Bluetooth-Killer (im Folgenden der Kürze halber als P2P-WLAN bezeichnet). Intel hat bereits eine erste Umsetzung namens My Wifi herausgebracht. In einem P2P-WLAN springt eines der beteiligten Geräte als Access Point ein und heißt dann P2P Group Owner. Viele mobile Geräte und erst recht Laptops bieten ausreichende Rechenleistung, um einen Access Point in Software (Soft-AP) zu implementieren. Mit dem HostAP-Daemon und dem Madwifi-Treiber lassen sich unter Linux schon lange auf einem 802.11-Modul mehrere Schnittstellen gleichzeitig realisieren, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Auch Microsoft hat diese Technik mit Windows 7 jüngst der Allgemeinheit zugänglich gemacht.

Was auf den ersten Blick wenig innovativ erscheint, hat für die WFA den Vorteil, dass sie auf bereits von der IEEE standardisierte Verfahren – wie ein Access Point und wie eine Station zu funktionieren haben – zurückgreifen kann und so nur die Details für höhere Ebenen festlegen muss.

P2P baut ein verkettetes Funknetz auf: Das Notebook hängt als Client am WLAN-Router und agiert seinerseits als Access Point für Beamer und Drucker, Letzterer wiederum als AP für die Digitalkamera.

Der Kniff funktioniert bestens mit vorhandenen WLAN-Geräten, denn für die digitale Fotokamera mit WLAN-Schnittstelle sieht der P2P-Access-Point genauso aus wie ein herkömmlicher. Der als P2P-AP arbeitende Rechner muss lediglich auf den höheren Ebenen Dienste bereitstellen, etwa einen DHCP-Server zum automatischen Vergeben von IP-Adressen oder UPnP für Service Discovery.

Während der Laptop als P2P-AP die umliegenden WLAN-fähigen Peripheriegeräte als Clients an sich bindet, kann er selbst als Client mit dem Internet verbunden bleiben, sei es über einen Hotspot, das Firmennetz oder den heimischen WLAN-Router. Diese Verbindung kann er mit seinen P2P-Clients teilen. Dabei steckt aber der Teufel im Detail: Das simple Weiterreichen von WLAN-Paketen als Repeater klappt nicht, denn dafür nötige Modus ist gar nicht spezifiziert und seine Bezeichnung Wireless Distribution System (WDS) daher schon lange auf der Abschussliste der IEEE.

Abhilfe wird der Mesh-Standard 802.11s schaffen, der sich per Softwareupdate nachrüsten ließe. Damit das ganze funktioniert, müssten jedoch ausnahmslos alle APs mit 802.11s nachgerüstet werden. Weil normales WLAN nicht genug Adressfelder kennt, um Pakete zweifelsfrei weiterzuleiten, untersagt die Wi-Fi-Direct-Spezifikation das direkte Weiterleiten auf Layer 2. Der Laptop muss als Layer-3-Router fungieren, was Intel bei My Wifi dem in Windows eingebauten Internet Connection Sharing (ICS) überlässt.

Die P2P-Spezifikation ist zwar schon weit fortgeschritten, aber bei Details gibt es noch Kontroversen. Eine Fraktion des P2P-Gremiums pocht darauf, dass jedes zertifizierte P2P-Gerät zwecks universeller Brauchbarkeit auch als Access Point arbeiten kann. Andernfalls könne sich der Kunde nicht auf die Zertifizierung verlassen und müsste selbst peinlich darauf achten, dass seiner P2P-Gruppe immer mindestens ein AP-fähiges Gerät angehört.

Die Gegenseite hält entgegen, dass dann auch P2P-fähige WLAN-Fernbedienungen und -Sprechgarnituren zu den AP-fähigen Geräten gehören müssten. Gerade diese Geräte werden aber stets mit schwachbrüstigen Akkus und Prozessoren ausgestattet sein, sodass sie selbst möglichst oft im Ruhezustand anstatt in der Rolle als P2P-AP verweilen sollten. So wird es wohl unumgänglich sein, in einem P2P-Netz die Rolle des APs dynamisch an das jeweils leistungsfähigste Gerät wandern zu lassen.

Ferner ist noch unklar, wie sich ein Laptop verhält, der einerseits als Station mit einem regulären AP verbunden ist, andererseits selbst als AP für die umliegende Peripherie arbeitet und dann womöglich auf einen P2P-fähigen Drucker trifft. Wenn dieser Drucker selbst als P2P-AP Stationen bedient, die der Laptop nicht erreicht, darf der Drucker seine Group-Owner-Rolle nicht ohne Weiteres zugunsten des Laptops aufgeben.

Bluetooth-Experten kommt das Problem bekannt vor: Die dort als Scatternet definierten Multi-hop-Netze sind schwierig zu implementieren und spielen bis heute keine kommerzielle Rolle.

Zum sicheren Verbinden von Clients mit dem P2P-Netz zieht die WFA das bereits eingeführte Wi-Fi Protected Setup (WPS) heran. WPS kennt mehrere Methoden für die Authentifizierung: Per Near Field Communication können sich WPS-NFC-fähige Geräte über einen separaten Funkkanal auf Verschlüsselungsmethode und Sitzungsschlüssel verständigen. Dazu muss man sie nur in den Koppelmodus versetzen und nah aneinander bringen. Das PIN-Verfahren arbeitet wie von Bluetooth bekannt: Client oder AP geben eine hier achtstellige Nummer vor, die man auf der Gegenseite eintippen muss – was mindestens ein Display und eine Zifferntastatur voraussetzt. Das einfachste Verfahren ist WPS-PBC (Push Button Configuration), man drückt lediglich nacheinander an beiden Geräten auf einen Knopf. Die vierte Variante überträgt die WLAN-Konfiguration per USB-Stick, was aber nur bei Geräten mit USB-Host-Funktion machbar ist.

Mit dem in IEEE 802.11z spezifizierten TDLS können Blu-ray-Player und HD-Fernseher optional auf einem separaten Kanal an der Basisstation vorbeifunken, ohne ihre Verbindung zum WLAN-Router zu verlieren.

Bei P2P-Netzen ändert sich zwar die WPS-Bedienung nicht, aber die im Hintergrund arbeitenden Methoden. Nach dem aktuellen P2P-Entwurf entfällt der normalerweise im AP laufende zentrale WPS Registrar, denn ein P2P-Netz soll auch fortbestehen können, wenn der bisherige Group Owner offline geht. Die Clients sollen sich zudem die bekannten P2P-Netze merken, um ihnen beim Wiedereinschalten ohne neue Verhandlung beitreten zu können, und zwar mit mindestens 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit innerhalb von fünf Sekunden. Da für alle P2P-Geräte die WFA-Zertifizierung vorausgesetzt wird, ist auch schon die Verschlüsselungsmethode WPA2 (AES) statt des weniger sicheren WPA (TKIP) festgeschrieben.

Neben Wi-Fi Direct hat die WFA noch eine Arbeitsgruppe gegründet, die dem alten IBSS-Modus WPA-Verschlüsselung mit WPS beibringen soll. Damit könnten mehrere Geräte – etwa ein Bluray-Player, HDTV-Fernseher und Aktivboxen – gleichzeitig ein Spontannetz unabhängig vom AP aufbauen, das auch Multicast transportiert. Bei TDLS können indes immer nur genau zwei Geräte interagieren.

Fungiert ein Gerät in diesem IBSS wiederum als Router auf Schicht 3, sind auch Verbindungen ins Internet oder andere Netze möglich. Obschon Wi-Fi Direct und das sichere IBSS teils überlappende Einsatzbereiche haben, erfährt Wi-Fi Direct wesentlich mehr Aufmerksamkeit. Von einer weiten Verbreitung des sicheren IBSS Modus ist daher kaum auszugehen.

Parallel zur Standardisierung einfacher spontaner Netze läuft eine Initiative für einheitliche drahtlose Video-Links an. Die "Wi-Fi Display"-Gruppe soll Richtlinien für mindestens zu garantierende Datenraten und maximale erlaubte Latenzen definieren, damit Videos per WLAN ohne Stottern laufen. Zwecks Interoperabilität wird auch eine Auswahl von Codec-Profilen dazugehören. Das soll nicht nur der Verbindung zwischen Blu-ray-Player und HD-Fernseher zugutekommen, sondern beispielsweise auch interaktiven Anwendungen wie Vorführungen und Spielen.

Ziel dieser WFA-Bemühung ist, ein stärkeres Standbein im Unterhaltungselektronikmarkt zu bekommen. Da Wände durchquerende Funkdaten den Bedenkenträgern der Film- und Fernsehindustrie ein Grauen sind, soll Wi-Fi Display natürlich auch eine geeignete Rechteverwaltung à la HDCP enthalten.

WLAN wird sich mit Peer-to-Peer und (T)DLS fraglos noch mehr zu einem allgegenwärtigen Allzweckwerkzeug für drahtlosen Datentransport entwickeln und Bluetooth beziehungsweise UWB vermehrt Konkurrenz machen. Gleichzeitig sind diese Ausweitungen der Spezifizierung und die Einführung neuer, hochspezialisierter Erweiterungen auf bestimmte Nischenmärkte aber auch das größte Manko. Den ratlos vorm Elektromarktregal stehenden Anwendern den Unterschied zwischen P2P, dem veralteten IBSS-Ad-hoc-Modus und (T)DLS klar zu machen, dürfte schwierig werden.

Zudem geht die P2P-Spezifikation der WFA für sinnvollen Einsatz in der Unterhaltungselektronik noch nicht weit genug: Ob P2P-Geräte künftig auch (T)DLS unterstützen, um den unnötigen Umweg über den zentralen AP zu vermeiden, ist noch unklar. Mit der weit fortgeschrittenen Mesh-Spezifikation (IEEE 802.11s) bietet sich obendrein eine alles erschlagende Lösung an: Mesh-Geräte können Daten auch über mehr als einen Hop transportieren und sind prinzipiell vollkommen dezentral organisiert.

So rächt sich, dass die WLAN-Hersteller – vom Blick auf schnelle Gewinne und kurzfristige Lösungen getrieben – die Verabschiedung von 802.11s nicht abwarten und mit heißer Nadel gestrickte Lösungen wie die P2P-Spezifikation ersinnen. Der Leidtragende wird ein weiteres Mal der Kunde sein, denn statt klarer Strukturen droht ein Wust von Möglichkeiten und Netztopologien. (ea)

Intel hat seinen neueren WLAN-Adaptern WiFi Link 1000, 5100 und 5300 die erste Windows-Implementierung eines P2P-WLAN in die Wiege gelegt, und zwar als Teil der PRO/Set Wireless Software ab Version 12.4 unter Vista und ab 13.0 auch unter Windows 7. War bislang das Drivers-only-Paket installiert, spielt man nach Auswählen der Installationsart "Angepasst" und Aktivieren von My Wifi die vollständige Version einfach darüber. My Wifi funkt als Soft-AP für maximal acht Clients auf dem gleichen Kanal wie der vorhandene AP, mit dem das Notebook verbunden ist – im 5-GHz-Band aber nur im unteren Bereich (Kanal 36–48). Läuft der Soft-AP autonom, dann arbeitet er nur im 2,4-GHz-Band.

Der My-Wifi-Treiber erstellt zwei neue virtuelle Schnittstellen, von denen die "WiFi STA" (Station) die Verbindung mit dem vorhandenen WLAN hält und "My WiFi PAN" als Access Point für das P2P-Netz funkt.

In der ersten Version hat Intel die P2P-Funktion auch bei den modernen 11n-Adaptern – der 5300er funkt immerhin mit maximal 450 MBit/s brutto – auf 11g-Geschwindigkeit (54 MBit/s) gedrosselt. Die schnelleren 11n-Raten sollen demnächst per Software-Update kommen. Sehr löblich: Als Verschlüsselung ist WPA2-AES mit langem Passwort voreingestellt. WPS-PBC und -PIN beherrscht die Software auch.

Wir konnten My Wifi vorerst nur mit herkömmlichen Clients testen, einem Centrino2-Notebook sowie einem WLAN-fähigen Nokia-Handy. Dabei zeigte sich das erzeugte WPAN nicht immer sofort in der WLAN-Übersicht des Gast-Geräts. Etwas Geduld ist angezeigt.

My Wifi agiert zwar für den WPAN-Betrieb als DHCP/DNS-Server mit dem voreingestellten Adressbereich 192.168.16.0/24. Es übernimmt aber nicht das Routing zwecks Teilen der Internet-Verbindung. Das muss das in Windows integrierte Internet Connection Sharing (ICS) übernehmen.

Um ICS zu aktivieren, erlauben Sie in den Eigenschaften der Schnittstelle "Intel WiFi STA" unter der Lasche "Freigabe" anderen Benutzern die Verwendung als Internetzugang und wählen als interne Verbindung "Intel My WiFi PAN" aus. Dabei wechselt der IP-Bereich des WPAN auf 192.168.0.0/24. Läuft zufälligerweise der Router, mit dem sich der gastgebende PC verbunden hat, im gleichen Bereich, dann ist vor dem Aktivieren ein Eingriff in der Registry nötig: Den Schlüssel HKLM\SYSTEM\CurrentControlSet\Services\SharedAccess\Parameters\ScopeAddress ändert man auf "192.168.1.1" oder ein anderes, freies Subnetz. Das Aktivieren von ICS und das eventuelle Umstellen der Adresse soll in eine der nächsten My-Wifi-Versionen integriert werden.

ICS funktionierte in unseren Tests indes nicht immer stabil. Nach einem Reboot des teilenden PCs fiel die My-WiFi-PAN-Schnittstelle oft auf eine APIPA -Adresse (169.254.x.y) zurück, statt die voreingestellte 192.168.1.1 anzunehmen. So bekam ein Gast-Notebook keine Verbindung ins Internet. Als Abhilfe kann man für die WPAN-Schnittstelle automatischen Adressbezug (DHCP) einstellen und in der dann verfügbaren "Alternativen Konfiguration" die feste IP-Adresse einstellen. Allerdings dauert es dann nach dem Hochfahren ein paar Minuten, bis die Schnittstelle die feste Adresse übernommen hat.

Wer seine vorhandene MiniPCIe-Karte ersetzen will, um My Wifi nutzen zu können, sollte das Modell Wifi Link 5300AGN wählen. Die Karte ist bei verschiedenen Online-Händlern ab 25 Euro erhältlich. Sie erreicht mit drei Antennen maximal 450 MBit/s brutto, ist aber auch schon mit zweien zufrieden, die man an ihre beiden äußeren Buchsen anschließt. Dann sind immerhin 300 MBit/s erzielbar.

Nach einem Klick auf die Schaltfläche "Neues Gerät hinzufügen" bietet das My-Wifi-Tool die Authentifizierung per WPS mit Knopfdruck (PBC, Push Button Configuration) oder PIN-Eingabe an.

Das etwas günstigere Modell 5100 ist leider kein hundertprozentiger Ersatz für die ältere 11n-Karte 4965AGN, denn es macht nur 1×2-MIMO und erreicht deshalb im Upstream (Notebook zum AP) maximal 150 MBit/s brutto. Das macht sich nachteilig bemerkbar, wenn man Backups oder haufenweise Digitalfotos drahtlos zum Server schicken will. Die 4965AGN kann indes 2×2-MIMO, schafft also 300 MBit/s in beide Richtungen.

Intel deutet diese Beschränkung der 5100er-Karte ärgerlicherweise für Laien nur schwer erkennbar an: Das Kurzdatenblatt muss man aufmerksam lesen, um mitzubekommen, dass die 300 MBit/s nur im Empfangsfall gelten. Auch in der Online-Übersicht der 5000er-Adapter hat Intel den Fakt sorgsam in einer Fußnote versteckt.

In unserem Testnotebook (Acer TravelMate 6492) mussten wir bei der 5300er den Pin 20 abkleben, damit die Schnittstelle aktiviert wurde. Weitere Tipps für den erfolgreichen Wechsel der WLAN-Karte gibt der Beitrag "Turbo-WLAN ". (ea)

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