Strategie-Hit XCOM 2: Port ist Mord

XCOM 2: Port ist Mord

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In XCOM 2 muss der Spieler die Erde von der Alien-Tyrannei befreien. Das ist ein schwieriges Unterfangen: Einerseits ist das Spiel knüppelhart, andererseits läuft es nur unter Windows ordentlich. Mac- und Linux-Nutzer kämpfen teilweise mit einstelligen Bildraten.

"Willkommen zurück, Commander!" – mit diesen Worten empfängt uns der Nachfolger des 2012er XCOM-Reboots "Enemy Unknown". Und diese Worte sind Programm: Wer den ersten Teil des Strategiespiels kennt, fühlt sich in XCOM 2 sofort heimisch. Liebhaber anspruchsvoller Rundenstrategie sollten sich Urlaub nehmen, denn auch mit dem neuen XCOM-Spiel kann man mehr als hundert Stunden Spaß haben, ohne dass nur ein Fünkchen Langeweile aufkommt. Das Ziel: Die Erde von der Alien-Besatzung befreien, die seit 20 Jahren die Menschheit geißelt.

Der Spieler kommandiert ein Team aus vier bis sechs Soldaten auf größtenteils zufällig ausgewürfelten Missionen. "XCOM" ist keine von der Regierung aufgestellte Militärtruppe mehr, sondern ein Haufen aus Ex-Schurken, Glücksrittern und Haudegen, die Mutter Erde zurückerobern wollen. Missionsziele und Karten werden immer wieder aufs Neue miteinander kombiniert. Häufig muss man Ziele innerhalb einer bestimmten Rundenzahl erreichen. Die XCOM-Basis ist nun mobil, die Upgrades der fliegenden Festung treten gegenüber dem Vorgänger etwas in den Hintergrund.

Über Story-Missionen schreitet man in der Kampagne voran. Eine "Doomsday Clock" zeigt den Fortschritt der Aliens bei der Vernichtung der XCOM-Initiative und das Ende des Spiels an. Über freiwillige, nicht story-relevante Zufallsmissionen deckt man sich mit dringend benötigten Versorgungsgütern ein, die sich für Upgrades eintauschen lassen. In den freiwilligen Missionen läuft man aber auch Gefahr, erfahrene Soldaten zu verlieren, die sich durch hilflose Rookies nur schwer ersetzen lassen.

Im Gegensatz zum Vorgänger starten die XCOM-Kämpfer im zweiten Teil in der Regel im Tern-Modus in ihre Missionen.
Im Unterschied zum Vorgänger starten die XCOM-2-Kämpfer in der Regel verdeckt in ihre Missionen.

Im Unterschied zum Vorgängerspiel lassen sich die Figuren noch viel weiter anpassen und mit Accessoires ausstatten. Das reicht von Augenklappen, über futuristische Helme, irre Punk-Frisuren bis hin zur mit lachenden Smileys lackierten, pinken Schrotflinte. Ob man Kämpfer ins Gefecht schickt, die den eigenen Freundeskreis abbilden oder mit den zufällig zusammengewürfelten Standard-Komparsen in den Kampf zieht: Die Männer und Frauen des XCOM-Teams wachsen einem schnell ans Herz.

XCOM 2 ist bereits im Standard-Schwierigkeitsgrad fordernd. Wer den Vorgänger nicht kennt, sollte das Spiel auf "einfach" beginnen. XCOM-Veteranen können sich in den Stufen "Commander" und "Legende" geißeln. Doch Obacht: Gerade bei "Legende" kann die Kampagne schnell enden, weil die eigenen Rekruten so gar nichts treffen wollen. Die Kombination von knappen Timern, unsichtbaren Feinden, großer Reichweite einiger Gegnertypen und dem Zufallsgenerator, der über Treffer entscheidet, zwingen die Soldaten häufig in taktisch und strategisch ungünstige Positionen.

Die Missions-Timer zwingen zum Handeln, was Teilen der XCOM-Community gar nicht gefällt.
Die Missions-Timer zwingen zum Handeln, was Teilen der XCOM-Community gar nicht gefällt.

Im Unterschied zum Vorgänger XCOM: Enemy Unknown beziehungsweise der Erweiterung Enemy Within muss man sich schon zum Spielbeginn gegen Aliens mit vielen Trefferpunkten und starken Rüstungen wehren. Überdies sind die Ressourcen in der fliegenden Basis knapp und es dauert länger, bis sich Soldaten vom Kampf erholen.

Missionen mit beschränkter Rundenzahl tauchen mindestens genauso oft auf wie bei Enemy Within – und bleiben bei Fans der Serie umstritten. Beispielsweise muss der Spieler vor dem Ablauf eines Countdowns Daten retten oder Bomben entschärfen. Das Spiel baut dadurch nicht nur Druck auf, sondern zwingt den Spieler hin und wieder bestimmte Strategien auf. Insgesamt gibt die Mischung aus Zeitdruck und versteckter Vorbereitung treffend die prekäre Situation wieder, in der sich die Widerstandskämpfer gegenüber der übermächtigen Alien-Regierung ADVENT befinden.

Obwohl XCOM 2 ein rundenbasiertes Strategiespiel ist, fordert es die Hardware wie manch High-End-Ballerspiel. Durch die Unreal Engine 3.5 und zahlreiche Grafik-Schmankerl sieht das Spiel optisch passend, aber nicht opulent aus. Spieler mit schwächeren Rechnern können sich XCOM 2 über das Optionsmenü grafisch so zurechtzimmern, dass es auch auf einer 120-Euro-Grafikkarte flüssig läuft. Mehr als ein Dutzend Grafikoptionen lassen sich beeinflussen, darunter Ambient Occlusion, Kantenglättung, Schattenqualität, Tiefenschärfe, Screen-Space Reflections und natürlich die Texturdetails.

Wer XCOM: Enemy Unknown mochte, wird XCOM 2 lieben.
Wer XCOM: Enemy Unknown mochte, wird XCOM 2 lieben.

Wer den Konfigurationsaufwand scheut, passt das Spiel einfach über die fünf Voreinstellungen "minimal", "niedrig", "mittel", "hoch" oder "maximal" an. Wer "maximal" wählt, schaltet besser händisch die Multisampling-Kantenglättung (MSAA) von 8x auf 4x runter – 8x kostet einfach viel mehr Leistung und zwingt selbst High-End-Systeme in die Knie, ohne eine sichtbar bessere Bildqualität zu erzeugen. Als Quick-&-Dirty-Lösung empfiehlt sich die FXAA-Kantenglättung, die nachträglich auf das fertige Bild appliziert wird und Teile dessen weichzeichnet -- dadurch aber viel weniger Leistung kostet als MSAA. Manch empfindliche Spieler könnte die Unschärfe allerdings stören. Firaxis aktiviert FXAA standardmäßig für die hohe und mittlere Bildqualitätsstufe, auf niedrig und minimal ist Kantenglättung deaktiviert. Der Bildqualitätsunterschied zwischen "maximal" und "hoch" fällt nur einem geübten Auge auf, auf "mittel" und darunter nimmt die Grafikqualität allerdings sichtbar ab.

XCOM 2 läuft als eines der wenigen Top-Spiele nicht nur unter Windows, sondern auch unter Mac OS und Linux. Um die benötigte Grafik-Performance zu ermitteln, haben wir auf all diesen Systemen mit verschiedenen Grafikkarten Benchmarks in derselben Spielszene durchgeführt. Unter Windows maßen wir die Leistung mit sieben populären Grafikkarten von AMD und Nvidia.

XCOM 2: Port ist Mord
Grafikkarten-Benchmarks: XCOM 2

In Full HD ist XCOM 2 auch noch auf der 120-Euro-Grafikkarte GeForce GTX 750 Ti in mittlerer Detailstufe spielbar (35 fps), eine Radeon R7 370 (130 Euro) ist noch einen Tick schneller (38 fps). Eine GeForce GTX 960 (200 Euro) fühlt in der hohen Full-HD-Detailstufe wohl (41 fps). Bei maximaler Bildqualität (mit 4x statt 8xMSAA) hat selbst eine GeForce GTX 970 unter Full HD mächtig zu schnaufen (320 Euro, 32 fps); AMD-Nutzer brauchen mindestens eine Radeon R9 390 (320 Euro) oder besser R9 390X (390 Euro, 36 fps). Selbst in der fast doppelt so hohen WQHD-Auflösung (2560×1440 Pixel) läuft das Spiel in hoher Detailstufe besser. Mit einem 4K-Display müssen selbst die Besitzer von Nvidias schnellster Grafikkarte (GeForce GTX 980 Ti) die Bildqualität auf "mittel" belassen. Wer den Detailregler dennoch auf "hoch" setzt, hat von den ursprünglich 47 fps nur noch 26 fps übrig.

Auf Mac-Hardware funktioniert XCOM 2 nur mit MacOS 10.11.2 (El Capitan) oder neuer. Mit älteren Versionen bricht das Spiel kurz nach dem Start mit einer Fehlermeldung ab. Die Performance ist überdies extrem schlecht. Auf dem aktuellen 5K-iMac mit Radeon R9 M290X läuft XCOM 2 selbst in Full-HD-Auflösung nur mit 30 fps in niedriger und 28 fps in mittlerer Detailstufe. Höhere Detailstufen oder Auflösungen sind nicht spielbar; in nativer 5K-Auflösung kann man die Einzelbilder fast schon zählen.

Die fulminanten Lichteffekte schlucken ordentlich Leistung.
Die fulminanten Lichteffekte schlucken ordentlich Leistung.

Auf einem alten Mac Pro (2011) mit Radeon HD 7950 lief XCOM 2 in Full HD sogar noch langsamer (22 fps, niedrig), selbst mit einer zusätzlichen Radeon R9 380X (24 fps, niedrig) oder GeForce GTX 970 (19 fps, niedrig) blieb der Titel unspielbar. Sogar der aktuelle, teure Mac Pro (2013) mit zwei AMD FirePro D500, 16 GByte Speicher und einem Intel Xeon-E5-Prozessor schafft in niedriger Detailstufe nur 27 fps. Ob ein Patch diese fatale Situation noch ändern kann, ist ungewiss.

Die Linux-Portierung stammt wie schon beim Vorgänger von Feral Interactive und unterstützt offiziell nur Nvidia-Grafikchips. Besitzer von Radeon-Grafikkarten können das Spiel trotzdem starten, müssen jedoch zuvor eine Warnmeldung wegklicken. Zum Vergleich haben wir das Spiel unter Debian und SteamOS ausprobiert. Die Linux-Messungen fanden auf demselben System wie die Windows-Tests statt.

Das Startmenü ist äußerst hübsch und dynamisch, bringt leistungsschwachächere Grafikkarten aber auch schnell zum stottern.
Das Startmenü ist äußerst hübsch und dynamisch gestaltet, bringt leistungsschwache Grafikkarten aber schnell zum Stottern.

Unter Linux bietet XCOM 2 weniger Grafikoptionen als unter Windows. Als Kantenglättung lässt sich nur FXAA aktivieren, der sechzehnfache anisotrope Filter lässt sich mit Radeon-GPUs nicht einstellen. Unsere Messungen haben wir mit den beiden Grafikkarten GeForce GTX 970 und Radeon R9 380X durchgeführt.

Dabei zeigte sich: Unter Linux läuft XCOM 2 wesentlich langsamer als unter Windows. So erzeugt die GeForce GTX 970 in Full HD und niedriger Detailstufe nur 46 fps (Windows: 84 fps), bei "hoch" nur 30 fps. Die Radeon R9 380X packt selbst in der niedrigsten Detailstufe wesentlich weniger als 30 fps (Windows: 75 fps). Zudem bricht die Bildrate im Unterschied zur Windows-Version manchmal kurz, aber heftig ein – so macht Spielen keinen Spaß. Die meisten "normalen" Ruckler treten beim Laden neuer Gebiete oder bei Kamerafahrten auf. Dabei fällt die Framerate ganz schnell in den einstelligen Bereich. Auch das schnelle Verschieben, Rotieren und Zoomen des Bildschirmausschnittes lässt die Bildrate einbrechen. Kurzum: XCOM 2 macht nur auf Windows-Systemen wirklich Spaß; Linux- und Mac-Nutzer müssen hoffen, dass Feral die schlechte Performance der Portierung mit Updates ausmerzen kann. Zu erwarten ist das ob des aktuellen Zustandes dieser Versionen allerdings nicht. (mfi)

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