Neue Dateisysteme, schneller Systemstart

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Seite 2: Neue Dateisysteme, schneller Systemstart

Mit Linux 2.6.29 kommt das von vielen wichtigen Linux-Dateisystem-Entwicklern zum "Next Generation Filesystem for Linux" gekürte "Copy On Write"-Dateisystem Btrfs in den Hauptentwicklungszweig des Kernels. Fertig ist Btrfs aber bei weitem noch nicht – vielmehr wollen die Kernel-Hacker es im Rahmen der Kernel-Entwicklung weiter verbessern und reifen lassen, ähnlich wie es bei Ext4 der Fall war. Das hatten die Kernel-Entwickler im Herbst 2006 mit Linux 2.6.19 aufgenommen und anschließend weiter verbessert; die Hauptentwicklungsphase beendeten die Kernel-Hacker kürzlich mit der Linux-Version 2.6.28.

Ebenfalls neu dabei ist SquashFS in der brandneuen Version 4.0 – ein komprimiertes Read-Only-Dateisystem, das etliche Linux-Distributionen schon lange auf ihren von USB, CD oder DVD gestarteten Installation- oder Live-Medien einsetzen. Auch im Embedded-Bereich kommt die Cramfs-Alternative häufig zum Einsatz; die Kernel-Dokumentation zu Squashfs erläutert die Unterschiede zwischen Cramfs und Squashfs sowie die Funktionsweise des neuen Dateisystems detailliert.

Zahlreiche meist kleine Verbesserungen, Aufräumarbeiten und Korrekturen gab es auch am Ext4-Dateisystem. Durch einige von Google-Entwicklern eingebrachte Patches arbeitet Ext4 nun auf Wunsch ohne Journal – bisher setzten mache Anwender noch auf Ext2, um den vom Journaling verursachten Overhead zu vermeiden.

Auch bei anderen schon länger im Kernel enthaltenen Dateisystemen gab es zahlreiche Änderungen, die der vierte Teil der Kernel-Log-Mini-Serie "Was 2.6.29 bringt" näher erläutert.

Im Detail

Dieser (schon recht lange) Artikel kann lediglich einen Überblick über die wichtigsten Änderungen der Linux-Version 2.6.29 liefern. Detailliertere Erklärungen finden sich in der in den vergangenen Wochen auf heise open veröffentlichten Kernel-Log-Mini-Serie "Was 2.6.29 bringt", die als Basis für diesen Artikel dient.

So beschreibt der vierte Teil der Serie zu den Änderungen rund um Dateisysteme die Features von Btrfs genauer und verweist auf Quellen mit weiteren Informationen zu dem neuen, speziell für Linux entwickelten Dateisystem. Ferner werden dort einige Patches erwähnt, die die Performance des Dateisystems weiter steigern sollen. Über die Links im Text gelangt man zudem zu den jeweils relevanten Commits im Git-Webfrontent von kernel.org, den Git-Requests der Subsystem-Verwalter oder anderen Quellen mit weiteren Informationen zu den beschriebenen Änderungen.

Jeder Artikel der Serie hat zudem einen Anhang mit Verweisen auf eine Auswahl weiterer wichtiger Änderungen – im Artikel zu Neuerungen rund um Audio- und Video-Treiber etwa mit Hinweisen auf Audio- und TV-Hardware, mit denen Linux bei Version 2.6.29 umzugehen gelernt hat.

  1. Netzwerk – "Mistige" WLAN-Treiber, Wimax- und AP-Unterstützung
  2. Grafik – Kernel verwaltet Bildschirmauflösung
  3. ACPI, PCI, PM – Verbesserungen für Notebooks und Stromsparmechanismen
  4. Dateisysteme, Storage – Btrfs, SquashFS, Ext4 ohne Journal und neue Storage-Treiber
  5. Audio, FireWire, USB, Video – Audio via HDMI, FireWire-TV und neue Staging-Treiber
  6. Infrastruktur – Schneller starten und andere Änderungen unter der Haube

Knapp eindreiviertel Jahre nach der ersten größeren Ankündigung haben die Kernel-Entwickler die Unterstützung für Kernel-Based Mode-Setting (KMS) für neuere Intel-Grafikhardware in den Hauptentwicklungszweig von Linux integriert (unter anderem 1, 2, 3). Mit dieser Technik nimmt der Kernel dem X-Server viel Arbeit bei der Kontrolle über die Grafikhardware ab und kümmert sich nun etwa um die Einstellung der Bildschirmauflösung. Der Wechsel zwischen Text-Konsole und X-Server – etwa beim Booten, wenn der X-Servers das erste Mal startet – erfolgt so durch KMS deutlich schneller und nicht mehr wie bisher mit Bildflackern oder kurzen Aussetzern, die bislang beim Wechsel zwischen X-Server und Text-Konsole entstehen.

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