Sportuhren: Welche ist die richtige?

Läufer mit Sportuhr

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Bild: TomTom

Die richtige Sportuhr kann über Erfolg oder Frust beim Training entscheiden. Solche Uhren kosten zwischen 20 und 800 Euro – was bekommt man fürs Geld und für wen lohnt sich welche Sportuhr?

Es gibt Leute, die machen Sport und andere, die es irgendwann mal drangegeben haben. Etwa weil sie statt Glückshormon-Ausschüttungen beim Laufen dicke Knie bekamen. Andere fühlten trotz aller Anstrengungen weder einen Konditions- noch einen Tempozuwachs – obwohl es beim Sport meist um "höher, schneller, weiter" geht.

Hier kann die passende Sportuhr gerade Anfängern sie kräftig unter die Arme greifen. Die Uhren liefern so viele Daten, wie sie vor einigen Jahren nicht mal Profis zur Verfügung hatten: die Zahl der Herzschläge pro Minute und deren Verlauf, die Streckenlänge, die Anzahl der Schritte und sogar die Vertikalbewegung der Füße.

Petar Miloševic (CC-BY-SA 4.0)
Casios F-91W hat eine Stoppuhr und taugt für die Joggingrunde abends. Man sollte sie allerdings nicht am Flughafen tragen, denn sie gilt als typische Uhr von Terroristen. (Bild: Petar Miloševic (CC-BY-SA 4.0) )

Wer sich mit der Auswertung der Daten beschäftigt, kann beispielsweise einen für Laufanfänger typischen Fehler erkennen: zu große und zu wenige Schritte mit zu hohen Sprungbewegungen beim Laufen. Letzere sorgen für Knieschmerzen und verschaffen manchem die vielleicht heimlich gewünschte Ausrede, mit dem Sport nicht mehr weiterzumachen.

Die Features und der Datenwust mancher Uhren kann durchaus helfen, die persönlichen Leistungsgrenzen zu verschieben. Doch nicht jeder braucht eine bis ins letzte hochgezüchtete Sportuhr. Damit Sie einfacher die passende Sportuhr für Ihre Ansprüche finden, skizzieren wir im Folgenden typische Merkmale der verschiedenen Uhrengattungen. In den Bilderstrecken finden Sie spezifische Modelle aus der jeweiligen Kategorie.

Schon ab 20 Euro bekommen Sie Uhren, die Zeiten stoppen und Runden zählen können – sofern Sie beim Erreichen der nächsten Runde einen Knopf auf der Uhr drücken, denn eigene Intelligenz bringen Uhren dieser Leistungsklasse nicht mit. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Batterie ein weit verbreitetes Modell ist (wie die CR2025) und leicht selbst zu wechseln ist, denn sonst wäre der Neukauf einer Uhr nach dem Ableben der Batterie vermutlich billiger.

Wer sicher weiß, dass er keine zusätzlichen Funktionen benötigt und die Uhr lange tragen möchte, sollte außerdem prüfen, ob die Uhr ein Standard-Armband hat, für das ein Ersatz erhältlich ist. Noch besser wäre es, wenn die Uhr Standard-Stegbreiten von 20 beziehungsweise 22 Millimeter aufweist. Solche Stoppuhren sind ein Kauftipp für Sportler, die recht gut über ihre Leistungen im Bilde sind und lediglich grob ihre Zeiten im Blick behalten wollen. Da die Uhr keinerlei Daten speichert oder mit Sport-Portalen im Netz synchronisiert, bleiben die Daten privat. Gerade bei den preisgünstigen Modellen tut ein Verlust oder Defekt überdies nicht besonders weh.

Eine Fitness-Uhren vereint die Funktionen von Uhr und Fitnesstracker. Sie richtet sich an Menschen, die motiviert werden wollen, sich im Alltag mehr zu bewegen, um erholter zu sein und die das irgendwie an Zahlen festmachen möchten. Typisches Merkmal von Fitness-Uhren ist deshalb ein Schrittzähler und eine Schlafauswertung, ihnen fehlen typische Sport-Funktionen wie die Stoppuhr. Fitness-Uhren bewerten die Bewegungsfreudigkeit ihrer Träger mit Hilfe eines eingebauten Sensors.

Im Unterschied zu reinrassigen Fitnesstrackern haben sie den Formfaktor einer Uhr, was beispielsweise bei der Fitnessuhr Fitbit Blaze einer der wenigen Unterschiede zum Fitbit Charge 2 ist (Beim Charge 2 fehlen außerdem die Musiksteuerung und die Trainingseinheiten auf dem Display). Tatsächlich verschwimmt die Grenze zwischen Fitness-Band und Fitness-Uhr.

Anders als einfache Uhren brauchen sie eine Verbindung zum Smartphone und zu einer der Uhr zugeordneten App und damit einem Fitness-Portal. Die Ausrichtung dieser Portale ist sehr unterschiedlich. Während Garmin, Polar und Sigma sich beispielsweise eher auf die Trainingsauswertung konzentrieren und Schritte- wie Gewichts-Tracking nur im Nebenjob betreiben, lässt sich bei Fitbit die Ernährung verfolgen, aber das Training selbst nicht so detailliert auswerten.

Nicht alle Fitness-Uhren haben eine ganztägige Pulsüberwachung. Die Kommunikation mit dem Smartphone, aber auch der Betrieb der Sensoren benötigen so viel Strom, dass Fitnessuhren nicht ohne eingebauten Akku auskommen. Es gibt einige wenige Modelle, die gewöhnliche Zeiger und lediglich einen Schrittzähler haben – diese befinden sich bezüglich der Sportfunktionen hart an der Grenze zur gewöhnlichen Uhr und werden durch eine herkömmliche Batterie befeuert, die mehrmals im Jahr ausgetauscht werden muss.

Polar Herzfrequenzzonen
Herzfrequenzzonen erleichtern die Beurteilung des Trainings.

Die am weitesten verbreitete Gattung der Sportuhren sind Pulsuhren. Wie der Name sagt, messen solche Uhren den Puls, also die Druckwelle des Blutes, das mit jedem Herzschlag durch die Adern gepresst wird. Während das bis vor zwei Jahren beinah ausschließlich per Brustgurt zu machen war, können immer mehr Uhren die Pulsmessung mit einem optischen Sensor am Handgelenk ermitteln. Diese Messung ist für viele Zwecke ausreichend genau, kurze Pulsspitzen werden bei der optischen Messung allerdings oft nicht präzise erfasst. Dafür können einige Pulsuhren mit optischer Messung den Pulsschlag den ganzen Tag über (meist periodisch) abfragen und auch im Schlaf aufzeichnen.

Wer beim Training seinen Puls im Blick behalten will, folgt den Erkenntnissen aus der Sportmedizin. Sie ordnet jedem Pulsbereich eine bestimmte Wirkung auf den Körper zu, weshalb Pulsuhren außer der reinen Frequenz des Herzschlages in der Regel fünf Herzfrequenzzonen auswerfen. Sie reichen von einem eher niedrigen Puls für das leichte Herz-Kreislauf-Training bis hin zum anaeroben Bereich mit sehr schnellem Pulsschlag, bei dem der Körper seinen Sauerstoffbedarf nicht mehr decken kann.

Wo diese Bereiche beginnen und enden, bestimmt die Uhr nach Alter und Geschlecht grob vorab. Alle Uhren erlauben, die Pulsbereiche auch selbst festzulegen. Das ist sinnvoll, wenn man besonders trainiert ist oder die Herzfrequenz aus gesundheitlichen Gründen nicht im Normalbereich liegt.

Für die gezielte Verbesserung von Ausdauer oder Schnelligkeit trainiert man in verschiedenen Pulsbereichen: Intervalltrainings sind dafür erstes Mittel der Wahl, weshalb Sportuhren einen solchen Modus anbieten sollten. Idealerweise lassen sich dafür Randbedingungen festlegen, etwa: Eine Serie beginnend mit Warmmachen und fünf Wiederholungen von drei Minuten Pulsbereich 4, gefolgt von einer Minute Pulsbereich 2 und einer Abklingphase von einigen Minuten. Bei Uhren mit GPS-Streckenmessungen sind statt der Pulsbereiche auch Tempobereiche denkbar. Art und Zusammensetzung der Intervalle können Sie Trainingsplänen entnehmen.

Intervalltraining erstellen
Intervalltrainings erstellt man bei Garmin Connect auf der Weboberfläche und überspielt sie per Synchronisation auf die Uhr.

Einige Pulsuhren erlauben das Erstellen solcher festen Trainingseinheiten, entweder direkt mit der Uhr oder über das damit verbundene Portal des Anbieters. Bei Polar, Garmin und Suunto gibt es beispielsweise Programme für ein zielgerichtetes Lauftraining, das jeweils an die persönlichen Vorgaben angepasst werden kann. Bei Fitbit sind Trainingspläne ebenfalls erhältlich, jedoch nur in der Premium-Variante.

Außer der Pulsmessung sind je nach Sportart verschiedene weitere Sensorenwerte, Angaben und Funktionen wichtig. Etwa der Pace-Wert, der besagt, wie lange man für einen Kilometer braucht. Als Richtschnur: Anfänger starten häufig mit 8 bis 9 Minuten pro Kilometer, geübtere Läufer sind mit 4:30 bis 6:30 min/km unterwegs. Der Pace-Wert lässt sich ohne Kenntnis der Streckenlänge nicht ermitteln. Pulsuhren können dafür entweder eine Schrittzählung (mulipliziert mit der zuvor eingegebenen Schrittlänge) benutzen oder, falls vorhanden, eine Ortsbestimmung per GPS.

Hier muss man beim Kauf darauf achten, ob die Uhren das GPS-Modul selbst mitbringen oder ob sie die Werte für eine Streckenmessung über ein per Bluetooth gekoppeltes Smartphone bekommen. Ein Smartphone während des Trainings mitzuschleppen ist nicht jedermanns Sache. Beide Messmethoden, GPS und Schritteberechnung aus Länge und Anzahl der Schritte sind wichtig – Letzere übernimmt beispielsweise in Innenräumen, in denen GPS versagt.

Polar Laufsensor
Ein Laufsensor, hier von Polar, wird fest am Schuh befestigt. (Bild: Polar )

Extra Laufsensoren für Pulsuhren kommen langsam aus der Mode, zumal die eingebauten Bewegungssensoren in den Uhren den Job passabel im Griff haben. Bei Garmin steckt die Laufsensorik auch im Brustgurt für die Pulsmessung.

Wer seine Uhr zum Radfahren verwenden will, sollte sich vergewissern, dass sie sich mit externen Sensoren koppeln lassen, die beispielsweise die Trittfrequenz erfassen oder die Umdrehungen des Rades für das Training auf der Rolle.

Beim Triathlon oder vergleichbaren Wettkämpfen, in denen es auf die Addition von Zeiten aus verschiedenen Disziplinen ankommt, sollte man die Aktivitäten getrennt voneinander erfassen können und etwaige Wechselzeiten zum Umziehen oder Umsteigen von der Messung ausschließen (oder sie einbeziehen) können. Selbstredend muss man am Schluss auch eine Gesamtzeit ermitteln können.

Und: Die Uhren müssen sich überhaupt für die einzelnen Disziplinen eignen. Eine Triathlon-Uhr darf beispielsweise nicht wasserscheu sein. Für die Radstrecke sollte sie wenigstens die Strecke und das Tempo aufzeichnen. Für eine gezielte Verbesserung in einzelnen Sportarten können weitere Sensoren hilfreich sein, zum Beispiel Trittfrequenzsensoren fürs Rad, schwimmtaugliche Pulsgurte sowie Schnellwechselhalterungen.

Hart an der Grenze zu Sportuhren liegen Uhren, die sich nur einem bestimmten Sport befassen, wie Golf, Segeln oder Schwimmen. Bei Golfuhren können beispielsweise Pläne für Golfplätze und eine Scorecard-Funktion integriert sein. Einige besondere Funktionen bringen auch Outdoor-Uhren zum Wandern und Bergsteigen mit, zum Beispiel einen barometrischen Höhenmesser. Viele Spezialfunktionen lassen sich allerdings auch mit Apps auf Smartwatches erledigen, solange kein darin fehlender Sensor abgefragt werden soll. (mil)

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